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2. Der Commodore-Untergang aus meiner Sicht - Teil 8 (von Rainer Benda)

»Und dann war(en) da noch......

.....der A3000T/040. Ein A3000T ohne 68030/68882 CPU/FPU onboard, dafür mit der Commodore A3640 (68040/25MHz) CPU-Karte. Bedauerlicherweise in der Version 3.0, ohne aktuellem Super-DMAC und ohne aktuellem Ramsey.

Dazu noch mit Kickstart 2.04 und "falschen" ZIP-RAM's und dem damals verfügbaren SCSI-Chip von WD in der Version "02" oder "04". Das hatte zur Folge, daß der Rechner völlig instabil war. Wenn er mal länger als 15 Minuten lief, ohne Dateien beim Speichern zu zerstückeln oder einfach abzuschmieren, war das schon ein Erfolg.

Das Problem konnte damals auch nicht gefixt werden, da es (noch) keine Updates für die CPU-Karte gab. Manche Schwierigkeiten konnten sich durch nachträglichen Einbau eines -11 Buster's zwar beheben lassen (siehe dazu die Einbauanleitung zur A3640 im A3000D und A3000T), jedoch bestritt Dave Haynie immer, daß es einen direkten Zusammenhang gäbe. Er meinte immer, egal mit welchem Buster in Verbindung der A3640 würde der Rechner starten. Wir haben uns zu dem Thema teilweise heftig auseinandergesetzt, so richtig erklären warum der Buster trotz Einbau nicht der Grund für die Verbesserung sei, habe ich eigentlich bis heute nicht erhalten.

Wie dem auch sei.....der 3000T/040 war so nicht verkaufbar. Es gab intern 1-2 "Prototypen" davon, die irgendwann zurück nach Braunschweig gingen, da man sie nicht sinnvoll benutzen konnte (zudem erfuhren wir vorher gar nicht, daß es eine A3000T Platine ohne 68030/882 gab).

Helmut Jost spielte dennoch mit dem Gedanken diesen Rechner zur Commodore Messe in Frankfurt zu verkaufen. Bei einem kleinen Meeting der Amiga-/PC- /Marketing Abteilung (vor der Messe) versprach er mir, den A3000T/040 nicht verkaufen zu wollen, da ich ihn darauf hinwies sich automatisch den Ärger der Käufer einzuhandeln.

Ich hatte damals zusätzlich vorgeschlagen eine Techniker-Ecke einzurichten, um den Usern auch mal direkt helfen zu können. Leider waren wir im Falle des A3000T/040 auch gleich die Prügelknaben, denn die Kiste wurde direkt gegenüber des C= Stands dann doch von ROTSTIFT verkauft (Preis ca. 4.700 DM).

Ca. 2 Stunden später kamen die ersten Reklamationen. Mir war das zu blöd und ich verwies als Ansprechpartner direkt an Helmut Jost. Auf meine Frage, warum die Teile doch in den Verkauf gelangten, meinte er nur, daß ja nicht Commodore sie verkaufe, sondern ROTSTIFT. Und der Deal war dann der, daß ROTSTIFT nicht bei C= reklamieren konnte, die Probleme also abgewälzt wurden. Klar sind die Leute dann zwar zu ROTSTIFT gegangen, nur kamen sie dann zu uns, weil wir ja der Hersteller des Geräts waren.

H. Jost war das ziemlich wurscht und er lachte noch drüber und meinte auch noch ein tolles Geschäft gemacht zu haben. An dem Tag hab ich dann wieder gedacht, daß ich langsam abdrehe.


.....die Commodore-Ansteckpins. 4 Stück davon ergaben ein Set. Commodore wollte damit seinen Usern einen Gefallen tun und sie zur Messe in Frankfurt verschenken. Als man dann merkte, daß die Teile (30.000 Stück von jedem wurden produziert = 120.000 St.) und sich die Kosten auf einen 6-stelligen Betrag summierten, kam die tolle Idee die Pins doch zu verkaufen. Am Besten im Set und wenn einzeln dann für 5 DM/Stück.

Die netten Mädels am Info-Schalter durften das tun und Strichlisten über die verkauften Pins führen.....es gab nicht sehr viele Striche....klar, geschenkt wären sie wohl alle weg gewesen, aber kaufen.....

So wurden sie eingebunkert, verteilt, anderweitig verkauft oder wie auch immer.

Den gewünschten Effekt hatten sie nicht, dafür aber ne Menge Geld gekostet.


....das generelle Problem, unserer Marketing-Abteilung in Verbindung mit der Geschäftsleitung gewisse Systemkonfigurationen zu "erklären", die notwendig sind, um sie überhaupt sinnvoll verkaufen zu können. So z.B. die Sache mit dem KAWAI Funlab Keyboard, das mit einem A500 und 512KB RAM ausgeliefert werden sollte, obwohl für die Inbetriebnahme schon 1MB notwendig war, da sich mit weniger Speicher einfach nichts tat.

Man wollte es dem Kunden überlassen, sich die Speichererweiterung zu kaufen, um einen angedachten Paketpreis nicht zu übersteigen. Daß das System aber gar nicht erst lief, schien den beteiligten völlig egal zu sein.


....die Umtauschaktion des A500 gegen ein "Amiga-" CDTV gegen Aufpreis. Leider wurde die CDTV-Kombination als vollwertiger AMIGA-Ersatz beworben und hat uns auch eine Menge Probleme bereitet.

Das ging teilweise soweit, daß Kunden ihren "eingetauschten" Amiga 500 wiederhaben wollten. Das ging natürlich nicht, weil die "zurückgenommenen" Geräte in Richtung Osten weiterverkauft wurden, oder zum Kilo-Preis im Inland verscherbelt wurden.

Die Problematik lag darin, daß niemand die Unterschiede zwischen den Geräten erwähnte. So waren viele Kunden der (berechtigten) Ansicht, die CDTV-Kombination würde sich 1:1 wie ein Amiga verhalten. Als die Aktion bereits auf Hochtouren lief, schaltete man uns ein, um diese Punkte zu klären.

Natürlich wieder zu spät. Die meisten Beschwerden kamen wegen der schlechten Erweiterbarkeit des CDTV's gegenüber einem A500 und die nicht vorhandene 100% Kompatibilität zu den vorhandenen Programmen. Es war alles zuviel auf Optionen ausgerichtet ("sie können eine HD anschliessen", "sie können auch eine Turbokarte einbauen", "sobald diese Artikel verfügbar sind"). Das waren sie lange Zeit nicht und dann zu Preisen, die kaum jemand zahlen wollte.

Die Aktion lief nicht sehr lang, weil es einfach zuviele Schwierigkeiten damit gab. Der Hintergedanke, damit den Verkauf des CDTV's zu Fördern war sicher in Ordnung, nur wurde erneut der falsche Weg eingeschlagen.


....die Unentschlossenheit, welche Produkte man selbst produzieren und vermarkten wollte und welche man dem "Handel" überlassen sollte. Als Beispiel hier die A2630 Turbokarte für den A2000. Verkaufte sich blendend, als C= den Preis dafür deutlich senkte. Lt. Helmut Jost sei dies erst möglich geworden, weil die Karte aus dem Sortiment fliegen sollte und deswegen schleunigst abverkauft werden "musste".

Ich denke darüber anders, denn es gab damals nicht sehr viele CPU-Karten, die so kompatibel zum System waren wie die A2630 und eine angepasste Preissenkung hätte dem Verkauf sicher auch gut getan. Naja, war halt wieder anders. Eine schnellere/andere CPU-Karte wollte "er" auch nicht mehr produzieren lassen.

Dies sei Aufgabe der anderen Hersteller, so seine Auffassung. Leider hat er diese Ansicht nicht auf Dauer vertreten und nicht bei allen Produkten, bei denen diese "Entscheidung" auch wirklich Sinn gemacht hätte.«

Fortsetzung folgt...

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