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3. Softwaretest: Entpack-Tool xadmaster.library (von Uwe Pannecke)

»Ein Schweizer Taschenmesser?

Die xadmaster.library von Dirk Stoecker

1.Programmbeschreibung

Im Laufe der Zeit sammeln sich auf der Festplatte diverse Datei- und Disk- Archive an. Denkt nur an die vielen Lha-, Lzx und DMS-Archive, die sich sicherlich in Eurem Besitz befinden. Oder zumindest als Lha-Archive den Grundbestand des Aminets ausmachen. Und für das Entpacken werden natürlich die passenden Programme benötigt.

Die passenden (Ent)pack-Programme müssen im System vorhanden sein, haben ihre eigenen Besonderheiten und benötigen eine individuelle Bedienung. Da geht schnell der Überblick verloren.

An diesem Punkt setzt Dirk Stoecker mit seiner xadmaster.library an: Seine Shareware-Library stellt für eine Vielzahl von Disk- und Datei-Archiven eine einheitliche Schnittstelle für das Entpacken dar, ähnlich der xfdmaster.library für gepackte Programme und Dateien.

Auf gleiche Weise lassen sich, so der Programmautor, die verschiedensten Archivtypen (so sie denn unterstützt werden) behandeln. Ab AmigaOS 2.0 läßt sich die xad-master.library benutzen. Dabei übernehmen sogenannte Clients, die sowohl in der xadmaster.library integrierte als auch als externe und damit von jedermann anhand der mitgelieferten Entwickler-Dokumentation erstellbare Klienten ihre Arbeit verrichten können.

Die xadmaster.library unterstützt in der aktuellen Version 5.0 folgende Archivformate:


Diskarchive
PackDev
SuperDuper3
xDisk
xMash
Zoom, Zoom5

Dateiarchive
AmigaPlus unpack (Coverdisketten des gleichnamigen Magazins)
AmiPack (Coverdisketten des Amiga-Magazins)
Arc
Gzip
Lha
Lha SFX
Lha MS-Exe
LhPak SFX
LhSFX
Lzx
Rar
Pcompress Pack
S-Omni
S-Pack
S-Pack SFX
Shrink
SDS
Tar
WinZip MS-Exe
XPK Archive
Zip

gemischte Archiver (die sowohl Disk- als auch Dateiarchive erstellen können)
DMS
DMS SFX

Dirk Stoecker betont, das seine xadmaster.library auch noch mit Archiven klarkommt, dessen ursprünglich benutzten Programme selbst nicht mehr unter AmigaOS 2+ laufen, oder dselbst für DMS fehlerhaft erscheinende Archive oft noch mit der xad-master.library entpackt werden können.

Ob diese vollmundigen Versprechungen tatsächlich mehr als nur heiße Luft sind, soll im vorliegenden Testbericht geklärt werden. Dazu musste sich die xadmaster.library in der Version 5.0 vom 19.02.2000 unter AmigaOS 3.5 und CyberGFX 3.x, zum Leben erweckt von einer 68040/40-CPU, die sich auf 36 MB RAM stützen konnte, beweisen.

2.Installation

Nachdem Ihr das Lha-Paket entpackt habt, werdet Ihr ein "xad" genanntes Verzeichnis im AmigaOS-3.5-Stil auf Eurer Festplatte vorfinden, in dem von der Workbench aus neben einem Install-Icon mehrere Textdokumente erreichbar sind.

Screenshot

Die komplette Installation wird nach einem Doppelklick auf das passende Icon vom Installer übernommen. Wählt Ihr den Installationsmodus "Einsteiger", werden alle für die Funktion notwendigen Files an ihre passenden Positionen und die komplette Dokumentation ohne Nachfrage nach "Work:" kopiert. Wünscht Ihr dies nicht, läßt Euch der "Experten"_Modus die freie (Qual der) Wahl über sämtliche Installationsorte. Nach wenigen Augenblicken ist die Installation abgeschlossen.

Solltet Ihr die aktuelle Version nicht aus dem Internet [1] mangels vorhandener Anbindung oder wieder einmal nicht erreichbarem Aminet laden können, wartet auf der aktuellen Aminet-CD 35 [2] die schon etwas ältere Version 3.3 auf ihren Einsatz.

Leider hat sich bei dieser Version in die Installationsroutine ein kleiner Fehler eingeschlichen, der, kaum das die Installation begonnen hat, selbige auch schon wieder abbricht.

Hier legt Ihr einfach Hand an das Installationscript und bügelt den Fehler aus. Denn dieser ist leicht zu finden: Dirk Stoecker hat lediglich ein paar Anführungszeichen vergessen. Ändert Ihr alle fehlerhaften Zeilen (confirm expert) in die korrekte Form (confirm "expert"), steht einer installergestützten Einbindung der xadmaster.library v3.3 in Euer AmigaOS nichts mehr im Wege.

Aber auch eine manuelle Installation türmt keine ernsthaften Hürden auf. Hier sind lediglich die einzelnen Verzeichnisinhalte "C:" und "Libs:" der "xad"-Schublade in ihre Entsprechungen der AmigaOS-Verzeichnisse zu kopieren.

3.Programmnutzung

Die xadmaster.library kommuniziert über mehrere mitgelieferte Miniprogramme

exe2zip
xad2lha
xadLibInfo
xadList
xadUnDisk
xadUnFile
xadUnFileM

mit dem Amigianer. Die Dokumentation klärt in leicht verständlichem Englisch die Fähigkeiten dieser Tools.

Screenshot

So dient für die Datei-Entpackarbeit "xadUnFile" als Schnittstelle zwischen xad-master.library und Amigianer. Sollen gesplittete Datei-Archive bearbeitet werden, kommt "xadUnFileM" zum Einsatz. "xadUnDisk" übernimmt die Aufgabe für Disk-Archive. Und einige weitere Tools warten auf ihren Einsatz.

Dem Amigianer steht also der (zugegebenermaßen leicht zu gewinnende) Kampf mit mehreren Programmen für die Bedienung einer Library bevor, und so ist das vom Programmautor selbstgesteckte Ziel, eine einheitliche Schnittstelle für alle Archive zu schaffen, doch nicht ganz erreicht. Wünschenswert wäre für spätere Versionen EIN Programm für ALLE unterstützten Archive als Schnittstelle zwischen der xadmaster.library und dem User.


Sämtliche Hilfsprogramme kommen ohne GUI und damit scheinbar etwas spröde 
daher, denn Ihr müsst für ihre Nutzung ins CLI wechseln.  

Aber da alle Archivformate einheitlich bearbeitet werden können, hat man sich schnell an die Shell-Bedienung gewöhnt. Und weilt jemand unter Euch, der auf keinen Fall Hand ans CLI legen will, kann auch ihm geholfen werden: Dateimanager wie Dopus lassen sich mit wenigen Mausklicks als xad- Steuerzentrale konfigurieren.

Ist auch das nicht Euer Fall und Ihr besteht auf ein GUI, hat für diesen Fall Andrew Bell, seines Zeichens Voodoo-Anhänger, eine gleichnamige Benutzeroberfläche programmiert [3].

3.1 In der Shell

3.1.1 XadUnFile

Nachfolgend soll die grundsätzliche Kommunikation mit der xadmaster.library angeschnitten werden, ohne das sämtliche Bedien-Feinheiten Berücksichtigung finden. Hier sei auf die gute, wenn auch englischsprachige Dokumentation verwiesen.

In der Shell könnt Ihr mit nachfolgender prinzipieller Eingabe alle unterstützen Archive entpacken:

xadUnFile  Archivname_mit_Pfadangabe  Zielverzeichnis

Nehmen wir ein konkretes Beispiel. Im Verzeichnis Work:Downloads befindet sich das Archiv »Aakt0400GUIDE.lha«, und Ihr wollt die neueste Ausgabe des Online-Magazins auf der Festplatte Work: im Verzeichnis Magazine entpackt wiederfinden.

Die passende Kommandozeile in der Shell lautet dann:

xadUnFile Work:Downloads/Aakt0400GUIDE.lha Work:Magazine/

Seid Ihr Euch nicht sicher, welche Einzelfiles in einem zu entpackenden Archiv enthalten sind, könnt Ihr durch

xadUnFile Archivname_mit_Pfadangabe LIST

oder

xadUnFile Archivname_mit_Pfadangabe INFO

ein Auflisten des Archivinhalts veranlassen.

Stellt Ihr bei der Betrachtung des aufgelisteten Archivs fest, daß Euch nur einige wenige Dateien aus diesem Archiv interessieren, muss nicht das komplette Archiv entpackt werden- xadUnFile kann bei Bedarf einzelne Archivbestandteile extrahieren und unterstützt dabei auch Platzhalter (die sogenannten Jokerzeichen) für bestimmte Buchstabenkombinationen. Dazu ein Beispiel: Aus dem Archiv "Bilder.zip" der Festplattenpartition "Daten:" sollen nur die Fotos im JPEG-Format (die in diesem Fall alle die Endung .jpg tragen mögen) nach "Work:Bilder/" extrahiert werden. Mit

xadUnFile  Daten:Bilder.zip  Work:Bilder/ #?.jpg

ist das nach kurzer Zeit erledigt, wobei #? für einen Namen mit beliebigen Buchstaben steht und .jpg die gewünschte Endung des Namens festlegt. Existiert ein angegebenes Zielverzeichnis (noch) nicht, wird es vor dem Entpacken angelegt. Um vor unliebsamen Überraschungen sicher zu sein, läßt sich das automatisierte Erstellen von Verzeichnissen auch kontrollieren, indem Ihr ASKMAKEDIR oder AM der Kommandofolge nachstellt. Vor dem Überschreiben bereits vorhandener Dateien meldet sich die xadmaster.library und bittet um eine Entscheidung.

Selbst mit Gzip komprimierte und mittels Tar verpackte Archive lassen sich sehr einfach entpacken. Lediglich zwei Durchgänge sind dann notwendig: Im ersten Durchlauf wird das Tar-Archiv entpackt und als Gzip-Datei gespeichert. Im zweiten Durchgang erfolgt das Dekomprimieren der Gzip- Datei. Liegt das (Win)Zip-Archiv als EXE-Datei vor, wandelt "exe2zip" selbige in ein "normales" Zip-Archiv, das wiederum mit "xadUnFile" entpackt oder aufgelistet werden kann.

3.1.2 XadUnDisk

Sollen DMS- und ZOOM-Archive auf Laufwerke (z.B. DF0:, RAD:) oder in Dateien, den seit UAE zu ungeahnter Beliebtheit aufgestiegenen ADF-Files, entpackt werden, kommt "xadUnDisk" ins Spiel.

Konsequenterweise wurde die Syntax sehr an die Bedienung der anderen Hilfsprogramme angelehnt. So sorgt

xadUnDisk  Work:Spiele.dms  DF0:

für ein Entpacken der DMS-Datei Spiele auf eine im Laufwerk DF0: befindliche Diskette. Sollte diese Diskette noch nicht formatiert sein, kann durch den Schalter FORMAT selbige in einem Abwasch formatiert und mit den Daten aus dem DMS-Archiv gefüllt werden:

xadUnDisk  Work:Spiele.dms  DF0:  FORMAT

Wollte Ihr das im obigen Beispiel angesprochene DMS-Archiv in ein UAE- gerechtes ADF-File (faktisch ein Amiga-Disketten-Abbild in einer Datei), umwandeln und auf der Festplatte(npartition) "Work:" ablegen, reicht ein

xadUnDisk  Work:Spiele.dms  Work:Spiele.adf

im CLI. Das so generierte oder jedes andere vorhandene ADF-File kann ebenso wieder auf eine Diskette übertragen werden. Mit dem Schalter DISKIMAGE wird der xadmaster.library mitgeteilt, daß die Datei als Disk-Image auf das angegebene Laufwerk zu schreiben ist. Auch hier läßt sich auf Wunsch ein vorheriges Formatieren anordnen:

xadUnDisk  Work:Spiele.adf  DF0:  DISKIMAGE  FORMAT< .

3.1.3 Xad2lha

Mit diesem Tool läßt sich der Inhalt anderer Daten-Archive extrahieren und in einem Abwasch anschließend in einem Lha-Archiv ablegen. Ein

xad2lha  Work:Daten/meinArchiv.tar  Work:neuesArchiv.lha

packt sämtliche Dateien aus "meinArchiv.tar" in das erstellte "neuesArchiv.lha" um. Leider werden "von xad2lha" offensichtlich Diskarchive nicht unterstützt.

Bei allen bisher angeführten Programmen kann über den Schalter PASSWORD ein Entpacken auch verschlüsselter Archive ermöglicht werden, vorausgesetzt, Ihr kennt das entsprechende Passwort...

3.1.4 XadList

Finden sich auf Eurer Festplatte Archive, dessen Art Ihr nicht kennt, weil vielleicht keine aussagefähige Datei-Endung vorhanden ist, kann "xadList" für Euch ein wenig schnüffeln und wird alle von der xadmaster.library erkannten Archivformate auflisten.

3.2 Einbindung in Dopus

An zwei Beispielen soll die Einbindung der Xadmaster-Tools in den weitverbreiteten Dateimanager [4] demonstriert werden. Beide Varianten sind in wenigen Minuten mit der Maus zusammengeklickt und sollen lediglich als Anregung für individuelle Anpassungen dienen. Die Integration in Dopus erfolgt über den Menü-Punkt "Einstellungen/Benutzermenü...". Im sich öffnenden Fenster "Benutzer-Menüs" kann ein eigenes Menü einschließlich diverser Menüpunkte und Unterpunkte kreiert werden. Im vorliegenden Fall wurde der Menüpunkt "xadmaster" hinzugefügt und innerhalb dieses Menüpunktes u.a. die Unterpunkte "Entpacke File-Archive" und "Entpacke Disk-Archive". Jeder neu geschaffene Unterpunkt wird doppelt angeklickt und im sich öffnenden "Funktionseditor" als Art des Aufrufs "AmigaDOS" gewählt.

Screenshot

In der Befehlszeile wird über den Filerequester für den ersten Fall "xadUnFile" einschließlich seines Pfades per Filerequester gewählt oder per Hand eingetragen und als Argumente zum einen {f}, um den ersten angewählten Eintrag in einem Dopus-Lister einschließlich Pfad auszuwählen und {Rd} für das Öffnen eines Verzeichnisauswahlfenster als Ziel des Entpackvorganges zu erzwingen.

Im zweiten Fall findet für "xadUnDisk" anstelle des Verzeichnisauswahlfensters mit {Rf} ein Dateiauswahlfenster als Zielvorgabe Anwendung, weil auszuwählende

Screenshot

Diskarchive als ADF-Files abgespeichert werden sollen. Der Zusatz "Enter Name" dient lediglich zur Verdeutlichung der gewünschte Interaktion. Dopus bietet Euch ein weites Feld für eigene Experimente.

3.3. Voodoo-Zauber

Mit Voodoo-X stellt sich eine auf MUI basierende graphische Benutzeroberfläche für die xadmaster.library vor, die allen GUI- Fetischisten jedes Argument nimmt, sich nicht mit xadmaster anfreunden zu können. In der vorliegenden Version 1.2 unterstützt VoodooX eine Vielzahl der xadmaster.library-Funktionen.

Screenshot

Auf das Zurückschreiben von Disk-Archiven (wie z.B. DMS) auf Floppylaufwerke müsst Ihr jedoch (noch) verzichten.

Ansonsten könnt Ihr aber nach Herzenslust z.B. in den einzelnen Archiven stöbern, interessierende Files extrahieren, Texte direkt aus dem Archiv heraus ansehen, Bilder anzeigen, oder auch den Archivinhalt bei installiertem XVS auf Viren untersuchen lassen und vieles mehr. Die ausgewählten Archive werden mit ihrem Inhalt in einem Fenster angezeigt.

Screenshot

VoodooX scheint insbesondere für jeden Shell-Muffel eine ernstzunehmende Bedienoberfläche für die xadmaster.library zu sein. Während des Tests ist VoodooX jedoch im Gegensatz zur xadmaster.library mehrmals abgestürzt. Offen bleibt zunächst, ob dies VoodooX selbst oder den von ihm aufgerufenen externen Programmen zuzuschreiben ist.

4. Fazit

Dirk Stoecker ist mit der xadmaster.library ein interessantes Stück Software auf dem Amiga gelungen. Schnell findet man sich auch in der Shell mit den Hilfsprogrammen dank des einheitlichen Bedienkonzepts zurecht. Die Jokerzeichen-Unterstützung hilft, die Tipparbeit deutlich zu reduzieren. Auch die problemlose Einbindung in Dopus und die separat erhältliche GUI VoodooX sorgen für schnelle Erfolgserlebnisse.

Getestet wurde die xadmaster.library mit WinZip-Exe-, Lha-, Lzx-, Zip-, Tar-, Tar.gz, Gzip-, Rar-, Zoom5-, AMPK- und DMS-Archiven. Während des gesamten Testzeitraumes arbeitete die xadmaster.library stabil und zuverlässig.

Das xadmaster.library-Paket ist Shareware, worauf spätestens während der Nutzung gelegentlich auftauchende Nervrequester hinweisen.

Screenshot

Dabei verfolgt der Programmautor eine interessante Shareware-Strategie: Er bietet gleich drei Möglichkeiten der Bezahlung. So kann der registrierungswillige Nutzer für schlappe 20 US-Dollar, also ca. 40 DM, ein Keyfile erstehen. Ich halte diesen Betrag für völlig überzogen. Interessanter sind da schon die beiden anderen Varianten: ein Bugreport über drei bisher unbekannte Käfer oder ein selbstprogrammierter externer Client für ein noch nicht unterstütztes Archiv-Format öffnen den Weg zur erlauchten Gilde der registrierten Anwender.

Tummeln sich auf Euren Festplatten viele verschiedenartige Archive, wäre es keine schlechte Idee, der xadmaster.library die Chance zu geben, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Dirk Stoecker hat im Dok-Guide nicht zuviel versprochen.

Quellen:
[1] im Aminet unter /util/arc/xadmaster.lha
[2] http://www.schatztruhe.de
[3] im Aminet unter /util/arc/Voodoo-X.lha
[4] als Vollversion 5.5 aus der Aminet-CD 31

Kontakt:


email: dstoecker@gmx.de 
www: http://home.pages.de/~stoecker/ 
  

Uwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de

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