2. AMIGA stellt das Entwicklersystem und die Zukunftspläne vor
Auf der Amiga-Messe Amiga 2k, die am 1. und 2. April in St. Louis
stattfand, erläuterte AMIGA seine Vorhaben und präsentierte wie angekündigt
eine Developerbox, die die Grundlage zur Programmierung des neuen Amiga-
Betriebssystems und erster Anwendungssoftware darstellt. Hier sind die
wichtigsten Details:
Das Entwicklersystem:
- Die Entwicklermaschine enthält einen AMD K6-2 (500 MHz), 64 MB RAM und
die Grafikkarte GeForce 256, auf dem laut AMIGA das Tao-System sehr gut
lauffähig sei.
- Die Entwicklungsumgebung laufe momentan "gehosted" auf einem
RedHat-Linux-Kernel.
- Entwicklersoftware soll über eine Support-Website bereit gestellt werden.
- Die Entwicklersoftware soll auf jedem PC mit den genannten
Spezifikationen lauffähig sein, Support werde es jedoch nur für jene
geben, die das Gerät von AMIGA kaufen.
- Die Entwicklermaschine soll in ca. zwei bis vier Wochen erhältlich sein
und von jedermann erworben werden können.
Das Endkundensystem:
- Vorab: Entwicklergerät und Endkundensystem sind zwei unterschiedliche
Dinge (mehr dazu im Schlusswort dieser Ausgabe)
- Das neue Amiga-Betriebssystem soll sich sowohl als "Aufsatz" (z.B. unter
Linux) als auch stand-alone betreiben lassen.
- Entscheidend sein werde Taos virtueller Prozessor, der bereits auf x86,
PowerPC, MIPS, ARM, SH4 und anderen leistungsfähigen Prozessoren, die
bald angekündigt würden, lauffähig sein soll.
- Folglich wird das neue Amiga-Betriebssystem nicht auf eine bestimmte
Hardwareplattform beschränkt sein.
- Die Tao Group stelle lediglich den Kern des neuen OS bereit.
- Der Kernel habe einen Umfang von 25 KB, das gesamte OS mit GUI und Java
sei etwa 3 MB RAM groß.
- Das Amiga-Betriebssystem soll eine hohe Skalierbarkeit bieten.
- Das GUI-System existiere gesondert, es ermögliche, mehrere GUI-Modelle
hinzuzufügen.
- Das erste GUI-Modell werde sich stark von der heutigen AmigaOS-GUI
unterscheiden, aber die Anwender könnten selbst das erschaffen, was sie
möchten.
- Die Amiga-Software solle der gemeinsame "Consumer Application Layer" für
26(!) verschiedene Linux-Versionen und das gemeinsame Interface für
Corel-Linux-Applikationen werden.
- Java spiele eine wichtige Rolle. Es werde viele Java-Applikationen für
den neuen Amiga geben.
- Espial (http://www.espial.com) entwickele einen 800KByte-Java-Browser für
den neuen Amiga.
- Es werde eine neue Version von Scala geben.
- 117 derzeitige Amiga-Softwaretitel würden auf das neue AmigaOS portiert.
Diese sollen von Scala, AMIGA, Titan Computer, Haage & Partner, Digital
Images, Hyperion und Crystal Software kommen.
- AMIGA selbst entwickele momentan keine 68k-Emulation, stehe jedoch in
Kontakt zu mehreren Firmen, die diese Aufgabe übernehmen möchten (aber
unterschiedliche Ziele verfolgen).
- Zeichentrickfilmer von der Disney Corp. hätten konzeptionelle Tower-,
Desktop-, Server- und Spielekonsolen-Gehäusedesigns zur Verfügung
gestellt. (Disney hätte mehr als 500 Amigas verwendet, um Animationen für
ihre Filme herzustellen).
- Das Endanwendersystem soll noch in diesem Jahr erscheinen.
- Zwei Kaufgruppen seien angepeilt: Der "digitale Abenteurer" (eine
Erweiterung des heutigen Amiga-Marktes) sowie jene, die für Computer im
Prinzip nichts übrig haben (Domestic Digital Habitat).
- Die Amiga-Technologie soll von jeder Firma mit einer guten Idee und etwas
Geld lizensiert werden können.
- Tech Head Stories (http://tech-head.com) werde in den kommenden Wochen
tiefgreifende Analysen der Amiga-Ankündigungen, bezüglich der Streaming
Video-, Text- und Grafikformate, vornehmen.
Partnerschaften und anderes:
- Sun, RedHat und Corel seien strategische Partner AMIGAs.
- Interessiert an der neuen Amiga-Technologie seien auch diverse Consumer-
Elektronikfirmen, inklusive Sony und JVC.
- In Kürze solle es eine Ankündigung, AMIGAs Beteiligung an einer
weltweiten ISP(Internet-Service-Provider)-Allianz betreffend, geben.
- Phoenix (strebte bislang die Schaffung eines eigenen Amiga-Nachfolgers
an) unterstützt die Pläne AMIGAs.
- Newtek habe den Sourcecode für Toaster und Flyer freigegeben (siehe
http://www.toaster.amiga.org).
Eindrücke:
Zwar gibt es noch nicht allzu viele Schilderungen von Messebesuchern, die
das Entwicklersystem in Aktion gesehen haben, ersten Berichten zufolge
scheint es jedoch gut bis sehr gut angekommen zu sein. Insbesondere die
Softwaregeschwindigkeit ist gelobt worden.
Eine erste Analyse der Ankündigungen ist übrigens im Schlusswort dieser
AMIGA-aktuell-Ausgabe enthalten.