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"Man" hatte immer Angst, daß damit Kosten verbunden seien. Ob man sich davor fürchtete, Fehler zugeben zu müssen ist mir nicht ganz klar, ich tippe wirklich auf den Kostenfaktor. Bei manchen "Zukaufprodukten" müssen die Verträge wohl auch keine andere Lösung ermöglicht haben (Commodore Desktop Video Master von Intelligent Memory als Beispiel).
Wir mussten uns immer anhören, daß wir viel zu sozial seien und das unsere "soziale Einstellung" dem Unternehmen kein Geld bringen würde. Die Geschäftsleitung war allerdings nie davon zu überzeugen, daß man Kulanz auch werbewirksam zu Gunsten des Unternehmens hätte einsetzen können.
So gab es zu meiner Zeit gehäuft Beschwerden zum Amiga 2000-"A". Viele Kunden beschwerten sich über die damalige Commodore Aussage, daß dieses Gerät auch in den nächsten Jahren uneingeschränkt aufrüstbar und zukunftssicher sei.
Wie wir alle wissen, wurde das "A" Modell recht bald ausgemustert und der "B" Nachfolger (zur Klärung: die Bezeichnungen A bis D stammten nie von Commodore selbst, sondern von draußen. Zur besseren Unterscheidung der ein- zelnen Modelle wählten Händler wohl diese Bezeichnungen) kam auf den Markt.
Meine Mappe zum Thema A2000-A füllte sich mehr und mehr und ich fragte H. Jost, wie Commodore verfahren wolle. Anfangs weigerte er sich in dieser Sache überhaupt etwas zu unternehmen, später meinte er, jeder Fall sollte einzeln "bearbeitet" werden.
Ich schlug ihm vor, die Sache in einem Aufwasch zu erledigen und legte ihm in Zusammenarbeit mit Hans Ebrecht (Commodore Braunschweig) eine Kostenaufstellung vor, in der wir den aktuellen A2000 zum Selbstkostenpreis unter Rücknahme der A-Modelle anbieten konnten. Die Frage was mit dem 2000- A passieren sollte, war auch recht einfach. Entweder Commodore gibt sie an Firmen wie REX-Datentechnik etc. zum "Kilopreis" ab, die wiederum "ungeprüfte" Platinen für xx DM hätten anbieten können, oder ein Teil der Chips (CIAs etc.) kommen wieder in den Kreislauf zurück.
Unterm Strich hätte Commodore keine Mark draufgelegt. Eine Veröffentlichung in einer Amiga-Zeitschrift wäre völlig ausreichend gewesen und die betroffenen Amiga-User wären sicherlich positiv überrrascht gewesen. Doch leider lehnte H. Jost dies ab, obwohl alles genau aufgeführt wurde. Wir gingen von max. 3.000 Geräten aus, die tatsächlich noch im Einsatz waren. Davon zogen wir einfach mal die Hälfte ab, denn nicht jeder würde das Angebot annehmen (es gab ja auch A2000-A Konfigurationen, die problemlos liefen). Lässt man dann noch defekte Geräte weg, wäre die Menge überschaubar gewesen. Trotzdem war "man" der Ansicht, Commodore würde das nur Geld kosten.
Ich wies darauf hin, daß die Lösung durch "Einzelfälle" sowieso dazu führen würde, daß sich auch andere A2000-A User an dieser Aktion beteiligen, spätestens, wenn jemand einen Leserbrief an ein Amiga-Magazin schicken würde.
Es half nichts. Es wurde weiterhin versucht, die Sachen im Einzelfall zu klären.
Ok, daß habe ich dann auch versucht und habe die Beschwerdeschreiben in Angriff genommen. Ich habe konkret einen Rechner getauscht, mit dem Ergebnis, daß der Kunde einen A2000 erhalten hat, der scheinbar nicht ganz frisch war (mit "kann passieren" konnte ich mich nicht zufriedengeben).
Das konnte ich leider nicht sehen, da das Gerät nicht von Frankfurt aus verschickt wurde. Ergebnis war, daß der "neue" 2000er beim Kunden nach dem Einschalten in Rauch aufging und er somit keinen 2000er mehr hatte. Die Platine, bzw. das Gerät wurde dann zwar nochmal getauscht und lief dann letztendlich auch, aber erst nachdem sich der Kunde über die Zeit von mehreren Wochen hartnäckig darum bemühte.
Ich ging mit diesem speziellen Fall wieder zur Geschäftsleitung und lehnte die "Einzelfall-Methode" für die Zukunft ab, wenn solche Ergebnisse dabei herauskämen. Ich empfahl den Betroffenen, die Schreiben direkt an die Geschäftsleitung zu schicken und den Fall zu schildern. Diese Post bekam ich dann von der GL wieder auf den Tisch. Ich vermerkte das mit dem Kommentar, daß eine Lösung nur über die Geschäftsleitung möglich sei, die sich ja weiterhin quer stellte.
Als ob das noch nicht genug war, meldeten sich auch die Amiga 1000 User bei Commodore (mir), die sich ebenfalls verraten und verkauft fühlten. Viel Geld ausgegeben und dann hängengelassen.
Wilfried Häring und ich besuchten die "IG-1000" (Interessengemeinschaft der A1000 User - damals in Neu-Isenburg). Eigentlich mussten wir beide den Kopf für die Entscheidungen Commodore's hinhalten. Um es kurz zu machen, wir konnten ihnen nicht helfen, der A1000 war Geschichte. Auch hier versuchten wir wenigstens über die Geschäftsleitung, den A1000 Usern zum Selbstkostenpreis einen A2000 zu verschaffen, ohne Erfolg.
Unterm Strich verlief die Sache im Sande, man zog sich zwar den Zorn der Betroffenen zu, aber irgendwie schien das völlig egal zu sein. Meine persönliche Frustrationskurve wuchs nach diesem Vorfall und den Aktionen zum A600, C65 etc. weiter stark an. Man war machtlos und zumindest mir war klar, daß es so für Commodore nicht weitergehen konnte.
Ralph Conway musste sich mit Amiga und Video (Animation, Multimedia allgemein) auseinandersetzen. Er versuchte den Kampf unteranderem im Bereich des Desktop Video-Master Pakets, das nachweislich nicht richtig funktionierte. Das Paket kostete damals rund 1.400 DM und brachte Commodore mehr Ärger als Vorteile und die Kosten für den Aufwand, Ersatz zu liefern waren in keinem Verhältnis. Bedauerlichweise war im Garantiefall zusätzlich Commodore der Ansprechpartner, somit nicht der Hersteller des Produkts.
Die Geräte hatten einfach technische Probleme. In 8 von 10 Fällen kam es entweder erst gar nicht zu einem Bildsignal, oder die Qualität des "Scans" war einfach nur schlecht. Manche Geräte konnten erst dann verwendet werden, wenn sie im eingeschalteten Zustand des Rechners (Parallelport) eingesteckt wurden (kein weiterer Kommentar nötig).
In wiederholten Meetings wurde dieses Thema besprochen, aber was soll man schon dazu sagen, wir waren halt nicht "hart genug" für diese Welt.«
Fortsetzung folgt...