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»Der Amiga auf dem Windoof-Pentium(tm)...
Da in der Amiga aktuell viel über Emulatoren geschrieben wird, die andere Systeme auf dem Amiga laufen lassen, will ich Euch mal von meinen Erfahrungen mit dem WinUAE berichten, der den Traum vom Amiga auf der MS- Dose wahrwerden lässt.
Freund oder Verräter?
Schon seit August'89 bin ich ein absoluter Amiga-Fanatiker. Im Laufe der Zeit hatte ich (zusätzlich) auch noch einen Atari-STFM und diverse PCs. Meine (vorerst) letzte Anschaffung war ein A1200 mit 030'er Turbokarte (50MHz), mit dem ich immer gerne arbeitete. Eigentlich war er nur zur Überbrückung gedacht, bis der neue tolle Super-NG-Amiga auf den Markt kommen sollte. Ich sparte also fleißig, und wartete, wartete und wartete. Treu und "hartgesotten", wie uns Amiga-Freaks einmal eine PC-Zeitschrift spöttisch nannte (Fassen wir's als Kompliment für unsere Standfestigkeit auf). Aber was geschah? Nur bodenlose Enttäuschungen: immer kurz bevor es so weit war, und ein neuer Stern am Amiga-Himmel aufgehen sollte, gab es irgendeinen Zwischenfall und die ganze Sache war vom Tisch.
Im Westen nichts Neues
Bis wieder neue Erwartungen geweckt wurden, die dann auch wieder im Nichts endeten. Wer von uns kennt diese Frustration nicht? Meine Bekannten und Freunde indessen verabschiedeten sich der Reihe nach von ihren A500'ern, manche spotteten über meine Beharrlichkeit, viele lachten mich nur kopfschüttelnd aus und zeigten mir triumphierend ihre PC-Programme. Wer von uns kennt diese ohnmächtige Wut nicht?
Eine Lösung: WinUAE
Nun, mittlerweile gibt es ja den tollen AmigaEmulator WinUAE, von dem ich zum erstenmal aus der AmigaOS/Plus erfuhr. Ich stürzte mich an der Uni gleich ins Rechenzentrum, lud ihn von der EmuCamp-Seite herunter, und dazu noch jede Menge tolle Spiele, von denen ich das eine oder andere noch nicht hatte. Zuhause schaltete ich dann den PentiumII-PC ein, trank während dem Hochfahren noch eine grooooße Tasse Kaffe. Als nach Aeonen dann endlich die Windoof(tm) Oberfläche erschien, ging ich frisch ans Werk. Der Emulator wurde entpackt, die Installation war kinderleicht. Doch dann merkte ich, dass etwas fehlte: das Original Rom. Aber - kein Problem, da ich noch die sämtliche Produktpalette (A500, A600, A1200) zuhause rumstehen habe, konnte ich mir das Kickstart 1.3, das 2.05 und das 3.0 von den Rechnern herunterlesen, mit CrossDos auf 720-KB Disketten kopieren und dann auf dem PC wieder herunterkopieren.
Eigene Software
Aber was nützt der beste Pseudo Amiga ohne Software? Deshalb musste ich nun darangehen, meine zahllosen Disketten mit TransDisk einzulesen, mit Lha zu packen und dann rüberzuschaffen auf die unendliche Weite der PC-Festplatte. Für diese Arbeit brauchte ich (mit Unterbrechungen) fast eine ganze Woche, und da kann einem schon mal schwindelig vor Augen werden, wenn man sieht, was da noch alles transferiert werden muss. Jedem, der Interesse an dem Emulator hat, kann ich nur empfehlen, die Disk von Cloanto (AmigaForever) zu erwerben, da spart man sich die eine oder andere Ewigkeit vor dem Bildschirm beim Warten auf CrossDos zu verbringen.
Doch der Lohn der Angst (und Mühe) ist jetzt mein Almost-Amiga(AA) namens WinUAE. Hier kann ich bequem über Voreinstellungen den Prozessortakt, das Chipset, das Kickstart und die Disketten bzw PC-Verzeichnisse als Festplatten bedienen. Nicht mehr so umständlich als den A600 auf- und den A1200 abzubauen und umgekehrt.
Die Geschwindigkeit
Im Artikel der AmigaOS/Plus 01/2000 wird gesagt, dass die Geschwindigkeit des Emulators nicht berauschend ist. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen, meine PentiumII-M(ühle)MX, die mit 266 MHz läuft, bringt es im 68020 Modus auf 41.39 MHz, obwohl ich die Pentiumkraft auf Chipset und Motorolaprozessor zu gleichen Teilen zugewiesen habe. Damit lässt sich mit allen meinen Programmen flüssig arbeiten. Wenn man weniger mit Graphik macht, kann man dafür dem Prozessor mehr Power zuweisen, jeder sollte etwas mit den Optionen experimentieren. Und dass die neuen PCs mit 500-650 MHz und PIII ausgerüstet sind, wird sich sicher positiv auf die Arbeitsgeschwindigkeit des Emulators auswirken. Die Leistungsfähigkeit von WinUAE erstaunt mich immer wieder, ich bin mir sicher, WinUAE wird so manchen vor einem Totalumstieg auf die MS-Dose bewahren, oder ihn zumindest noch für eine lange Zeit hinausgezögern.
Sinn oder Unsinn?
Viele werden nun vielleicht denken, was ich auch noch vor einiger Zeit gedacht habe: Bah, das ist doch nicht das richtige AmigaFieber. Oder andere, die sagen: der emulierte Amiga ist der Anfang vom Ende. An dieser Stelle kann ich nur auf die Internetseiten verweisen, die sich mit dieser "ethischen" Frage beschäftigen. Auf alle Fälle gab es dort ein hieb- und stichfestes Argument für den WinUAE: Der Stillstand der Amiga-Firma auf dem Bereich der Hardware machte es überhaupt erst möglich, unsere Wundermaschine auf einem stinknormalen PC laufen zu lassen. (Diejenigen, die einen PowerPC aus ihrer "Freundin" machten, sind damit natürlich nicht gemeint!)
Und eines sollten wir nicht vergessen: Der NG-Amiga, wenn er denn mal irgendwann kommen sollte, wird das alte Betriebssystem, das wir kennen und lieben, wahrscheinlich auch nur emulieren! Wo ist also der Unterschied? Wir können nun mal nur darauf hoffen, dass die Dinge bei Amiga endlich wieder voran kommen, und es eine Renaissance gibt, die diesem Computersystem den Platz zukommen lässt, den es wirklich verdient hat.
In diesem Sinne,
Dirk Wachtel <wach1216@uni-landau.de>
Die Internetadresse (dort sind weitere Links enthalten, auch auf die Homepage von WinUAE):