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Tests und Erfahrungsberichte

1. Softwaretest: WWW-Browser Voyager v3.0.52 (von Christian Aichinger)

»Einleitung:

Nach mehreren extrem absturzgefärdeten Beta- und Pre-Versionen ist am 28.12.1999 die sog. "final release" des Webbrowsers Voyager³ erschienen. Schon 3 Tage später (am 31.12) erschien ein erster Bugfix der die Versionsnummer 3.0a (oder eben 3.0.52) trug.

Mit "final release" ist laut Vapor nicht gemeint, daß die Entwicklung damit beendet ist, sondern daß diese Version als so stabil empfunden wird, daß man sie dem Beta-Stadium entnehmen könne (wortwörtlich: "stable as a rock").

Ob sich diese Entscheidung als richtig herausstellt kann man hier lesen.

Screenshot

Systemvoraussetzungen:

Benutzer: Englisch-Kenntnisse! Deutsche oder andere Lokalisierungen für Voyager existieren im Moment noch nicht, da Oliver Wagner (der Programmierer von Voyager) sich noch nicht sicher war, welche Menüs und/oder Features noch in Voyager integriert werden sollen. Und bei jeder kleinen Änderung am Programm mehrere Locale- Dateien zu ändern hatte er keine Lust.

Amiga: Die minimalen Voraussetzungen die unsere Freundin mitbringen muß, um Voyager verwenden zu können sind ein 68000 Prozessor (!), AmigaOS2.0, 2MB Ram, MUI v3.8 und schlappe 5MB Festplattenspeicher. Empfohlen werden ein 020, 4MB Ram, AmigaOS3.0 und das AGA Chipset.

Wie immer gilt hier natürlich je mehr desto besser und es werden selbstverständlich auch Grafikkarten über Picasso96 bzw. CyberGraphx unterstützt.

Ich benutze Voyager³ auf einem Amiga1200 mit Blizzard1230IV, AmigaOS3.5 und 64MB Ram, und muß sagen, daß das Arbeiten auf einem 16-64 Farbenbildschirm unter AGA recht flott vonstatten geht.

Von einer FPU profitiert Voyager übrigens auch, denn das Plugin welches für Anzeige und Farbneuberechnung der Grafiken zuständig ist, ist ebenfalls in einer FPU-Version für den 030 und 040 Prozessor vorhanden.

Wie ich finde, ist das Tool Fblit aus dem Aminet ebenfalls empfehlenswert, da hier das Scrolling und der Refresh der Fenster ein wenig beschleunigt wird, und eine schnelle serielle Schnittstelle mit entsprechend schnellem Modem kann natürlich auch nur von Vorteil sein.

Nachdem die Archive v3_30.lha, v3_30a_update.lha und v3docs_011099.lha von der Voyager-Website (http://v3.vapor.com/) oder per FTP (ftp://ftp.vapor.com/pub/voyager) geladen und entpackt wurden, kann die Installation beginnen.

Installation:

Die Installation geht dank des Commodore/Escom/Gateway/wie_auch_immer- Installer recht einfach vonstatten und berücksichtigt auch ältere Installationen von Voyager. Nach üblichen Einstellungen wie Installationsmodus, Protokollierung etc. kann man eine auf den Prozessor des verwendeten Amigas angepaßte Version von Voyager wählen.

Dannach wählt man ein Verzeichnis auf der Festplatte, indem das Voyager- Verzeichnis angelegt werden soll.

Als nächstes wird gefragt ob der Mime-Voreinsteller in das selbe Verzeichnis wie Voyager oder in das Voreinstellerverzeichnis der Workbench kopiert werden soll.

Der Mime-Voreinsteller dient dazu bestimmte Dateianzeiger für unterschiedliche Dateitypen zu konfigurieren (z.B. den Bildanzeiger Visage für PNG-Grafiken, MP3-Player mpega für mpg-Sounddateien usw.) und/oder was Voyager mit so einer Datei anfangen soll.

Screenshot

Nachdem das MimePrefs-Programm kopiert wurde kann zwischen unterschiedlichen Kompilaten des ImageDecoder-Plugin gewählt werden. Hierbei stehen neben den 68k-Versionen auch eine PPC-Version für PowerUp zur Wahl, die aber merkwürdigerweise nicht in dem Archiv (oder überhaupt ??) vorhanden ist.

Da VoyagerV³ sehr flexibel in der Gestaltung seiner Benutzeroberfläche ist, werden auch gleich 3 verschiedene Buttonsets mitgeliefert.

Ich würde jedem empfehlen erstmal alle 3 zu installieren, denn die sehen wirklich alle Klasse aus und wenn sie jemandem nicht gefallen kann er sie auch als Grundlage für Eigenkreationen verwenden oder einfach löschen.

Nach Installation verschiedener Readme's werden noch dringend benötige System-Libraries installiert.

Danach wird noch eine Umgebungsvariable für den ContactManager konfiguriert (ein anderes Vapor-Produkt über daß ich nicht viel weiß, und über daß ich jetzt nicht schreiben möchte...), bei der man den genauen Pfad des Voyager- Verzeichnisses angeben muß (dieser darf sich nicht in der "Ram Disk" befinden !!!).

Falls man sich hier vertippt haben sollte oder einen anderen Fehler gemacht hat, läßt sich diese Variable auch später noch ändern. Sie befindet sich im Verzeichnis ENVARC:Vapor/ und hat den Namen CManager_path.

Nachdem die Installation abgeschlossen ist, entpackt man das Archiv v3_30a_update.lha, falls das nicht schon geschehen ist.

In diesem Archiv befinden sich ein readme und das Update von Voyager. Dieses kopiert man jetzt einfach in das eben installierte Voyager- Verzeichnis, und schon ist die Installation beendet.

Da Voyager die TearOff-CustomClass für MUI verwendet, und nur die nötigsten Dateien mit in der Distribution vorhanden sind sollte man sich TearOff nochmal komplett aus dem Aminet ziehen (dev/mui/MCC_TearOff.lha) und zusätzlich installieren.

In dem letzten Archiv v3docs_011099.lha befindet sich die englische Dokumentation im Html-Format, die man sich ja gleich nach einem Neustart des Amigas, mit Voyager ansehen kann.

Voreinsteller:

Nachdem man Voyager installiert hat, sollten zuerst die korrekten Einstellungen von Voyager durchgeführt werden.

Der Voreinsteller ist über das Menü "Settings/General Settings..." erreichbar und ähnlich aufgebaut wie der Voreinsteller von MUI. Auf der linken Seite befinden sich kleine, beschriftete Icons, die die Konfiguration in übersichtliche "Häppchen" unterteilt. Die einzelnen Gadgets verfügen fast alle über eine MUI-Hilfe-Blase (MUI-Bubblehelp), die das Studieren der Dokumentation nahezu überflüssig machen.

Screenshot

Bedienung:

Wenn die unregistrierte Version von Voyager verwendet wird, erscheint beim Start ein Fenster in dem angezeigt wird, wie oft man Voyager schon gestartet hat, und wie lange man Voyager schon verwendet. Außerdem wird darauf hingewiesen, daß es sich um ein Shareware-Produkt handelt und nach 30min beendet sich Voyager. Ansonsten sind alle Features der Vollversion auch in der Demo vorhanden.

Nachdem die Benutzeroberfläche initialisiert wurde sollte sich der Benutzer, der schon mit anderen Browsern gearbeitet hat, sofort zurecht finden.

Die Bedienung ist relativ einfach, Menüs und Gadgets sind zwar in englisch beschriftet aber immer eindeutig verständlich. Zu den meisten Optionen in den Voreinstellern gibt es die MUI-typischen Hilfe-Blasen. Ein Blick in die Dokumentation ist nur selten nötig.

Im oberen Teil befinden sich die Buttons zur Navigation, ein Texteingabefeld für die URL einer Website, darunter Buttons, die mit freikonfigurierbaren Fastlinks belegt sind und an der linken, unteren Seite des Fensters befindet sich eine Statuszeile in der bei einer Verbindung die Geschwindigkeit und die Art einer Datenübertragung dargestellt wird. Auf der rechten, unteren Seite befinden sich 8 virtuelle Lämpchen. Jedes dieser Lämpchen beschreibt den Zustand einer Verbindung (Connection). Die Anzahl der Connections ist frei einstellbar. Klickt man auf die Lämpchen, erscheint eine Fortschrittsanzeige (Voyager Network Status), die über den Status der Datenübertragung informiert.

Screenshot

Besonderheiten:

Besondere Beachtung sollte man den kontextsensitiven Pulldown-Menüs schenken (wie vielleicht von Windows o. MacOS bekannt).

Dazu bewegt man die Maus über einen Link, dann rechte Maustaste drücken und es öffnet sich ein Menü mit verschiedenen, in Bezug auf das Objekt, sinnvollen Optionen (z.B. "Download File", "Copy URL to Clipboard" usw.). Soweit ist das nichts Neues, das können andere Browser auch, aber in Voyager setzen sich diese Menüs in viele Teile des Programms fort. Wenn z.B. die Transferanimation nicht angezeigt werden soll, klickt man auf diese mit der rechten Maustaste und es erscheint ein Menü indem man sie verschwinden lassen kann.

Also bevor man verzweifelt eine bestimmte Funktion in Voyager sucht, sollte man zu allererst die rechte Maustaste ausprobieren!!

Da Voyager zur Gestaltung seiner Oberfläche die TearOff.mcc verwendet, lassen sich die verschiedenen Knopfbänke (z.B. die Navigationsbuttons, o. die Fastlinks) beliebig im Voyager-Fenster anordnen. Dazu klickt man auf den, am linken Rand sichtbaren, Streifen und bewegt sie innerhalb des Fensters an die bevorzugte Position oder einfach aus dem Fenster heraus. Leider sollte man hier seiner Experimentierfreude Einhalt gebieten, denn auf meiner Konfiguration führt dieser Spieltrieb unweigerlich zum Totalabsturz.

Eine weitere Besonderheit von Voyager ist, die Möglichkeit den Download von Daten nach einem Verbindungsabbruch fortzusetzen. Nehmen wir mal an, daß der Amiga kurz vor Beendigung eines Mammut-Downloads (zum Beispiel das aktuelle Demo von T-Zero...;-) abgestürzt ist.

Nachdem der Rechner wieder einsatzfähig ist, startet man Voyager erneut, klickt sich zu dem entsprechenden Link und Voyager fragt dann nach, ob man die alte Datei überschreiben, oder den Download fortsetzen will

Screenshot

Mit dieser Funktion habe ich bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht. Archive die mittels dieser Vorgehensweise übertragen wurden ließen sich bis jetzt immer fehlerfrei entpacken.

Javascript wird von Voyager in der Version 1.3 unterstützt. Dazu wurde sogar eine Art Javascript-Compiler integriert, der die Abarbeitung solcher Scripte um einiges beschleunigen soll. Leider fehlen hier noch viele Funktionen, die den Besuch von Websites mit intensivem Javascript-Gehalt nahezu unmöglich machen. Allerdings ist dies nicht nur ein Problem von Voyager, sondern von allen auf dem Amiga laufenden Webbrowsern mit Javascript-Fähigkeit.

Voyager unterstützt weiterhin die sichere Datenübertragung mittels SSL (secure socket layer), die vorallem beim Online-Banking und der Übertragung sensibler Daten (Kreditkartennummern...) wichtig ist. Dazu muß der verwendete TCP/IP-Stack diese Fähigkeit nicht besitzen (z.B. AmiTCP oder der TCP/IP-Stack von Commodore).

Websites können ausgedruckt werden. Allerdings ist dies nicht immer erfolgreich. Das ist von Drucker zu Drucker (bzw. Treiber) verschieden. Vorallem Dokumente die größer als ein Bildschirm sind (man muß das Fenster scrollen um die gesamte Website zu sehen) werden häufig fehlerhaft oder gar nicht gedruckt.

Es existiert ein sog. FlashPlugin, das das Betrachten von Flashanimationen ermöglicht. Dieses Plugin ist nicht in den Archiven enthalten, da es sich hier um eine relativ langsame Beta-Version handelt. Wer dieses Plugin trotzdem verwenden möchte sollte es sich über die oben genannten Quellen besorgen. Es liegt ebenfalls in einer PowerPC-Version vor.

Java wird von Voyager nicht unterstützt.

Stabilität:

Im Vergleich zu seinen NG- bzw. V3-Vorgängern, sind Abstürze nicht mehr so häufig, aber trotzdem nicht unmöglich. Wenn man diese, zwar viel leistungsfähigere, Version von Voyager mit dem Vorgänger VoyagerII (Ich meine nicht Voyager2NG !!!) vergleicht kann Voyager³ nicht mithalten. Unerklärliche Totalabstürze, die z.T. einfach durch das Anklicken eines Links in einer Website hervorgerufen werden, sind zwar nicht die Normalität, aber ab und an unvermeidlich. Manchmal führt sogar ein Klick auf die Lämpchen, die das "Network-Status"-Fenster zum Vorschein bringen, zum Totalabsturz. Abstürze können ebenfalls hervorgerufen werden, durch hektisches Verändern der Fenstergröße, während Voyager gerade das Layout einer Website kalkuliert.

Weiterhin sind bestimmte Funktionen (wie z.B. der Bookmark-Manager oder die Verwaltung des Disk-Cache) nur rudimentär und teilweise fehlerhaft integriert. Diese Probleme lassen sich allerdings durch Improvisation zum größten Teil umgehen.

Fazit:

Als "stable as a rock" würde ich diese Version nicht bezeichnen. Wenn man allerdings einige Erfahrungen mit diesen Problemen gesammelt hat, läßt es sich mit Voyager gut, schnell und bequem arbeiten. Wenn sich mehr Leute für Voyager registrieren lassen, helfen sie damit, die Weiterentwicklung voranzutreiben und vorhandene Fehler auszumerzen. Bei einem Preis von 50,- DM für einen Webbrowser mit dem man genauso gut und z. T. schneller arbeiten kann, als für einen Webbrowser, der um die 100,-DM kostet, sollte man sich dies mal durch den Kopf gehen lassen. Und wie schon erwähnt ist die Entwicklung weder ausgesetzt noch gestoppt, sondern es wird fieberhaft an stabileren Nachfolgern gearbeitet.

Bezugsquellen:


Vapor: http://www.vapor.com 
Voyager-Portal: http://v3.vapor.com 
  

Voyager ist ebenfalls in einer älteren Version, auf der NetConnect3-CD von Haage & Partner, die sich aber kostenlos updaten läßt.

Haage&Partner: http://www.haage-partner.com

Hilfe zum Ersten:

Es existiert eine sehr aktive Mailingliste, in der viele der oben erwähnten Probleme besprochen und gelöst werden. Um sich dort einzutragen sollte man diese Seite: http://www.vapor.com/lists/ besuchen.

Hilfe zum Zweiten:

Zu der erwähnten Maillingliste exisitiert auch ein älteres, inoffizielles FAQ das man sich über diese Website: http://personal.nbnet.nb.ca/bcs/VFAQ/ downloaden kann.

Christian Aichinger <aichi@gmx.de

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