Interview

mit
Felix Schwarz

Innovative entwickelt schon seit längerem hochwertige Software für den Amiga, z.B. UltraConv. Mit der Internet-Präsentation und phantastisch anmutenden Presseerklärungen vom Sommer diesen Jahres, die die neue Bildbearbeitung fxPaint ankündigten, wurde auch der Name der Firma dahinter bekannter.

Mit dem Macher von Innovative, Felix Schwarz, führte ich vor der Messe HEW 99 dieses Interview. Inzwischen ist fxPaint, wie angekündigt, pünktlich erschienen.

AmZ: Gregor Franz
FS : Felix Schwarz


AmZ: Kannst Du uns zuerst etwas zu Innovative selbst sagen? Seit wann gibt es Euch, wie fing alles an und wer steht dahinter?
FS : Innovative war zuerst nur eine Bezeichnung für die AMIGA- Produktreihe. Mit dem AMIGA arbeiten wir seit 1991, die ersten Entwicklungsarbeiten an unserem ersten kommerziellen Softwareprodukt (Ultraconv) begannen 1995.

Version 1.0 war nur ein einfaches Programm zum Skalieren von Hunderten von Grafiken. Seither hat sich natürlich viel getan: Ultraconv ist heute der Converter mit den umfangreichsten Konvertier- und Bearbeitungsmöglichkeiten und wird auch gerne im Profi-Sektor eingesetzt, z.B. von verschiedenen kleineren Lokalsendern oder aber auch von Videoproduktionsfirmen wie IOM.

Mittlerweile ist auch unser Team größer geworden, wobei ich nach wie vor den Löwenanteil der Arbeit bewältige, wie etwa Vertrieb, Webdesign, Entwicklung und PR. Vor Kurzem ist auch ein Grafiker zu uns gestossen, der in Zukunft dafür sorgen wird, dass die Oberflächen unserer Produkte genauso gut aussehen wie das Produkt selbst ist.

Ansonsten arbeiten noch einige andere Software-Entwickler an Zusatzmodulen oder Teilen unserer Software. Hier setzen wir auf Spezialisten auf ihrem Gebiet, um höchste Qualität zu garantieren. Für die Zukunft planen wir auch den Vertrieb von Software, die nicht aus unserem Hause stammt. An einer Zusammenarbeit interessierte Entwickler können sich auch jetzt schon unter sales@innovative-web.de an uns wenden.

AmZ: Innovative's verfügbares Software-Repertoire enthält einige Amiga- Perlen wie UltraConv, BlackIRC und VLRec NG. Wie werden sie von den Kunden angenommen? Läuft das Geschäft ausreichend gut in der im allgemeinen Umfeld ansonsten angespannten Situation?
FS : Unsere Produkte wurden durchweg gut aufgenommen. Vor allem VLRec NG erfreut sich einer hohen Beliebtheit, was wohl vor allem an der einfachen Handhabung und der dennoch hohen Flexibilität dieses Produkts liegt.

Ultraconv ist unser Flaggschiff und hat sich in den letzten Jahren zum beliebtesten Konverter und Animationstool auf dem AMIGA entwickelt.

Auch BlackIRC findet guten Anklang, allerdings bisher noch nicht in dem Umfang, den wir uns anfangs erhofft haben. Wer es allerdings einmal benutzt hat, wird es nie mehr missen wollen. Leider haben hier Raubkopien die Verkaufszahlen stark gedrückt, weshalb BlackIRC z. Zt. auch nicht die höchste Priorität bei der Weiterentwicklung hat.

AmZ: Noch in diesem Jahr wollt Ihr mit fxPAINT eine neue Bildbearbeitung vorstellen, die so ziemlich alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll. Wie liegt Ihr im Zeitplan und was wird, kurz gesagt, fxPAINT seinen Konkurrenten voraus haben?
FS :fxPAINT ist quasi fertig. "Quasi" heisst, dass es absolut stabil läuft, alle angekündigten Features (und mehr!) einwandfrei funktionieren und implementiert wurden. Die nächsten Wochen wird die CD-R zusammengestellt und fxPAINT der letzte Schliff verpasst, evtl. auch nochmals neue Filter hinzugefügt. Die Verpackung ist bereits fertiggestellt und ein "Preview" derselben wird demnächst auf unserer Homepage zu bestaunen sein. Am 8. Oktober geht die CD dann final in Produktion. Auf der Home Electronics World wird fxPAINT also mit absoluter Sicherheit zu kaufen sein.

fxPAINT hat in vielen Punkten einen enormen Vorsprung vor seinen Konkurrenten. Neben der umwerfenden Oberfläche, der offenen Architektur, der vollen PPC-Unterstützung und einzigartigen Effekten (z.B. die Mosaik-Funktion, die ein Bild durch viele kleinere Bilder ersetzt (wie auf dem Filmplakat zu "The Trueman Show") - allein dieser Effekt kostet Sie auf dem PC-Markt 100 DM, auf dem AMIGA- Markt ist fxPAINT das einzige Produkt, dass diesen Effekt bietet) geht fxPAINT weit über die Funktionalität eines gewöhnlichen Bildbearbeitungs- und Zeichenprogramms hinaus und enthält zusätzlich eine Bildverwaltung (fxALBUM), ein Konvertiermodul (fxCONV) und Unterstützung für quasi jede aktuelle und häufig eingesetzte Hard- und Software (VLab, PPC, ScanQuix, ...). Auch das Bildverwaltungstool ist äußerst mächtig, erlaubt den Export von Alben als HTML&JPEG-Datei, den Druck von Übersichten, eine Einbindung in fxCONV etc.

Was mich persönlich besonders stolz macht, ist die Tatsache, dass fx-PAINT als erstes Produkt auf dem AMIGA überhaupt volle Unterstützung von AmigaOS 3.5 bietet. Der neue Icon-Standard wird genauso unterstützt, wie die neuen Bilddatatypes und Druckermodule. Über ein spezielles Plugin ist es sogar möglich, die Workbench zu erweitern und quasi wie ein Modul in fxPAINT einzubinden.

Wie leicht zu erkennen ist, geht fxPAINT in allen Bereichen wirklich ins Detail - kein Bereich wurde oberflächlich realisiert, sondern bis ins letzte Detail ausgefeilt.

AmZ: Vor der Pressemitteilung vom Juli diesen Jahres hat man von diesem offensichtlich sehr umfangreichen und aufwendigen Projekt noch nichts gehört gehabt. Wie kommt das und wann begann die Entwicklung von fxPAINT?
FS : Die Entwicklungsarbeiten an fxPAINT begannen im November 1998. Es dürfte viele verwundern, wie es möglich ist, in weniger als einem Jahr ein derartiges Produkt auf die Beine zu stellen. Das stellt aber für uns kein Problem dar, da der Großteil des benötigten Wissens zur Realisierung bereits von anderen Projekten (vor allem Ultraconv und VLRec) vorhanden war. Obwohl fxPAINT keine Zeile Sourcecode mit diesen Projekten teilt, sondern eine komplette Neuentwicklung darstellt, war der Großteil des Projekts (vor allem der Effekte) schnell realisiert. Das fxPAINT-Logo etwa wurde im Februar erstellt, mit V0.2ß von fxPAINT!

Das vor Juli nichts bekannt wurde, hat mehrere Gründe. Zum Einen wollten wir den Konkurrenten nicht zu früh die Möglichkeit geben, neue, innovative Features von der Featuresliste zu "klauen" (und deshalb wurden auch noch nicht alle veröffentlicht!) und zu implementieren, zum Anderen kündigen wir erst dann ein Produkt an, wenn sicher ist, dass es auch in vollem Umfang realisiert werden wird, um nachhaltigen, negativen Enttäuschungen unter den Anwendern wie nach Ankündigungen anderer Hersteller vorzubeugen.

AmZ: Mit MultiLiveCam Pro habt Ihr, neben dem bekannten BlackIRC, ein Produkt, das speziell auf das Web ausgerichtet ist. UltraConv NG hat einen HTML-ImageMap-Editor eingebaut, Bestellungen lassen sich direkt über Eure Web-Site abwickeln.

Offensichtlich stellt das Internet einen wichtigen Faktor für Innovative dar. Wie wichtig, meinst Du, ist es wirklich für Euch? Wird das Internet zur letzten Chance für Nischenmärkte?

FS : Das Internet ist der Markt der Zukunft und tatsächlich wird ein Großteil unserer geschäftlichen Tätigkeiten über das Internet abgewickelt. Auch die Entwicklungen werden über das Internet koordiniert. Zudem bieten wir ja auch Webservices an, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Von Newsletter-Engines über Foren, Chatrooms, e-commerce-Lösungen, Countern und Inno-GEMM, einem Produkt zum globalen Managen von E-Mails bieten wir die gesamte Palette.

Zu unseren Kunden in diesem Bereich zählen unter anderem SAT.1 mit Ihrem SAT.1-Text-Newsletter, die amigaOS und die Amiga Future, sowie der Multimedia-Spezialist Cash Multimedia. Nicht zuletzt spielt auch die Faszination und die Möglichkeiten für dieses neue Medium eine entscheidende Rolle.

AmZ: Das erwähnte MultiLiveCam Pro basiert auf einer Entwicklung, die ursprünglich für eine Internet-Präsentation von BMW programmiert wurde. Wie kam es dazu und setzt es der Autohersteller noch ein?
FS : Ich weiss nicht, wie das "CU AMIGA Magazine" damals auf uns kam, aber die britische Videoproduktionsfirma "vitesse communications Brian Mayor" rief uns an und fragte uns, ob wir eine LiveCam-Lösung realisieren könnten, die den Betrieb mehrerer LiveCams an einem System erlaubt. Tatsächlich waren/sind PC-Systeme, die dies leisten entweder nicht erschwinglich oder einfach nicht zu haben. Unser Produkt füllt also eine echte Marktlücke.

Wie sich herausstellte, war die Firma von BMW damit beauftragt worden, ein entsprechendes System auf einer Baustelle für ein neues BMW-Werk aufzustellen und den Fortgang des Projekts im Web zu zeigen und eine Zeitrafferanimation zu erstellen. Daraus entstand MultiLiveCam pro 1.0.

Da ich seit Lieferung des Systems an "vitesse communications" leider keinen Kontakt mehr mit dieser Firma habe, weiß ich leider nicht, ob es noch im Einsatz ist. Es ist allerdings anzunehmen, denn mir ist kein anderes System auf dem Markt bekannt, dass für unter 1000 DM eine selbstständige Einheit bildet (incl. Rechner, Modem, Festplatte zur Aufnahme der Zeitrafferanimation, etc.), mehrere Eingänge sowie eine hohe Qualität bietet.

AmZ: Was können wir in nächster und fernerer Zukunft von Innovative noch erwarten? Habt Ihr weitere Pfeile im Köcher?
FS : Zunächst einmal wird fxPAINT 1.0 kommen. Entweder gleichzeitig oder davor wird es ein umfangreiches Update von VLRec NG auf Version 3.5 geben, das einen neuen Standard auf dem AMIGA definieren wird. Evtl. (das ist noch nicht ganz sicher und hängt auch nicht von uns alleine ab) wird es auf der Kölner Messe auch noch eine oder zwei weitere Überraschungen geben. Auch nach der Messe ist natürlich weiter mit uns und neuen Produkten zu rechnen.
AmZ: In Eurer letzten Pressemitteilung erwähnt Ihr die "Kölner Messe". Aus gutem Grund, denn sie hat Ihren Namen ja schon wieder gewechselt. Ist Innovative als Aussteller vertreten? Wenn ja, sind außer dem erneuten Bezeichnungswechsel weitere Veränderungen im Messekonzept spürbar?
FS : Wir werden auf der "Home Electronics World" (so der derzeitige Name) vertreten sein. Meine Wenigkeit wird am Freitag, Samstag und Sonntag auf dem Stand von rbm digitaltechnik fxPAINT vorführen. fxPAINT wird dort auch zum Messepreis zu kaufen sein.
AmZ: Auch das Amiga-OS 3.5 soll, unabhängig von allen Querelen, unter der Federführung von Haage & Partner auf der Messe erscheinen. Was hältst Du von dem Update in dieser Form?
FS : Das AmigaOS 3.1 ist einfach nicht mehr ganz der Stand der Dinge und viele entscheidende Fragen sind ungeklärt oder bleiben unbeantwortet. Zudem ersticken wir Entwickler zunehmend an einer dichten Decke von amateurhaft programmierten Hacks, die das System instabil und inkompatibel machen.

OS 3.5 ist zwar nicht das Allheilmittel, bedeutet aber einen Schritt nach vorne. Es wurden einige Fragen bzgl. Standards endlich eindeutig geklärt und wichtige Teile des Betriebssystems überarbeitet und erweitert. Ich war noch vor einem Jahr ein großer Kritiker an dem Projekt. Nachdem ich nun Einblick in die OS 3.5-Interna erhalten habe, bin ich allerdings der Auffassung, dass jeder AMIGA-Anwender sich dieses Update holen sollte, da damit fantastische neue Möglichkeiten geboten werden. Diese neuen Möglichkeiten wird fxPAINT als erstes AMIGA-Programm durchgehend nutzen und ist auch deswegen jedem OS 3.5-Käufer ans Herz zu legen. Vor allem das Workbencherweiterungs-Plugin von fxPAINT ist im Alltag ungeheuer nützlich.

AmZ: Ein leidiges, wenngleich auch ergiebiges Thema, ist sicherlich der Trudelkurs von Amiga respektive Gateway. Kannst Du ein kurzes Statement zur Lage der Dinge aus Deiner Sicht geben? Werdet Ihr Konsequenzen ziehen und wie sind die diversen Versuche von dritter Seite, den Amiga oder zumindest die Amiga-Idee am Leben zu erhalten (Phoenix, AQUA, IMP, KOSH, AROS), zu bewerten?
FS : Was hat sich geändert? AMIGA hat bisher kein einziges Produkt auf die Beine stellen können, seit Jahren bewegt sich nichts. Umso wichtiger sehen wir die Veröffentlichung von AmigaOS 3.5 und einem baldigen Erscheinen des BoXeR und der G4-Karten an.

Ich kann auch das Entsetzen vieler Nutzer nach dem Weggang von Collas nicht ganz verstehen, denn jeder, der einen scharfen Blick auf die Ankündigungen geworfen hat, wird festgestellt haben, dass Amiga Inc. wieder einmal nur leere Versprechungen in die Öffentlichkeit geworfen hat. Firmen wie die SuSe GmbH aus Nürnberg arbeiten schon jahrelang an einer benutzerfreundlichen Linux- Distribution und AMIGA Inc. will das quasi über Nacht bewerkstelligen, einen kompletten Rechner dazu entwickeln (Linux auf 32 MB Ram LAUFEN lassen ??) und dabei noch innovativ sein.

Auch die Spezifikationen des "AMIGA MCC" lassen stark daran zweifeln, dass dieser Rechner preislich für den Massenmarkt geeignet wäre.

Da sich AMIGA Inc. bisher vor allem durch unprofessionelles Auftreten und Schädigen des AMIGA-Marktes profilieren konnte, zuletzt sogar besser wissen wollte, was den AMIGA ausmacht, als die AMIGA-Gemeinde selbst, kann diese "Firma" nicht mehr ernst genommen werden, bevor nicht etwas Konkretes zu sehen ist (und damit meine ich jetzt nicht Bleistifte, Kartenspiele, Socken oder Feuerzeuge). Die wahren Entwickler und Handelnden sitzen bei Haage & Partner (AmigaOS 3.5), Phase 5 (G4-Karten), Access Innovations (BoXeR) und natürlich bei uns. :)

Wir selbst sind dem Phoenix Consortium beigetreten, d.h. aber nicht, dass wir in Zukunft alle beschlossenen Handlungen desselben billigen, vielmehr wollen wir damit zeigen, dass wir dem AMIGA auch weiterhin die Treue halten werden und an einer Zukunft dieses Systems grosses Interesse haben.

Abschliessend lässt sich sagen, dass es nicht an AMIGA Inc. liegt, ob wir den AMIGA unterstützen oder nicht, sondern an den Anwendern und ihrer Bereitwilligkeit, uns zu unterstützen: Piraterie killt den AMIGA!

AmZ: Themawechsel: Ein Blick zurück in die gute alte Zeit. ;) Wann und wie bist Du eigentlich zum Computern gekommen?
FS : Mit der Programmiererei angefangen habe ich auf einem ZX Spectrum. Das war 1988. Ein großartiger Computer, mit dem sich viele interessante Sachen machen liessen und der, ähnlich wie der AMIGA, seiner Zeit voraus war.
AmZ: Wie sieht Dein Leben abseits des Amigas aus? Was machst Du sonst so und welche anderen Hobbys beschäftigen Dich?
FS : Abseits des AMIGAs gibt es nicht viel Zeit für andere Dinge (in stressigen Zeiten wie diesen verbringe ich schon einmal 8-12 Stunden vor dem AMIGA, um Termine einzuhalten). Sollte ich dennoch abends einmal einige freie Zeit finden, so trifft man mich oft in lokalen Diskotheken oder Kinos beim Abspannen.
AmZ: Unsere Standardfrage darf nicht fehlen: Kanntest Du den AmZeiger vor der Interview-Anfrage und wie findest Du ihn?
FS : Ich kannte den AmZeiger schon davor und halte ihn für sehr gut gelungen.
AmZ: Vielen Dank für das Interview!


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