Wasted Dreams

von
Gregor Franz

Das nachfolgend getestete Produkt wurde uns freundlicherweise von der Firma "Ferst Computer", Köpenicker Straße 11, 15537 Gosen, (http://www.ferst.de/ferst@t-online.de) leihweise zur Verfügung gestellt. <Information>

Die Wartezeit

Nach einer langen Zeit des Wartens, während der der ursprüngliche Publisher (Vulcan) sich inzwischen vom Amiga zurückgezogen hat, das Spiel um- und wieder zurückbenannt wurde und unzähligen Verschiebungen, ist es nun endlich so weit: 'Wasted Dreams' wird im AmZeiger vorgestellt!

Die CD

Digital Dreams erstes Werk wird auf einer CD-ROM ausgeliefert, deren Hüllen-Design mit einem gerenderten Raumgleiter auf dem Cover durchaus das Auge erfreut. Der Text auf der Rückseite hebt sich vor dem Motiv mehrerer Explosionen kaum ab und ist so schwer erkennbar. Das gilt auch für die darunter abgebildeten Screenshots, die etwas zu dunkel geraten sind, aber sowieso nur Szenen aus der Intro zeigen. Im kleinen Booklet steckt eine englische Kurzanleitung.

Die Intro

Mit der beginnt dann natürlich das Spiel. Der Vorspann ist einige Minuten lang und zeigt, in einer für Amiga-Verhältnisse ungewöhnlich hohen Qualität, wie alles begann. Die vollständig gerenderten Animationen kommentiert dabei der (Haupt-)Protagonist Johanson in deutlichem Englisch.

Die Story

Die Erde ist im Jahre 2057 von Überbevölkerung und einer hohen Verbrechensrate geplagt. Expeditionen ins All, die neue besiedlungsfähige Welten entdecken sollen, könnten Abhilfe schaffen. Die 'ExplorerFX 2', mit ihrer 500 Mann starken Besatzung zieht aus, um... Jedenfalls wird tatsächlich ein geeigneter Planet entdeckt, der gute Lebensbedingungen bietet: 'Agillera'.

Sechs Monate lang hat die Besatzung mit der Errichtung und dem Ausbau eines Basis-Camps zugebracht und bisher keinerlei Spuren von fremdem intelligenten Leben ausgemacht. Es wird beschlossen, die Erde von der Entdeckung zu unterrichten, was einen Rückflug notwendig macht. Ein Fünftel der Besatzung meldet sich dafür freiwillig. Johanson und sein Kumpel Harper, sie gehören zu den Sicherheitsleuten, sind dabei.

Doch kurz nach dem Start geht die 'ExplorerFX' in einem Feuerball auf. Die beiden Freunde konnten sich noch im letzten Moment mit einem Flucht- Shuttle retten und machen irgendwo auf Agillera eine Bruchlandung.

Die Voraussetzungen und die Installation

Voraussetzung ist der ECS-Chipsatz. Für Grafikkarten ist ein Patch geplant. Eine Installation ist nicht nötig (und auch nicht möglich).

Die Optionen

Zwei Spieler können 'Wasted Dreams' gleichzeitig angehen. Wenn man den Ein-Spieler-Modus auswählt, hat es Harper schon bei der Landung zerledert und Johanson muß sich alleine durch des fremden Planeten wilde Weiten schlagen.

Mit der Escape-Taste wird ein Menü aufgerufen, von dem aus die Sprache (eine von 16 verschiedenen) eingestellt werden kann. Hier sind auch die Credits anzeigbar und Spielstände können geladen oder gespeichert werden. Bei 'Steuerung' ist wählbar, welcher Spieler welches Eingabegerät verwendet.

Der letzte offene Punkt, neben der Spiel-Beendigung, sind die 'Optionen'. Spielerzahl, ein oder zwei Spieler, PAL oder NTSC und einige weitere Einstellungen sind hier einstellbar.

Die Spielperspektive

Die Helden sieht man als kleine Figuren, die man auf dem Planeten herumführen kann. Über mehrere Bildschirme wird gescrollt, an manchen Stellen verläßt man den einen und betritt einen anderen.

Am unteren Rand der Spielgrafik sind die Statusanzeigen der beiden oder gegebenenfalls des einen Protagonisten zu sehen. Ein Balken zeigt die Lebensenergie, ein weiterer darunter die Waffenkapazität an. Rechts von beiden zeigen Animationen in einem icongroßen Feld derzeit mögliche Aktionen der Helden an - ausgenommen das Schießen, welches, nach Aufnahme der Waffe an der Absturzstelle, immer möglich ist.

Ein blinkerndes Auge zeigt z.B. an, daß eine Stelle oder ein Gegenstand genauer betrachtet werden kann; eine Hand, die einen Gegenstand greift, läßt Johanson oder Harper den Gegenstand aufnehmen; ein sich öffnender Mund zeigt die Möglichkeit von Gespächen an, usw..

Unter den Balken und dem Aktionsfeld erscheint die Inventarliste, in der man mit der sogenannten "Rucksack-Taste", das ist bei Johanson die linke Alt- oder Amiga-Taste, und gleichzeitiger Betätigung von Links oder Rechts auch herumscrollen kann.

Die Action

Dann geht es auch schon los. Johanson, dessen Partner Harper es im Einspieler-Modus schon an der Absturzstelle erwischt hat, untersucht das Shuttle-Wrack und findet, dank der aktiven Mithilfe des steuernden Spielers, bald ein paar nützliche Gegenstände. Vor allem die Laserpistole wird er schon bald benötigen, denn in unmittelbarer Nähe treiben sich, den früheren Forschungsergebnissen zum Hohn, zahlreiche Außerirdische herum - viele von ihnen noch dazu sind ausgesprochen schießwütig.

Von einem verletzten Alien bekommt Johanson, nachdem er ihn mit einem Medi-Pack verarztet hat, ein paar wichtige Hinweise und ein Werkzeug. Nun schlägt er sich weiter durch, betritt Höhlen, überquert schwimmend einen Fluß, löst zahlreiche knifflige Rätsel, unterhält sich mit ein paar Außerirdischen und einigen Menschen, die er trifft (offenbar kollaborieren viele mit den Außerirdischen und sind vielleicht sogar in die "Havarie" der ExplorerFX verwickelt? - das wird aber noch nicht verraten! ;). Und nicht zuletzt ist er auch gezwungen, zu ballern, was das Zeug hält.

Nur verlieren kann auf Dauer derjenige, der sich jedem Kampf stellt. Einigen Konflikten kann man aus dem Weg gehen, wenn man schleunigst das Weite sucht, da die Außerirdischen oftmals mit Beeren- oder Erzsammeln beschäftigt sind.

Häufig sind Kämpfe allerdings nicht zu vermeiden. Ein warnender Summton zeigt an, daß auf Johanson gezielt wird. Mit einem kleinen Fadenkreuz, das man ungefähr in die Richtung des Gegners bringen muß, erkennt man die von der Waffe ins Visier genommene Stelle. Wichtig ist es auch, auf den Munitionsvorrat zu achten. Einige getötete Außerirdische lassen Magazine fallen, die man aufsammeln sollte. Auch vor automatischen Fallen oder Energiewänden gilt es, sich in acht zu nehmen.

Die Grafik

...ist sehr gelungen. Die Animationen der Figuren sind aufwendig, z.B. berührt Johanson mit den Füßen erst vorsichtig die Wasseroberfläche, bevor er dann richtig eintaucht, um zu schwimmen.

Das Wasser bewegt sich an den Ufern, ein kleiner Bach plätschert als Wasserfall über Felsen und mündet dann in den Fluß. Auf automatischen Laufbändern werden Erze verarbeitet, geheimnisvolle Gebäude und Maschinen sind auf dem Gelände verteilt. Ein Mechaniker werkelt sogar emsig an coolen Weltraum-Kampfgleitern - am Boden versteht sich.

Das zur Verdeutlichung einiger liebevoller Details. Da die Figuren nur fingerkuppengroß sind, darf man natürlich keine Gesichtsmimik erwarten. Für das Genre und die HighRes-Auflösung wurde aber das Optimale herausgeholt.

Die Klänge

...sind gut. In der Nähe des Flußes hört man das Wasser rauschen, am kleinen Wasserfall gurgelt es. Außerirdische hämmern lautstark auf der Suche nach Erz, gewarnt kann man vorsichtig die Stelle umgehen. Im Hintergrund zwitschern derweil Vögel.

Musik gibt es dagegen kaum. Im Vorspann hier und da etwas unaufdringliche und auch an manchen speziellen Stellen im Spiel ertönen sphärische Klänge.

Der Clou sind mit Sicherheit die gesprochenen Sätze. 'Johanson' spricht in sehr deutlichem Englisch und noch dazu gut betont - also nicht laienhaft lahm, wie auf dem Amiga auch schon gehört. Außerirdische haben einen effektvollen Zusatzklang in ihrer Stimme. Glücklicherweise sprechen sie aber auch Englisch, das zumindest dem Deutschen eher verwandt ist, als Agilleranisch (vermutlich ;).

Gespräche laufen allerdings nach einem vorgegebenen Schema ab, der Verlauf kann höchstens durch die Übergabe von Gegenständen beeinflußt werden.

Die Übersetzung

Gleichzeitig wird das Gesprochene auch gut lesbar eingeblendet. Die Amiga Translation Organization (A.T.O.) hat, wie jüngst sogar für das Amiga-OS 3.5, für die Übersetzung gesorgt.

Die Qualität der deutschen Version ist ausgesprochen gut.

Die Anleitung

Neben der (englischen) Kurzanleitung im Booklet, finden sich auf der CD auch komplette Anleitungen in zahlreichen Sprachen als Text-Dateien.

Die Hintergrund-Story ist hier noch einmal nachlesbar. Außerdem werden die Steuer-Möglichkeiten und alles weitere nötige erklärt.

Nicht schön, aber für den Zweck ausreichend.

Die Idee

Waffenhaltung der Helden und auch einige andere Elemente des Spiels, erinnern an "Flashback". Grafisch (mal abgesehen vom Stil) und vom Zwei-Spieler-Modus her, gibt es aber auch viele Berührungspunkte mit "The Chaos Engine".

Auch "Alien Breed - Tower Assault" stand in gewisser Weise Pate für 'Wasted Dreams', da dort gelungen das reine Ballerspiel mit einer sich nebenher entwickelnden Hintergrund-Story verbunden wurde (ein Ansatz, den Team17 später bei den Alien Breed 3D-Varianten unverständlicherweise nicht mehr weiterverfolgte).

Während bei "Flashback" das Puzzle- und Geschicklichkeitselement stark betont war, bei "Chaos Engine" die Action das Maß aller Dinge darstellte und für "Tower Assault" der Adventure-Teil nur nettes Beiwerk war, so bietet 'Wasted Dreams' eine gelungene, attraktive Mischung irgendwo dazwischen. Auch hier können zwei Spieler sich gleichzeitig durch die feindliche Umwelt kämpfen und müssen z.B. darauf achten, wer das dringend benötigte, eben von einem Gegner fallengelassene, Waffenmagazin nötiger braucht.

'Wasted Dreams' ist ein echtes Adventure UND ein echtes Ballerspiel.

Die Zusammenfassung

Ein Amiga-Spiel in dieser Qualität ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. 'Wasted Dreams' kann man problemlos in einem Atemzug mit den erwähnten Hits nennen. Das Gute ist: dieses Spiel ist kein Plagiat, sondern etwas Neues!

Spielprinzip, Steuerung, Story, Grafik und Sound - alles wirkt gelungen und gut abgestimmt. Das bringt dann auch echte Spielfreude.

Produkt: Wasted Dreams Hersteller: Digital Dreams
Art: Action Adventure Version: -
Preis: 79,- DM Bez.Quelle: Fachhandel
Festplattenspielbar?NEIN
Exit zur Workbench?JA
Grafik:1
SoundFX:1
Musik:3
Spielbarkeit:1
Spielspaß:1
Preis-/Leistung:1
Gesamt:1

Digital Dreams Entertainment
E-Mail: contact@dd-ent.com

c/o
Chris Seward, 10 Scafell Close,
Eastham, Merseyside,
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