Photogenics 4.2

von
Thomas Heinrich

Tradition

Photogenics ist ein vergleichsweise altes Bildbearbeitungsprogramm für den Amiga und von Anfang an bekannt für seine einmalige Bearbeitungsphilosophie, das "Malen" mit Effekten. Und gleichermaßen auch für seine Absturzfreudigkeit. Nach diversen OEM-Versionen z.B. für die Cybervision64 oder das Magic-Paket von Amiga unter Escom's Leitung, liegt jetzt die brandneue Version 4.2 von Paul Nolan vor.

Version

Gekauft habe ich die Version 4.0, auch auf der Verpackung, die aus einer Weichkunststoffhülle und einem "Registrierungszettel" besteht, steht 4.0, es ist aber tatsächlich die Version 4.1 auf der kaum gefüllten CD. Gerade mal 12 MB sind auf der cyanfarbenen Disk belegt (von Oberland selbstgebrannt, oder rechnet Paul Nolan mit so wenig Nachfrage, daß er selbst brennt?). 5 MB davon sind ein LhA-Archiv des CD-Inhalts, 7 MB die Schublade Photogenics. Eine etwas größere Bildgalerie wäre wünschenswert gewesen oder eine mehrsprachige Dokumentation, um den Platz besser zu füllen.

Ortswechsel

Photogenics läßt sich problemlos von der CD starten. Nur werden dann auch die Voreinstellungen auf CD geschrieben und da bleibt es natürlich bei dem Versuch - außer man benutzt einen Patch für CDs, der Schreibzugriffe auf die Festplatte umleitet.

Zur Installation liest man im Installationshinweis: Einfach die Schublade nehmen und an einen genehmen Ort auf der Festplatte ziehen. Einfach, praktisch und schmerzlos - sofern noch 7 MB auf der Platte frei sind.

Unnötigerweise kopiert man so auch noch die Demoversionen von IBrowse und AWeb mit, die für die Onlinehilfe benötigt werden. Jeder andere Browser funktioniert aber auch, so daß man die Schublade "Browsers" im Photogenics- Verzeichnis löschen kann und beispielsweise eine schon vorhandene Vollversion von AWeb als Hilfe-Browser benutzen kann.

Help?

Die Hilfe ist komplett in deutsch, die auf der Homepage erhältlichen Updates dazu jedoch durchweg Englisch. Kommt ein neuer Effekt hinzu und man installiert das Anleitungsupdate, sind alle Texte plötzlich englisch. Schade, denn in der sehr detaillierten Beschreibung finden sich auch nützliche Tricks und Hinweise zum Erzielen besonderer Bildeffekte.

Gut gelungen ist das Tutorial. Leider wird hier nur der Fire-Effekt beschrieben, aber man erhält einen guten Einblick, wie simpel ein netter Effekt erzeugt werden kann.

Die Version 4.2 hat außerdem endlich ToolTips, jene kleinen Hilfezettelchen, die bei MUI BubbleHelp heißen.

Hardwareanforderungen

Besondere Anforderungen stellt Photogenics an die Hardware. OS 3.0 mit MC68020 und 8 MB RAM sind die Mindestanforderungen, aber auch mit der empfohlenen Konfiguration (MC68060, 16 MB, Grafikkarte) sind manche Effekte noch kriechend langsam. Das wäre akzeptabel, wenn wenigstens eine Verlaufsanzeige erscheinen würde, aber die gibt es nur beim Laden oder Speichern von Bildern.

Vorsichtig sein sollte man auch mit der Anzahl der Undo-Schritte. Leichtsinnigerweise dachte ich, fünf wäre ganz gut, aber schon mit einem (allerdings ziemlich großen) geladenen Bild schrumpfte der freie Speicher von 60 MB auf 7 MB RAM...

Handling

Zum Undo ist zu sagen, daß es zuerst wie bei allen Photogenicsversionen abläuft. Solange man den "Fix"-Knopf nicht betätigt, werden die aktuellen Änderungen nicht berücksichtigt. Eine Rücknahme ist so immer möglich. Aber auch die bereits fixierten Änderungen können jetzt durch ein komfortables Undo-Redo-Menü zurückgenommen werden. Leider nicht beim Symmetrie-Werkzeug, aber man hofft ja auf Updates.

Die neuesten Versionen (4.1 und 4.2) habe ich gleich von der Photogenics- Homepage gezogen, denn die Ausschnittsfunktion veranlaßte meinen Amiga zu einem kommentarlosen Neustart, wenn ein Schnittbereich außerhalb des angezeigten Bildes lag. Nach dem problemlosen Update auf 4.1, das auch eine Sicherung der alten Version anlegt, war der Defekt behoben. Auf jeden Fall war das alte Photogenics-Feeling durch den Absturz wieder voll da. Auf manche Sachen kann man sich eben verlassen.

Insgesamt konnte ich jedoch nur zwei Abstürze und einen Hänger verbuchen, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob es nicht doch eher ein langsamer Effekt war... Vorsicht ist jedenfalls mit den Fonts geboten, wenn Sie ein Bild mit Text verzieren wollen. Bei mir war dieser Effekt mit am behäbigsten. Um überhaupt Text zu sehen, müssen Sie bei gewähltem Text- Werkzeug ein Rechteck ziehen, in das Sie den Text eingeben können. Es genügt nicht, einfach in das Bild zu klicken, wie das alle anderen Programme erlauben.

Dafür ist das Bearbeiten von Bildern wirklich intuitiv. Mit einem Werkzeug (Airbrush, Schwamm, Bleistift, ...) kann man einen Effekt ganz gezielt und freihändig auf bestimmte Bildteile anwenden. Bei anderen Programmen müßte man erst aufwendig eine Maske erstellen, den Effekt anwenden, zurücknehmen, ändern, wieder neu probieren. Bei Photogenics sieht man die Auswirkungen direkt und kann sogar in Echtzeit mit den Effekteinstellungen spielen.

Aussicht

Das Layout der Arbeitsfläche ist übersichtlich aufgebaut. Eine Leiste am oberen Rand enthält oft gebrauchte Funktionen und Effekte, am linken Rand befindet sich ein Multifunktionsfenster für Bilder, Masken, Werkzeuge und deren Optionen, sowie den Bilddateiformaten. Hakelig zu bedienen erscheint mir die Zoom-Funktion, mit der ich am Anfang nur schrittweise in den gewünschten Ausschnitt "hineineiern" konnte. Statt wie üblich ein Rechteck zu ziehen, legt man den Zielpunkt fest und zoomt mittels Mausbewegung hinein oder hinaus. Unterläßt man die Mausbewegung, zentriert sich der angeklickte Punkt, wodurch man recht angenehm durch das Bild wandern kann. Prädikat: "gewöhnungsbedürftig".

Inventar

Alle Effekte aufzuzählen ist langweilig - viel interessanter ist das, was fehlt. Zur Foto-Nachbearbeitung vermißte ich unter 4.1 schmerzlich eine Gamma-Korrektur, 4.2 hat diese bereits. Zum Erzeugen von Webgrafiken fehlt das GIF-Bildformat. GIF und TIFF fallen unter das LZW-Patent von Unisys und sind (noch) nicht für Photogenics erhältlich. So ist man dann doch wieder auf Grafikkonverter oder andere Bearbeitungsprogramme angewiesen, nur weil ein kleines, aber benötigtes Detail fehlt.

Ein nettes Detail dagegen, ist die absolut rückstandsfreie (De-) Installation. Keine Assigns in der User-Startup, keine ENV-Variablen, alle (und das sind sehr viele) Einstellungsdateien im ASCII-Format werden gelöscht.

Fazit

Photogenics kann von allen Grafikprogrammen etwas, aber leider nicht alles. Trotzdem habe ich noch kein Programm gesehen, mit dem sich so intuitiv arbeiten läßt und dabei so professionelle Resultate zu erzielen sind. Wenn nur die Abstürze nicht wären. Das kurz vor Redaktionsschluß erhältliche Update auf Version 4.2 funktionierte bei mir leider nur mit dem englischen Sprachenkatalog (data/lingua/Photogenics.etf). Das Backup, das dabei von der Version 4.1 angelegt wurde, war aber noch voll lauffähig.

Fehlen noch eine aktuelle, deutsche Anleitung, etwas mehr Stabilität und Photogenics wäre für den Augenblick das perfekte Bildbearbeitungs- und Malprogramm.

Produkt: Photogenics Hersteller: Paul Nolan Ltd.
Art: Bildbearbeitung Version: 4.2
Preis: 169 DM Bez.Quelle: Oberland Computer
Leistungsfähigkeit:2
Benutzerfreundlich:2
Dokumentation:2
Preis-/Leistung:1
Gesamt:2

Adresse : Paul Nolan Limited, 37 Somervell Road, South Harrow, Middlesex, HA2 8TY, England
Internet: http://www.PaulNolan.com
E-Mail : pnolan@cix.co.uk


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