Vorwort
Auf der Messe "World of Amiga" im Juli 1999 wurde es endlich vorgestellt: IBrowse 2. Allerdings war die neue Version des beliebten Internet-Browsers so sehr mit Fehlern behaftet, daß eine öffentliche Demoversion nie erschien. Seit Anfang September ist nun IBrowse 2.1 im Handel erhältlich.
Keine Demoversion?
Die Schwierigkeiten beginnen schon, wenn man lediglich die Demoversion beziehen will, da dies eigentlich nur möglich ist, wenn man eine Bestellung aufgibt (dazu gleich mehr).
Der Käufer soll praktisch "die Katze im Sack kaufen", ohne vorher einen Blick auf das Programm zu werfen. Ein direkter Link zur Demoversion ist auf der Hisoft-Homepage nicht vorhanden.
Findige Leute fanden aber dann doch eine Bezugsquelle: http://www.ibrowse2.freeserve.co.uk/periwinkle.lha
Allerdings läßt die Qualität der Demoversion doch arg zu wünschen übrig, so daß die Haltung von Hisoft etwas verständlicher wird. ;-(
Bestellung
Hier gilt es weitere Klippen zu umschiffen.
Auf der Homepage von Hisoft besteht die Möglichkeit, ein Update einer 1.xx-Version oder die Vollversion zu ordern. Allerdings ist die Bestellung nur möglich, wenn man Besitzer einer Kreditkarte ist!
Während die Vollversion auch bei deutschen Händlern erhältlich ist, sind Updates ausschließlich über die Homepage von Hisoft (also lediglich per Kreditkarte) möglich. Hier stellt sich mir die Frage, ob Hisoft wirklich davon ausgeht, daß jeder Amiga-User so bonitär ist und eine solche besitzt.
Zirka zwei Wochen nach der Erstveröffentlichung lockerte Hisoft die Zahlungsmodalitäten etwas (vermutlich nach genügend Anfragen von Usern) und es werden nun auch Euro-Checks für das Updaten akzeptiert, die allerdings direkt zur Firma nach England gesandt werden müssen.
Nachdem ich schließlich im Besitz der Demoversion war, wurde mir bestätigt, daß ich das Keyfile für die Vollversion zwei Tage später per eMail erhalten würde. Leider wartete ich vergebens und erst ein erneuter Besuch der Hisoft-Homepage offenbarte mir plötzlich, daß man dort auch das Keyfile extra abfordern muß.
Ich gehe jetzt davon aus, daß ich die Orginalverpackung noch per Post erhalte.
Nun aber endlich zur Vorstellung der IBrowse 2.1-Vollversion:
Systemvoraussetzungen
Wie schon die vorherigen Versionen, setzt IBrowse MUI für die Oberflächendarstellung und einen AmiTCP-kompatiblen Stack, wie z.B. "Miami", als Online-Zugangssoftware voraus.
Hardwareseitig wird ein 68020-Prozessor, 3 MB Speicher und eine Festplatte benötigt.
Installation
Diese geht mittels des beigefügten Installerskripts schnell und bequem vonstatten und bereitet keinerlei Probleme.
Was kann IBrowse? Was ist neu?
Nachdem IBrowse 2.1 das erste Mal gestartet wurde, stellt man optisch fast keinerlei Unterschiede gegenüber den Vorgängerversionen fest. Sobald aber die Menues aktiviert werden, bemerkt man doch eine ganze Menge neu hinzugekommener Funktionen. Vor dem ersten Ausflug in das World Wide Web sollten diese aber erstmal konfiguriert werden.
Besitzer einer älteren Version können die Preferences übernehmen und sie als "Default-Setting" setzen. Leider wird IB 2.1 ohne eine deutsche Lokalisation geliefert, was das Konfigurieren zum Teil etwas erschwert. Die Einstellungen bieten schier unerschöpfliche Möglichkeiten und machen es möglich, das Programm komplett auf die eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden.
Hierfür ein großes Lob an IBrowse, ebenso für die komfortable Bedienung, die z.B. auch Drag & Drop-Aktionen unterstützt und die wichtigsten Funktionen schnell per Tastendruck nutzbar macht. Erwähnenswert ist auch die elegante Bookmark-Verwaltung, die eine Gruppenunterteilung der wichtigsten Links bietet.
Das Handbuch, das man auch im Online-Angebot herunterladen kann, ist englischsprachig und besteht aus einigen HTML-Zusatzseiten zur Version 1.xx.
IBrowse 2.1 unterstützt nun auch HTML 4.0-Befehle, Java-Script (dazu komme ich später noch) und eine Paßwort-Verwaltung - sehr nützlich, denn es gibt immer mehr Seiten im WWW, die eine User- und Paßwort-Eingabe benötigen. Diese Eingaben können nun vollkommen automatisch vom Passwort-Manager übernommen werden, wofür allerdings die jeweiligen Seiten-Cookis vorher gesichert werden müssen, was ja nicht bei jedem Nutzer Wohlgefallen auslöst.
Eine weitere willkommene Neuerung von IBrowse 2.1, ist die Verwendung von 'http-resume'. Diese Funktion ermöglicht es, unterbrochene Datentransfers später wieder fortzusetzen. Von den mir bekannten Amiga-Browsern ist es IBrowse als erstem möglich, einzelnen Internet-Seiten eigene Schriftarten zuzuweisen.
Keine Neuerung, aber dennoch einer Erwähnung wert, ist, daß ARexx- Programme unterstützt werden.
Der tägliche Betrieb
Nachdem IBrowse auf meinen 68040-Amiga online ging, fällt die Optimierung der Lademodule auf, die einen rasanten Text- und Grafikaufbau garantieren. Das wird durch interne Grafikanzeiger erreicht, es können aber alternativ auch Datatypes genutzt werden. Zur Zeit gibt es wohl keinen schnelleren Amiga-Browser.
Der Hersteller Omnipresence versprach im Vorfeld der Veröffentlichung PPC- optimierte Lademodule. Sie sind aber leider in der aktuellen Version nicht dabei und ein Hinweis auf ihr Erscheinen ist nirgends zu entnehmen.
In der aktuellen Version vermisse ich die deutsche Lokalisation. Zwar sind die englischsprachen Befehle von IBrowse auch für den nur mäßig Englischkundigen leicht verständlich, aber bei Tastaturkürzeln bestehen diverse Unterschiede zwischen der deutschen und englischen Version, die anfangs zu Verwechslungen führen. Zum Beispiel ist in der deutschen Vorgängerversion der Buchstabe 'B' dem Befehl 'Bilder laden' zugewiesen, in der englischen Version dieses Tests jedoch dem Befehl "Back" (=eine Seite zurück).
Nun dazu, wie IB 2.1 mit Java-Skripten umgeht:
IB unterstützt den Standard 'Java-Skript ECMA-262' (jetzt ISO-16262). Ich habe mehrere Tests in dieser Hinsicht durchgeführt und ca. 80 Prozent der Skripte funktionierten erfreulicherweise einwandfrei. Trotzdem empfiehlt es sich für Online-Sitzungen Java-Skript zu deaktivieren und nur anzuwenden, wenn eine Seite explizit Java verlangt.
Der Grund hierfür ist: des öfteren wird durch die Integration von Java-Skripten ein zweites Fenster geöffnet, das fast immer mit Werbung des jeweiligen Seitenproviders gefüllt ist. Das ist allerdings kein Fehler von IBrowse, sondern zurückzuführen auf den Mißbrauch von Java-Skripten.
Bei manchen Frameseiten, die Java beinhalten, kommt es zu Endlosscheifen im Seitenaufbau, was zum einen mehr als lästig ist, und zum anderen den Browser früher oder später zum Absturz zwingt. Hier ist eine Beispielseite: http://www.sportline.de/nfv/
Einige Probleme
Nun sind wir auch schon mitten beim Thema der Instabilität und Fehler von IB, die die Eingangs genannten und äußerst beeindruckenden Fähigkeiten dieses Browsers mit einen Schlag ins Wanken bringen.
IB 2.1 ist zur Zeit extrem instabil. Zu häufig erscheinen Fehlerrequester ohne ersichtliche Gründe, die dann IB 2.1 zum Absturz bwingen und gleich das ganze System aufhängen. Es gibt auch einige Seiten im WWW, bei deren Aufruf IBrowse umgehend abstürzt. Als Beispiel hierfür sei nur folgende Adresse genannt: http://www.psxcover.de
An und wann kommt es auch zu Fehlern in der Darstellung der Bilder, aber ein nochmaliges Laden zeigt sie dann korrekt an.
Ein weiterer Fehler läßt sich jederzeit reproduzieren, indem man dem Cache-Browser ein nicht existentes Verzeichnis zuweist. Dies quittiert IB 2.1 erst mit einer Menge von Fehlermeldungen, dann werden die Cache- Daten (ohne Nachfrage) auf der Workbench gesichert. Gleichzeitig wird mit dem Fehler "Workbench hat einen Prüfsummenfehler auf Block -1" (!) abgebrochen. Danach darf man dann seine Workbench aufräumen/reparieren!
Fazit
Die ersten Versionen von IBrowse fielen durch völlige Instabilität auf. Seit Erscheinen der Version 1.22 dachte man, das würde der Vergangenheit angehören. Leider bringt die 'Verjüngung' auf die Version 2.1 auch wieder die anfänglichen Kinderkrankheiten mit sich und läßt ein kontinuerliches Websurfen nicht zu, so daß man doch gezwungen ist, auf die Version 1.22 zurückzugreifen.
Negativ sind die bemängelten Bestell- bzw. Update-Möglichkeiten und Zweifel kommen mir auch hinsichtlich des offenbar ungenügenden Betatestens des Programmes. E-Mails meinerseits mit Hinweisen auf bestehende Mängel blieben vom IBrowse-Supportteam unbeantwortet, während eine Nachfrage zur Bestellung des Programms an einem Sonntag innerhalb von 20 Minuten persönlich beantwortet wurde.
Um es zusammenzufassen: IBrowse 2.1 bietet einen wirklich faszinierenden Funktionsumfang, der im Moment alle Amiga-Browser-Konkurrenten weit hinter sich läßt und eine Entwicklung zu einem ausgereiften Top-Browser möglich machen könnte.
Die im Text aufgeführten und sehr häufig auftretenden gravieren Mängel führen aber zu einem bitteren Punkteabzug und machen IB zur Zeit leider nicht empfehlenswert.
Sobald Updates zur Beseitung der Fehler erscheinen, werde ich es Sie hier im AmZeiger wissen lassen.
| Produkt: | IBrowse 2 | Hersteller: | Hisoft / Omnipr. |
| Art: | Web-Browser | Version: | 2.1 |
| Preis: | ca. 99,- DM | Bez.Quelle: | Hisoft+Fachh.(¹) |
| Leistungsfähigkeit: | 4 | ||
| Benutzerfreundlich: | 1 | ||
| Dokumentation: | 3 | ||
| Preis-/Leistung: | 3 | ||
| Gesamt: | 3 | ||
(¹) - Im Fachhandel ist nur der Bezug der Vollversion möglich.
Internet : http://www.hisoft.co.uk/
E-Mail : ibrowse-support@hisoft.co.uk
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