Mal vorausgesetzt, Amiga Inc. zeigt sich diesmal standhaft und bleibt beim Pro-Linux-Statement: Was heißt das eigentlich für den jetzigen Amiga-Markt?
In dem ganzen Gezeter um die Rechnerhard- und software ist der eigentliche Motor des Amiga ganz außer acht gelassen worden: Die Industrie drumherum! Viele Amiga-Spezialfirmen sind zugrundegegangen, weil die Nachfrage nicht groß genug für einen überlebensfähigen Umsatz war. Die wenigen, die es noch gibt, fahren zweigleisig mit Amiga/Mac oder Amiga/PC. Typischerweise werden die bei einer Linux-Maschine den Amiga-Classic-Bereich einfach einstampfen. Das sieht man jetzt schon mit dem Betteln nach Vorbestellungen.
Sehen wir uns doch mal die Web-Browser an. Wird irgend jemand, der Netscape umsonst bekommt, noch für eine portierte Version von AWeb, iBrowse oder Voyager Geld bezahlen? Wer braucht Miami oder Genesis, wenn Linux seinen TCP-Stack schon eingebaut hat?
Neuentwicklungen sind nicht mehr von einer engagierten Gemeinde zu erwarten, sondern von großen Firmen mit entsprechend gesalzenen Preisen. Schließlich entwickelt schon die halbe PC-Software-Industrie für Linux, warum also nicht schnell mal eine Office-Suite portieren - ist doch ganz leicht mit Linux. Im Handumdrehen ohne viel Aufwand mehr Geld verdient. Oder doch nicht?
Sicher, Star Office ist für Privatleute kostenlos, aber wenn es nicht auf die andere Architektur eines NG-Amigas umgesetzt wird, weil der Officemarkt dahinter zu klein (nämlich nicht existent) ist, war's wohl nix mit billig. "Geschenkt"auf dem PC heißt immer, irgend jemand anderes zahlt dafür! Das wird auch die Amiga-Gemeinde bald merken und schlucken müssen.
Die angekündigten NG-Amigas machen großangelegte Neuorientierungen für alle nötig - Hersteller und User. Wie soll da das Amiga-Feeling erhalten bleiben?
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