"Risk" / Megadeth

von
Lukas Fichtinger

Endlich, endlich, endlich... hat eine meiner Lieblingsbands wieder ein neues Album herausgebracht. Das letzte, "Cryptic Writings" (übrigens sehr gut), liegt ja schon zwei Jahre zurück.

Allerdings mein erster Eindruck nach dem Reinhören: naja...

Aber fangen wir mal mit dem Optischen an: Das Booklet ist in gelb gehalten und beeinhaltet die üblichen Bandphotos, die aber diesmal im Vergleich zu den Alben "Cryptic Writings" (1997) und "Youthanasia" (1994) irgendwie uninspiriert und einfallslos wirken. Aber dazu noch später. Was mich wirklich ärgerte, war, daß diesmal die Liedtexte nicht abgedruckt wurden.

Da ich mir gerne, besonders beim ersten Hören, gleichzeitig den Text durchlese (wenn er es wert ist, aber bei Megadeth ist er das meistens. Vielleicht hatte da jemand Angst, diesmal wäre es überhaupt nicht so?), war ich diesmal ziemlich enttäuscht, obwohl er bei der ersten, hart und schnell gehaltenen Nummer "Insomnia" anscheinend nur aus ein paar Zeilen ("Insomnia - I can't go to sleep" oder so in die Richtung) besteht, was eigentlich im Vergleich zu ihren anderen Alben ungewöhnlich ist.

Außerdem ist man als Megadeth-Kenner leicht überrascht, daß auf diesem Album keines ihre typisch depressiven "Gebrochenes Herz"-Lieder ist, wo diese harte Schwermütigkeit (damit meine ich, es ging nie so in die Richtung Gothik oder ähnlich - sie blieben, egal ob depressiv oder agressiv, immer eine Heavy Metal-Band) doch von manchen Leuten schon fast als Markenzeichen bezeichnet wurde!

Und jetzt zu den Bandphotos: Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich in den 2-3 Jahren zwischen den einzelnen Alben die Leute verändern und besonders lustig anzusehen, wenn man, wie ich, alle verfügbaren Alben besitzt. Ich denke da an ihre Anfänge in den Achtzigern ("So far, so good, so what", dort sind übrigens ein paar meiner Lieblingsnummern versammelt) bis zu dem recht verkrachten "Rust in Peace", in dem sie auch ziemlich schlecht aussehen.

Es ist schade, daß sie sich von ihrem Drummer Nick Menza getrennt haben (ca. 1998). Statt dessen wurde Jimmy DeGrasso in die Band aufgenommen, aus dieser Anfangszeit gibt es ein paar unfreiwillig komische Fotos auf denen DeGrasso mit ultrakurzen Haaren leicht verloren zwischen all den Typen mit den langen Mähnen steht. David Ellefson, der in "Cryptic Writings" auf den wunderschönen in schwarz/weiß gehaltenen Photos irgendwie wie ein alkoholsüchtiger Penner aussah, hat sich jetzt die Haare aufhellen, ein bißchen kürzen und kräuseln lassen, wodurch er auf den ersten Blick gar nicht mehr erkennbar ist und um Jahre jünger aussieht, im Gegensatz zum Gründer der Band, Ex-Mitglied von "Metallica", Dave Mustaine.

Sein schönes, fein geschnittenes Gesicht wirkt jetzt aufgedunsen und krank. Tja... DeGrasso fällt jetzt nicht mehr auf, weil er sich auch die Haare wachsen ließ.

Aber jetzt (endlich) zum Sound:

Also um es gleich zu sagen, "Cryptic Writings" war um Hochhäuser besser, auch von der Gestaltung des Booklets her. Auf "Risk" sind die Songs alle insgesamt zu soft und die Songs, die eigentlich hart hätten sein sollen, wirken nur bemüht hart (z.B. "Crush 'Em"). Die soften Songs sind aber meistens gut, obwohl man zum Beispiel bei "The Doctor is calling" fragt, um was es in diesem reingemischten Telefongespräch überhaupt gehen soll. Obwohl Mustaines Gesangsstil derselbe geblieben ist, fehlt auch ihm das gewisse Etwas, welches überhaupt dem ganzen Album fehlt. Schade.

Der CD-Extra-Track ist einfach, aber gelungen. Ein Quicktime-Video mit Interviews der Band, in dem Mustaines Verfall meiner Meinung nach noch deutlicher zu sehen ist und der mich irgendwie an den gealterten "Capt. Kirk" William Shatner erinnert.

Auch ihre Homepage http://www.megadeth.com konnte mich nicht vom konnte mich nicht vom Hocker reißen. Das ShockWave-Plugin für ein paar Effekte zu nutzen, ist ja ganz nett, aber es so zu übertreiben, wie hier und alles mit Effekten zuzukleistern, ist meiner Meinung nach übertrieben. Jedem der glaubt, Megadeth wären nur ein paar primitive Heavy Metal-Typen, die nichts können, außer möglichst laut zu spielen, wird dieses Album (wie aber jedes andere auch) natürlich das Gegenteil beweisen.

Aber, wie gesagt, das Vorgängeralbum "Cryptic Writings" war einfach inspirierter, besser balanciert zwischen harten und softeren Nummern und außerdem waren da alle Texte im Booklet abgedruckt (für mich ein wichtiger Punkt) welches auch besser gestaltet war. Da kann man nur hoffen und beten, daß ihr nächstes Werk besser wird und dieses nicht so stark floppt, daß sie allen Mut verlieren.

(c) by Capitol Records Inc. 1999, ca. 29,- DM bzw. 44,- DM (¹)

(¹) - In der Version mit der zweiten CD, die von jedem bisher veröffentlichtem Album einen ausgewählten Track und ein Interview mit Dave Mustaine enthält (meiner Meinung nach zwar reiner Nepp, genauso wie diese teuerere Version von "Cryptic Writings", die einen Track mehr enthielt - aber wer's will...)


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