"Hackerland" / Denis Moschitto & Evrim Sen

von
Peter Fischer

"Hackerland - Das Logbuch der Szene" versucht dem Leser die mythenumwobenen Geschichten und Erlebnisse rund um die Computerszene näherzubringen.

Die beiden Autoren Denis Moschitto und Evrim Sen, die selbst jahrelang Mitglieder der Amiga-Demo-Szene bei den Gruppen "Scoopex" und "Shining 8" waren, gliederten das Buch in mehrere Abschnitte, auf die ich später noch eingehen werde.

Das Cover des Taschenbuchs zeigt eine Computer-Tastatur im "nackten" Zustand (also ohne Gehäuse), was bei mir kurzfristig den Gedanken aufkommen ließ, ob denn im Buch auch einige interessante Bastelanleitungen zu finden seien, die eventuell zu eigenen (illegalen?) Tätigkeiten führen könnten.

Die Antwort hierauf lautet: Nein, so etwas ist hier nicht zu finden. Es werden zwar verschiedene Möglichkeiten der Szene grob umschrieben, wie z.B. das kostenlose Telefonieren mit "Calling Cards", aber technische Details darüber wurden nicht veröffentlicht.

"Hackerland" ist in sieben Kapitel aufgeteilt, die von den ersten Aktivitäten der Szene (ca. 1984) bis zum heutigen Tag erzählen.

Softwarepiraterie

Angefangen von den ersten Raubkopierern (auf dem Commodore 64) bis hin zum heutigen Bezug von Cracks im Internet, wird hier die Chronologie derartiger Aktionen geschildert.

Mailboxsysteme

Dieser Abschnitt enthält interessante Informationen über den Betrieb und die Regeln dieser "Online-Bezugsquelle".

Der Phreaker

Telefonieren ist teuer. Das es auch anders geht, ist hier zu lesen.

Die Szene und das Gesetz

Diese Kapitelbezeichnung sollte selbsterkärend sein.

Die Kunst des Hackens

Dieser Abschnitt ist am größten ausgefallen. Auf über 20 Seiten wird hier ausführlich auf den Mythos des Hackens eingegangen.

Hauptsache Spaß

Hier wird die andere (legale!) Seite der Szene beschrieben: die Demoszene! Auch ein Bericht über Szene-Partys (z.B. "The Party" in Dänemark) wurde nicht vergessen.

Im Kontakt mit der Szene

Welche Möglichkeiten bestehen, selbst mit Szenemitliedern in Kontakt zu treten und was dabei für Regeln zu beachten sind, wird hier erläutert.

Nach diesen Abschnitten folgt der Anhang, welcher nicht minder interessant ist:

Hier finden sich u.a. Interviews mit Szenemitgliedern, als auch Softwarefirmen, ein Internet-Adressenverzeichnis, sowie ein Lexikon der Szenebegriffe.

Der Amiga selbst wird im Buch fast gar nicht namentlich erwähnt, dennoch spürt man förmlich, daß viele Aktivitäten mit eben diesem Rechner stattfanden.

Im Nachwort des Buches wird befürchtet, daß die Veröffentlichung von "Hackerland" eventuell der Szene schaden könnte, doch aus meiner objektiven Sicht- und Leseweise konnte ich hierfür keinen Anhaltspunkt finden.

Bemerkenswert finde ich die Zeilen der beiden Autoren, die den Wandel der Szene vom einstigen Pioniergeist und dem Zusammenhalt der Szene zur heutigen Kommerzialisierung kritisch ansprechen!

Fazit:

Wenn man selbst einigermaßen über die geschichtlichen Ereignisse in diesem Umfeld informiert ist, so wird man sicherlich die meisten Fakten des Buches schon kennen.

Die einstige Amiga-Zeitschrift "Amiga Joker" informierte Zeit Ihres Bestehens viel über diese Szene, so daß die ehemaligen Leser dieser Publikation nicht allzuviel neues erfahren.

Trotzdem ist es sehr erfreulich, daß alle einschlägigen Informationen in einem Werk zusammengefaßt wurden, von daher ist "Hackerland" für alle Computer-Interessierten eine empfehlenswerte Lektüre.

Ich selbst habe daß 170-seitige Buch in einem Stück durchgelesen. Da dies eine Seltenheit bei mir ist, beweist es mir, daß mich der Ausflug in's "Hackerland" faszinierte.

Denis Moschitto und Evrim Sen - "Hackerland"
Taschenbuch, 170 Seiten (1999)
Tropen Verlag, Köln, ISBN: 3-932170-29-6

Preis: 24,80 DM

http://www.hackerland.de


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