Nun ist sie endlich da, die dritte CD der US-amerikanischen Gruppe 'Machine Head'. Komplett, von der CD-Hülle, dem Cover und der CD selbst, in tiefrot gehalten, merkt man, wie sehr der Albumtitel hier auch nochmal symbolisch Ausdruck fandt.
Wer ist Machine Head?
Nachdem sich die Heavy-Metal-Musik Anfang der 90'er Jahre durch die Integration neuer Stile, wie z.B. Grunge, immer radiokompatibler wurde, erschütterte Machine Head 1994 die Heavy-Metal-Welt mit dem brachialen Album "Burn my Eyes".
Dieses Album bestach durch enorme Härte und gleichzeitig spieltechnisch herausragenden Finessen, die bis dato nicht bekannt waren. Damit katapultierte Machine Head sich gleich in die Eliteliga der harten Musik und für alle anderen Gruppen dieser Richtung, auch für Machine Head selbst, war ein neuer Maßstab gesetzt, der bis heute kaum wieder erreicht wurde.
Das 1997 erschienene Nachfolgealbum "The More Things Change...", das dreimal neu eingespielt werden mußte, da die Gruppe mit den Studioaufnahmen nicht zufrieden war, ergab hinsichtlich des Stils eine kleine Änderung, indem das Tempo der Songs ein wenig gedrosselt wurde. Dies führte zu einigen Kritiken an dem Album, die ihm ein etwas eintöniges Songmaterial vorwarfen.
Diese Kritiken nahm sich Machine Head zu Herzen und will nun mit dem neuen Album überzeugen.
Musik
Um es gleich vorweg zu nehmen: Machine Head hat nichts an Härte verloren!
Die Komplexität und die Abwechlungsvielfalt der Songs hat aber enorm zugenommen, so daß man sich das ganze Album erst nach mehrmaligen Durchläufen richtig erschließen kann.
High-Speed-Passagen finden sich nicht mehr auf der CD, die typischen Riffs und der gewaltige Groove stehen dagegen nach wie vor im Vordergrund.
Der Sound ist überwältigend, nur wenige meiner CD's besitzen dieses glasklare und gewaltige Soundvolumen. Um sich die Qualität aber auch zugänglich zu machen, sollte man den Lautstärkeregler doch ein ganz großes Stück weiter aufdrehen und/oder einen guten Kopfhörer verwenden.
12 Songs sind auf der CD mit einer Gesamtlänge von ca. 60 Minuten vertreten, hier erkennt man schon, daß die Länge eines Songs mit durchschnittlich fünf Minuten weit über dem normalen Schnitt liegt.
Die Titel sind vielfältig aufgebaut, zwei von ihnen ("Desire to Fire" und "From This Day") sind sogar durch HipHop-Elemente aufgelockert.
Zwei weitere Songs fallen musikalisch ebenfalls aus dem Gesamtkonzept. Der Titelsong "The Burning Red", den man wohl als erste Ballade Machine Heads bezeichnen kann und das sehr gelungene Police-Cover "Message in a Bottle". Dieser Titel, den wohl jeder von uns kennt, hat weiterhin einen sehr hohen Wiedererkennungswert, wurde aber sehr gelungen mit dem typischen Machine Head-Groove versehen.
Lyrik
Während sich die Texte auf den ersten beiden Alben noch um die Verherrlichung von Kriminalität, Drogen und ähnlichem drehten, sind die aktuellen zwar mit der gleichen Thematik befasst, allerdings wird sie diesmal sozialkritisch beleuchtet und dadurch erstmals auch lesenswert!
Fazit
Die Befürchtungen vor der Veröffentlichung des Albums, Machine Head könnten an Härte verloren haben, wischt dieses Album eindrucksvoll vom Tisch.
"The Burning Red" ist gegenüber dem Vorgängeralbum wieder ein Schritt nach vorne, was sich dem Hörer aber erst nach mehrmaligen Hören der CD komplett erschließt. Durch die komplexen Kompositionen wurde eine facettenreiche Vielfalt erschlossen, die der Gruppe wohl auch einen neuen Hörerkreis erschließen kann.
Nichtdestotrotz bleibt das Debütalbum "Burn my Eyes" für mich dennoch unerreicht, dies liegt aber auch daran, daß sich meine persönlicher Geschmack an sehr schnellen Songs orientiert.
(C) Roadrunner Record 1999, ca. 29,- DM
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