"Bis das Blut gefriert"
(The Haunting)

(1963)

von
Lukas Fichtinger

"Ein böses altes Haus... drohend, geheimnisvoll. Wie ein unentdecktes Land das es zu erforschen gilt."
Dr. Markway am Beginn von "Bis das Blut gefriert".

Dieser Klassiker des Horrorfilms von Robert Wise ("West Side Story", "The Sound of Music") gewinnt gerade jetzt wieder an Aktualität, da er von Jan de Bont ("Speed") mit Catherine Zeta Jones neu verfilmt wurde und in dieser Fassung im Oktober in die Kinos kommen wird. Schon allein von den Berichten her läßt sich aber sagen, daß das Remake wohl kaum das Niveau des Originals erreichen wird und wahrscheinlich zum Großteil aus aufwendiger Effekthascherei besteht.

"The Haunting" basiert auf dem Roman "The Haunting of Hill House" von Shirley Jackson, die in Amerika schon zu ihren Lebzeiten als geniale Autorin des Psychohorrors gefeiert wurde. Ihr erster Durchbruch war eine Kurzgeschichte für eine Tageszeitung, die die Leser so verschreckte, daß sie die Redaktion sofort mit Leserbriefen bombardierten.

Dr. Markway (George Johnson) ist ein anerkannter Wissenschaftler, der ein bizarres Experiment vorhat: Die Untersuchung eines als verflucht geltenden Hauses. Auf seiner Suche nach einem geeigneten Anwesen, stößt er auf Hill House, das verlassene Anwesen des Millionärs Hugh Crain.

Seit eine seiner Töchter als alte Frau auf mysteriöse Weise im Haus umkam und ihre Gesellschafterin als Alleinerbin das Haus bewohnte, häuften sich Gerüchte um seltsame Vorgänge im Haus. Nachdem die Gesellschafterin sich im Turm erhängt, wird das Haus verschlossen.

Dr. Markway hat vor, das Haus für einige Zeit mit ausgewählten Assistenten zu bewohnen, um etwaige auftretende paranormale Erscheinungen zu registrieren.

Nachdem der Film die dramatische Geschichte des Hauses und das Vorhaben des Doktors geschildert hat, schwenkt er gleich über zum Geschehen rund um seine Protagonistin, Eleonor Lance (Julie Harris,"Jenseits von Eden"). Der Film wird aus ihrer Sicht erzählt. Eleonor lebt seit dem Tod ihrer Mutter bei ihrer ekelhaften Schwester, die ihr vorwirft, die kranke Mutter nicht richtig gepflegt zu haben.

Die Einladung von Dr. Markway ist für sie die erste Chance, aus dem tristen Alltag zu entfliehen. Schon von Anfang an klammert sie sich an den Strohhalm, daß bei diesem Ausflug etwas in ihrem Leben geschehen muß. Doch schon beim ersten Blick auf Hill House weiß sie, daß es böse ist.

Neben Eleonor sind nur noch die lebenslustige Theodora (Claire Bloom, "Die Brüder Karamasow") und der Skeptiker Luke (Russ Tamblyn, "West Side Story") anwesend, der das Haus einmal erben wird.

Schon in der ersten Nacht manifestieren sich die paranormalen Kräfte, und Eleonor sowie Theodora werden in ihrem Zimmer tyrannisiert. Eleonor verstrickt sich mit der Zeit immer tiefer in ihrer Vorstellung, daß Hill House ihr wirkliches Zuhause ist. Als auch noch die Frau des Doktors (Lois Maxwell, bekannt als "Miss Moneypenny") vorbeischaut und prompt bei einem übersinnlichen Höllenspektakel entführt wird, hält der Doktor es für besser, wenn sie Hill House wieder verläßt.

Eleonors zerquälte Seele kann sich jedoch dem Griff von Hill House nicht entreißen und mit letzter Verzweiflung fährt Eleonor ihr Auto gegen einen Baum als sie das Grundstück verlassen soll. Das Haus hat somit, was es wollte.

"Wie viele wird Hill House noch in seinen Bann schrecken? Doch wo liegt es eigentlich, dieses Hill House? In Neuengland heißt es, oder vielleicht doch in einem unbekannten Ort unserer Seele, der zwischen Gut und Böse entscheidet? Ich weiß nicht."
Eleonor am Ende von "Bis das Blut gefriert"

Der Film beeindruckt besonders durch die, bis in die Nebenrollen fantastische Leistung der Schauspieler. Julie Harris überzeugt besonders als heimatlose, einsame, junge Frau, die einfach nur ein Zuhause sucht.

Auch die Musik von Humphrey Searle, der für alle Hauptpersonen jeweils ein eigenes Thema komponierte und diese dann immer wieder variiert, trägt einiges zur Atmosphäre des Films bei. Am beeindruckendsten ist jedoch die Inszenierung von Robert Wise und seine sorgfältig komponierten, wunderschön fotographierten Schwarzweißbilder.

Der Film ist auf VHS in der Reihe "Terror Classics", auf Laserdisc und wahrscheinlich auch bald auf DVD erhältlich. Der Roman "The Haunting of Hill House" von Shirley Jackson ist im Penguin Verlag erschienen bzw. in Deutsch als "Spuk in Hill House".

Das Bild oben ist ein PR-Foto für den Film und zeigt das Team vor Hill House. Von links nach rechts: Theodora (Claire Bloom), Luke (Russ Tamblyn), Eleonor (Julie Harris), Dr. Markway (George Johnson)


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