Für diesen Kurs sind vier Teile geplant:
Roter Teppich
Nachdem Sie nun Ihre Rechner vernetzt und über einen TCP-Stack eine Verbindung hergestellt haben, können Sie endlich auch Anwendungsprogramme benutzen. Die meisten werden Sie schon besitzen, etwa einen Webbrowser und ein FTP-Programm.
Haben Sie sich für Genesis oder Miami Deluxe entschieden, können Sie Ihren Amiga zum Internet-Gateway machen, falls er eine Wählverbindung zum Internet hat. Hierzu müssen Sie nur "Gateway" (Genesis) oder "IP-NAT" (Miami Deluxe) aktivieren, und schon werden Anfragen der lokalen Rechner im Netz ins Internet geroutet und umgekehrt die Antworten aus dem Netz wieder an die richtigen lokalen Rechner weitergegeben.
In der neuesten Beta-Version besitzt Miami Deluxe nun auch einen IP-Filter wie Genesis und außerdem eine Seite für SysCtrl-Einstellungen, für die zuvor nur ein Shell-Tool vorlag. Damit kann Miami Dx nun alles, was auch Genesis kann - bis auf die fehlenden Server, die aber leicht extern nachrüstbar sind.
Bevollmächtigter
Nur als geteilter Internetzugang ist ein lokales Netz aber viel zu schade, denn man will ja nicht immer gleich ins Internet, was dann richtig Geld kosten kann. Da empfiehlt es sich, auf dem Gateway-Rechner gleich einen Proxy einzurichten.
Ursprünglich ist "Proxy" ein juristischer Begriff und meint jemanden, der mit einer Vollmacht ausgestattet ist, also stellvertretend z.B. an einer Verhandlung teilnimmt.
Ein Netzwerk-Proxy ist also ein Programm, das stellvertretend für alle Rechner im Netz ans Internet geht. Das hat allerdings den Preis, daß der Proxy nur das HTTP-Protokoll unterstützt. FTP, IRC, etc. sind darüber nicht möglich. Der einzige Amiga-Proxy, den ich kenne, ist 'httpproxy0.14' im Aminet unter comm/tcp, seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt, aber ich habe ihn persönlich seit langem im Einsatz und er erledigt seine Sache zufriedenstellend.
Um den Proxy zu nutzen, muß man ihn einfach nur im Browser eintragen, statt dem des Providers. Um auf den Provider-Proxy nicht verzichten zu müssen, kann man 'httpproxy' so konfigurieren, daß es diesen intern nutzt - als "Proxy-Proxy".
Der Vorteil eines Proxys ist, daß er alle Webseiten eine einstellbare Zeit lang speichert, und solange nur auf die gespeicherten Seiten zugreift, wie sie als gültig markiert sind. In dieser Zeit braucht kein Zugriff auf das Internet zu erfolgen. Ungeeignet ist das natürlich für Seiten, die täglich oder noch öfter aktualisiert werden; für diese muß man ihn ausschalten oder per Reload-Doppelklick die fraglichen Seiten zwangsweise neu laden. Das ist aber reine Gewöhnungssache und bald in Fleisch und Blut übergegangen.
Nebenbei kann ein Proxy Seiten, die offline angefordert wurden, aber nicht vorhanden oder schon abgelaufen waren, beim nächsten Onlinegehen automatisch aktualisieren, so daß sie dann auch offline wieder existent sind.
Megaspeicher
Die interessanteste Anwendung für ein Netzwerk sind jedoch netzübergreifende Dateisysteme. Oft läuft die Festplatte auf einem Rechner schon über, während auf dem anderen noch massig Platz ist. Wie schön wäre es, den überschüssigen Platz bedarfsgerecht an die anderen Rechner zu verteilen. Hierzu braucht man nur ein Netzdateisystem wie NFS (Network File System) oder Samba. Für den Amiga gibt es beides, sowohl als Server zum Exportieren von Amiga-Partitionen, als auch als Client zum Importieren von Partitionen anderer Rechner.
Unter Windows und MacOS sieht es leider nicht so rosig aus, da sind alle NFS-Server kommerziell. Lediglich Samba wird von Windows aus uneingeschränkt unterstützt. MacOS hat sowieso ein eigenes Protokoll (AppleTalk und AppleShare), aber mit einiger Suche wird sich vielleicht etwas passendes finden lassen. Leider habe ich keinen Mac, so daß ich das nicht ausprobieren kann.
Linux unterstützt hingegen NFS vollkommen, es stammt schließlich aus der Unix-Welt. Auch Samba wird voll unterstützt, wenn ich es auch auf meinem Rechner einfach nicht zum Laufen bewegen konnte. Ein Vorgeschmack auf die schöne, neue Linux-Welt der kommenden Amiga-Modelle... [...sollten wirklich welche erscheinen, was derzeit wieder einmal zweifelhaft ist; d. Chefred.] Linux unterstützt auch die Mac-Protokolle, so daß man hier doch noch Partitionen mit anderen Rechnern teilen kann, wenn man sie re-exportiert, also die Mac-Partitionen unter Linux abbildet und dann z.B. per NFS wieder exportiert.
Noch einige Links, die das Samba-Leben etwas einfacher machen:
Für NFS hat AmiTCP, bzw. Genesis schon einen Client im Paket, der auch mit Miami bestens funktioniert.
Ein Server ist unter "http://www.warwick.ac.uk/~mavfh/nfsd/" zu finden.
Klimmzug
Vor allem Samba ist nicht leicht zu konfigurieren. Das liegt weniger am Amiga, als an der Sturheit der Windowsversion, die Probleme mit unverschlüsselten Passwörtern macht und unbelehrbar nach Netzdruckern und anderen Services sucht. Ein Einbinden des Amiga über Arbeitsgruppen in einen Windows-PC wollte mir nicht gelingen, erst wenn eine Amiga- Partition als PC-Laufwerk (z.B. "F:") eingebunden ist, funktioniert auch die Arbeitsgruppe.
Eine gute Anleitung findet sich auf der Miami-Homepage: http://www.nordicglobal.com/MSamba.txt
Bei NFS ist die einzige Stolperfalle die Systemsicherheit von Unix. Standardmäßig ist es dem Systemverwalter "root" nicht erlaubt, auf NFS- Partionen schreibend zuzugreifen, da es als "root" möglich ist, wirklich alles mit dem Zielrechner anzustellen. Bei Rechnern ohne Userverwaltung (Amiga, Mac, Windows 9x) ist der einzige User des Systems aber standardmäßig "root".
Der oben angegebene NFS-Server hat deswegen die Option "allowroot", das dem User "root" Schreiberlaubnis erteilt. Es muß aber jedem klar sein, daß dies ein Sicherheitsloch darstellt, wenn der Rechner auch am Internet hängt.
Klassiker
Aber auch ohne Netzwerkdateisysteme kann man glücklich werden. Läßt man auf jedem Rechner einen FTP-Server laufen, so kann man, zumindest vom Amiga aus, die FTP-Verzeichnisse der anderen Rechner mittels FTPMount als ein Laufwerk mounten. Der Vorteil ist, daß FTPMount (im Aminet unter comm/tcp/FTPMount_1_0.lha, bzw. FTPMount_upd.lha) wesentlich weniger Speicher verbraucht, als portierte Komplettlösungen wie Samba.
Natürlich macht es auch Spaß, einen eigenen Webserver auf dem Amiga zu betreiben, nur ist der Nutzen natürlich fraglich, denn in der kurzen Zeit, die man online ist, wird der Server höchstens zufällig gefunden...
Wer trotzdem Spaß daran hat: Im Aminet unter comm/www gibt es eine bunte Vielfalt an Servern, vom klassischen "Apache" bis zum ARexx-gesteuerten "hserv". Wer an der Konfiguration nicht zugrunde gehen will, dem seien allerdings die Amiga-eigenen Server (PowerWeb, hserv, ...) nahegelegt.
Zu guter Letzt ist die Fern-Administration eines Rechners noch eine interessante Sache. Unter comm/tcp finden sich einige Telnet-Server, die für andere Rechner den direkten Zugriff auf eine Amiga-Shell ermöglichen. Hier geht wirklich alles, hat jemand eine Telnetverbindung zu Ihrem Rechner aufgebaut, ist löschen und formatieren nur eine Frage des Ein- oder Vertippens. Deshalb ist es auf jeden Fall unabdingbar, vorher genau die Anleitung zu den Programmen zu lesen, und die Sicherheitstips genau zu beherzigen. Finden Sie keine solchen Hinweise, dann lassen Sie lieber die Finger von dem Programm. Doch zu diesem Thema in der nächsten und letzten Netzwerk-Folge mehr.
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