Die Amiga-Historie 2/3

von
Gregor Franz

Vorbemerkung

Sicher hat jeder Amiga-User oder -Veteran schon einiges über die Amiga- Geschichte gehört. Die folgende Ausarbeitung, aufgeteilt in drei Teile, hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Allerdings habe ich den Versuch unternommen, nach dem Durchforsten zahlreicher Texte und Quellen möglichst viele begründete Details einzubringen, die teilweise auch den größeren Rahmen verdeutlichen sollen. Das gelegentliche Abschweifen ist also beabsichtigt. :)

Auch Widersprüche sind mir bei der Arbeit an diesem Text in manchen Quellen gelegentlich aufgefallen und ich habe mich immer bemüht, nur abgesicherte Informationen einfliessen zu lassen. Trotzdem kann ich keine Garantie für die Richtigkeit aller Angaben geben.

Dies ist mit Sicherheit eine der komplexesten Veröffentlichungen zu diesem Thema.

Die drei Teile in der Übersicht:
  1. Von den Anfängen bis zum Kauf durch Commodore
  2. Vom ersten Amiga bis zu den ersten AGA-Hinweisen
  3. Vom Amiga 600 bis zur Gateway-Übernahme

2. Vom ersten Amiga bis zu den ersten AGA-Hinweisen

Der erste Amiga

Zurück aber zum Amiga-Betriebssystem: zur Realisation von CAOS fehlte also die Zeit. Doch eine englische Firma namens 'MetaComCo' hatte ein fertiges Betriebssystem mit dem Namen 'Tripos' in der Schublade, das ebenfalls Multitasking, also die (scheinbare) Ausführung mehrerer Programme, ermöglichte - ein Prinzip, welches im großen Maßstab erst sehr lange Zeit später von anderen großen Herstellern aufgegriffen werden sollte. Dieses OS kaufte Commodore also und es wurde in Rekordzeit mit den bestehenden CAOS-Teilen verbunden und den Amiga-Erfordernissen angepaßt. Das Amiga-OS war geboren! Von Anfang an beinhaltete es eine einfache, mit Maus zu bedienende Benutzeroberfläche und konnte parallel auch über ein CLI (Command Line Interface) über Tastatur mit Befehlen gesteuert werden. Damit war es das erste OS, das beide Möglichkeiten gleichzeitig bot.

Der Amiga 1000 vereinigte schon einige Merkmale in sich, die auch später den Amiga ausmachen sollten. Sein Herz war der Hauptprozessor 68000 von Motorolla, dem Experten gegenüber den zeitgenössischen Intel-Prozessoren den Vorzug gaben, da er fortschrittlicher war. Bei dieser CPU handelte es sich um einen 16-Bit-Prozessor, der intern bereits volle 32 Bit verwendet. So gab es später, als die Nachfolger des 68000 erschwinglich und in Amigas eingesetzt wurden, keine Probleme mit alter Software, zumindest keine, die aus der Umstellung von 16 auf 32 Bit resultierten, wie etwa bei Windows 3.X zu Windows 95.

Aber nicht der Hauptprozessor war das besondere, denn die 680X0-Prozessoren wurden auch in den Atari ST's und Apples verwendet. Der Amiga besaß zusätzlich mehrere sogenannte 'Custom Chips', das sind Prozessoren, die im eigenen Hause entwickelt waren, um besondere Anforderungen zu erfüllen. Sie entlasten den Hauptprozessor, ähnlich zum Beispiel den weitverbreiteten mathematischen Koprozessoren (FPU's) bei speziellen Aufgaben. Im Laufe der Zeit gab es mehrere Custom Chips, die kleinere Teilaufgaben bei speziellen Amiga-Typen übernahmen und daher wechselten (Buster, Gary, Amber, Akiko). Grund für die Bekanntheit des Amiga waren aber drei spezielle, die in der ersten Amiga-Generation ihren Dienst versahen.

Quantensprung - die Custom Chips

Der erste, 'Agnus' (manchmal auch als Agnes bezeichnet), ist hauptsächlich für DMA zuständig. DMA steht für Direct Memory Access, also direkten Speicherzugriff und bedeutet, daß, wann immer der Rechner auf den Arbeitsspeicher zugreifen muß (und das passiert natürlich sehr häufig), nicht wie üblich der Hauptprozessor diese Aufgabe erfüllen muß und damit für diesen Zeitraum völlig ausgelastet ist, sondern Agnus dies übernimmt. Außerdem enthält Agnus auch den Blitter, eine Einheit, die schnell Speicherbereiche füllen, kopieren und logisch verknüpfen kann.

Der zweite Chip heißt 'Denise' (während der Entwicklung wurde er Daphne genannt). Er ist für Bilderzeugung und Bildaufbau verantwortlich. Mit einem speziellen Trick, den dieser Chip möglich macht, ist es möglich im HAM-Modus (HAM - Hold And Modify) bis zu 4096 Farben darzustellen.

Der dritte nennt sich 'Paula' (lief während der Entwicklung als Portia) und ist der einzige, der unverändert bis zum Amiga 4000 zum Einsatz kam. Dieser Custom Chip ist für Ein- und Ausgabe, Interruptverwaltung, sowie Diskettenzugriffe zuständig. Außerdem erzeugt Paula auch den Stereosound über vier unabhängige Tonkanäle.

Für die damalige Zeit ermöglichten diese Custom Chips, wie erwähnt, unglaubliche Leistungen zu einem guten Preis. Oh nein, guter Preis bedeutet nicht wenig Geld - der Amiga 1000 war sehr teuer - aber Maschinen, die ähnliche Leistungen boten, waren um ein vielfaches teurer. Die heute gewaltig verbesserten PC's, waren damals nur in sehr wenigen Wohnzimmern zu finden und taugten wirklich nur für gewerbliche Zwecke. Die Benutzeroberfläche beim Amiga war bereits intuitiv zu bedienen, eine Zweitasten-Maus z.B. Standard.

Doch nicht nur das

Außerdem unterstützt der Amiga von Hause aus den Fernsehstandard. Es gab spezielle Custom Chip-Versionen für den amerikanischen und den europäischen Markt, da in Amerika ja 'NTSC' und in den größten Teilen Europas, wie auch hier in Deutschland, 'PAL' der Fernsehstandard ist. Die Anpassung der Chips an den europäischen Markt verzögerte daher die dortige Markteinführung, so daß er jenseits des großen Teiches erst im März 1986 in der Alten Oper in Frankfurt/Main präsentiert wurde.

Seine TV-Fähigkeiten eröffneten neue Möglichkeiten Computer in Verbindung mit Video- und Film-Equipment einzusetzen. Mit einer speziellen Hardwareerweiterung, dem Sidecar, war er auch in der Lage die zeitgenössischen PC's zu emulieren, da das Problem der Kompatibilität eines neuen Computers, der nahezu ohne unterstützende Programme auf den Markt kommt, bereits damals akut war.

Probleme

Doch der Markt für den ersten Multimedia-Computer, der den Namen verdient hat - in einer Zeit, in der dieser Begriff noch nicht so abgegriffen war - und der in der Lage war, Sound in Sprachqualität zu liefern (er war der erste Computer der mit Software zur Sprachsynthese ausgeliefert wurde), gleichzeitig in hoher Qualität Filme und Musik abzuspielen, bzw. hochauflösende Grafiken anzuzeigen, war weniger im Geschäftsbereich, als im Heimsegment angesiedelt, das Commodore ja mit dem C64 erobert hatte. Dafür war der Preis, mit über 6.000 DM bei der Einführung, aber zu hoch, seine Herstellung zu teuer und die Verbreitung somit zu gering. Finanzprobleme (1986 verzeichnet die Firma bedrohlich hohe Verluste) bei Commodore ließen derweil auch die originale Entwicklergruppe von Amiga schrumpfen, bis die Abteilung in Los Gatos 1987 schließlich ganz geschlossen wurde.

Die nächste Amiga-Generation

Eine neue Produktreihe mußte her. Das war dann ab 1987 der Amiga 2000 im Desktop-Gehäuse, der die professionellen Ansprüche befriedigen sollte, und der legendäre Amiga 500, der dieselbe Technik, bis auf die Schnittstellenfreudigkeit, in einem Tastaturgehäuse vereinte. Bis auf Detailverbesserungen basierten A 500 und A 2000 grundsätzlich auf der Technik des Amiga 1000.

Mit diesen beiden Modellen begann der Amiga dann, nach einigen Anlaufschwierigkeiten, die Erfolgsleiter hinaufzuklettern. Denn bisher hatte es trotz Erfolgen große Probleme gegeben: die Einführung der neuen Modelle hatte zu lange gedauert, zu wenig gute Software war erschienen und Marketingprobleme, eigentlich über den gesamten Zeitraum, taten das ihre. Neben dem scharfen Konkurrenten Atari, waren es aber auch Modelle aus dem eigenen Hause, die dem Amiga das Leben schwer machten.

...und trotzdem wird der Amiga ein Erfolg

Nach dem Flop der neuen Produktlinie C16/C116 und Plus4 (vor der Einführung als 264 und 364 bezeichnet), die ursprünglich den C64 ablösen sollten, wurde der C 128 herausgebracht. Ihn gab es als Desktop-Modell mit abgesetzter Tastatur und auch in der Form des 'Tastaturcomputers', in der er optisch dem Amiga 500 sehr ähnelte. Der C 128 war unumstritten leistungsfähiger als der C64, hatte es aber schwer aus dem Schatten des kleinen Bruders zu treten und verdankte die Tatsache, kein totaler Reinfall zu werden, dem Umstand, daß er einen C64-Modus besaß, in dem er sich beinahe wie ein C64 verhielt und dessen Softwarepool benutzen konnte.

Das Problem dabei war, daß Commodore seine Ressourcen nicht zum überwiegenden Teil für die hoffnungsvolle neue Technologie Amiga einsetzte, sondern 'auf zu vielen Hochzeiten tanzte'. Zwar war Commodore in seiner Glanzzeit, also in diesem Moment, ein weltweiter Konzern und der Umsatz und Marktanteil waren sehr groß, aber dies wurde zum größten Teil im heute 'Consumermarkt' genannten Bereich, also bei den privaten Kunden erreicht - einem Feld, in dem die Preise durch die Konkurrenz ständig sinken und der Gewinn bei gleichbleibenden Produktionskosten im Verhältnis gering ausfällt. Im schlimmsten Fall ist in Situationen, in denen dann der Absatz sinkt, nur eine ungenügende Finanzdecke vorhanden, um mit neuen Innovationen das Ruder wieder herumzureißen.

Das Commodore seine Anstrengungen nicht bündelte und somit zu geringe Ressourcen freimachte, bezieht sich hier also nicht nur einfach auf Finanzmittel, sondern auch auf die Nutzung und Überlastung der Entwicklungskapazitäten. Lange Zeit kam zu wenig Neues heraus, gerade bei einem Hersteller, der keine Lizenzen für Nachbauten vergibt (Klone haben den Siegeszug des IBM-PCs ermöglicht) sind eigene, beständige Neuerungen eine Notwendigkeit, da Fremdhersteller kaum die Möglichkeit haben, entscheidende Weiterentwicklungen herauszubringen. Zwar kamen von Commodore 1988 Beschleuniger- bzw. PC-Emulatorkarten für den Amiga 2000 heraus, der damit teilweise unter anderen Bezeichnungen (Amiga 2500) auch als Bundle (Paket), ausgeliefert wurde, aber erst 1990 gab es einen wirklichen neuen Amiga-Rechner.

Ein wirklicher Fortschritt

Am 24. April 1990 wurde in Amerika der 'Amiga 3000' vorgestellt. Das gelungene Design hatte zwar die Schattenseite, daß weniger Erweiterungskarten als im A 2000 in ihm Platz hatten, dafür entsprachen die Steckplätze aber einem neuen Standard: Zorro-III, mit vollen 32-Bit Bandbreite. Als Zorro-I galt der A 1000-Steckplatz und mit Zorro-II bezeichnete man die Steckplätze, die im A 2000 verwendet wurden. Der ab Werk eingebaute neue Hauptprozessor war nun die echte 32-Bit-CPU 68030 von Motorolla, entweder mit 16 oder mit 25 MHz, und neben einem verbesserten Board-Design und einer SCSI-Schnittstelle, gab es ein neues verändertes (Custom-)Chipset 'ECS'.

'ECS' steht für Enhanced Chipset (verbessertes Chipset). Damit wurden zwar ein paar neue Bildschirmmodi möglich, in der Praxis waren sie aber durch eine designbedingte viel zu geringe Geschwindigkeit, außer in ein paar Spezialfällen, kaum zu verwenden und wurden auch danach von nur wenigen Anwendungen unterstützt. Der zusätzliche Chip Amber sorgte dafür, daß die bisher interlaceten (flimmernden) Grafikmodi, wie bei einem sogenannten Flickerfixer entflimmert werden.

Gegenüber ECS machte die neue OS-Version schon mehr Furore. Amiga-OS 2.0, lange Zeit lief es während der Entwicklung als Version 1.4, bot eine, gegenüber den bisherigen Versionen, stark verbesserte Leistung, moderneres Outfit und eine solide Grundlage für kommende OS-Versionen.

Nur in Großbritannien wurde ab 1990 der Amiga 1500 verkauft. Dabei handelte es sich aber lediglich um einen handelsüblichen Amiga 2000 mit zweitem Diskettenlaufwerk und 1 MByte RAM.

Der ganz andere Markt - Amerika

Danach folgte wieder eine Zeit der relativ großen Stagnation von Seiten Commodores. Der Amiga war inzwischen ein echter Erfolg - Atari, mit dessen Benutzern teilweise verbale Glaubenskriege ausgefochten wurden, nun auf dem absteigenden Ast. Die meisten Amigas waren allerdings in Europa verkauft worden, insbesondere mit Deutschland und später auch Großbritannien als Zentren. In den USA, dem (neben Asien) anderen bedeutenden Absatzmarkt der Welt, ging es kaum vorwärts. Ein wichtiger Mitgrund dafür, war die dort traditionell hohe Verbreitung des Apple Macintosh in einer der Domänen des Amigas: im Wohn- bzw. Kinderzimmer. Der Amiga 500 kam so kaum an.

Aber wie dieses Beispiel schon zeigt: Amerika ist und war ein anders aufgebauter Markt. Dort gibt es z.B., anders als in den Ländern Europas, viele kleine, lokale Fernsehstationen, die über verhältnismäßig wenig Geld verfügen und daher nach preiswerter Technik Ausschau halten. Videobearbeitung war eine der entscheidenden Fähigkeiten des Amigas, die ihn dort beliebt machen sollten und mit zur Entwicklung leistungfähiger Lösungen im Video- und Grafikbereich beitrugen. Im privaten Bereich, im Massenmarkt, spielte der Amiga selbst in der Zeit seines Zenits, in den USA nur eine unbedeutende Rolle und galt als Exot. Eine spezielle Neuentwicklung machte ihn in Fachkreisen aber bekannt und sie kam nicht von Commodore selbst.

Es handelte sich um den 'VideoToaster'. Dies ist eine spezielle Hard- und Software-Erweiterung, die meistens bereits in Amigas eingebaut ausgeliefert wurde. Die so ausgestatteten Amigas beherrschten dann professionelle Effekte, die sonst nur mit um einige Faktoren teureren speziellen Effekt- und Schnittcomputern zu realisieren waren. Diese lagen außerhalb des Budgets der kleinen Fernsehstationen - der Amiga, bzw. VideoToaster, nicht. Diese Technik war allerdings auf den amerikanischen TV-Standard NTSC ausgelegt und eine Anpassung an das europäische PAL-Format erfolgte, trotz gegenteiliger Planungen/Statements der Herstellerfirma 'NewTek', nie.

So blieb dieser Erfolg auf die USA beschränkt, war vielleicht in dieser Form auch nur da möglich, und der Amiga hatte sich in einem professionellen Bereich eine Nische erobert. In mehreren Staffeln der TV-Serien Seaquest und Babylon 5 sind alle Trickeffekte und die Außenumgebung (unter Wasser, bzw. im Weltraum) mit VideoToastern (sprich Amigas) erstellt worden. Zu seinem Nachteil konnte Commodore den Erfolg der VideoToaster nie publicityträchtig ausnutzen, da auf den von außen handelsüblichen Amigas jeder Hinweis auf den Hersteller getilgt worden war und stattdessen Schildchen mit der neuen Bezeichnung 'VideoToaster' und 'NewTek' angebracht waren.

Ganz anders / ganz erfolglos

Mit einer anderen bahnbrechenden Entwicklung hoffte Commodore inzwischen Neuland zu betreten: dem 'CDTV'. Diese Abkürzung steht unvermuteterweise für 'Commodore Dynamic Total Vision'. Dabei handelte es sich im Grunde um einen Amiga 500 mit CD-Laufwerk und Infrarotschnittstelle, im Gehäuse eines HiFi-Gerätes. Der Look war edel und obwohl man das CDTV auch mit Tastatur, Floppy und Maus zum Amiga aufrüsten konnte, wurde dieser Begriff tunlichst vermieden, denn das CDTV sollte ja insbesondere in den HiFi-Markt eindringen - Bildung und Spaß für die ganze Familie liefern.

Das Gerät, seiner Zeit sicherlich weit voraus, war bereits im Juni 1990 vorgestellt worden, da man aber noch auf Softwareunterstützung warten wollte, wurde es erst 1991 ausgeliefert. CD's für Computer zu nutzen, galt damals noch als ziemlich ungewöhnlich und der Markt wird erst jetzt langsam bereit, die Verschmelzung der Bereiche Computer, Audio und TV/Video zu akzeptieren. Zu diesem Zeitpunkt allerdings, kam es, wie es kommen mußte und wie es später auch Phillips mit einer ähnlichen (und durch Marketing noch wesentlich mehr gepushten) Entwicklung, dem 'CDi', ging: es floppte fürchterlich! Da half Commodore auch die 1991 erscheinende Towerversion (A 3000 T) des Amiga 3000 wenig.

Seltsame Firmenpolitik

Im Hause Commodore wurde derweil an der bisherigen Firmenstruktur festgehalten. Neben C64/128, wurden die Amigas und nicht zuletzt auch konventionelle IBM-kompatible PC's entwickelt und verkauft. Ja, selbst der C64 wurde weiterentwickelt! Was lange Zeit nur als Gerücht galt, bestätigte sich später: Ein 'C65' als C64-Nachfolger befand sich nicht nur im Planungsstadium, sondern es gab bereits funktionstüchtige Prototypen des Tastaturrechners, der leistungsfähig zwischen C 128 und Amiga 500 anzusiedeln ist. Eine sehr offensichtlich fragwürdige Entwicklung, vom unternehmerischen Standpunkt aus gesehen, so sehr die Vorstellung eines C65 auch faszinieren mag.

Schlimmer noch als die Verzettelung, waren aber die weiteren Fehlentscheidungen, die die Amiga-Produktpalette betrafen. Denn für alle unvermutet, der Amiga 500 stand im Zenit seines Erfolges, brachte Commodore Anfang 1991 den (optisch identischen) 'A 500+' heraus, der mit ECS-Chipset und dem (nun nicht mehr so) neuen OS 2.0, sowie 1 MByte Chip-RAM ausgestattet war und in technischer Hinsicht (s. oben zu ECS) also nur marginale Verbesserungen gegenüber einer rapide verschlechterten Kompatibilität aufwies. Gerade die vielen hardwarenah programmierten Spiele streikten nun, die ja für viele den Kaufgrund des Amiga 500 darstellten. Die, mit nun plötzlich zum alten Eisen gestempelten A 500, gefüllten Lager, mußten mit Verlust geräumt und verramscht werden.

Die Gerüchte und ihr wahrer Kern

1991 war das Jahr der vielen Gerüchte. Atari, inzwischen doch recht abgeschlagen, wollte Commodore nicht kampflos das Feld überlassen und steckte seine verbliebenen Kräfte in das 'Sparrow'-Projekt, das mit phantastischen technischen Daten von sich Reden machte. Auch von Commodores Seite aus, wurde viel von neuen Entwicklungen gesprochen, die sehr phantastisch klangen. Das allgemeine Umfeld wurde schwieriger für die Hersteller: der C64 lief langsam aus, während der Amiga 500 dieses Segment langsam völlig für sich in Anspruch nahm. Die Preise fielen also und die PC's begannen langsam auch im Entertainment-Sektor gefährlicher zu werden. Ein Boom der Spielkonsolen von Nintendo und Sega bereitete allen Computerherstellern, die ebenfalls in diesem Bereich Marktanteile besaßen, zunehmend Sorge. Tatsächlich mußte Neues her.

Trotzdem erwies sich dann alles zwar nicht als falsch, aber doch als etwas anders, als gedacht. Der Sparrow (Spatz) des Atari erschien 1992 als Falcon (Falke) und zeigte zwar, bei einer weitgehenden Kompatibilität zum ST, erstaunliche Merkmale und eine große Leistungssteigerung, erwies sich aber dann doch nicht als die Killermaschine, als welche er vorher angepriesen worden war.

Atari machte zu diesem Zeitpunkt einen Prozeß durch, den Commodore später auch noch erleben sollte. Es gab während der Zeit des Niedergangs kaum genügend Geld, um die Entwicklung zu finanzieren, aber als das endlich geschafft war, gab es kaum noch Rücklagen, um eine ausreichende rechtzeitige Produktion sicherzustellen, von Werbung ganz abgesehen. So wurden die, die sich überzeugen ließen, oftmals auch noch durch Lieferschwierigkeiten vom Kauf abgehalten und bald zeigte sich, daß Atari nicht mehr in der Lage sein würde, sich mit dem Falcon am eigenen Schopf aus dem Abgrund zu ziehen. Einige Lizenzen zum Nachbau wurden noch an sehr kleine Unternehmen verkauft und man verabschiedete sich endgültig vom Computersektor, um sich, radikal verkleinert, der Entwicklung einer neuen 64-Bit-Spielkonsole (Jaguar) zu widmen, die auf einer britischen Entwicklung der Firma 'Flair' basierte und, nachdem sie fertig war, allerdings aus den selben Gründen, wie eben beschrieben, auch floppte. Aber das ist wiedermal eine ganz andere Geschichte.

Commodore immer noch ziellos

Zurück zu Commodore: Es gab unverständlich erscheinende wirre Entscheidungen der Unternehmensleitung, teilweise erklärbar, durch das sich ständig drehende Personalkarussel bei Managern und Entwicklungschefs. Sie konnte sich, angesichts des zunehmenden Drucks auf dem Markt, nicht entscheiden, in welche Richtung die Entwicklung eigentlich gehen sollte.

Eine neue Technologie (AA/AGA) war bereits im Februar 1991 fertig geworden. Jedoch wurde bis Oktober jede Verwendung bzw. Integration in angefangenen neuen Modellen untersagt. Ursprünglich war der Produktionsanlauf eines 'A 3000+' inkl. AGA für April vorgesehen und auch technisch möglich gewesen, ist aber so verhindert worden.


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