Der Blöde Sprüche Workshop von Thomas Weber

1. Der Ochse hat ein Brett vorm Kopf

2. Wenn das schwarze Schaf nach seinem Vater schlägt

3. Kein Geistlicher nimmt jemand ins Gebet

4. Warum ein Pechvogel Pechvogel heißt

5. Wenn einer das Schwein hat

6. Wer sich einen Ast lacht

7. Wer stets der Vogel abschießt

8. Wenn einer durch die Blume spricht



Teil 5 - Wenn einer das Schwein hat, wie Gott in Frankreich zu leben

Von einem, der großes Glück hatte, sagt man: Er hat Schwein gehabt! Die Gelehrten streiten sich über die Herkunft dieser Aussage. Es gibt zwei verschiedene Meinungen: Die eine besagt, wir entlehnen diese Redewendung aus dem Kartenspiel des 16. Jahrhunderts. Auf der höchsten Karte nämlich, dem Schellendaus, oder -as, war ein Schwein abgebildet, denn As hieß im deutschen Kartenspiel "Daus" oder "Sau". Wer also das Glück hatte, die höchste Karte zu bekommen, hatte in der Tat ein Schwein!
Die andere Theorie über die Herkunft des Ausdrucks: Auf Schützenfesten war es früher üblich, daß nicht allein der beste Schütze belohnt wurde - er bekam meist einen Ochsen oder gar ein gesatteltes Pferd - auch der schlechteste Schütze wurde ausgezeichnet, mit einem Schwein, das er zum Hohngelächter des Publikums durch den Ort zu treiben hatte. Heute haftet dem "Schwein gehabt" ein bitterer Beigeschmack an, nämlich der, daß es sich um ein unverdientes Glück handelt.
Wenn einer das Glück hat, wie Gott in Frankreich zu leben, so soll der Ausdruck darauf hindeuten, daß er ganz sorglos in den Tag hineinleben kann. Dieses etwas respektlose Bild unserer Sprache entstant während der Französischen Revolution von 1789. Damals glaubten die Anhänger der Aufklärung, daß die Vernunft allein, nicht ein Gott die Menschen zu regieren hätte. Ein Gott erschien ihnen damals einfach nicht mehr "nötig". Er war "pensioniert". Wenn einer also wie Gott in Frankreich lebte, mußte er sich um nichts kümmern, trug keinerlei Verantvortung, hatte keinerlei Sorgen.
Galt es eigendlich immer als ein großes Glück, alles in Hülle und Fülle zu haben? Nein, zunächst galt fast das genaue Gegenteil. Als Martin Luther von einem sagte: "Da er keinen Lohn verdient hatte, denn nur Hülle und Fülle", da wollter er zum Ausdruck bringen, daß er kein Geld verdient hat, sondern nur Hülle (Kleidung) und Fülle (Nahrung). Von Überfluß war damals nicht die Rede. Doch allmählich wandelte sich die Bedeutung. "Hülle" stand für alles Äußere, "Fülle" für alles Innere. Wer also Hülle und Fülle hatte, dem Fehlte es an nichts.
Als Glückspilz gilt auch oft ein Mensch, der stehts den Löwenanteil davonträgt, den größten Teil oder gar alles. Der Ausdruck stammt aus einer Fabel der griechischen Dichters Äsop, der im 6.Jahrhundert v. Chr. gelebt hat: Nach einer gemeinsamen Jagd, auf der Löwe, Esel und Fuchs einen Hirsch elegt hatten, ging es schließlich ans Teilen. Der Esel wollte den drei Jägergenossen je ein Drittel anbieten. Da schlug ihn der Löwe nieder. Darauf befahl der König der Tiere dem schlauen Fuchs, die Teilung vorzunehmen. Der aber bot dem Löwen die ganze Beute an. Darauf fragte ihn der Löwe, wie er denn zu dieser Weisheit gelangt sei. Da wies der Fuch lächelnd auf den geschundenen Esel. Stolz trug Majestät den Hirsch davon.
Weil nun so viel vom Glück die Rede war, noch dies: Etwas auf gut Glück tun, das bedeutet, es ohne große Vorbereitung, ohne genaues Planen wagen. Im Mittelhochdeutschen nämlich hat das Wort "Glück" noch die Bedeutung von Zufall. Wer also etwas auf gut Glück tut, tut es in Erwartung eines freundlichen Zufalls.
Viele Menschen glauben übrigens, daß sie bestimmt Glück haben werden, wenn sie einem Schornsteinfeger begegnet sind. Denn: Schornsteinfeger bringen Glück, sagt der Volksmund. Und der muß es ja wissen! Wenigen aber ist bekannt, daß solcher Aberglaube eng mit gewissen Faschingsbräuchen zusammen hängt. So war es einst bei ländlichen Faschingsumzügen üblich, daß die jungen Männer versuchten, derjenigen unter den zuschauenden Dorfschönen, die sie liebten, ein Zeichen zu geben: Sie malten ihr Gesicht schwarz an. War das gelungen, ging die geschwärzte junge Dame mit dem Umzug mit. Das Schwärzen galt als segenverheißender Glückwunsch.
Wer einem anderen Glück wünscht, sagt oft: Ich halte dir die Daumen! Warum traut man dem Daumen eigendlich diese Macht zu, Einfluß auf Ereignisse zu nehmen, meint man, dies hülfe bei Prüfungen, Wettkämpfen und sonstigen anstehenden Entscheidungen? Von jeher maß man dem Daumen besondere Bedeutung bei. Hielt ein "alter" Römer seinen Daumen von der übrigen Hand umschloßen, so bekundete er damit, daß er dem Besiegten Gnade erweisen wolle (Setzte er degegen den Daumen auf die Brust, ließ er ihn Fallen!).
Bangte jemand seinem Glück entgegen oder hatte er lange ein Unheil befürchtet, das nun abgewendet schien, so sagt er erleichtert: Da fällt mir ein Stein vom Herzen! Angst und Sorge erscheinen uns oft wie ein Druck auf dem Herzen. Weicht dieser dann, so spürt man dabei quasi besagten Stein runterkollern!

Erdacht von Karin Mönkemeyer, zur NoCover gebracht von Borbarad alias Thomas Weber