Der Blöde Sprüche Workshop von Thomas Weber

1. Der Ochse hat ein Brett vorm Kopf

2. Wenn das schwarze Schaf nach seinem Vater schlägt

3. Kein Geistlicher nimmt jemand ins Gebet

4. Warum ein Pechvogel Pechvogel heißt

5. Wenn einer das Schwein hat

6. Wer sich einen Ast lacht

7. Wer stets der Vogel abschießt

8. Wenn einer durch die Blume spricht



Teil 4 - Warum ein Pechvogel Pechvogel heißt

Wenn einer ein Unglück erlebt, ein Mißgeschick erlitten hat, so sagen wir oft: Er hat Pech gehabt. Was hat denn das Pech, diese dunkele klebrige Masse mit dem Unglück zu tun? Der Ausdruck stammt aus der Vogelstellerei, in der es dereinst ja sehr brutal zuging: Die Vogelsteller legten mit Pech bestriche Ruten aus. Setzte sich ein Vogel darauf, kam er nicht mehr davon los, soviel er auch flatterte. Schließlich ging er an seinem verglebten Federn zugrunde, wie es heute den Seevögeln ergeht wenn Öl aus einem Tanker floß. Ein solcher Pechvogel wurde allmählich zum Sinnbild für einen, der im Unglück ist. Manchmal wurden damals statt Pechruten auch Zweige ausgelegt, die mit Leim bestrichen waren. Es kam natürlich zu gleichen Ergebnis. Doch von dieser Methode ist das Wort entlehnt: Er ist ihm auf dem Leim gegangen! Das bedeutet, daß er überlistet, mancher sagt "geleimt" worden ist. Hatte einer Pech bei der Entscheidung eines Konfliktes, so heißt es oft: Er hat den kürzeren gezogen!
Dieses Bild geht auf ein Jahrtausend altes Losspiel zurück. Bereits die alten Griechen und Römer ließen in Streitfällen verschieden lange Losstäbchen ziehen. Wer den kürzeren Stab zog, hatte verlohren, war unterlegen. Im altdeutsche Rechtsleben bediente man sich des Grashalm-Ziehens. Wer von verschieden langen Halmen den kürzeren zog, ging leer aus, verlohr den Prozeß. Es war sogar üblich, Halme aus Strohdächern zu ziehen, und auch dabei hatte, wer den kürzeren zog, sich dem Orakelspruch zu unterwerfen. Er war dann eben zu kurz gekommen.
Diese Redewendung heißt im Niederdeutschen "to kort scheeten" und meint, zu kurz geschossen, das Ziehl verfehlt haben. Manchem, der im Leben zu kurz gekommen ist, geht es so schlecht, daß man ihm sagen kann: Er nagt am Hungertuche.
Mit diesem Spruch hat es folgende Bewandnis: Früher wurde während der Fastenzeit in vielen Kirchen und Domen der Hochaltar mit einem meist weißlinnenen großen Tuch verhüllt, das ans Fasten mahnen sollte. Die einzelnen Teile des "Hungertuches" mußten zusammengenäht werde. Als Brauch immer mehr verschwand - ganz ausgestorben allerdings ist er bis heute nicht! - ging die Bedeutung von "Hungertuche nähnen" verlohren. Und so wurde später das Wort "nähen" durch das Wort "nagen" ersetzt, was einfach besser zum Wort Hungertuche zu passen schien. Einem Pechvogel, dem ein einmaliges Mißgeschick passiert ist, der trübsinnig dasitzt und über den ärgerlichen Zwischenfall nachsinnt, dem kann es geschehen, daß man von im sagt: Ihm sind wohl alle Felle weggeschwommen.
Im Mittelalter wurde das Gerberhandwerk auch hierzulande im Freien, an Bächen und Flüssen ausgeübt. Da konnte einer schon mal Pech haben, daß ihm alle Felle weggeschwommen sind. Anders ausgedrückt: Ihm ging was durch die Lappen!
Das ist nun wieder ein Sprachbild aus dem Jägerlatein: Früher hingen Jäger bunte Lappen in den Wald, vor denen das Wild zurückschrecken sollte, vor denen es in eine andere, in die vom Jäger gewünschte Richtung laufen sollte. Manchmal aber, wenn es in zu großer Panik war, nahm es diese Abschreck-Tücher gar nicht wahr, raste in die unerwünschte Richtung, ging also "durch die Lappen". Ähnliches Mißgeschick geschah einem, von dem man sagt: Er guckt in die Röhre. Aus dieser Spruch stammt aus der Jägerei, allerdings aus einer ganz speziellen, nämlich der Falknerei.
Der Falkner jagt mit Hilfe von Greifvögeln, etwa mit einem Falken, auf Wild, zum Beispielauf Kaninchen. Bei solcher Jagd wird nicht die menchliche Überlegenheit ausgespielt. Man läßt natürliche Feinde des Kaninchens versuchen, es zu schlagen. Und dabei kommt es natürlich vor, daß das Kaninchen schnell genug ist, rechtzeitig in seinem Bau zu verschwinden. Der Kaninchenbau ist einer Röhre gleich. Und wenn man den Greif(pech)vogel in den Bau schauen sieht, paßt es genau: Er guckt in die Röhre! Änliches Pech hatte einer, von dem man behauptet: Dies und das ging in die Binsen.
Hat ein Jäger mit seiner Flinte ein Rebhuhn geschossen und dieses fällt getroffen ans Ufer eines Teiches oder Sees, ins Schilf, in die Binsen, so ist es für den Jäger verlohren, denn es wäre ja zu gefährlich, in diesem Sumpfgelände suchen zu wollen.

Erdacht von Karin Mönkemeyer, zur NoCover gebracht von Borbarad alias Thomas Weber