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Hallo NoCover-Leser!
Hiermit heiße ich euch herzlich willkommen zur nunmehr dritten
Ausgabe meiner Astro-Corner. Wieder einmal habe ich einige aktuelle
Neuigkeiten aus den Bereichen Astronomie und Astrophysik zusammengetragen.
Viel Spaß beim Lesen!
Und los gehts...
Faszinierende Aufnahmen vom VLT
(Meldung vom 4.5.1999)
Bei Instrumententests am Riesenteleskop VLT (Very
Large Telescope) der Europäischen
Südsternwarte in Chile sind eine Reihe beeindruckender
Aufnahmen entstanden: Die
Instrumente FORS-1 und ISAAC am ersten der vier
Teleskope wurden Ende März, kurz vor der
Ankunft der ersten Astronomen, noch einmal erprobt.
Eine der Aufnahmen zeigt die
Dunkelwolke Barnard 68, die nur 500 Lichtjahre entfernt
im Sternbild Ophiuchus liegt (s.
Abb.1 ). Die Wolke hat einen Durchmesser von sieben
Lichtmonaten und scheint sich gerade
in der Frühphase eines Kollaps zu befinden.
Die Wolke erscheint auf der Aufnahme als
kompaktes, undurchsichtiges und scharf definiertes
Gebilde vor einem sternenreichen
Himmel. Dunkelwolken wie Barnard 68 bestehen zum
Teil aus organischen Molekülen. Wenn sie
sich zusammenziehen, können sie zur Geburtsstätte
von Sternen werden. Warum die
Kontraktion einsetzt, ist noch rätselhaft.
Möglicherweise kann das VLT mit seinen
Aufnahmen in verschiedenen Wellenlängenbereichen
zur Aufklärung beitragen.
Unter den aufgenommenen Galaxien ist die Spiralgalaxie
ESO 269-57 von besonderem
Interesse (s. Abb. 2): Die symmetrische Galaxie
ist von einem Staubband umgeben. Offenbar
besitzt sie dieses Band noch nicht lange: Es befindet
sich noch nicht in einer stabilen
Position. Möglicherweise hat sich das Staubband
durch den Zusammenstoß der Galaxie mit
einer Gasreichen Zwerggalaxie gebildet.
Abb.1: Noch geben Dunkelwolken wie Barnard 68 den Astronomen viele Rätsel auf
Abb.2: Ihr Staubband besitzt die Galaxie ESO 269-57 vermutlich noch nicht sehr lange
[Quelle: Ute Kehse, Eso]
Galileo nimmt Callisto unter die Lupe
(Meldung vom 5.5.1999)
Die Raumsonde Galileo, seit vier Jahren mit der Erforschung
des Planeten Jupiter und
seiner Monde beschäftigt, nähert sich
heute zum ersten Mal dem Mond Callisto: Die Sonde
soll beim ersten von vier Besuchen in einer Distanz
von 1315 Kilometern an dem Eismond
vorbeifliegen. Callisto ist mit einem Durchmesser
von 4800 Kilometern der drittgrößte
Mond des Sonnensystems. Seine Oberfläche ist
von Kratern zerfurcht. Neues Interesse zog
Callisto auf sich, als Galileo Hinweise darauf entdeckte,
daß sich unter der Oberfläche
aus Eis ein Ozean aus flüssigem Wasser verbergen
könnte - ähnlich wie beim Nachbarmond
Europa.
Der Hauptgrund für die Annäherung an Callisto
hat jedoch bahntechnische Gründe: Damit
Galileo den innersten Mond Io besser beobachten
kann, muß sein Perijovum - der Punkt, an
dem er Jupiter am nächsten kommt - näher
an den Riesenplaneten heranrücken: Von derzeit
643.000 Kilometern auf 393.000 Kilometer. Die Sonde
ist dort einer erhöhten Strahlung
hochenergetischer Teilchen aus Jupiters Magnetosphäre
ausgesetzt. Das Galileo-Team hofft,
daß die Sonde diesen Beschuß überlebt
und Jupiters Magnetfeld und seine Atmosphäre
vermessen kann.
Die Nasa hat für den Countdown der "Perijove
Reduction Campaign" eine eigene Website
eingerichtet.
[Quelle: Ute Kehse, Nasa]
Sternschnuppenspektakel des Jahres am Südhimmel
(Meldung vom 5.5.1999)
Bewohner der Südhalbkugel kommen in der Nacht
von Mittwoch auf Donnerstag in den Genuß
des spektakulärsten Sternschnuppenregens des
Jahres: Die eta Aquariden werden mit etwa 30
bis 50 Schnuppen pro Stunde zu sehen sein. Viele
Meteoritenschauer wie etwa die Leoniden
sind vor allem von der Nordhalbkugel aus zu sehen.
Bei den eta Aquariden hat diesmal die
Südhalbkugel die Nase vorn: Oberhalb von 45
Grad nördlicher Breite ist von den
Sternschnuppen nichts mehr zu sehen.
Das besondere an den Aquariden: Jede Sternschnuppe
ist ein winziges Stückchen des
berühmten Halleyschen Kometen, der alle 76
Jahre in die Nähe der Erde kommt. Bei seinem
letzten Besuch im Jahr 1986 schickte die Esa die
Raumsonde Giotto zu dem Kometen, die
sich bis auf 600 Kilometer nähern konnte.
Zweimal im Jahr durchquert die Erde die Bahn des
Kometen: Um den 5. Mai herum trifft sie
auf die Aquariden, am 21. Oktober auf die Orioniden.
Die Bruchstücke des Kometen haben
etwa die Größe eines Sandkorns, sind
aber viel leichter, da sie aus den leichten
Elementen Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff
bestehen. Sie wiegen nur etwa 0,01
Gramm.
Wer versuchen will, die Aquariden zu erspähen,
sollte sich ab etwa 2:30 lokaler Zeit
bereit halten: Dann geht das Sternbild Wassermann
über dem Horizont auf. Die beste Zeit
soll nach Angaben der Nasa zwischen vier Uhr nachts
und Sonnenaufgang sein. Allerdings
erschwert der helle Mond die Sicht. In niedrigeren
Breiten kann man sich am Stern
Formalhaut im Sternbild Piscis Austrini orientieren,
aus dessen Nähe die Schnuppen zu
kommen scheinen.
[Quelle: Ute Kehse, Nasa]
Infrarotaufnahmen enthüllen Balken im Zentrum von Galaxien
(Meldung vom 6.5.1999)
Sehr viel mehr Spiralgalaxien als bisher gedacht
gehören zur Klasse der "Balkengalaxien".
Das wiesen Jay Frogel und Paul Eskridge von der
Ohio State University in einer
umfangreichen Studie nach. Sie nahmen etwa 200 Galaxien
in der näheren Umgebung der
Milchstraße im infraroten Licht auf. Bei 30
Prozent der Galaxien waren Balken zu sehen,
die im optischen Bereich unsichtbar blieben.
Die Balken sind Hinweise auf Zusammenstöße
von Galaxien. Nach Computersimulationen
sollten sehr viel mehr Galaxien Balken enthalten,
als man bisher sehen konnte. Im
sichtbaren Licht sind bei etwa ein Drittel aller
Galaxien Balken zu sehen. Frogel und
Eskridge bestätigten jetzt die Computersimulationen.
Sie konnten Balken besonders bei
solchen Galaxien entdecken, deren Kern durch Staub
verdeckt ist.
Durch Aufnahmen im infraroten Bereich läßt
sich auch das Alter der Sterne einer Galaxie
gut erkennen: Ältere Sterne leuchten in diesen
Wellenlängen besonders hell, sind aber mit
sichtbarem Licht nur schwach zu sehen. Die Untersuchung
der beiden Forscher mit dem
Spektrometer "Osiris" zeichnet sich dadurch aus,
daß relativ große Himmelsausschnitte
aufgenommen wurden, so daß die Galaxien als
Ganzes zu sehen waren.
[Quelle: Ute Kehse, Ohio State University]
Stabile Asteroidbahnen in der Nähe der Erde berechnet
(Meldung vom 6.5.1999)
Zwischen Erde und Mars befindet sich eine Zone, in
der Asteroiden ungestört ihre Bahnen
ziehen können. Das haben Computersimulationen
von Neil Wyn Evans und Serge Tabachnik von
der Oxford Universität in England ergeben,
über die sie im Wissenschaftsmagazin Nature
berichten. In der Stabilitätszone könnte
eine Population von kosmischen Gesteinsbrocken
auf kreisrunden Bahnen überleben, ohne durch
die Anziehungskräfte der Planeten aus der
Bahn geworfen zu werden. Die Zone liegt näher
an der Erde als am Mars.
Eine zweite Stabilitätszone befindet sich zwischen
dem Planeten Merkur und der Sonne.
Dort könnten sich Objekte von mehr als 200
Metern Größe aufhalten. Ob sich in diesen
Zonen tatsächlich Asteroiden befinden, ist
damit allerdings nicht gesagt: Die
Berechnungen der beiden Forscher sind rein theoretisch.
Allerdings könnten einige
kürzlich gefundene, erdnahe Asteroiden in der
ersten Zone beheimatet sein.
[Quelle: Ute Kehse, Nature]
Neue Einsichten in die Vergangenheit der Venus
(Meldung vom 7.5.1999)
Von den Einschlagkratern auf der Venus ist ein weit
größerer Teil als bisher gedacht von
Lava überflutet worden. Das bedeutet, daß
der Vulkanismus auf dem Planeten nicht
schlagartig erloschen ist, wie es erste Auswertungen
der Aufnahmen der Raumsonde Magellan
nahegelegt hatten: Die Bilder ließen vermuten,
daß die Lavaströme auf dem Planeten von
Kratern mit einem Alter bis zu einer halbe Milliarde
Jahren durchlöchert wären. Die
Vulkane müßten also allesamt vorher erloschen
sein. Robert Herrick vom Lunar and
Planetary Institute in Houston und Virgil Sharpton
von der Universität von Alaska in
Fairbanks stellten auf einer Konferenz in Houston
eine neue Studie vor, die zeigt, daß
der Vulkanismus auf der Venus nicht innerhalb von
wenigen Millionen Jahren komplett
aufhörte.
Herrick und Sharpton analysierten die Aufnahmen
von Magellan aus den frühen 90er Jahren
erneut: Da die Sonde manche Krater von verschiedenen
Winkeln aus fotografiert hatte,
ließen sich Stereo-Bilder herstellen. Damit
konnten die beiden Forscher die Höhe des
Kraterrandes über dem Boden und gegenüber
der Umgebung bestimmen. Es zeigte sich, daß
Krater, die auf den Radar-Bildern von Magellan wegen
ihrer glatten Oberfläche dunkel
erschienen, offenbar mit Lava gefüllt waren:
Die Kraterränder waren bei ihnen weniger
hoch als bei Kratern, die auf den Radarbildern hell
aussahen. Viele Krater waren offenbar
auch außen von Lava umflutet worden. Das bedeutet,
daß die Krater älter sein müssen als
die Lava und nicht umgekehrt. Bisher hatten viele
Forscher angenommen, die Kraterböden
seien deswegen glatt, weil das Untergrundgestein
beim Aufprall des Meteoriten geschmolzen
sei.
[Quelle: Ute Kehse, AP]
Surfer steuern Hubble auf außergewöhnliche Ringgalaxie
(Meldung vom 10.5.1999)
Das Weltraumteleskop Hubble hat aufsehenerregende
Bilder der Ringgalaxie NGC 4650A
aufgenommen: Diese ungewöhnliche Galaxie war
das beliebteste Objekt auf einer Liste, aus
der Internet-Benutzer das Interessanteste auswählen
konnten - damit es dann von Hubble
genauer unter die Lupe genommen werden konnte.
NGC 4650A ist eine von nur etwa hundert bekannten
Galaxien, die einen "polaren Ring"
besitzen: Senkrecht zur Scheibe der Galaxie befindet
sich ein weiterer Ring,
wahrscheinlich Überrest einer Kollision vor
mehr als einer Milliarde Jahren. Die Galaxie
selbst liegt 130 Millionen Lichtjahre entfernt.
Auf dem Bild der Wide Field Camera 2
lassen sich Strukturen im Kern der Galaxie gut erkennen:
Offenbar befinden sich dort vor
allem ältere, dicht beieinanderliegende Sterne,
aber wenig Gas oder Staub. Davon ist im
polaren Ring dagegen reichlich vorhanden, was zu
dunklen Streifen auf den Aufnahmen
führt. Wahrscheinlich liegen dort die Geburtswiegen
von neuen Sternen. Der polare Ring
ist extrem verzerrt. Die Wissenschaftler wollen
das nutzen, um die Verteilung der
"Dunklen Materie" in der Galaxie zu messen. Das
ist Materie, die nicht zu sehen ist und
sich nur durch ihre Schwerkraft auswirkt. Außerdem
ist das Alter der Sterne in dem Ring
von besonderem Interesse für die Astronomen.
Es liefert möglicherweise Hinweise darauf,
wie die Galaxie entstanden ist.
[Quelle: Ute Kehse, Space Telescope Science Institute]
(Meldung vom 12.5.1999)
In ihrer letzten Ruheperiode war die Sonne Ziel einer
umfassenden Studie, deren
Ergebnisse jetzt in einem Sonderheft des Journal
of Geophysical Research vorgestellt
werden. Vom 8. August bis zum 10. September 1996,
dem letzten solaren Minimum, studierten
die Forscher die Sonne intensiv mit dem Sonnenobservatorium
Soho und anderen
Sonnenbeobachtungssatelliten.
Das Projekt "Whole Sun Month" brachte neue Ergebnisse
über die Dichte und Struktur der
Sonnenkorona, der heißen Atmosphäre der
Sonne. Die Korona ist der Schlüssel zum
Verständnis des Sonnenwindes. Dieser Teilchenstrom
wird in der Korona beschleunigt. Wenn
die Sonne besonders aktiv ist, kann er den Funkverkehr
auf der Erde stören. Während des
Beobachtungsmonats bildete sich ein ungewöhnliches
Loch in der Korona, der sogenannte
Elefantenrüssel - ein Glücksfall für
die Forscher. Sie beobachteten jedoch nicht nur die
Sonne selbst, sondern auch die Auswirkungen des
solaren Minimums in weiterer Entfernung.
Der elfjährige Aktivitätszyklus der Sonne
erreicht nächstes Jahr seinen Höhepunkt. Die
jetzt gewonnen Daten können dabei helfen, das
Verhalten der Sonne an ihrem Maximum
vorherzusagen. Die Aktivität der Sonne wird
anhand der Zahl der Sonnenflecken gemessen.
Die Zeit vom Minimum bis zum nächsten Maximum
ist kürzer als vom Maximum zum Minimum.
Eklipse 99
[Quelle: Ute Kehse, American Geophysical Union]
Euer
Philipsen.