Astro-Corner (Juni 1999)

Hallo NoCover-Leser!

Hiermit heiße ich euch herzlich willkommen zur nunmehr dritten Ausgabe meiner Astro-Corner. Wieder einmal habe ich einige aktuelle Neuigkeiten aus den Bereichen Astronomie und Astrophysik zusammengetragen.
Viel Spaß beim Lesen!

Und los gehts...
 

Inhalt dieser Ausgabe
Faszinierende Aufnahmen vom VLT
Galileo nimmt Callisto unter die Lupe
Sternschnuppenspektakel des Jahres am Südhimmel
Infrarotaufnahmen enthüllen Balken im Zentrum von Galaxien
Stabile Asteroidbahnen in der Nähe der Erde berechnet 
Neue Einsichten in die Vergangenheit der Venus 
Surfer steuern Hubble auf außergewöhnliche Ringgalaxie
Die Sonne am solaren Minimum 



Astronomie allg.:

 Faszinierende Aufnahmen vom VLT

    (Meldung vom 4.5.1999)

    Bei Instrumententests am Riesenteleskop VLT (Very Large Telescope) der Europäischen
    Südsternwarte in Chile sind eine Reihe beeindruckender Aufnahmen entstanden: Die
    Instrumente FORS-1 und ISAAC am ersten der vier Teleskope wurden Ende März, kurz vor der
    Ankunft der ersten Astronomen, noch einmal erprobt. Eine der Aufnahmen zeigt die
    Dunkelwolke Barnard 68, die nur 500 Lichtjahre entfernt im Sternbild Ophiuchus liegt (s.
    Abb.1 ). Die Wolke hat einen Durchmesser von sieben Lichtmonaten und scheint sich gerade
    in der Frühphase eines Kollaps zu befinden. Die Wolke erscheint auf der Aufnahme als
    kompaktes, undurchsichtiges und scharf definiertes Gebilde vor einem sternenreichen
    Himmel. Dunkelwolken wie Barnard 68 bestehen zum Teil aus organischen Molekülen. Wenn sie
    sich zusammenziehen, können sie zur Geburtsstätte von Sternen werden. Warum die
    Kontraktion einsetzt, ist noch rätselhaft. Möglicherweise kann das VLT mit seinen
    Aufnahmen in verschiedenen Wellenlängenbereichen zur Aufklärung beitragen.
    Unter den aufgenommenen Galaxien ist die Spiralgalaxie ESO 269-57 von besonderem
    Interesse (s. Abb. 2): Die symmetrische Galaxie ist von einem Staubband umgeben. Offenbar
    besitzt sie dieses Band noch nicht lange: Es befindet sich noch nicht in einer stabilen
    Position. Möglicherweise hat sich das Staubband durch den Zusammenstoß der Galaxie mit
    einer Gasreichen Zwerggalaxie gebildet.

    Abb.1: Noch geben Dunkelwolken wie Barnard 68 den Astronomen viele Rätsel auf

 Dunkelwolke Barnard 68

    Abb.2: Ihr Staubband besitzt die Galaxie ESO 269-57 vermutlich noch nicht sehr lange

 Galaxie ESO 269-57

    [Quelle: Ute Kehse, Eso]



Sonnensystem:

 Galileo nimmt Callisto unter die Lupe

    (Meldung vom 5.5.1999)

    Die Raumsonde Galileo, seit vier Jahren mit der Erforschung des Planeten Jupiter und
    seiner Monde beschäftigt, nähert sich heute zum ersten Mal dem Mond Callisto: Die Sonde
    soll beim ersten von vier Besuchen in einer Distanz von 1315 Kilometern an dem Eismond
    vorbeifliegen. Callisto ist mit einem Durchmesser von 4800 Kilometern der drittgrößte
    Mond des Sonnensystems. Seine Oberfläche ist von Kratern zerfurcht. Neues Interesse zog
    Callisto auf sich, als Galileo Hinweise darauf entdeckte, daß sich unter der Oberfläche
    aus Eis ein Ozean aus flüssigem Wasser verbergen könnte - ähnlich wie beim Nachbarmond
    Europa.
    Der Hauptgrund für die Annäherung an Callisto hat jedoch bahntechnische Gründe: Damit
    Galileo den innersten Mond Io besser beobachten kann, muß sein Perijovum - der Punkt, an
    dem er Jupiter am nächsten kommt - näher an den Riesenplaneten heranrücken: Von derzeit
    643.000 Kilometern auf 393.000 Kilometer. Die Sonde ist dort einer erhöhten Strahlung
    hochenergetischer Teilchen aus Jupiters Magnetosphäre ausgesetzt. Das Galileo-Team hofft,
    daß die Sonde diesen Beschuß überlebt und Jupiters Magnetfeld und seine Atmosphäre
    vermessen kann.
    Die Nasa hat für den Countdown der "Perijove Reduction Campaign" eine eigene Website
    eingerichtet.

    [Quelle: Ute Kehse, Nasa]



Sonnensystem:

    Sternschnuppenspektakel des Jahres am Südhimmel

    (Meldung vom 5.5.1999)

    Bewohner der Südhalbkugel kommen in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in den Genuß
    des spektakulärsten Sternschnuppenregens des Jahres: Die eta Aquariden werden mit etwa 30
    bis 50 Schnuppen pro Stunde zu sehen sein. Viele Meteoritenschauer wie etwa die Leoniden
    sind vor allem von der Nordhalbkugel aus zu sehen. Bei den eta Aquariden hat diesmal die
    Südhalbkugel die Nase vorn: Oberhalb von 45 Grad nördlicher Breite ist von den
    Sternschnuppen nichts mehr zu sehen.
    Das besondere an den Aquariden: Jede Sternschnuppe ist ein winziges Stückchen des
    berühmten Halleyschen Kometen, der alle 76 Jahre in die Nähe der Erde kommt. Bei seinem
    letzten Besuch im Jahr 1986 schickte die Esa die Raumsonde Giotto zu dem Kometen, die
    sich bis auf 600 Kilometer nähern konnte.
    Zweimal im Jahr durchquert die Erde die Bahn des Kometen: Um den 5. Mai herum trifft sie
    auf die Aquariden, am 21. Oktober auf die Orioniden. Die Bruchstücke des Kometen haben
    etwa die Größe eines Sandkorns, sind aber viel leichter, da sie aus den leichten
    Elementen Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff bestehen. Sie wiegen nur etwa 0,01
    Gramm.
    Wer versuchen will, die Aquariden zu erspähen, sollte sich ab etwa 2:30 lokaler Zeit
    bereit halten: Dann geht das Sternbild Wassermann über dem Horizont auf. Die beste Zeit
    soll nach Angaben der Nasa zwischen vier Uhr nachts und Sonnenaufgang sein. Allerdings
    erschwert der helle Mond die Sicht. In niedrigeren Breiten kann man sich am Stern
    Formalhaut im Sternbild Piscis Austrini orientieren, aus dessen Nähe die Schnuppen zu
    kommen scheinen.

    [Quelle: Ute Kehse, Nasa]



Astronomie allg.:

  Infrarotaufnahmen enthüllen Balken im Zentrum von Galaxien

    (Meldung vom 6.5.1999)

    Sehr viel mehr Spiralgalaxien als bisher gedacht gehören zur Klasse der "Balkengalaxien".
    Das wiesen Jay Frogel und Paul Eskridge von der Ohio State University in einer
    umfangreichen Studie nach. Sie nahmen etwa 200 Galaxien in der näheren Umgebung der
    Milchstraße im infraroten Licht auf. Bei 30 Prozent der Galaxien waren Balken zu sehen,
    die im optischen Bereich unsichtbar blieben.
    Die Balken sind Hinweise auf Zusammenstöße von Galaxien. Nach Computersimulationen
    sollten sehr viel mehr Galaxien Balken enthalten, als man bisher sehen konnte. Im
    sichtbaren Licht sind bei etwa ein Drittel aller Galaxien Balken zu sehen. Frogel und
    Eskridge bestätigten jetzt die Computersimulationen. Sie konnten Balken besonders bei
    solchen Galaxien entdecken, deren Kern durch Staub verdeckt ist.
    Durch Aufnahmen im infraroten Bereich läßt sich auch das Alter der Sterne einer Galaxie
    gut erkennen: Ältere Sterne leuchten in diesen Wellenlängen besonders hell, sind aber mit
    sichtbarem Licht nur schwach zu sehen. Die Untersuchung der beiden Forscher mit dem
    Spektrometer "Osiris" zeichnet sich dadurch aus, daß relativ große Himmelsausschnitte
    aufgenommen wurden, so daß die Galaxien als Ganzes zu sehen waren.

    [Quelle: Ute Kehse, Ohio State University]



Sonnensystem:

 Stabile Asteroidbahnen in der Nähe der Erde berechnet

    (Meldung vom 6.5.1999)

    Zwischen Erde und Mars befindet sich eine Zone, in der Asteroiden ungestört ihre Bahnen
    ziehen können. Das haben Computersimulationen von Neil Wyn Evans und Serge Tabachnik von
    der Oxford Universität in England ergeben, über die sie im Wissenschaftsmagazin Nature
    berichten. In der Stabilitätszone könnte eine Population von kosmischen Gesteinsbrocken
    auf kreisrunden Bahnen überleben, ohne durch die Anziehungskräfte der Planeten aus der
    Bahn geworfen zu werden. Die Zone liegt näher an der Erde als am Mars.
    Eine zweite Stabilitätszone befindet sich zwischen dem Planeten Merkur und der Sonne.
    Dort könnten sich Objekte von mehr als 200 Metern Größe aufhalten. Ob sich in diesen
    Zonen tatsächlich Asteroiden befinden, ist damit allerdings nicht gesagt: Die
    Berechnungen der beiden Forscher sind rein theoretisch. Allerdings könnten einige
    kürzlich gefundene, erdnahe Asteroiden in der ersten Zone beheimatet sein.

    [Quelle: Ute Kehse, Nature]



Sonnensystem:

 Neue Einsichten in die Vergangenheit der Venus

    (Meldung vom 7.5.1999)

    Von den Einschlagkratern auf der Venus ist ein weit größerer Teil als bisher gedacht von
    Lava überflutet worden. Das bedeutet, daß der Vulkanismus auf dem Planeten nicht
    schlagartig erloschen ist, wie es erste Auswertungen der Aufnahmen der Raumsonde Magellan
    nahegelegt hatten: Die Bilder ließen vermuten, daß die Lavaströme auf dem Planeten von
    Kratern mit einem Alter bis zu einer halbe Milliarde Jahren durchlöchert wären. Die
    Vulkane müßten also allesamt vorher erloschen sein. Robert Herrick vom Lunar and
    Planetary Institute in Houston und Virgil Sharpton von der Universität von Alaska in
    Fairbanks stellten auf einer Konferenz in Houston eine neue Studie vor, die zeigt, daß
    der Vulkanismus auf der Venus nicht innerhalb von wenigen Millionen Jahren komplett
    aufhörte.
    Herrick und Sharpton analysierten die Aufnahmen von Magellan aus den frühen 90er Jahren
    erneut: Da die Sonde manche Krater von verschiedenen Winkeln aus fotografiert hatte,
    ließen sich Stereo-Bilder herstellen. Damit konnten die beiden Forscher die Höhe des
    Kraterrandes über dem Boden und gegenüber der Umgebung bestimmen. Es zeigte sich, daß
    Krater, die auf den Radar-Bildern von Magellan wegen ihrer glatten Oberfläche dunkel
    erschienen, offenbar mit Lava gefüllt waren: Die Kraterränder waren bei ihnen weniger
    hoch als bei Kratern, die auf den Radarbildern hell aussahen. Viele Krater waren offenbar
    auch außen von Lava umflutet worden. Das bedeutet, daß die Krater älter sein müssen als
    die Lava und nicht umgekehrt. Bisher hatten viele Forscher angenommen, die Kraterböden
    seien deswegen glatt, weil das Untergrundgestein beim Aufprall des Meteoriten geschmolzen
    sei.

    [Quelle: Ute Kehse, AP]



Astronomie allg.:

 Surfer steuern Hubble auf außergewöhnliche Ringgalaxie

    (Meldung vom 10.5.1999)

    Das Weltraumteleskop Hubble hat aufsehenerregende Bilder der Ringgalaxie NGC 4650A
    aufgenommen: Diese ungewöhnliche Galaxie war das beliebteste Objekt auf einer Liste, aus
    der Internet-Benutzer das Interessanteste auswählen konnten - damit es dann von Hubble
    genauer unter die Lupe genommen werden konnte.
    NGC 4650A ist eine von nur etwa hundert bekannten Galaxien, die einen "polaren Ring"
    besitzen: Senkrecht zur Scheibe der Galaxie befindet sich ein weiterer Ring,
    wahrscheinlich Überrest einer Kollision vor mehr als einer Milliarde Jahren. Die Galaxie
    selbst liegt 130 Millionen Lichtjahre entfernt. Auf dem Bild der Wide Field Camera 2
    lassen sich Strukturen im Kern der Galaxie gut erkennen: Offenbar befinden sich dort vor
    allem ältere, dicht beieinanderliegende Sterne, aber wenig Gas oder Staub. Davon ist im
    polaren Ring dagegen reichlich vorhanden, was zu dunklen Streifen auf den Aufnahmen
    führt. Wahrscheinlich liegen dort die Geburtswiegen von neuen Sternen. Der polare Ring
    ist extrem verzerrt. Die Wissenschaftler wollen das nutzen, um die Verteilung der
    "Dunklen Materie" in der Galaxie zu messen. Das ist Materie, die nicht zu sehen ist und
    sich nur durch ihre Schwerkraft auswirkt. Außerdem ist das Alter der Sterne in dem Ring
    von besonderem Interesse für die Astronomen. Es liefert möglicherweise Hinweise darauf,
    wie die Galaxie entstanden ist.

 NGC 4650A

    [Quelle: Ute Kehse, Space Telescope Science Institute]



Sonnensystem:

    Die Sonne am solaren Minimum

    (Meldung vom 12.5.1999)

    In ihrer letzten Ruheperiode war die Sonne Ziel einer umfassenden Studie, deren
    Ergebnisse jetzt in einem Sonderheft des Journal of Geophysical Research vorgestellt
    werden. Vom 8. August bis zum 10. September 1996, dem letzten solaren Minimum, studierten
    die Forscher die Sonne intensiv mit dem Sonnenobservatorium Soho und anderen
    Sonnenbeobachtungssatelliten.
    Das Projekt "Whole Sun Month" brachte neue Ergebnisse über die Dichte und Struktur der
    Sonnenkorona, der heißen Atmosphäre der Sonne. Die Korona ist der Schlüssel zum
    Verständnis des Sonnenwindes. Dieser Teilchenstrom wird in der Korona beschleunigt. Wenn
    die Sonne besonders aktiv ist, kann er den Funkverkehr auf der Erde stören. Während des
    Beobachtungsmonats bildete sich ein ungewöhnliches Loch in der Korona, der sogenannte
    Elefantenrüssel - ein Glücksfall für die Forscher. Sie beobachteten jedoch nicht nur die
    Sonne selbst, sondern auch die Auswirkungen des solaren Minimums in weiterer Entfernung.
    Der elfjährige Aktivitätszyklus der Sonne erreicht nächstes Jahr seinen Höhepunkt. Die
    jetzt gewonnen Daten können dabei helfen, das Verhalten der Sonne an ihrem Maximum
    vorherzusagen. Die Aktivität der Sonne wird anhand der Zahl der Sonnenflecken gemessen.
    Die Zeit vom Minimum bis zum nächsten Maximum ist kürzer als vom Maximum zum Minimum.
    Eklipse 99

    [Quelle: Ute Kehse, American Geophysical Union]



Bis zur nächsten Ausgabe der Astro-Corner wünsche ich euch alles Gute!

Euer
Lars
Philipsen.

amiga@cytek.de