2. Offener Brief von AMIGA-Präsident Jim Collas an die Amiga-Gemeinde

ťApril 1999

Dies ist mein erster offener Brief an die Amiga Gemeinde. Es ist mir
wirklich eine Ehre zu solch einer grossartigen Gemeinde zu sprechen und
solch eine tolle Marke wie Amiga repraesentieren zu duerfen. Es gibt viele
bemerkenswerte Amiganer, nicht mehr aktive sowie aktive, die mit ihren
einzigartigen Amiga Entwicklungen dazu beigetragen haben diesen
revolutionaeren Geist zu praegen. Diese Leute haben das Amiga Phaenomen
geschaffen und genau diese Leute hielten Amiga auch in rauhen Zeiten die
Stange. Weltweite Amiga Vereinigungen hielten den "Spirit Amiga"
aufrecht. An dem Erfolg vor einigen Jahren oder der momentanen Ausdauer
der Gemeinde habe ich leider nicht mitgearbeitet. Ich kann nur vor den
dafuer Verantwortlichen den Hut ziehen und hoffe, dass ich zu einer neuen
grossen Amiga Aera beitragen kann, welche alle Hoffnungen der Amiga
Gemeinde erfuellt.

Die Amiga Veranstaltung in St. Louis (USA) vor einigen Wochen, war die
erste Amiga Veranstaltung an der ich als Praesident von Amiga teilnahm.
Das enorme Feedback zeigte mir, dass die Veranstaltung ein voller Erfolg
war. Die Veranstaltung war sehr gut organisiert und die Teilnehmerzahl
war ebenso sehr zufriedenstellend - es hat uns allen sehr viel Spass
gemacht. Es waren ungefaehr 1.200 Besucher anwesend und gegenueber dem
Vorjahr waren diesmal 14 % mehr Teilnehmer anwesend, was mir wichtig
erscheint. Ich habe dort mein Debuet als Praesident von Amiga gegeben und
moechte mich bei allen herzlich fuer die nette Begruessung in der Amiga
Gemeinde bedanken. Besonders hat mir gefallen, dass einige Amiganer mich
bis 3:00 Uhr Frueh an der Bar festgehalten haben, was mir zeigte, dass sie
nicht nur technisch auskennen, sondern auch Spass an der Freud haben.

In St. Louis hatte ich die Gelegenheit viel Zeit mit Leuten aus der Amiga
Gemeinde zu verbringen. Deshalb habe ich auch waehrend der Veranstaltung
mehrmals oeffentlich geaeusserte, dass die Amiga Gemeinde die Beste in der
Computer Industrie ist. Hiervon bin ich nun mehr denn je ueberzeugt. Die
Amiga Gemeinde ist die innovativste, treueste, heroischste und
ausdauerndste Gemeinschaft in der Computer Industrie. Ich bin tief
beeindruckt, was die Gemeinde erreicht hat mit wenig oder kaum
Unterstuetzung. Sie hat in extrem harten Zeiten ausgeharrt und den Geist
Amigas am Leben und bei Kraeften gehalten.

Leider ruehren einige der Schwierigkeiten, welche die Amiga Gemeinde in
den letzten zwei Jahren aushalten musste, von unangebrachten
Entscheidungen der Entwicklungsabteilung Amiga Inc. in USA her. Mir ist
auch klar, dass in den letzten zwei Jahren einige grosse Fehler bei der
Wegbereitung fuer Amiga gemacht wurden. Zu wenig Support von unserer
Muttergesellschaft Gateway, verschlimmerte diese Situation, aber leider
war Gateway zu diesem Zeitpunkt extrem mit ausschlaggebenden internen
Neuorganisationen beschaeftigt, um das eigene Hauptgeschaeft fuer die
Zukunft vorzubereiten. Die Absichten mit Amiga waren gut, aber die Lage
war verfahren. Etliche Leute haben mir gesagt, dass ich in die Zukunft
schauen sollte anstelle ueber vergangene Fehler zu sprechen. Generell
stimme ich dem zu, aber ich moechte, dass alle wissen, dass ich genau
weiss, dass vergangene Fehler die Gemeinde beeintraechtigten und den
Fortschritt verzoegerten. Dies ist sehr wichtig, da ich
Wiederholungsfehler vermeiden will. Meiner Meinung nach war der groesste
Fehler die Entscheidung die derzeitige Amiga Architektur nicht
weiterzuentwickeln und nur die naechste Generation zu entwickeln. Dies hat
der Amiga Gemeinde am meisten geschadet. Die richtige Entscheidung waere
gewesen die Produktgenerationen zu vereinen, genauso wie es Apple bei der
Transaktion Apple II zu Macintosh gemacht hat. Apple hat die Apple II
Architektur weiterentwickelt, indem Apple III eingefuehrt wurde, sogar
nachdem Apple mit dem Mac rauskam. Apple III war kein grosser Renner, aber
es half Apple II Hard- und Softwarefirmen und ermoeglichte ihnen durch
mehr Zeit ihre Produkte auf die neue Mac Plattform umzustellen.

Im nachhinein koennte es wie ein unglaublicher und dummer Fehler angesehen
werden, die Amiga Architektur nicht weiterzuentwickeln, was aber fuer
Leute aus dem PC Geschaeft nicht offensichtlich war. Ich versuche diese
Fehlentscheidung nicht zu rechtfertigen, sondern ich moechte erklaeren wie
es zu solch einer Entscheidung kommen konnte. In einer von Wintel PCs
dominierten Computer Industrie sind Computer schon innerhalb 6 bis 12
Monaten veraltet. Die effektivelose Architektur benoetigt eine permanente
Ueberarbeitung von CPUs, Grafiken und Speichergeraeten, um akzeptable
Verbesserungen bei Funktionen und Eigenschaften zu liefern. Dies passiert
in einem Industriezweig, wenn revolutionaere Innovation durch steife
Entwicklung ersetzt wird. Von den PC Gesichtspunkten aus gesehen, koennte
sich niemand vorstellen, dass eine Computer Architektur, die in den fruehen
90igern nicht mehr weiterentwickelt wurde, dennoch weiterleben kann.
Offensichtlich war diese Ansicht falsch, denn die Amiga Gemeinde hat
wieder und wieder bewiesen wieviel Leben doch noch in der derzeitigen
Amiga Architektur steckt.

Es ist klar, dass die Amiga Gemeinde heute staerker waere, wenn wir die
Entscheidung, die Amiga Architektur weiterzuentwickeln, vor zwei Jahren
getroffen haetten. Zwei Jahre sind nun verstrichen und wir stehen einer
schweren Frage gegenueber. Gibt es noch eine Zukunft fuer die derzeitige
Amiga Architektur? Ich glaube schon.

Die neue OS 3.5, das im Juli/August 99 herauskommen wird, ermoeglicht der
derzeitigen Architektur neues Leben. Zusaetzlich zu dem neuen OS 3.5
unterstuetzen wir Firmen, die nach besserer Hardware fuer die derzeitige
Amiga Architektur suchen. Wir unterstuetzen auch die Emulation der
derzeitigen Amiga Architektur auf die naechste Generation, um so zu
gewaehrleisten, dass die meiste alte Software genutzt werden kann. Ich
verbringe viel Zeit mit Fachleuten, um den Uebergang vom derzeitigen Amiga
zur naechsten Generation abzuwickeln.

So, nun zur Zukunft des Amiga. Ich weiss, dass die Vergangenheit eine
extrem schwierige und qualvolle Zeit fuer die Amiga Gemeinde war und ich
moechte dieses Kapitel gerne at acta legen und nach vorne blicken. Wir
haben eine bucklige Strasse vor uns und viele wichtige Entscheidungen
hinsichtlich Zukunftsplaenen sind zu faellen. Ich werde den Fehler, die
Gemeinde, deren Beduerfnisse und deren Dynamik nicht zu verstehen, nicht
noch mal machen. St. Louis war ein guter Anfang fuer mich, dennoch brauche
ich noch mehr Informationen, um die Situation noch besser zu verstehen.
Wir alle wissen, dass die Amiga Gemeinde in Europa sehr stark ist und es
sind viele Amiga Firmen mit beeindruckenden Persoenlichkeiten dort
vertreten. Ende April plane ich eine Geschaeftsreise nach Deutschland und
England, um Persoenlichkeiten aus der Amiga Szene zu treffen. Der Sinn
meiner Reise ist einerseits unsere derzeitigen Ueberlegungen zu besprechen
und andererseits um noch mehr Informationen zu sammeln, um alles
verstehen zu koennen. Ich moechte gerne die Meinungen von bekannten
Amiganern aus der Szene verstehen, um diese Informationen dann in unsere
Zukunftsplaene miteinzubeziehen. Besonders liegt mir der Uebergang von der
derzeitigen Architektur zur neuen Architektur am Herzen, naemlich so, dass
die Gemeinde keinen Schaden nimmt.

Eine klare Forderung der Amiga Gemeinde war bessere Kommunikation ueber
Aktivitaeten bei Amiga. Ich verspreche, schon ab diesem Brief, die
Kommunikation zu verbessern, indem ich mit haeufigen Meldungen auf unsere
Website weitermachen werde. Unsere Teilnahme an der Veranstaltung in St.
Louis und meine bevorstehende Reise nach Deutschland und England sind
gute Beispiele fuer unsere Bemuehungen auf diesem Gebiet. Den Brief den Ihr
gerade lest, ist veroeffentlicht auf unserer Website unter der neuen
Rubrik "Executive Update". Diese Rubrik werde ich persoenlich jeden Monat
auf den neuesten Stand bringen. Unter anderem wird dort ein aktueller
Bericht ueber unsere Hauptaktivitaeten stehen, direkt nach dem monatlichen
Brief an die Gemeinde. Ich denke dies ist ein guter Start und ich werde
nicht aufhoeren daran zu arbeiten unsere Kommunikation weiter zu
verbessern. Falls es Vorschlaege fuer mein "Executive Update" auf der
Website gibt oder wie wir die Kommunikation noch besser gestalten
koennten, haben wir eine Emailadresse eingerichtet, an die Vorschlaege
gesendet werden koennen: executive@amiga.com. Natuerlich koennen auch
Emails direkt zu mir gesendet werden: jim.collas@amiga.com. Ich bitte
allerdings um Verstaendnis, wenn eine Antwort eine Weile auf sich warten
laesst, da ich taeglich eine erhebliche Anzahl Emails erhalte. Die
Emailadresse Executive@amiga.com geht direkt zu meiner Assistentin, die
alle Emails dann an den dafuer zustaendigen Mitarbeiter bei Amiga
weiterleitet.

Ich weiss, dass ich Euer Vertrauen noch gewinnen muss und meine Zuneigung
zu Amiga noch beweisen muss, was mir hoffentlich in den naechsten Monaten
gelingen wird. Einige von Euch wissen ja, dass ich meine leitenden
Position im PC Bereich bei Gateway, Inc. fuer Amiga verlassen habe, denn
ich glaube an den revolutionaeren innovativen Geist von Amiga. Ich denke,
dass die PC Revolution vorbei ist, denn die innovative Revolution wurde
von unflexibler Weiterentwicklung ersetzt. Ich denke auch, dass eine neue
Computer Revolution auf uns zu kommt, eine, die Versprechen von
Computerfaszination fuer jedermann wahr werden laesst. Am wichtigsten
hierbei ist allerdings, dass Amiga hierbei eine signifikante Rolle spielen
muss. Amiga kann es allerdings nicht ohne den starken Support der Gemeinde
erreichen, die eine der innovativen Gemeinden der Computer Industrie ist.
Eine revolutionaere Arme wartet auf den Gegenschlag, um die in der
Computer Industrie hochangesehene Position von einst zurueckzufordern. Ich
glaube aus tiefstem Herzen daran und verspreche mit meiner ganzen
Erfahrung, Quellen, Industriekontakten, und Energie Amiga einen guten
Start an die Spitze zu geben. Ich hoffe, ich werde Euch nicht
enttaeuschen.

Let's keep the momentum going as we come back for the future.

Mit den besten Gruessen,
Jim Collas
President, AMIGAŤ

(Quelle: AMIGA)