Der Blöde Sprüche Workshop von Thomas Weber

1. Der Ochse hat ein Brett vorm Kopf

2. Wenn das schwarze Schaf nach seinem Vater schlägt

3. Kein Geistlicher nimmt jemand ins Gebet

4. Warum ein Pechvogel Pechvogel heißt

5. Wenn einer das Schwein hat

6. Wer sich einen Ast lacht

7. Wer stets der Vogel abschießt

8. Wenn einer durch die Blume spricht



Teil 2 - Wenn das schwarze Schaf nach seinem Vater schlägt

Vom schwarzen Schaf in der Familie spricht man, wenn ein Familienmitglied auffallen anders ist als alle anderen. Dieser Ausdruck geht auf ein Bibelwort zurück, das im Alten Testament steht, und zwar im 1. Mose, 30. Kapitel, Vers 32: "Ich will heute durch alle deine Herden gehen und aussondern alle gefleckten bunten Schafe und alle schwarzen Schafe..." Jakob wollte alle diese Schafe, die aus der Art geschlagen waren, als Lohn für das, was er geleistet hatte, Schafe also, die anders waren als die meisten ihrer Art.
Es hört sich ja zunächst etwas merkwürdig an, daß man aus der Art schlagen sagt. Aber man spricht ja auf von "Menschenschlag" und meint damit eine besondere Art von Mensch. In diesem Sinne kommt das Wort "schlagen" vom niederdeutschen Wort "slachten", was "arten" bedeutet. Wenn ein Sohn also nach dem Vater "schlägt", so ist er von der Art des Vaters. So harmlos also ist - aber nur in diesem Sinne! - das Schlagen nach dem Vater. Wenn jemand aus der Art geschlagen, ein schwarzes Schaf ist, so kann es ihm leicht auch passieren, daß er immer wieder zum Sünderbock gemacht wird, daß er für fremde Schuld büßen muß.
Das Bild vom Sündenbock haben wir dem Alten Testament entnommen. In biblischer Zeit bekam der Hohepriester am Versöhnungstage zwei Böcke. Der eine Bock wurde zum Schlachtopfer für Gott. Dem zweiten wurden durch Handauflegen alle Sünden des Volkes übergeben. Dann wurde es in die Wüste gejagt und seinem Schicksal überlassen. So mußte der Sündenbock für die Sünden des Volkes büßen. Auch heute wird noch manchem etwas angehängt, was er gar nicht getan hat.
Jemandem etwas anhängen: Dieser Spruch stammt aus dem 17. Jahrhundert. Damals mußten Bösewicht ihr Schandtaten zum Teil dadurch sühnen, daß sie auf einem öffentlichen Platz an den Pranger gestellt (genauer: gefesselt!) wurden. Dann hängte man ihnen ein Schild an, auf dem zu lesen stand, was sie angestellt hatten. Wenn jemand was angehängt wird, was der gar nicht getan hat, dann spricht man auch of davon, daß da jemand versucht, ihm was in die Schuhe zu schieben.
Mit diesem Bilde hat es folgende Bewandnis: Als die Handwerksburschen früher ihre Wanderjahre absolvierten, wurde unter ihnen in mancher düsteren Herberge auch so mancher Diebstahl begangen. War man dann auf der Spur der Diebe, versuchten die dann gelegentlich die verräterische Beute in die Schuhe eines anderen zu schieben. Manch einer spricht auch von der Schuld eines anderen nur, weil er die wahren Sachverhalte nicht kennt. So zum Beispiel wurde den Raben früher nachgesagt, daß ,daß sie ihre Jungen vernachnässigen. Und wir haben dann den Namen Rabeneltern auf Menschen übertragen, die ihre Kinder verwahrlosen ließen.
Übrigens war es Konrad von Megenburg, der 1350 in seinem "Buch der Natur" zum ersten Mal davon schrieb daß Raben Rabeneltern seien. Er behauptete, daß sie anfingen, ihre Jungen zu füttern, wenn sie die ersten schwarzen Federn auf ihrer zunächst nackten Haut zeigten. Aber mittlerweile wissen wir, daß das gar nicht stimmt. Auch heute sind wir allzu oft allzu schnell dazu bereit, über jemand den Stab zu brechen, ihn also für schuldig zu halten, ihn zu verurteilen.
Früher geschah das im buchstäblichen Sinne. War ein Gericht von der Schuld des Angeklagten überzeugt, so zerbrach der Richter einen Stab über dem Kopf des Verurteilten. Und ist ein Mensch von einem Gericht verurteilt, so verschwindet er of hinter den sogenannten schwedischen Gardinen. Warum heißen die Gefängnisgitter schwedische Gardienen?
Im Dreizigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 warfen die Schweden ihre Gefangen in Kerkerzellen, die durch Eisengitter von der Außenwelt getrennt waren. Und seitdem spricht der Volksmund zuerst verbittert, heute bildhaft von den schwedischen Gefängnisfenster.

Erdacht von Karin Mönkemeyer, zur NoCover gebracht von Borbarad alias Thomas Weber