Test:ShapeShifter
Welcher Amiga User hat noch nicht vom Macintosh gehört? Im Grunde könnte man diesen als den größeren Bruder des Amigas bezeichnen; schlägt in ihm doch der selbe Prozessor, wie im Amiga (früher 68K, heute PPC). Auch das OS vom Mac ist, wie das AmigaOS, relativ kompakt, aber trotzdem effizient. Nicht selten hat man da den Wunsch, einen Mac zu emulieren. Mit Fusion (Haage & Partner; kommerziell) und ShapeShifter (Christian Bauer; Freeware) stehen dem Amiga Anwender zwei Lösungen zur Verfügung von denen ich hier die zuletz genannte mal genauer unter die Lupe nehmen möchte!
Um es gleich vorweg zu nehmen: PPC Software läuft z.Zt. weder unter ShapeShifter noch unter Fusion. Zumindest die Autoren von Fusion haben eine PPC Version in Aussicht gestellt, mit der es dann möglich sein sollte, auch PPC Programme vom Mac zu nutzen. Aber auch im 68K Bereich finden sich einige hochwertige Software Perlen, die die Emulation locker rechtfertigen.
Als
erstes braucht man jedoch ein Original Macintosh Rom, was in der Regel das größte
Problem darstellt. Nicht jeder hat einen Macintosh zuhause rumstehen (dann
wäre nämlich die Emulation Blödsinn) um das Rom daraus auszulesen. Nun hat
man zwei Möglichkeiten: Entweder man besorgt sich einen alten 68K Mac
(teilweise findet man schon Angebote wie "tausche 68040 Mac gegen Kasten
Bier") und liest daraus das Rom File heraus oder man besorgt sich ein Rom
File aus dem Internet. Das der letztgenannte Weg illegal ist, hat Amiga User
ja (leider) noch nie gestört :-((( Wenn man das Rom hat, dürfte man die größte
Hürde geschafft haben. Das Betriebssystem (OS) vom Macintosh wird ebenfalls für die Emulation
benötigt. Im Gegensatz zum Rom kann das Mac OS aber völlig legal aus dem Netz
gesaugt werden; auch wenn es nur eine ältere Version (7.5.3) ist, die aber zum testen völlig
ausreicht (eine neuere Version macht mit einem 68K Prozessor ohnehin keinen
Sinn). Zusätzlich braucht man noch ein Bootfile (oder die im Internet vorbereitete Filedisk, auf der auch das MacOS enthalten ist). Wenn man einen ausreichend schnellen Rechner (ab 030, mindestens
16 MB Fast Ram, GraKa empfohlen) hat, kann man sich nun Gedanken machen, ob
man dem Mac eine eigene Partition (ratsam!) gönnen will oder auf die
Filedisks zurückgreift. Für die, die es nicht wissen: Filedisks sind
virtuelle Partitionen, die als ganz normale Projekt Dateien auf der Amiga
Seite sichtbar sind. Leider sind diese relativ langsam und nur für einen
kurzen Test zu gebrauchen. Ein Vergleich: Auf eine eigene Partition greift
der ShapeShifter bis zu 10 (!) mal schneller zu, als auf eine Filedisk. Wer
also ernstahft mit dem ShapeShifter arbeiten will, sollte dem emulierten Mac auf jeden Fall
eine eigene Partition gönnen. Nun kann endlich der ShapeShifter auf der HD installiert
werden und schon kann es losgehen (vorher muss lediglich noch das Tool
PrepareEmul gestartet werden; am besten ist es, wenn man es in die Startup
Sequence einfügt).
Startet man den ShapeShifter zum ersten mal, muss man noch einige Einstellungen tätigen, was aber auch für unerfahrene User leicht zu bewerkstelligen ist. Neben dem Treiber für Grafik (um es nochmal zu wiederholen: Eine GraKa ist fast unverzichtbar!) muss man hier noch seine FileDisk/Partition angeben, die Diskettenlaufwerke zuweisen, den verfügabren Speicher mitteilen (je mehr, desto besser) und die serielle Schnittstelle konfigurieren. Dazu kommen noch einige individuelle Einstellungen (z.B. ob die Emulation einen Amiga oder Mac Mauszeiger verwenden soll), die aber einfach und schnell zu erledigen sind. Alles in allem dauert das Konfigurieren des ShapeShifters nichtmal 5 Minuten. Wenn man nun auf "Starten" klickt, kann man zum ersten mal seinen emulierten Macintosh bewundern. Wenn man dem Mac eine eigene Partition zugewiesen hat, muss diese zuerst formatiert werden, was immerhin vollautomatisch abgeht (aber etwas dauern kann). Nun muss nur noch das MacOS installiert werden und schon kann man alle Fähigkeiten des Macs nutzen.
Viele werden sich bisher gefragt haben, was einem der emulierte Mac
überhaupt bringt. Im Grunde erstmal gar nichts, wenn da nicht das
riesengroße Softwareangebot wäre. Wer z.B. schon immer mal Word Texte mit
einem Kollegen austauschen wollte (oder für die Uni auf Word Kopatibilität
angewiesen ist), hat durch den ShapeShifter nun die Möglichkeit dazu. "Dank"
Microsoft kann der Mac User, im Gegensatz zu Amiga Usern, nämlich auf die
Quasi Standard Brüprogramme Word und Excel zurückgreifen. Beide laufen bei
mir einwandfrei; wenn auch nicht die aktuellen Versionen. Wer somit
behauptet, daß der Amiga keine Word/Excel Dateien lesen kann, muss sich
durch den
ShapeShifter eines besseren belehren lassen. Aber auch im grafischen Bereich
hat der Mac einiges an Software zu bieten, die sich teilweise durchaus sehen
lassen kann; egal ob es sich nun um "Painter", "Photoshop", "Claris Works"
oder "Illustration" handelt. Für Grafik Fans stellt diese Software die
ideale Ergänzung zu Amiga Grafikprogrammen dar. Auch wer häufig DTP betreibt, wird
an QuarkXPress, dem führenden DTP System, seine Freude haben. Eine weitere
sinnvoll zu installierende Software stellt der Acrobat Reader dar, der zum Anzeigen von pdf
Dateien verwendet wird. Auf dem Amiga war das bisher gar nicht oder nur
unzureichend möglich (xpdf ist zum vernünftigen Arbeiten kaum zu gebrauchen).
Pro Forma
sollte noch erähnt werden, daß es auch das Netscape Paket für den Mac gibt,
auch wenn der Amiga User bald in den Genuss des selbigen kommt. Insgesamt
finden sich auf dem Macintosh jede Menge Tools, die es in der Form auf dem
Amiga nicht gibt und für viele Amiga Besitzer eine sinnvolle Erweiterung
der WB darstellen können.
Wer die WB gewohnt ist, wird nicht lange brauchen, bis er sich im MacOS eingearbeitet hat. Auch dort wird alles hierachisch in Ordnern sortiert, die man per Doppelclick öffnen kann. Der wichtigste Unterschied dürfte das Fehlen der rechten Maustaste sein. Unter MacOS wird jede einzelne Aktion ausschließlich mit der linken Taste (wahlweise auch nur mit der rechten) bestätigt. Auch die Pull-down Menüs funktionieren nach diesem Prinzip. Wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat, merkt man schnell, daß diese Art der Bedienung wesentlich praktischer ist. Auf der Oberfläche des Mac ("Desktop") findet man sich schnell zurecht; eine Einarbeitungszeit (wie bei Windows ;-)) ist nicht nötig, da alles sehr intuitiv angeordnet ist und auch kein überflüssiger Schnickschnack (wie bei einem anderen, weit verbreiteten OS ;-)) dort rumfliegt. Wer das AmigaOS mag, der wird auch das MacOS lieben.
Es gibt noch zahlreiche weitere Punkte, die die Emulation sehr angenehm machen; alle hier aber jetzt aufzulisten würde den Rahmen des Artikels sprengen, so daß ich jetzt auf einige (wenige), mir wichtig erscheinende, Punkte eingehe.
Über die Zwischenablage ("Clipboard") lassen sich einfach Texte zwischen Amiga und emuliertem Mac austauschen. Wenn ich z.B. einen Text mit Wordworth geschrieben habe, brauche ich diesen nur zu markieren und ins Clipboard kopieren und schon kann ich diesen Text in beispielsweise Word laden. Die Zeichensätze werden dabei übrigens automatisch konvertiert, so daß man sich keine Gedanken über Umlaute machen muss.
Im Gegensatz zu dem PC Emulator "PC Task" kann man unter ShapeShifter während (!) der Emulation von der Amiga Seite auf die Macintosh Partition zugreifen. In der beigelegten (deutschen) Guide Datei wird darauf expliziet hingewiesen und auch in der Praxis klappt das ganze wunderbar.
Auch die Anzahl der Software, die nicht unter ShapeShifter läuft, hält sich in Grenzen: Ich habe einiges an (älterer) Software im Rahmen dieses Testes ausprobiert und nur in einigen seltenen Fällen kam es vor, daß die Software ihren Dienst verweigerte; meistens handelte es sich dann um kleinere Tools, die die Hardware ansprechen oder die GUI abändern. Kommerzielle Software läuft praktisch in 90 % aller Fälle.
Für Interessierte gibt es hier noch
weitere Screenshots:
Screenshot Nr.1
Screenshot Nr.2
Wer Fragen zum ShapeShifter/Mac hat, kann sich natürlich gerne an mich wenden!
Kilian Servais