MultiCX oder
MagicCX einen ziemlich schlechten Ruf in der NC Gemeinde.
»Bringt eigentlich nichts, und stürzt bloß
andauernd ab« ist noch recht harmlos...
Aber schließlich wollen wir doch immer schön
realistisch bleiben, nech? Da mir persöhnlich MCP schon lange
ans Herz gewachsen ist, möchte ich dieses feine Tool hier
heute mal denjenigen vorstellen, die sich mit Patches/Hacks bisher
noch nicht auseinandergesetzt haben. Let`s go...
- 1. Was ist MCP?
- MCP (Master Control Program) ist an sich eine Zusammenstellung
von einem Haufen Patches und Hacks, die das Betriebssystem
verbessern sollen. Der Vorteil liegt dabei klar auf der Hand:
Anstatt wie früher 20 verschiedene, möglicherweise
untereinander inkompatible Programme zu benutzen, braucht man nur
noch eines.
- 1.1 Was ist ein Patch?
- Ein Patch ist (in unserem Sinne) ein Programm, das bestimmte
Funktionen des Betriebssystems verändert, um sie z.B. zu
verschnellern oder zu verbessern.
- 1.1.1 Wie funktioniert ein Patch?
- Ein Patch installiert eine bestimmte Funktion im Ram, die auch
in den Kickstart-Roms vorhanden ist (z.B. WritePixelArray8() ). Der
eigentliche Patch besteht nun jedoch darin, jeden Aufruf des OS (OS
= Operating System, eng. für Betriebssystem) von z.B.
WritePixelArray8() abzufangen, und ihn dann auf die eigene Funktion
umzulenken. Es wird also gar nicht mehr die Funktion in den Roms
benutzt, sondern die nun im Ram liegenden Funktionen.
- 1.2 Wofür braucht man Patches?
- Z.B. um den Betriebssystem bisher nicht vorhandene
Fähigkeiten zu verleihen. Es ist nun z.B. möglich, das
gesamte Kickstart 1.3 ins Ram zu laden, und SäMTLICHE Aufrufe
des Kickstarts auf die entsprechenden Funktionen im Ram umzuleiten.
Auf diese Weise hat man nun ein völlig neues Kickstart.
Dasselbe geht natürlich auch mit jeder Menge anderen
Funktionen, die das Betriebssystem des Amigas nicht in
auszureichender Weise unterstützt. Theorethisch kann man damit
das OS also bis zum Erbrechen "aufrüsten".
- 1.3. Nachteile eines Patches
- Einen Patch zu installieren kann mehrere Nachteile mit sich
bringen: Ein Programm kann aus irgendwelchen Gründen
abstürzen, obwohl es vorher sehr stabil lief. Andere, bereits
installierte, Patches mögen ab sofort die Zusammenarbeit
verweigern. Und zu guter Letzt verträgt es das OS nicht
besonders gut, an 100 Stellen "geflickt" zu werden.
Wenn man Pech hat, wird das System so löchrig, das es ohne
sichtbaren Grund abstürzt.
- 1.3.1 Woher kommen die Fehler?
- Einige schlecht programmierte Tools versuchen immer noch, das
Rom direkt anzusprechen. Sie rufen also nicht die Funktion, sagen
wir: Forbid() auf, sondern sprechen die Speicheradresse $001FCCA1
an (Erfindung). Bei neueren Betriebssystemen dürfte dies zum
sofortigen Absturz führen. Ein weiterer Grund für Fehler
können natürlich auch Bugs (eng. Ungeziefer = Fehler) in
dem Programm sein, das das System patcht. Wird nun eine fehlerhafte
Systemroutine aufgerufen (z.B. WritePixelArray8()) so führt
auch dies meist zu einem Guru.
Ein letzter Grund dürfte der sein, daß (wie mir ein
Programmierer mitteilte) einige SystemLibrarys (eng. Bibliothek =
Datenbank von Funktionen) das patchen nicht verkraften, so z.B. die
exec.library. Dies dürfte allerdings OS-Interne Gründe
haben.
- 2. Features von MCP
- Im Vergleich zu den beiden anderen Programmen dieser Gattung
(MultiCX + MagicCX) ist MCP Freeware. Es ist also absolut
uneingeschränkt lauffähig. Außerdem wird es noch
weiterentwickelt, was ich z.B. von MagiCCX nicht
wüßte.
Aber das wichtigste sind ja eigentlich die Funktionen, die MCP
nun neu ins Betriebssystem einbindet, und hier gibt es einige. Vom
einfachen Compymemquicker Patch (beschleunigt den Ram-Zugriff
teilweise), bis hin zu NewGadTools (eine einfache Version von
Visual Prefs- man kann viele Gadgets verändern) ist einiges
vorhanden.
Im Gegensatz zu MultiCX orientiert sich MCP nicht nur an puren
Bugfixes und Verbesserungen, sondern bietet einige Funktionen, um
die WorkBench zu verschönern. Dazu gehören unter
anderem:
- SysIHack- paßt die Gadgets (Knöpfe) automatisch
höheren Auflößungen an.
- FrameIHack- macht dasselbe mit den Rahmen.
- NewGadtools- verändert das Aussehen der Workbench
Oberfläche und der Intuition Gadgets (z.B. Mui-Like).
- 16-Color Pointer- bietet die Auswahl zwischen 3 Mauspfeilen,
die statt 4 Farben 16 Farben benutzen. ACHTUNG: Mit dieser Funktion
aktiviert stehen keine weiteren Sprites mehr zur Verfügung.
Einige Programme können daraufhin den Dienst verweigern
(besonders Gag-Programme).
- Solid Window Sizing- Ermöglicht das verschieben und
vergrößern von ganzen Fenstern, nicht nur den Rahmen wie
bisher. Nur für schnelle Prozessoren empfehlenswert.
- Und noch einige mehr.
Einige dieser Funktionen sind zwar noch ausbaufähg, aber doch
schon sehr brauchbar. überdies enthälht MCP
natürlich noch eine große Reihe kleinerer Patches, wie
z.B. NoClick, HD-off, BorderBlank usw.. Daran besteht ja
schließlich der eigentliche Sinn eines solchen Tools: Nicht
mehr hunderte kleinere Programme im Hintergrund am Laufen zu haben,
sondern ein großes.
- 2.1 Stabilität
- Mit das wichtigste an Systempatches ist die Sicherheit. Damit
ist gemeint, wie sicher sich ein Patch wieder entfernen
läßt, und ob das System bedingt durch den Patch
häufiger abstürzt.
Die höchste Stabilität bietet in diesem Sektor zwar
MultiCX, welches sich so gut wie IMMER fehlerfrei wieder entfernen
läßt, aber durch ein Hilfsprogramm erhöht sich auch
die Sicherheit von MCP. Dieses Programm ist PatchControl, welches
VOR MCP gestartet werden muß, und die veränderten
Systemroutinen überwacht. Bei den Non-Beta Versionen ist es
damit möglich MCP wieder fehlerfrei zu entfernen. Die
Betaversionen hängen sich dennoch einige Male auf, aber
dafür sind es ja Betas.
Vermehrte Programmabstürze waren mit MCP eigentlich nicht
zu beobachten, im Gegenteil: Durch die Funktion NoGuru kann ein
evtl. abstürzendes Programm vor dem Guru abgefangen werden,
und so das System vor einem Komplettabsturz gerettet werden. In
einigen Fällen war es sogar möglich das Programm zu
reaktivieren und weiterzuarbeiten. Wenn alles fehlschlägt gibt
es noch den Remove-Knopf, der das Programm wieder entfernt. Dadurch
werden die Fenster des Programms geschloßen, und ein
einigermaßenes Weiterarbeiten ermöglicht. Allerdings
wird der Speicher des Programms nicht wieder freigegeben, wodurch
man dann immer ein wenig zu wenig Ram hat. Vieleicht bietet MCP ja
später mal Memory-Protection an, damit währe dann soetwas
möglich.
- 3. Nutzen in der Praxis
- Der Nutzen eines solchen Programms ist meistens recht subjektiv
zu bewerten. Ob man die angebotenen Funktionen nun braucht oder
nicht ist 1. jedem selbst überlassen, und 2. hängt es
auch vom eigenen System ab.
Wer auf einem Standard A1200 läuft, für den währe
wohl MultiCX die bessere Wahl, da es nur sehr wenig Speicher
verbraucht. Wer allerdings lediglich seine Workbench ein wenig
verschönern möchte, und einen Großteil der Fehler
aus dem Betriebssystem entfernen möchte, dem sei MCP
angeraten.
Für Besitzer von Grafikkarten bietet MCP überdies noch
einige Extra Schmankerl, wie z.B. alle Programme im FastRam
ablaufen zu lassen. Für diese Benutzer wird es natürlich
noch eine Stufe interessanter. Allerdings denke ich, daß sich
zumindest jeder einmal dieses Tool ansehen sollte- es lohnt sich!
- 4. Wertungskasten
- Jo, hier ist er nun:
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MCP-Test by The Saint |
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Name: |
MCP |
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| Hersteller: |
Alien Design |
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Sicherheit: |
78% |
| Nutzen: |
83% |
| Fazit: |
Empfehlung! |
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- 5. Nachwort
- Ich hoffe, der Test hat dir gefallen. Die aktuelle Version von
MCP sollte im Aminet irgendwo rumschwirren, sieh sie dir ruhig mal
an.
Ach ja noch was: Was hältst du von dem Wertungskasten? Wie
währe es, wenn wir uns bei der NoCover mal auf ein par
einheitliche Kästen einigen könnten? Ich schlage diesen
erstmal für kleinere Tests (mit wenigen Bewertungspunkten)
vor. Wie siehts aus?

Markus Castro
