Populäre Irrtümer (Teil 2)
Hallo NoCover-Leser!
In der NC 56 habe ich schon einmal einen Artikel über Denkfehler,
Irrtümer, Vorurteile und Missverständnisse geschrieben. Hier
folgt nun der zweite Teil.
Ich wünsche viel Spaß beim Entdecken der Unwahrheiten!
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Elefanten haben ein außergewöhnliches
Gedächtnis
Das phänomenale Gedächtnis
von Elefanten existiert vor allem in der Phantasie von Zeitungsschreibern.
Es mag zwar durchaus stimmen, wie man zuweilen liest, dass ein Elefant
einen Peiniger nach Jahren wiedererkennt und attackiert, aber das kann
einem Löwen- oder Tigerquäler ebenso passieren.
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In England regnet es mehr als in
Italien
In London fallen pro Jahr 590 mm Niederschlag,
in Rom 760, in Florenz 870, in Mailand 1000 und in Genua sogar 1100. Damit
ist London eine der trockensten Städte in Europa.
Auch im Rest des Landes ist England trockener als Italien: durchschnittlich
900 mm Niederschlag, verglichen mit 950 in Italien. Dass trotzdem die ausländischen
Gäste einen ganz anderen Eindruck mit nach Hause nehmen, liegt an
der Verteilung: in Italien regnet es vor allem im Herbst und Winter, in
England das gleichmäßig das ganze Jahr. Und auch die Dauer der
Regenschauer ist verschieden: In England kommt der Regen britisch-dezent
in kleinen Dosen, dafür aber öfter (im Durchschnitt regnet es
an jedem zweiten Tag), in Italien seltener, aber dann gewaltig. Daher hat
man das Gefühl, es regnet weniger, obwohl die reine Menge des Niederschlags
in Italien größer ist.
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In England wird der meiste Tee getrunken
Laut "International Tea Committee LTD,
London" wird in Irland pro Kopf und Jahr mehr Tee getrunken als in England.
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Deutschland bezieht das meiste Erdöl
aus dem Nahen Osten
Der wichtigste deutsche Erdöllieferant
ist England. Im Jahr 1990 hat Deutschland aus England 14,8 Mio Tonnen Erdöl
importiert, aus Norwegen 6,6 Mio und aus Saudi-Arabien nur 6 Mio Tonnen.
Ein Big-Mac(tm) von McDonald's(r) ist
weder gesünder noch ungesünder als ein Menü in einem Drei-Sterne-Spesenritter-Speisentempel.
Er enthält gemessen an seinen Kalorien etwas zu viel Fett und etwas
zu wenig Ballaststoffe, dafür aber mehr Vitamine, Kalzium und Eisen
als viele andere Speisen, die zehnmal so viel kosten. Und selbst das Fett-Ballaststoff-Gleichgewicht
lässt sich durch ein Glas Orangensaft billig und problemlos herstellen.
[...]
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Das Gefährliche bei Bränden sind die Flammen
Die meisten Menschen, die bei Bränden sterben, sterben
durch den Rauch, nicht durch die Flammen: Pro Jahr kommen in Deutschland
mehr als tausend Menschen durch Kohlenmonoxyd ums Leben, "nur" rund 800
sterben an Verbrennungen.
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Fische sind taub und stumm
Viele Fische können durchaus Schallwellen wahrnehmen;
die nötigen Organe, die sog. "Fischohren", befinden sich in Kapseln
hinter den Augen. Manche Fische erzeugen auch mehr oder weniger laute Töne,
um sich mit Artgenossen verständigen zu können oder Feinde abzuwehren.
[...]
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Die sicherste Art des Reisens ist das Fliegen
Je nachdem, wie man es nimmt. Zählt man einmal weltweit
die Todesopfer des Bahn- und Luftverkehrs (das Auto als den unbestrittenen
Killer Nummer 1 lassen wir außen vor) und teilen diese Zahlen durch
die zurückgelegten Passagierkilometer, so kommt folgendes heraus:
- Bahn: 9 Todesopfer pro 100 Milliarden Passagierkilometer
- Flugzeug: 3 Todesopfer pro 100 Milliarden Passagierkilometer
Teilen wir die Zahl der Opfer aber durch die Passagierstunden
statt durch die Passagierkilometer, ergibt sich das umgekehrte Bild:
- Bahn: 7 Todesopfer pro 100 Millionen Passagierstunden
- Flugzeug: 24 Todesopfer pro 100 Millionen Passagierstunden
Mit anderen Worten: Die Gefahr, die nächste Stunde nicht zu überleben,
ist im Flugzeug mehr als dreimal größer. Und so gesehen ist
die Angst so vieler Menschen vor dem Fliegen gar nicht so irrational wie
wir immer weisgemacht bekommen.
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Friedhof hat etwas mit "Frieden" zu tun
Friedhof kommt vom althochdeutschen "frithof"=Vorhof, Vorplatz,
Vorraum einer Kirche. Es bedeutet "eingefriedeter, beschützter Platz".
Da dieser eingefriedete, beschützte Platz vor den Kirchen oft auch
als Begräbnisstätte diente, hat diese eingeschränkte Bedeutung
peu à peu das Wort für sich alleine in Beschlag genommen.
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In Afrika gibt es keine Gletscher
Afrika besitzt rund 13 Quadratkilometer Gletscherfläche,
den größten Teil davon auf dem Kilimandscharo. Von allen Kontinenten
hat allein Australien keine Gletscher [...].
Das afrikanische Klima war auch längst nicht immer so warm wie heute.
Der Nil z.B. war seit 1 nach Christus mindestens zweimal, in den Jahren
829 und 1010, zugefroren.
Glühwürmchen sind Käfer, keine Würmer.
Es gibt mehrere Arten, in Europa am bekanntesten die Lampyris noctiluca.
[...]
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Die Grasmücke hat etwas mit Mücken und Gras
zu tun
Dieser beliebte Singvogel aus der Gattung "Sylvia Atricapilla",
auch "Schwarzplättchen" oder "Plattmönch" genannt, hat seinen
Namen von dem mittelhochdeutschen "Gra-smiege"=Grau-Schlüpfer; er
ist grau und ein Meister im Durchkriechen, Durchhüpfen und Durchschlüpfen
des Gebüschs.
Anders als Wespen oder gar Hornissen gelten Hummeln als eher
gutartig; sie haben wie die Honigbienen eine strenge soziale Hackordnung
mit Königin, Drohnen und Arbeiterinnen; sie sammeln wie diese Nektar
aus den Blüten von Pflanzen. Anders als die Bienen lassen sie sich
auch, wenn man vorsichtig ist, mit der Hand einfangen, ohne sich mit ihrem
Stachel zu wehren. Aber wenn sie sich ernsthaft bedroht fühlen, können
sie auch stechen.
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Der Hundertjährige Krieg dauerte 100 Jahre
Der sogenannte Hundertjährige Krieg, den sich die Franzosen
und Engländer im Mittelalter lieferten, dauerte in Wahrheit 114 Jahre,
von 1339 bis 1453. [...]
Die Hundstage heißen so, nicht weil es Hunden zu heiß
wird, sondern, weil um die Zeit des Jahres der Sirius, der Hundestern,
mit der Sonne zusammen aufgeht. In der Antike glaubte man, dass dieser
Stern noch zusätzliche Hitze brächte.
In der Zeitrechnung der Menschheit gibt es kein Jahr Null.
Wir zählen die Jahre vor Christus rückwärts, also 1 vor
Christus, 2 vor Christus und so weiter, und die Jahre nach Christus vorwärts,
also 1 nach Christus, 2 nach Christus und so weiter. Dabei ist "2 nach
Christus" im Sinn von 2 a.D., also "Anno Domini Nr. 2", "im zweiten Jahr
des Herrn" zu lesen, so dass kein "Nulltes Jahr des Herrn" existiert. Mit
anderen Worten: Die Jahreszählung springt bei der Zeitenwende gleich
von -1 auf +1. [...]
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Das dritte Jahrtausend beginnt um Mitternacht des letzten
Tages 1999
Das dritte Jahrtausend beginnt nicht am 1. Januar 2000, sondern
am 1. Januar 2001. Denn vom 1. Januar des Jahres 1 bis zum 31. Dezember
des Jahres 1999 sind erst 1999 Jahre vergangen. Damit ist das Jahr 2000
das 2000. Jahr der modernen Zeitrechnung; erst wenn dieses Jahr vorüber
ist, beginnt Jahrtausend Nr. 3.
So, das war nun der zweite Teil meiner Artikelreihe
über kapitale Missverständnisse, Vorurteile und Denkfehler, denen
die meisten von uns, ohne es zu wissen, unterliegen. Ich schätze,
dass insbesondere die beiden letzten Beiträge zur Jahreszählung
aus aktuellem Anlass wohl für die meisten interessant gewesen sein
dürfte. Die meisten Menschen machen sich vollkommen unnötig verrückt,
um entweder den angeblichen Jahrtausendwechsel an einem besonderen Ort
zu verbringen oder das "Jahrtausendbaby" zu produzieren. In Wirklichkeit
haben wir dafür noch ein Jahr Zeit. ;-)
Macht's gut!
Euer
Lars Philipsen