Zum zweiten mal hier nun Aktuelles aus der Astronomie
und Astrophysik.
Viel Spaß beim Lesen!
(Meldung vom 15.4.1999)
Eine bisher unbekannte Klasse von Schwarzen Löchern
mit einem Gewicht von hundert bis
tausend Sonnenmassen ist jetzt von zwei Astronomenteams
unabhängig voneinander entdeckt
worden. Edward Colbert und Richard Mushotzky vom
Goddard Space Flight Center der Nasa
sowie Andrew Ptak und Richard Griffiths von der
Carnegie Mellon University stellten ihre
Ergebnisse auf einer Tagung der American Astronomical
Society in South Carolina vor.
Bisher waren Schwarze Löcher in zwei extremen
Größen bekannt: Zum einen gibt es
"stellare" Schwarze Löcher, die beim Zusammenbruch
schwerer Sterne entstehen und ein
mehrfaches der Sonnenmasse wiegen. Supermassive
Schwarze Löcher befinden sich im Zentrum
einiger Galaxien und haben die Masse von Millionen
oder sogar Milliarden Sternen in sich
vereint. Sie müssen kurz nach dem Urknall entstanden
sein.
Die neuen Mittelgewichte, die etwas kleiner als
der Mond sind, verrieten sich anhand
charakteristischer Röntgenstrahlung, die sich
von der der supermassiven Schwarzen Löcher
deutlich unterschied. Colbert und Mushotzky spürten
diese Strahlung in 39 relativ nahen
Spiralgalaxien auf, während Ptak und Griffith
die irreguläre Galaxis M82 untersuchten.
Diese Galaxis gilt als sogenannte "Starburst"-Galaxis,
weil dort sehr viele neue Sterne
entstehen. Gleichzeitig explodieren viele Sterne
als Supernovae, so daß es dort vor
Neutronensternen und stellaren Schwarzen Löchern
nur so wimmelt.
Möglicherweise vereinen sich die kleinen Schwarzen
Löcher zu den Mittelgewichten, wenn
sie sich zu nahe kommen. Das ist die zur Zeit plausibelste
Theorie zur Erklärung der
neuen Klasse, sagte Ptak auf der Tagung.
[Quelle: Ute Kehse, Nasa]
(Meldung vom 15.4.1999)
Ein Astronomenteam ist dabei, das Rätsel der
fehlenden Masse im Universum zu lösen: Wie
die Forscher mit Hilfe des "Extreme Ultraviolet
Explorers, eines Satelliten der Nasa,
herausfanden, könnten Gaswolken in Galaxienclustern
zumindest einen Teil der lange
vermißten dunklen Materie darstellen: Nur
höchstens zehn Prozent der Masse des Universums
besteht aus sichtbaren Sternen und Galaxien. Die
restlichen 90 Prozent sind unsichtbar
und machen sich nur durch ihre Anziehungskraft bemerkbar.
Die Forscher entdeckten jetzt Ultraviolett-Strahlung,
die aus den leeren Weiten zwischen
den Galaxien stammt. "Es handelt sich offenbar um
heißes Gas, das ins Zentrum von
Galaxienhaufen gesaugt wird", sagte Richard Lieu
von der Universität von Alabama. Einer
der beobachteten Galaxienhaufen enthält zuviel
Gas, um stabil zu sein - er müßte
eigentlich kollabieren. "Das bedeutet, daß
das Gas noch nicht lange innerhalb des Haufens
ist", spekulierte Lieu. Wahrscheinlich wurde es
aus dem Raum zwischen den Clustern in
diese hineingesaugt.
Die Gaswolken besitzen nicht genug Masse, um das
Problem der dunkeln Materie vollkommen
zu lösen. Andere mögliche unsichtbare
Masseträger sind zum Beispiel Neutrinos, von denen
noch nicht klar ist, ob sie überhaupt eine
Masse besitzen oder nicht.
[Quelle: Ute Kehse, BBC]
(Meldung vom 14.4.1999)
Zwei leuchtende Gaswolken in der Galaxis M101 könnten
Überreste von Explosionen
gigantischen Ausmaßes sein: Wie Daniel Wang
von der Northwestern University im
US-Bundesstaat Illinois auf einer Tagung der American
Astronomical Society sagte, sind
die Wolken wahrscheinlich bei der Explosion sogenannter
"Hypernovae" entstanden - dabei
wird hundert mal soviel Energie freigesetzt wie
bei einer gewöhnlichen Supernova. Das
schließt Wang, der seine Ergebnisse auch in
den Astrophysical Journal Letters beschreibt,
aus Messungen des deutschen Röntgensatelliten
Rosat. Er vermaß die Überreste der
Explosionen - die eine Gaswolke hat einen Durchmesser
von 850 Lichtjahren, die andere
expandiert mit 160 Kilometern pro Sekunde - und
schloß daraus auf die Energie, die bei
den Hypernovae freigesetzt worden sein muß.
Zum ersten Mal konnte damit eine sich schnell ausdehnende
Gaswolke als Rest einer
einzigen Explosion identifiziert werden. Bislang
hatte man gedacht, solche Wolken umgäben
hunderte von Sternen, die über Millionen von
Jahren nacheinander explodierten. Hypernovae
stehen nun als mögliche Verursacher der rätselhaften
Gammablitze ganz oben auf der Liste
der Verdächtigen. Das Weltraumteleskop Hubble
Hubble kann die beiden Gaswolken jedenfalls
genauer untersuchen als die Herkunftsorte der meisten
Gammablitze, die hauptsächlich aus
den hintersten Ecken des Universums kommen. Die
Galaxis M101 ist dagegen nur 22 Millionen
Lichtjahre entfernt.
[Quelle: Ute Kehse, Northwestern University, ABCNews,
BBC]
(Meldung vom 16.4.1999)
Astronomen von vier Forschungseinrichtungen haben
ein neues Sonnensystem entdeckt. Der
sensationelle Fund untermauert die Vermutung, daß
in der Milchstraße noch viel mehr
Planetensysteme existieren, die dem unseren gleichen.
Um den Stern Upsilon Andromedae kreisen nach den
neuen Erkenntnissen drei Planeten. Der
erste Planet wurde bereits 1996 von Forschern der
San Francisco State University
entdeckt. Er umrundet den Stern in einer Entfernung
von 0,06 AU (AU = Astronomische
Einheit). Eine Astronomische Einheit entspricht
der durchschnittlichen Entfernung der
Erde zur Sonne, also etwa 149,5658 Millionen Kilometer.
Unabhängig voneinander fanden nun Astronomen
vom Lick Observatorium bei San Jose, vom
Harvard Smithsonian Center for Astrophysics und
vom National Center for Atmospheric
Research Hinweise auf zwei weitere Planeten um Upsilon
Andromedae.
Der größere von beiden läuft auf
einer elliptischen Bahn in etwa 2,5 AU Entfernung um das
Zentralgestirn. Dafür benötigt der Trabant,
der die vierfache Masse des Jupiter hat,
zwischen 3,5 und 4 Erdenjahre.
Der kleinere hält einen Abstand von 0,83 AU
zu Upsilon Andromedae und benötigt für eine
Umrundung 242 Tage. Er hat etwa die zweifache Masse
des Jupiter, des größten Planeten in
unserem Sonnensystem.
[Quelle: cfa, sfsu]