Der Blöde Sprüche Workshop von Thomas Weber
1. Der Ochse hat ein Brett vorm Kopf
2. Wenn das schwarze Schaf nach seinem Vater schlägt
3. Kein Geistlicher nimmt jemand ins Gebet
4. Warum ein Pechvogel Pechvogel heißt
5. Wenn einer das Schwein hat
6. Wer sich einen Ast lacht
7. Wer stets der Vogel abschießt
8. Wenn einer durch die Blume spricht
Zunächst einmal muß ich sagen, daß dieser folgende Text NICHT von mir stammt, sondern von Karin
Mönkemeyer aus dem kleinen Tramp-Buch "Wo kommen die blöde Sprüche her?" Alles was ich getan habe,
ist also in die Tasten gehauen und es für die NoCover als Workshop abgetippt.
Laßt uns diesen Workshop unter dem Motto "Damit die NC voller werde..." beginnen:
Teil 1 - Der Ochse hat ein Brett vorm Kopf
Wenn ein Mensch dumm, einfältig, einfach schwer vom Begriff ist, dann sagst du vielleicht: Der hat
ein Brett vor dem Kopf.
Früher band der Bauer seinem Zugochsen ein Brett vor die Stirn, weil der es dann nicht merkte, wenn
er mehr Last zog als er eigendlich konnte, wenn er also über seine Kräfte ausgenutzt wurde.
Auf so plumpe Weise konnte der Bauer seinem Ochsen sozusagen an der Nase herumführen, ihn zum Narren,
sich zudem noch über ihm lustig machen!
Der Spruch An-der-Nase-Rumführen ist auch aus der unheilvollen Lage eines Tieres erwachsen: Früher
zogen nämlich Bärenführer zur Belustigung der Leute durch die Lande. Sie führten einen Tanzbären
an einer Leine, die an einem Ring befestigt war, den man den Bären durch die Nase gezogen hatte.
Der Bärenführer drehte sich um seine eigene Achse und führte den Bären also an der Nase um sich
herum.
Vielleicht befand sich auch damals jemand unter dem Publikum, von dem du sagen würdest: "Der steht da
wie eine Ölkötze!" - Nämlich stumm, stur und steif, dumm und jeden anderen geradezu dazu
herausfordend ihn zu verspotten.
Ölgötzen, so nannte man früher die mit Öl bestrichenen Götterpfähle der Heiden auf ihren Straßen und
Plätzen. Später wurde dieser Name auf die Hauskobolde übertragen, an denen man die Ölfunzeln
aufhängte. Martin Luther war der erste, der den Begriff als nicht sehr schmeichelhaften Namen auf
Menschen übertrug, denen er Dummheit und Sturheit nachsagen wollte: den mit heiligen Öl gesalbten
römischen Pristern.
Wenn du selbst etwas nicht verstehst, so wirst du sicher nicht von einem Brett vorm Kopf reden und
auch nicht davon, daß du wie ein Ölkötze dastehst. Du wirst schon eher sagen: "Das sind für mich alles
bömische Dörfer!"
Dieser Ausdruck wurde nach dem Dreißigjährigen Krieg populär. Damals waren Soldaten aus den Norden
auch bis nach Bömen vorgedrungen. Mit den tschechischen Namen der Ortschaften dort kamen sie
überhaupt nicht zurecht. Sie verstanden sie kaum, noch weniger konnten sie sie nachsprechen oder sich
gar merken! Nach und nach wurden diese Namen dann zum Inbegriff für etwas ganz und gar
Unverständliches.
Wer so komplizierte Wörter nicht versteht, bei dem muß ja nicht gleich Hopfen und Malz verlohren
sein.
Wenn man das nämlich erst einmal von einem Menschen sagt, dann meint man, jede Mühe, ihm etwas
beizubringen sei vergebens.
Hopfen und Malz sind die wertvollsten Bestandteile des Bieres. Im frühen Mittelalter verstand man
sich nicht nur in der Klöstern darauf, Bier zu brauen, auch manche Hausfrau brachte es zu hoher
Braukunst. Allerdings versuchten sich auch Leute daran, Bier herzustellen, die besser hätten die
Finger davon lassen sollen. Denn sie waren nicht so geschickt in der Abstimmung des Gärungsprozesses,
würzten falsch oder verwendeten schlechtes Wasser. Dann war das Gebräu ungenießbar - und Hopfen und
Malz waren verlohren! Vielleicht währe ja bei manchem Menschen noch nicht Hopfen und Malz verlohren,
währe endlich das ersehnte Verfahren erfunden, mit dem man ihnen alle Weisheiten der Welt
eintrichtern könnte. Aber leider sind die Erfinder noch immer nicht auf der richtigen Spur.
Zum ersten Mal wünschte sich so ein Verfahren der Dichter Harsdörfer, der 1647 seinen meist weniger
talentierten Nürnberger Mitbürgern einen "poetischen Trichter" wünschte, "die deutsche Dicht- und
Reimkunst in sechs Stunden einzugießen"! So ein Trichter währe auch für uns Heutige nicht schlecht,
dann könnte uns heute niemand mehr ein X für ein U machen! Dann könnte uns also nimand mehr etwas
vormachen, uns täuschen.
Das X ist nicht nur der drittletzte Buchstabe im Alphabet, es ist auch das Zeichen für die römische
Zahl Zehn. Und das U - das früher wie V geschrieben wurde - stand für V, was der römischen Fünf
entspricht. Wenn nun früher ein Gläubiger beim Zeichen V die beiden Striche nach unten verlängerte,
so kam ein X heraus. Und so hatte er die Rechnung schlicht gefälscht. Sowas geschah natürlich
insbesondere Leuten, die nicht lesen konnten und darum solche Fälschungen nicht leicht bemerkten. Wer
lesen konnte, dem konnte man schwer ein X für ein U machen!
Erdacht von Karin Mönkemeyer, zur NoCover gebacht vom Borbarad - alias Thomas Weber