|
|
|
|
|
|
Mythos und Realität - Kommentar von Stephan BischoffQNX ist Geschichte, zumindest für den Amiga. Vielleicht baut QNX ja einmal ein eigenes Betriebsystem und machen Amiga damit Konkurrenz. Die zweite große Schockwelle fährt über die, ohnehin schon wild gebeutelte Amigagemeinde hinweg. Was bleibt vom großen Traum? Keine eigene Hardware, kein eigenes OS. War die Prozessorwahl für die Developerbox schon ein schwerer Schlag ins Gesicht so bekommen wir jetzt auch noch die Linuxohrfeige. Eine Linuxbox, basierend auf grindiger PC-Hardware? Vielleicht noch im verschpielten, dafür unpraktischen Designergehäuse? Ein iAmiga? Oder besser gesagt, ein iLinux? Nein Danke. Wozu auch? Unser aller Präsident, Jim Collas, versucht zu beschwichtigen. Alles sei wohl überlegt und wir sollen nicht jetzt, nach so langer Zeit, die Tastaturen endgültig hinterm Haus vergraben. Er verpricht uns auch diese Entscheidung genauer zu erläutern und außerdem den, noch reichlich undefinierten Begriff "Operating Enviorement" der Gemeinde etwas näherzubringen. Technisch gesehen klingt alles ja recht plausibel: Nimmt man den Linuxkern, streicht das hoffnungslos veraltete Drumherum und ersetzt es durch etwas Zeitgemäßes, so hat man eine recht gute Basis um damit weiterarbeiten zu können. Warum das mit QNX nicht funktionieren soll bleibt dabei vorerst unverständlich. Die Fülle an Treibern kann nicht der Grund sein, diese müßten nämlich ohnehin neu adaptiert, wenn nicht gar neu geschrieben werden, außer natürlich man beschränkt das nächste AmigaOS auf einen erweiterten Windowmanager - womit das Projekt als gescheitert zu betrachten ist. Die wirkliche Erklärung werden wir wohl eher auf marktstrategischer Ebene finden, und dort eröffnet sich uns auch die Genialität dieses Schachzuges: Wir kaufen uns damit in der Linuxgemeinschaft ein, welche bekanntlich nicht nur gut organisiert ist, sondern auch fähig und willig. Irgenwann soll ja auch einmal etwas verkauft werden, besser gestern als heute, und die Amiga Gemeinschaft ist offensichtlich zu klein um ausreichend Stückzahlen produzieren zu können. Das treibt den Preis in die Höhe. Bei gleichzeitig sinkenden Preisen für Wintel Rechner ist das genau das falsche Signal an die Öffentlichkeit. Mit Linux öffnet sich, unter Umständen, ein neuer, im Wachstum begriffener Markt mit hohem geistigen Userpotential. Linux kennt man, damit läßt sich werben, das wird wahrscheinlich auch gekauft, egal wieviel davon im nächsten Amiga noch zufinden sein wird. Uns Alteingesessenen schmeckt das natürlich nicht besonders. X86 und Linux sehen nicht besonders gut aus, im Vergleich zum MegaMightyMagicMysteryProcessor und einem spektakulären OperatingEnviorement, sind dabei aber ungleich realer und daher auch früher realisierbar, schließlich soll schon ende dieses Jahres etwas Greifbares vorhanden sein. Wie es dann weitergehen soll wird sich noch weisen. Unsere Führungsspitze, allen voran Jim Collas, gibt sich derweil betont nahe der Gemeinschaft und setzt damit ein äußerst positives Zeichen. Machen wir also die Welle und genießen den Sommer. |
||
|
|
|