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| Maestro Paula |
 
 

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Maestro Paula - Die alte Dame und der Meister

 
Alt, aber gut? Oder alt und verstaubt? Rieseln die alten Knochen oder kann sich die alte Dame immer noch gegen den großen Maestro behaupten?

 
Nun, es ist wohl an sich unfair, eine Paula, der bei schönen Klängen das Herz höher schlägt, mit einem MaestroPro zu vergleichen, der zwinkernd im hellen Schein seiner Rotlichtbeleuchtung sitzt.

Was hat es an sich, daß viele immer noch den guten, alten, mitunter ein wenig verraucht, um nicht zu sagen: verrucht, klingenden Klang einer Paula, dem des Maestros vorzuziehen, der nun von sich beansprucht, mit seinen optischen (TOSLINK, bitte nicht mit DOSlink zu vergleichen, auch wenn einen so manch Händler Gegenteiliges einreden möchte...) Schnittstellen CD-Qualität liefern zu können?

 

Kontaktaufnahme

 
Was die Paula mit der kritischen Außenwelt verbindet, sind ein wenig Elektronik und zwei lapidare Cinch-Buchsen, an die ein guter Verstärker angeschlossen werden will. Spricht man von Qualität, so muß man aufgrund spät-Commodoresker Bauteilwahl diese Buchsen wohl als Verschleißmaterial zählen, mittlerweile sollten wohl bei fast jedem alten Amiga diese Buchsen zerfallen sein...

Auch die ehemals als verwechslungssicher(!!) gepriesenen unförmigen Stecker zeichnen sich nicht gerade durch Professionalität aus, aber vielleicht gerade deshalb kommt dieser unverwechselbare Sound zustande, der nun bei meinem Test-4000er mit gerade neu eingelöteten Buchsen irgendwie, hmmm, reiner zu klingen scheint. Aber wer weiß schon, was seine Freundin gerade so vorhat, vielleicht will sie auch ihre alte, liebgewonnene Hardware wieder zurück.

 
Der MaestroPro dagegen mutet mit seinen simplen rechteckigen Buchsen, die zu den den CD-, LD-, MD- und sonstigen-D-Playern mitgelieferten Optokabeln passen, richtig futuristisch an. Sie sind aber an sich auch empfindlicher, denn ein wenig Staub in ungeschützte Buchsen und nichts geht mehr. Ein kräftiger, nicht zu feuchter Puster hilft da aber wahre Wunder.

Als Zorro-II-Karte fühlt sich der Maestro naturgemäß schon etwas weniger in einem Amiga zu Hause, als die gute Dame von vorhin. Nichtsdestotrotz ist natürlich sein Platz wie für ihn geschaffen und nur die Wahl des Orchesters, sprich, des Amigas, steht dem geneigten Leser noch offen, oder zur Qual.

 

Probeaufnahmen

 
Die Paula anzusprechen ist nicht sonderlich aufwendig: im Aminet finden sich genügend AudioPlayer, und die können mit der rüstigen Dame gefühlvoll umgehen, bzw. bedienen sich dieser neumodischen Dienstleistung, namens AHI, die natürlich auch was kostet, das nennt sich dann Prozessorleistung. Und um was hören zu können, ist es wohl ratsam, externe Krach-Geber anzuschließen. In dieser Ausgabe findet sich sicher der eine oder andere Tip dazu :-)

Der Maestro zeigt da schon mehr Star-Allüren, denn an diese komischen viereckigen Dinger will partout kein herkömmlicher Audio-Stecker passen. Wie auch? Was dort rauskommt führt allerhöchstens zu einem Weh im Ohr. Diese seine digitalen Daten auf Leuchtsrtahlen will der Maestro natürlich ganz besonders behandelt wissen, bzw. sie eigens aufbereitet bekommen.

Um Daten dem Herrn anpreisen zu können, kommen sie wohl im einfachsten Falle direkt von der CD, ein AD-Wandler im MiniDisc- oder DAT-Deck geht aber natürlich auch. Umgekehrt herum gibt es nur sehr vereinzelt CD-Player, die digitale Daten annehmen und dann analog ausgeben können (was aber sicher einmal ein interessantes Umbauprojekt wäre, bei der Fülle an D/A-Wandlern durch die in fast jedem Zimmer stehenden CD-Player), bei anderen Decks ist das nicht der Fall, auch gibt es eigene HighEnd-DA-Wandler, die die Eigenarten des werten Herren auch dem Fußvolk verständlich machen, ein Laut-Sprecher sozusagen...

 
Unsere nette Freundin von nebenan gibt aber vor, nichts über den sonorigen Herrn zu wissen, der des öfteren zu ihr auf Besuch kommt, also bedienen wir uns wieder der schon bekannten Dienstleistung, die wieder gutes Geld kostet. Äh, Klartext: Der MaestroPro im Amiga meldet sich klarerweise per AutoConfig an, tut dann aber nichts mehr, außer das AudioSignal von einer Buchse zur anderen durchzuschleifen.

Richtig aufgeheizt wird er erst durch Programme, die sich ihm per Dolmetscher verständlich machen, AHI, bzw. Maestix.

 

Einbindung ins Ensemble

 
AHI, als hardwareunabhängiges AudioSubSystem gedacht, mittlerweile wohl genauso bekannt und verbreitet wie Picasso96 oder CyberGrafX, nun geht mit dem Maestro genauso um, wie mit der Paula, auf beiden kann Laut gegeben werden. Tondaten in den Amiga samplen geht aber natürlich nur per MaestroPro, der nicht mit seinem AmateurNamensvettern namens Maestro verwechselt werden will, aber beide sind leider längst nicht mehr im Geschäft...

Ein Samplen mit 44.1kHz ist damit ohne weiteres möglich, auch wenn es kein guter alter 2000er sein darf, der das Grundsystem bildet. Aufgrund von Design-Schwächen bei der Interruptbehandlung dauert es in so einem Amiga, besonders wenn, wie es sich gehört, alle Slots belegt sind, zu lange, bis die Anforderung vom MaestroPro beantwortet wird und binnen kürzester Zeit ist der (viel zu klein bemessene) interne Zwischenspeicher der Maestro übergelaufen und sie braucht erst wieder einen Reset, um weiterarbeiten zu wollen.

In anderen Amigas (wie auch solchen, denen man Zorro erst beibringen muß), ist es aber absolut kein Problem für den Herrn, mit seinen Fähigkeiten zu glänzen, die unter anderem nicht von der Karte selber, sondern eher vom Eingangssignal abhängen, denn ob nun in 32kHz, 44.1kHz oder 48kHz gesampelt werden soll, entscheidet allein das die Daten ausgebende Gerät, genauso kann aber auch ein MaestroPro seine Daten in diesen drei Raten liefern.

Unterstützt ein Programm AHI, so kann es auch die MaestroPro ansprechen, wenn nicht, kann man sich das imemr noch selber programmieren, denn im Aminet gibt es ein feines Packerl namens Maestix, mittlerweile in Version 41.30, das eine Library bereitstellt, mit der man den guten Maestro ganz selbst für sich allein unter seine Fittiche nehmen und zu Höchstleistungen anspornen kann. Ein paar Demoanwendungen sind kompiliert als auch im Source dabei, sodaß gleich ersichtlich ist, wie damit programmiert werden kann.

Damit ist natürlich feines AudioDatenSchaufeln möglich, es hat in diesem Sinne aber nichts amigatypisches mehr im Klang, denn das Equipment mit einer einigermassen schnellen Platte und (wichtiger) einem ordentlich dicken Prozessor (unter einem 30er geht einmal gar nix mit AHI) verleitet schon dazu, sich ganze Tracks einfach mal so reinzusamplen, auch wenn sie mal 50MB verschnupfen. Aber was ist das heutzutage schon noch?

 
Die Paula dagegen kommt ja auch schon mit 512KB und "ohne" Prozessor aus, denn wie sonst gäbe es das typische "Boing" im Boing-Ball-Demo? Als nativer Chip im Amiga hat rüstige Dame natürlich ein ihr nicht abstreitbares Vorrecht, was Krachmachen betrifft. Das kann sie auch gut, denn auch wenn die Dynamik wohl etwas zu wünschen überläßt und 14bit nicht state-of-the-art sind, so ist sie doch für ihre mittlerweile ca. 15 Jahre (hey, nächstes Jubiläum!!!) erstaunlich klar im Kopf.

Was ist es, was sie so eigens klingen läßt? Meine eigene Vernarrtheit in unser aller liebste Freundin, oder hört man im Blindtest auch einen Unterschied? No-na, denn wozu kann man denn seine PowerLED dimmen, äh, den AudioFilter zu- und abschalten?

 

konzertant

 
Für mich ist auch eine Paula als AusgabeDevice nach wie vor noch gut genug, und mit einem wenig Nachhelfen in der Ausgangsverstärkung kann sie sich auch pegelmässig mit den anderen viel, viel neueren Geräten in der Audiokette messen.

Ein MaestroPro wird von sich aus selber nie wirklich Laut geben können, er wird immer auf andere angewiesen sein, aber dafür hat er auch den Anspruch an Qualität gestellt.

 
Laßt mir also beides und ich werde glücklich sein, denn, um wieder klischeehaft zu werden: welcher PC-ler kann schon mehrere AudioKarten in seinem Rechner gleichzeitig betreiben. Mit mehreren Maestros ist es doch möglich, auch live aus mehreren digitalen (und mit anderen Audiokarten natürlich auch analogen) Quellen auf rein digitaler Basis zu mischen und überzublenden. Die Software dazu ist natürlich, als übliches Übel, nicht wirklich vorhanden, aber mit Maestix wäre auch sie kein gröberes Problem. So sind die beiden ungleichen Herrschaften durchaus vergleichbar, denn in so einem Gemisch könnte die Paula auch brav ihre Rolle spielen.

Oliver Gerler     [ german ]    
Steve Bowman     [ english ]    


- Aminet:mus/misc/ahiusr.lha
- Aminet:util/libs/Maestix.lha
 
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