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Envoy 3 - Vernetzt in null komma nix!

 
Mit der schon aus Commodore-Zeiten bekannten Netzwerk-Software Envoy kann man nach Herzenslust in einem LAN verbundene Amigas miteinander spielen lassen.

 
Dafür braucht man als Grundlage keinen TCP-Stack. Es müssen nur geeignete Sana-II-Interfaces zur Verfügung stehen. Darauf setzt Envoy im Client-Server-Prinzip als Verwaltungssoftware von lokalen und externen Verzeichnissen, Partitionen, Druckern und weiteren Services auf.

Grundsätzlich kann jeder Rechner sowohl Client als auch Server spielen. Das heißt, daß man von jedem Amiga aus Verzeichnisse oder Drucker freigeben kann und auf jedem anderen wieder einbinden. Die Konfiguration efolgt dabei vollständig in einer Oberfläche, es brauchen keine kryptischen Shell-Zeilen oder Skripte editiert werden.

Da Envoy kein TCP verwendet, aber genauso wie ein TCP-Stack auf IP-Netzen fundiert, kann es zu Konflikten kommen, die dadurch umgangen werden, daß neue IP- und ARP-Paket-Adressen für die Envoy-Seite der jeweiligen Rechner verwendet werden.

 
In einfacheren Netzen, die nur einige wenige Amigas enthalten, ist die Konfiguration simpel: es werden ein paar Sachen freigegeben, alle anderen Amigas im Netz sehen die und können das dann wieder einbinden. Für größere Netzwerke ist es aber oft nicht sinnvoll, alle alles sehen zu lassen. Dafür gibt es die Realms, die ähnlich zum Workgroups-Prinzip bei Windows-Netzen funktionieren: Amigas können einem Realm zugeordnet werden, und nur innerhalb dieser logischen Netzunterteilung, die nichts mit ihrem physikalischen Aufbau zu tun haben muß, ist der Amiga dann anderen sichtbar. Weiters ist es zur Verbindung mehrerer Netze untereinander möglich, Gateway-Rechner zu definieren, die die Daten von einem ins andere netz weiterleiten. Somit kann zum Beispiel auch ein CDTV über die serielle oder parallele Schnittstelle in ein Ethernet-basiertes Rechnernetz integriert werden.

Die Benutzerführung ist weiterhin auf Sicherheit bedacht. Dafür gibt es Benutzer- und Gruppenverwaltung in Envoy, die es auf jedem Rechner einem Admin ernöglicht, die lokalen Rechte für andere Leute festzulegen. Beim Mounten von Partitionen übers Netz ist ein Einloggen fällig, um seine Zugriffsrechte geltend machen zu können. Dennoch kann man auch einfach die ganzen Sicherheitsmerkmale abstellen, wenn man zum Beispiel nur für sich ein paar Amigas verlinken will und nicht immer nervende Paßwort-Requester beantworten will.

 

Anlieferung

  [CD Cover]
Es ist zwar schön und gut, daß mittlerweile auch am Amiga immer mehr auf CD erscheint und angesichts mancher inflationärer Datenmengen durchaus sinnvoll. Wieso aber die 1248KB, die das Envoy-Paket enthält, nicht auf einer Diskette ausgeliefert werden, bleibt offen. Zugegeben, die CD und deren Cover ist in schönem Türkis-Blau gehalten, aber es gibt auch CD-förmige Hüllen, in die man Disketten hineinstecken kann. So muß man vor der Installation zuerst mühsam die Dateien per FTP auf einen anderen Amiga schaufeln, wenn der nicht ein (ja nicht notwendiges) zweites CD-Laufwerk besitzt.

Der Text zur CD beschränkt sich auf ein Doppelblatt als Cover mit der zweiten Hälfte als Registrierungskarte bei der Schatztruhe und dem Hinweis, daß das entsprechende CD-Filesystem die Rockridge-Erweiterungen lesen können sollte, um unter anderem auch die Protection-Bits des Amigas mitlesen zu können. Empfohlen werden AmiCDFS ab v2.37, AmiCDROM 1.15, CacheCDFS, BabelCDROMFS oder AsimCDFS ab v3.4.

Die Dokumentation ist vollständig als AmigaGuide auf der CD enthalten und für die Installation durchaus informationsbringend, die Installation auf die Platte per Installer einfach zu erledigen.

 

Konfiguration

 
Die Konfiguration ist unterteilt in die entsprechenden Preferences für das Netzwerk, die zur Verfügung stehenden Services und die einzelnen Exports und Imports.

Zwar kann Envoy natürlich neben anderen Protokollen und Services im Netzwerk laufen, es gibt da keine Einschränkungen, aber man benötigt neue IP- und ARP-Paket-Adressen für die per Envoy vernetzten Rechner. Die Voreinstellung von 2048 und 2055 sind auch die für TCP verwendeten, für Envoy nimmt man am Besten 2049 und 2055, denn irgendwie müssen die Pakete ja unterschieden werden können, sonst meint der TCP-Stack nur lakonisch, daß ein Envoy-Service bei ihm nicht existiert und wirft die Pakete weg, anstatt dem Envoy die Entscheidung zu überlassen.

[Network Configuration]
Die Konfigurationsseite des Netzwerkinterfaces
 
Die Services stellen die entsprechende Funktionalität dar, um Verbindungen herstellen zu können. So gibt es eben ein Service für Filesysteme und ein Service für Drucker. Hier können aber nach Belieben weitere Services, wie zum Beispiel für Zeitsynchronisation oder anderes eingebunden werden. Die Dokumentation inklusive aller benötigten Includes und Pragmas und sonstiger Files ist dafür auf der CD vorhanden.

[Services Configuration]
Eigene Services lassen sich einfach dazufügen
 
Andere Rechner können nun den eigenen Amiga im Netz sehen, aber noch nicht sovn ihm mounten, dafür muß erst ein Filesystem exportiert werden und am anderen Rechner das Entsprechende importiert, solange die Rechte dafür vorhanden sind, bzw. das Sicherheitssystem abegschaltet, was aber nie eine gute Idee ist.

[Filesystem Exports]
Auch Wechselmedien sind möglich
 
Wie hier schön zu sehen, kann man auch Wechselmedien wie CD-Laufwerke exportieren und importieren. Die Unterstützung dafür geht soweit, daß am importierenden Rechner ein Diskchange durchgeführt wird, wenn der Export sich ändert. Legt man eine neue CD ein, ist also nach ein paar Sekunden auch am anderen Rechner das neue Icon zu sehen.

Genauso transparent, wie sich Wechselmedien-Wechsel abspielen, läßt sich die ganze Konfiguration ändern, ohne daß ein Reset des Amigas fällig wäre. So gehört sich das, durch die vielen Änderungen ist Envoy 3 aber zu vorherigen Versionen inkompatibel geworden und es wird dringend empfohlen, auf allen Rechnern nur Envoy der Version 3 laufen zu lassen, ansonsten treten die wundersamsten Dinge auf, wie es hier zum Beipiel mit einer Uraltversion passiert ist, daß ein Icon zigmal am Screen aufgetaucht ist, bis die Workbench voll war und der Rechner semmelte.

In einer versionskonsistenten Umgebung verhält sich Envoy aber völlig stabil und transparent. Die Funktionalität, die es dabei bietet, bleibt in der Grundanwendung völlig unausgelastet und kommt erst bei aufwendigeren Netzwerken zur Geltung.

 

Envoy und Samba

 
Nachdem nun Envoy problemlos über die gleiche Hardware wie der TCP-Stack läuft und sich das gegenseitig auch systemübergreifend nicht beeinflusst, nebenbei die Geschwindigkeit von Envoy angenehm hoch ist, versuchte ich noch ein paar ausgefallenere Sachen.

Ist mit Samba (Version 1.9.16.p9 verwende ich hier; auch wenn sie nicht die aktuelle ist, funktioniert sie und wer berührt schon Sachen, die laufen?) ein Windows-Verzeichnis am Amiga gemountet, was ja mit dem praktischen SMB-Handler (derzeit aktuell Version 0.12) einwandfrei funktioniert, so kann dieses per Envoy unter den anderen Amigas im Netz weiterverteilt werden. Somit dient ein Amiga dann als Schnittstelle zu anderen Betriebssystemen und Samba braucht nur mehr auf einem Rechner installiert und gewartet werden. Sehr praktisch. Damit kann dann ein Amiga zum Beispiel auch ein CD-Laufwerk des PCs mitbenutzen.

Andersherum ist es möglich, ein Laufwerk oder einen Drucker auf einem Amiga freizugeben und den auf dem einen Amiga, auf dem Samba installiert ist, an die Windows-Welt weiterzugeben. Die Druckerumleitung ist amigaseitig so konzipiert, daß sowohl PAR:, PRT:, SER: als auch ein PRT_RAW: auf einen externen Drucker umgelenkt werden können. Der Export und Import funktioniert dabei analog dem Prinzip bei den Filesystemen.

[Printer Exports]
Druckerfreigabe unter Envoy
 
Es ist somit auch ein einfaches, Drucker, die an einer Schnittstellenkarte wie einer Multiface oder HyperCom hängen, dem Export hinzuzufügen und von anderen Amigas aus anzusprechen.

Von der PC-Seite sieht man die Amiga-Welt des Netzwerkes in einem Rechner vereint, unabhängig davon, wo denn nun die Hardware im Endeffekt wirklich steht. Auf der Amiga-Seite ist wiederum die PC-Welt so transparent eingebunden, daß alles, was per Samba daherkommt, von einem Amiga aus freigegeben ist.

 

Offen und erweiterbar

 
Durch die offene Schnittstelle zu den Services, die auch gut dokumentiert und mit den ganzen Entwicklerunterlagen gestützt wird, die auf der CD enthalten sind, ist Envoy mehr, als nur ein einfaches DatenaustauschUtility. Es ist ein komplexes System, mit dem man siene Freude am Netzwerk hat und das in seiner Funktionalität seinesgleichen sucht. Sehr zu empfehlen.

Bedienung [80]/[100]
Features [90]/[100]
Qualität [80]/[100]
Preis/Leistung [80]/[100]
Stabilität [95]/[100]
Dokumentation [80]/[100]
Gesamt [90]/[100]
 

Oliver Gerler     [ german ]    


- Envoy 3
- Schatztruhe
- CD Cover (JPEG; 11K)
- Network Configuration (GIF; 9K)
- Services Configuration (GIF; 5K)
- Filesystem Exports (GIF; 7K)
- Printer Exports (GIF; 7K)
 
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