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Amiga Forever - Online Version: Ein Amiga in 6 MB

 
Für $29.99 und rund 6 MB Download-Spaß bekommt man die aktuelle Version von Amiga Forever der Firma Cloanto aus dem Internet. Dabei handelt es sich um einen, auf dem Windows UAE (v.0.8.6) basierenden, Amiga Emulator für den PC. Die DOS-Version des UAE oder der A500-Emulator Fellow sind in dem Grundpaket nicht enthalten, können jedoch zusätzlich separat heruntergeladen werden.

 
Bei dem 6,5 MB Archiv, das von Cloanto bezogen werden kann, handelt es sich um eine einzige Datei, nämlich Afonline.exe. Diese braucht man am Windows-Rechner nur zu starten und alles weitere wird automatisch erledigt. Zuerst entpackt sich die Datei selbst und dann wird die Install-Prozedur aufgerufen.

Damit der Rechner mit Amiga Forever jedoch etwas anfangen kann, sind gewisse Voraussetzungen notwendig. Zuerst einmal muß dieser mit dem Betriebsystem Windows 95, Windows 98 oder Windows NT 4.0 ausgerüstet sein. Bei Windows 95 ist zu beachten (falls es sich um eine alte Version handelt), daß DirectX installiert ist und bei Windows NT 4.0 wird zumindest das Service Pack 3 vorausgesetzt. All diese Dinge sind nicht in der Online-Version von Amiga Forever enthalten (was auch verständlich ist, da der Umfang dieser Pakete wesentlich größer als das ganze Afonline.exe ist), können aber bei Bedarf von Microsoft kostenlos heruntergeladen werden.

 
Die zum Betrieb des Emulators notwendigen ROM-Images der Amiga-Betriebssystem-ROMs sind bei Amiga Forever enthalten und zwar für die Betriebssystemversionen 1.3 und 3.0. Wer einen wirklichen Amiga mit einem 3.1er ROM besitzt, kann natürlich auch dieses mit den mitgelieferten Werkzeugen auslesen und sich so selbst ein ROM-Image der aktuellen Betriebssystemversion erstellen. Aufgrund der Lizenzbedingungen ist Cloanto jedoch nicht ermächtigt, das 3.1er ROM mit Amiga Forever mitzuliefern. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, daß sich die Versionen 3.0 und 3.1 nur unwesentlich unterscheiden und man eigentlich mit dem 3.0er ROM so gut wie alle aktuelle Software betreiben kann.

[AmigaForever]
 
Die 1.3er ROMs ermöglichen es zusätzlich, alte Spiele und Anwendungsprogramme, die mit neueren Versionen des AmigaOS nicht mehr kompatibel sind, zu betreiben. Hierfür ist auch eine "Workbench-Floppy" mit den zu dieser Version gehörenden System- und Zusatzprogrammen als ADF-Datei enthalten, von der man das alte Betriebsystem booten kann.

 
Nicht ganz so rudimentär muß man mit dem 3.0er System beginnen. Hier hat Cloanto schon einige Vorarbeit geleistet, um gleich einigermaßen komfortabel arbeiten zu können. Bei der Online Version von Amiga Forever ist ein bereits auf "Festplatte" vorinstalliertes 3.0er-System dabei. Dieses wird dem UAE als zwei Platten, System und Work, bereitgestellt. Außerdem kann man vom UAE auch auf alle Laufwerke des PC (auch Netzwerklaufwerke) zugreifen. Die beiden vorbereiteten "Amiga-Festplatten" sind dabei glücklicherweise nicht als Festplatten-Images angelegt, sondern stellen einfach zwei Verzeichnisse am PC dar, wodurch man ganz leicht von der Windows-Seite dort weitere Dateien hineinspielen kann, die dann auch gleich dem emulierten Amiga zur Verfügung stehen.

Man hat es jedoch nicht bei einem nackten 3.0er-System belassen, sondern gewisse "lebensnotwendige" Zusätze bereits mitgegeben. So wird beispielsweise standardmäßig die überaus nützliche KingCON-Shell verwendet und auch der ToolManager ist schon fix-fertig eingerichtet. Weiters hat man auch die Picasso96 Grafikkartensoftware installiert, die dem UAE zu einer Beschleunigung der Bildschirmausgabe und zu größeren Auflösungen und Farbtiefen verhilft. Man muß nur mehr einen entsprechenden Screen in den ScreenMode-Preferences auswählen. Auch neuere und mehr DataTypes, als sie von Haus aus beim 3.0er System dabei wären, sind dabei. Weiters ein neuer Installer und zusätzliche Commodities. Man muß sich diese Dinge also nicht erst mühsam aus dem Aminet zusammenklauben und dann installieren.

Neben den Systemerweiterungen finden sich auf der Work-Platte noch zusätzliche Programme, darunter auch ein vollständiges PPaint in der Version 7.1 und der Editor TurboText. Daneben einige Hilfsmittel, die man benötigt, wenn man Dateien zwischen Amiga- und PC-Formaten konvertieren will.

 

Konfigurationen

 
Sowohl für das 1.3er-, als auch für das 3.0er-System sind bereits fertige UAE-Konfiguratuonen mitgeliefert, und mit Hilfe des Launcher-Programms, das bei Amiga Forever dabei ist, können diese mit einem Klick gestartet werden. Im Start-Menü von Windows wird übrigens als einziges Programm dieser Launcher angeboten. Von diesem, auch ästhetisch, gelungenen Menüprogramm aus kann man dann alle Aktivitäten einleiten.

 

Wie fühlt sich so ein emulierter Amiga an?

 
Überwältigende Geschwindigkeit braucht man sich vom UAE auch auf einem 400MHz Pentium II keine erwarten. Ein echter Amiga mit 030er oder 040er CPU ist immer noch wesentlich flüssiger zu bedienen. Aber es läßt sich auch auf dem emulierten Amiga einigermaßen gut arbeiten. Besonders für einen Laptop ist die Sache interessant, da es sowas für den Amiga ja nicht wirklich gibt. Auch im Vergleich zu einem rudimentären Amiga ohne Grafikkarte und wenig Speicher hat der Emulator durch die ergonomischere und dank Picasso96 auch schnellere Bildschirmdarstellung Vorzüge. Ein weiterer Aspekt ist die Möglichkeit, alte Software, die auf dem richtigen Amiga eventuell dank zu neuer Betriebsystemversion oder zu gutem Prozessor nicht mehr läuft, mit dem Emulator zu betreiben.

 

AmigaExplorer

 
Für die Datenübertragung zwischen einem PC und einem Amiga (egal ob emuliert oder echt) dient der sogenannte AmigaExplorer. Dieser besteht aus zwei Komponenten, wobei die eine am Amiga und die andere am PC läuft. Über die seriellen Schnittstellen der beiden Rechner oder über TCP/IP können diese miteinander kommunizieren. Der AmigaExplorer ermöglicht es, daß von der PC-Seite auf die Laufwerke des Amiga, ähnlich wie beim einem Netzwerk, zugegriffen werden kann. Im Explorer von Windows existieren unter der Rubrik Desktop normalerweise die Gruppen Arbeitsplatz mit allen lokalen Laufwerken, sowie Netzwerkumgebung mit den anderen Rechnern. Ist nun der AmigaExplorer installiert, so findet man unter der Rubrik Desktop zusätzlich noch eine Gruppe "Amiga Computer" mit allen Laufwerken des angeschlossenen Amigas. Zusätzlich werden die Disketten und Festplatten auch als Disk-Images vom AmigaExplorer angeboten, sodaß diese direkt auf den PC übertragen werden können, ohne daß man sie erst umständlich, händisch am Amiga erstellen muß. Umgekehrt ermöglicht der AmigaExplorer jedoch der Amiga-Seite keinen Zugriff auf die PC-Dateien.

 

Dokumentation

 
Wie bei einer Online-Version zu erwarten, ist natürlich auch die Dokumentation nur in einer Online-Version enthalten. Diese ist ausführlich, sehr schön, praktisch aufbereitet und liegt im HTML-Format vor. Auch auf die Dokumentation kommt man vom Launcher-Programm aus schnell durch einen einfachen Klick.

 

Fazit

 
Insgesammt kann man die Online Version von Amiga Forever als gelungen und als durchaus sinnvolles Produkt für alle PC-Besitzer bezeichnen, die auch einmal Amiga-Software betreiben wollen. Besonders der Einsatz auf einem Laptop ermöglicht zusätzliche Einsatzgebiete für Amiga-Programme. Aber auch für Leute, die zu Hause einen Amiga und in der Firma einen PC (oder umgekehrt) haben, ist Amiga Forever sicher eine interessante Sache.

 
Bedienung [90]/[100]
Features [85]/[100]
Qualität [90]/[100]
Preis/Leistung [85]/[100]
Stabilität [95]/[100]
Dokumentation [90]/[100]
Gesamt [89]/[100]
 

Thomas Öllinger     [ german ]    


- Cloanto's Homepage
- Amiga Forever BIG (JPEG; 84K)
 
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