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IDEfix ´97 - Größer, besser, schneller: IDE für A1200Auweia, da haben mir die Kollegen aber einen ganz schönen Hund angetan, wo ich doch an meinem Amiga so gut wie nie herumbastele, seit Ewigkeiten dieselbe Seagate-2,5"-IDE-Festplatte (170 MB) benutze, und selbst meine Workbench präsentiert sich noch - völlig unaufgemotzt - im grindigen Ur-Design! (wenigstens motiviert das meinen Bruder zu allerhand verächtlichen Bemerkungen: "O Gott, in dem Zimmer ist ja Platz!", "O Gott, wie kann man nur mit so einer Workbench arbeiten!", "Jetzt kauf' Dir endlich mal ein eigenes Modem!" und noch zahlreiche weitere Zitate, welche hier aber eigentlich gar nicht hingehören. Aber was soll's, einem Freund zufolge bin ich ja "ein großer Geschichtenerzähler". Nach langen Verzögerungen machte ich mich letztendlich in Begleitung eines motzenden Bruders und einer wachsamen Videokamera an die Arbeit und versuchte, meinen Amiga per Schraubenzieher zu massakrieren. In den beiden Packungen befanden sich eine Diskette, ein IDE-Adapter zum Anschluß mehrerer Geräte zugleich am IDE-Port des A1200 und der berüchtigte "Express-Adapter", welcher die Zugriffs- und Übertragungsgeschwindigkeiten gnadenlos in Höhen pushen sollte, die man eher von SCSI gewohnt ist. Auf die Diskette nahm ich zunächst keine Rücksicht und erwählte den IDE-Adapter zum ersten Versuchsobjekt. Der erste Teil meiner Bemühungen war auch recht vielversprechend, zumal er lediglich daraus bestand, alle Kabeln abzustecken, die Schrauben zu entfernen, das Gehäuse zu öffnen und die Anleitung zum Einbau des kleinen Adapters zu studieren. Das sollte aber auch jedem Amigianer gelingen, und wem nicht, dem ist wohl ein rasches Verkriechen hinter den Monitor anzuraten. Gottseidank war ich nicht so peinlich und vertiefte mich in die Gebrauchsanweisungen, die auf einer A4-Seite komprimiert waren. Davon ausgehend, daß techisches Wissen sowie Fähigkeiten meinerseits eher begrenzt sind, ist das Faktum, daß mir die Anweisungen relativ klar und eindeutig schienen, sicherlich positiv zu bewerten. Der Anschluß der Platine anhand des Planes und des mitgelieferten Kabels machte überhaupt keine Probleme. Allerdings erwies es sich als ein Ding der Unmöglichkeit, das kleine Gerät nach erneutem Anschluß der Festplatte im Inneren des 1200ers zu verstauen - zumindest ließ er sich danach keineswegs mehr zuschrauben. Wie dann überhaupt der Anschluß weiterer Geräte gelöst werden sollte, ist mir ein Rätsel - es sei denn, man verlagert sie nach draußen (extern), wobei dann natürlich noch die Kabelleitungen entsprechend genial zu verlegen wären. Immerhin lief die Festplatte nach dem Einbau des Adapters genauso wie zuvor, offensichtlich nicht schneller und auch nicht langsamer (wie mir ein uraltes Sysinfo und mein allgemeines Zeitgefühl verrieten). Der Einbau des Express-Adapters würde das bestimmt ändern, zumal er über 5 MB/sek Datentransferraten ermöglichen sollte. Aber wenden wir uns zunächst einmal dem Hündchen von Asterix und Obelix zu, das von den Entwicklern als die Lösung aller IDE-Probleme gepriesen wird: dem eingebauten Adapter mitsamt der IDEfix ´97 - Software. Aus dem Weg, hier kommt Idefix!Das Programmpaket auf der Diskette besteht aus mehreren Teilen. Einerseits werden die Leistungen von Festplatten, derer nun mit 4-Geräte-Adapter 4 Stück angeschlossen und verwendet werden können, erhöht und auch Wechselmedien werden unterstützt (Syquest, ZIP). Andererseits können auch ATAPI-Geräte verwendet werden; diese und auch SCSI-CD-Roms werden vom CD-Filesystem CacheCDFS, dem Tool PlayCD und dem CD32-Emulator kräftig unterstützt. Wir haben also zwei Zielgruppen: Festplatten und CD-Roms. Erster Schritt: der Installer. Wie immer deppensicher und problemlos und je nach Wunsch mit mehr oder weniger manueller Kontrolle des Users werden alle möglichen Tools, Prefs, Befehle und Mountlist-Einträge automatisch vollzogen. Man kann den ganzen Krempel auch bequem wieder per "Uninstall" hinauswerfen. Zweiter Schritt: den Krempel ausprobieren. Was gehört da nun alles dazu? Beginnen wir mal mit CacheCDFS, dem Filesystem samt Audio-Player und CD32-Emulator. Die Anleitung (wahlweise englisch oder deutsch) verrät uns gnadenloserweise alles über Filesysteme, von Null auf Hundert sozusagen. CacheCDFS kann zwar kein HighSierra lesen, aber dafür den ganzen Rest (ISO9660 Level 1 und 2, Rockridge und Macintosh HFS). Der Spaß fängt aber erst ab AmigaDOS 2.04 an, abgesehen davon sind die Anforderungen minimal. Daß der CD32-Emulator Extrawünsche anmelden will, ist einleuchtend (OS 3.0 / 3.1, 2 MB Chip-, 1 MB Fastram, MC68EC020+, AGA, und möglichst ein Double-Speed-Laufwerk). CDFSprefs ist ein Tool, das die Einstellungen des CacheCDFS "live" ändern kann, ohne daß ein Reboot notwendig ist. KillDev meldet ein Laufwerk ganz ab. PlayCD spielt auch recht nett sowie gut dokumentiert. Grafisch schaut es zwar furchtbar grindig aus, aber immerhin gibts einen Balken für die Liedposition zum hin- und herziehen, und im Gegensatz zum MCDPlayer des Blizzard-CyberSCSI-Pakets funktioniert der schnelle Vor- und Rücksuchlauf. Die Anleitung auf der Diskette erzählt uns auch noch alles über die Theorie der Cache-Funktion. Selbige kann der User zwecks optimierter CD-Rom-Nutzung ganz nach Belieben konfigurieren. Der CD32-Emulator scheint auch ein recht geniales Ding zu sein. Die Programmierer haben alles versucht, um die Emulation dem Original möglichst nahe kommen zu lassen. Alle speziellen Funktionen wie das batteriegepufferte RAM oder die eingestelle Benutzersprache werden mitemuliert, und ein "Degrader" sorgt notfalls dafür, daß ein zu guter Rechner mit zuviel RAM, Speed etc. quasi auf CD32-Niveau gedrosselt wird. Sogar das Joypad kann per Tastatur emuliert werden. Bei all der Funktions- und Optionsvielfalt gibt es nur ein Manko: CDTV-Titel kann das Ding leider nicht zum Laufen bringen. Andere Tools inkludieren das automatische Parken der Festplatte oder eine CD-Eject-Funktion. MultiVolume läßt mehrere logische CDs sich auf einer CD vereinen (ups, ob die sich dann wohl auch vermehren?). LS120-ATAPI-Disketten werden genauso unterstützt wie ATAPI-CD-Wechsler. Ganz generell sollten auch CD-Writer dank IDEfix keine Probleme mehr machen. Sogar Platten mit mehr als 4 GB werden verwendbar. Was doch nicht alles an großartigen Dingen in dieser kleinen Disk steckt! Aber ich will mich nicht mehr länger damit aufhalten und kehre lieber wieder zurück zum Einbau meiner Adapter. Und jetzt ab die Post!Soweit, so gut. Aber was hab ich jetzt - von den Tools und ihrer Nützlichkeit mal abgesehen - davon, daß mein Amiga halboffen herumsteht, wenn ich ohnehin kein dringendes Bedürfnis habe, irgendwelche IDE- oder ATAPI-Devices anzuhängen? Natürlich gar nichts, keine Frage, aber darum geht es ja gar nicht. Wer auch immer das Bedürfnis doch verspürt, wird sich an dem Testobjekt gewiß erfreuen können - wie auch immer er das interne Platzproblem zu lösen gedenkt. Ich für meinen Teil mache mich lieber mal am Express-Adapter zu schaffen, der ja für geniale Geschwindigkeitssteigerungen sorgen soll. Auch hier ist die Anleitung zweckmäßig, aber ausreichend, und die Sachlage steht eindeutig fest: der Gayle-Chip des A1200 wird eine Mütze verpaßt bekommen. Pfeile deuten die korrekte Ausrichtung an, und eigentlich kann nichts mehr schiefgehen. Aber halt! Der Versuch, den Aufsatz auf dem Gayle-Chip zu montieren, scheitert kläglich durch fehlenden Halt. Ich wundere mich kräftig, und auch mein Bruder blickt reichlich ratlos drein. Ein Versuch zeigt, daß die Montage in allen um 90, 180 oder 270 Grad verdrehten Positionen rein vom Halt her möglich wäre, nur eben nicht in der vorgesehenen. Mist! Da ich vorzugsweise nicht krampfhaft mit Tixo und anderen Utensilien herumzuwerkeln gedenke, um das Teil dazu zu zwingen, dort zu verbleiben, wo es eigentlich hinsollte (mein 1200er sollte noch eine Weile überleben, und abgesehen davon: wo kein Kontakt ist, kann ja gar nie nix funzen!), resigniere ich frustriert und baue das Kastl wieder aus. Schade, die Hälfte des Testberichtes muß also entfallen. Aber ich kann es ja noch mit einem anderen 1200er und einem anderen Express-Adapter versuchen, vielleicht sind die sich dann gegenseitig sympathischer und der Geil- äh Gay-, nein, Gayle-Chip läßt sich bereitwillig besteigen. Es geht dem Ende zu... aber gottseidank betrifft dies nur den Artikel, keine Sorge! Aus dem abschließenden Fazit und der Bewertungsbox will ich den Express-Adapter ausnehmen, zumal dieses "Ergebnis" (hoffentlich) nicht dem Regelfall entsprechen wird. Zum Rest ist zu sagen: die Dokumentation ist zwar nicht überragend genial, aber doch sehr gut, klar und ausführlich. Der Funktionsumfang erfreut das Herz des Amigianers und bringt gewiß einige Verbesserungen mit sich. Alles läuft (bis jetzt) stabil und ohne Probleme, und für eventuelle Troubles ist in den Docs durch entsprechende Vermerke und Tips gleich vorgesorgt. Lediglich die Sache mit dem Einbau des A1200-Adapters stört ein wenig, da ein offener Amiga gewiß nicht zu den praktischsten Erfindungen dieser Welt zu rechnen ist. Die Mindestanforderungen schwanken, aber prinzipiell wird nichts Unmögliches oder Wahnwitziges vom User verlangt. Last but not least ein empfehlenswertes Ding, das steht ganz außer Zweifel!
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