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Paloma - Dabeisein ist alles

 
Fensehen kann man bald einmal, das geht auch auf PCs, wenn auch bei Weitem nicht so genial einfach und schön und vor allem schnell und skalierbar und unabhängig von Prozessor-Leistungen wie mit der Paloma Picasso. Doch ich will mehr, ich will einen Videorecorder. Und wir haben einen.

 

PalomAVI

 
Es tat ja fast weh, dieses Programm als reinen Viewer im anderen Paloma-Artikel zu verheizen, denn die Fähigkeiten gehen weiter: Per '+' und '-' kann man einfach den Sender wählen und per Space wird in der aktuellen PIP-Größe in das beim Start oder per Tooltype angegebene File der VideoStream hineingespeichert. Solange, bis man Escape drückt, dann geht das Spiel von vorne los.

Was da gespeichert wird, ist im Grunde ein schönes, gutes AVI-File im Cirrus AkkuPak-Format, das nun zwar nicht jeder lesen kann (in der Doku ist eine übersichtliche Aufstellung, auf welchen System was für Player und Möglichkeiten existieren), dafür ist es schnell, denn es ist das Paloma-interne Format; dadurch werden keine Umrechnungen fällig. PIV-MooVId, der AVI/MOV/QT-Player vom gleichen Autor, kann diese Files aber natürlich ohne Probleme auch wieder schnell abspielen. In PalomAVI gibt es weiters die Unterstützung für Intel Indeo, das sich als YUV9 in ihrer technischen Bezeichnung in den ToolTypes einstellen lassen, sowie YUV2, wie die gesamte Konfiguration über ToolTypes abläuft. Für eine erste Release ist das ja schon mal wohltuend abhebend von dieser ewigen Kommandozeilen-Optionen-Werferei.

In dieser Version, können direkt Files aufgezeichnet werden, ohne, daß ein Rückspulen, framegenaues (Re-)Positionieren oder ähnliches nötig wäre. So kann man einfach aus dem laufenden Video oder eben auch Tuner-Signal der Paloma die Bilder bannen, die man haben möchte. Abspielen gestaltet sich dank des PIP-Features der PicassoIV dann denkbar einfach.

Das Ganze stellt nun natürlich eine ziemliche HighEnd-Anwendung dar, dementsprechend sollte auch die Ausstattung des Amigas sein, damit da was Ordentliches herauskommt. Als unterste Grenze ist wohl der '040er bei 25 MHz anzusehen, aber für ernsthaftes Arbeiten ist das bei Weitem zu wenig.

Mit dieser Konfiguration und dem zusätzlichen Flaschenhals des langsamsten RAM-Interfaces (ja, es ist nicht schwer, daraus auf einen armen 4000er mit A3640 zu schließen, und ihr habt recht), schafft man gerade mal 8 Frames pro Sekunde bei einer Auflösung von 400x300 Pixeln. Interessanterweise ist es dabei unerheblich, ob ich ins RAM sample oder auf die langsame IDE-Platte. Macht nicht viel Unterschied, denn einmal hab ich 7 Frames, dann wieder 8. Alles in allem also ein Schneckentempo.

Doch dem ist nicht so, denn bedenke: die Hardware, auf der das läuft, ist mittlerweile 7-8 Jahre alt, und wo bitteschön, war vor 7 Jahren in anderen Welten ein Videostream am Screen zu sehen? Klar, die Paloma ist noch nicht einmal richtig ein Jahr alt, aber da kommt ja schon das Nächste auf uns zu: welche heutige Hardware paßt noch zu einem 8 Jahre altem System. Gut, ich schweife wieder einmal ab, hier öffnen sich scheunentorgleich die philosophischen Abgründe...

Weiters verlangsamend wirkt natürlich das FFS, das nach jedem Schreibzugriff brav die Bitmap der Partition wieder auf den aktuellen Stand bringt. Das bremst, deshalb empfiehlt der Autor in der Dokumentation in Form eines aufgeräumten .guide-Files zumindest auf der Partition, auf die man samplen will, ein AFS oder PFS zu installieren, da die ein anderes Verhalten beim Updaten der Bitmap zeigen und somit schneller auf die Platte speichern können.

Geschwindigkeit und reine Rechenleistung ist nunmal für Videoanwendungen die Voraussetzung und jetzt wissen wir endlich, wofür wir einen 060er brauchen können: der bei mir in der Standardkonfiguration mit gleich langsamer IDE-Platte gleich einmal 11 fps zusammenbrachte.

Ahh, ich höre schon die ersten motschgern, daß das nun auch nicht wirklich das Wahre ist. Schon richtig, denn erst durch intensiven Einsatz von HighEnd, wie womöglich einer schnellen SCSI-Platte, dazu FPS oder PFS drauf, legt das Ganze noch eine Geschwindigkeitspotenz zu. Bei genügendem RAM kann natürlich auch dorthin gesampelt werden. Das 4000er-eigene RAM ist dabei tunlichst zu meiden. Für StatusBits, auf die man so manche Mail sicher minimieren könnte, mag es ja noch schnell genug sein, aber bei VideoAnwendungen steigt es ganz schnell aus.

Version 0.4 bietet nun diese Möglichkeiten, ich bin schon neugierig, was in den nächsten Releases so alles sein wird, denn es wird schneller werden - sagt der Autor. Derzeit ist außerdem kein Pieps zu hören, soll heißen, die Audiounterstützung ist noch nicht eingebaut. Geplant sind direkte Unterstützung für die Concierto und die Toccata und sinnvollerweise AHI. Doch auch schon mit dieser Software kann man die lieben Leute ganz schön ins Staunen versetzen, wobei natürlich der Hardwareskalierer des PIPs die Hauptarbeit verrichtet. Sollte in zukünfitgen Versionen tatsächlich auch noch eine MPEG- oder QuckTime-Option dazukommen, wäre das das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i, zumal der Autor genau dahin denkt, aber leider fehlt es noch an der passenden PPC-Karte.

Ich machte meine ersten Tests noch unter einer Uraltversion von Picasso96, ich glaube, es war v1.38 oder v1.39 oder irgendwo in der Gegend, bei der alles einwandfrei funktionierte, doch dann machte ich ein Update auf die aktuelle v1.43b und es funktioniert auch noch immer alles prächtig, nur der Player, PIV-MooVId, mit dem ich meine kurzen TestVideos abspielte, öffnete das PIP immer doppelt so breit, wie das Video eigentlich war. Genau für diesen Fehler gibt es ja ein kleines Update, das allerdings in diesem Fall doch nicht hilft. Interessanterweise war das Bild selber dann aber auch nicht skaliert, sondern auf die halbe Fensterbreite zusammengezogen und die Größe des PIP-Fensters ließ sich auch nicht mehr ändern. Irgendwo haperts da noch. Auch Versuche, den alten Systemstand wiederherzustellen, funktionierten nicht, bzw. machten keinen relevanten Unterschied. Das Problem scheint aber bei Picasso96 zu liegen, diesmal, doch das ist nicht so erheblich, da die Autoren sowohl von Picasso96 als auch von PalomAVI in der Picasso Mailing Liste vertreten sind und Probleme solcherart erfahrungsgemäß schnell behoben werden.

 

PalomaFE

 
Ja, es gibt noch ein anderes Programm, das den Anspruch erhebt, Videos aufnehmen zu können, aber das erinnert eher an die unglücklichen Vesuche zu Zeiten einer VLab als an aktuelle Software.

Nungut, für Leute mit viel Geduld, langsamer Platte und dafür mit einem MainActor oder ähnlichem, könnte diese Art der VideoDigitalisierung auch seinen Reiz haben, denn PalomaFE ist ein "Multipass Anim Grabber". Das hat jetzt nichts mit dem MultiPass aus 5th Element zu tun, sondern damit, daß ein Video in mehreren Durchgängen aufgenommen wird. Zuerst die Frames 1,4,7,..., dann zurückspulen, die Frames 2,5,8,..., und im dritten Durchlauf schließlich die Frames 3,6,9,..., die dann alle als Einzelbilder in irgendeinem Verzeichnis liegen und zusammengesetzt werden wollen, damit sie auch eine durchgehende Animation ergeben.

Die farbenprächtige Oberfläche ist ja schon im anderen Paloma-Artikel dieser Ausgabe zu sehen und für Tüftler, die gerne mit Videorecordern spielen ist das durchaus eine Alternative. Doch die Schwierigkeiten, framegenau zu positionieren und wieder abspielen zu können, sind nicht unerheblich, wenn der Recorder selbiges nicht kann (was auch nur die sehr teuren Geräte zustandebringen) und vielleicht auch noch so neumodrene Billigmechanik besitzen, die mal hierhin, mal dorthin spult. Für simples Aufnehmen aus dem Fernsehen und Wiederabspielen mag es ja genügen, wenn man keine Ansprüche erhebt, aber für genaue Positionierarbeiten sind diese sekundenweise Umspulvorgänge äußerst lästig, wenn nicht gar sie zunichtemachend.

Ja, es funktioniert wohl, solcherart zu seinen Animationen zu kommen, nur wer das Geld für einen Videorecorder hat, der sich so genau positionieren läßt, hat auch das Geld für eine schnelle Festplatte und einen ordentlichen Prozessor. Insofern bleibt natürlich die Sinnhaftigkeit des Ganzen ein wenig schleierhaft, aber das muß an sich sowieso jheder für sich entscheiden.

 

Und die Moral von der Geschicht'?

 
PalomAVI zeigt in der ersten Version schon mal, was es so kann, PalomaFE ist für ein paar Versuche sicher geeignet, fürs sinnhafte Arbeiten aber sicherlich nicht. Die nächsten Versionen werden zeigen, ob die brauchbaren Grundlagen, die PalomAVI gelegt hat, auch ausgenützt werden und ihre weiteren Verbesserungen und Verfeinerungen erfahren.

Vorallem das Zusammenspiel von Video und Audio in den nächsten Versionen wird interessant, zumal die Unterstützung von Hörbarem auf die Framerate drücken wird, deren Erhöhung aber trotz der durchgängigen Programmierung von PalomAVI in Assembler noch möglich sein wird.

Oliver Gerler     [ german ]    


- PalomAVI
- László Török
- PalomAVI.lha
- Picasso Mailing List
- Aminet:gfx/board/PalomaFEv2.1.lha
 
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