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infinitiv II - Towerumbau für A1200

 
Seit 1992 habe ich meine A1200 und damals war "sie" eigentlich nur als eine Übergangslösung bis zur nächsten Generation geplant, da ich mit dem A500 nicht mehr zufrieden war, aber für eine A4000 nicht genug Geld hatte. Wie sich herausgestellt hat, war das ein Fehler. Doch mittlerweile habe ich mir meinen A1200 schon ordentlich aufgerüstet, und für das letzte i-Tüpfelchen fehlt mir nur noch eine Grafikkarte. Doch wie baue ich mir eine Grafikkarte in meinen lieblichen A1200 ein? Viel Platz scheint es ja nicht zu geben. Nach nun mehr zwei Jahren Bedenkzeit habe ich mich also entschlossen, meine A1200 in ein Towergehäuse (gut Ding braucht Weile :) ) umzubauen. Und um das Praktische mit dem Nützlichen zu verbinden, schreibe ich auch gleich einen Erfahrungsbericht darüber für meine heißgeliebte AmigaScene.

 

Der Weg zum Turm

 
Die nächsten beiden Absätze können getrost übersprungen werden. Sie dienen nur meinem Ego :-)

Donnerstag, 26.11.1998:

Ich entschließe mich bei der letzten Redaktionssitzung meinen A1200 in einen Tower umzubauen. Unser netter Chefredakteur teilt mich gleich für eine Artikel dazu ein. Da noch nicht einmal mein alter Artikel fertig ist, bin ich hellauf begeistert.

Samstag, 05.12.1998:

Es ist soweit. Heute kaufe ich mir meinen infinitiv II. Vor lauter Aufregung stehe ich schon um 09:30 Uhr auf. Beim Frühstück frage ich ganz dezent meinen Vater, ob er wohl sein Auto für eine kleine Weile entbehren könnte. Meine Mutter stimmt gleich mit ein und verkündet ebenfalls nach Graz zu fahren. Um 11:30 ist es dann endlich soweit (meine Mutter mußte noch staubsaugen), wir fahren nach Graz. Punkt 12:00 Uhr stehen wir vor dem Grazer Amiga-Geschäft und nach einer kurzen Diskussion beschließen wir, daß meine Mutter das Auto behalten kann, und ich mit dem Zug nach Hause fahren werde, nachdem der Tower im Auto verstaut ist. Was ich nicht bedacht habe ist der ÖBB-Fahrplan am Samstag, und daher komme ich erst um 16:20 Uhr daheim an. Dort sagt mir mein Magen, daß ich erst mal was essen muß, bevor ich mich dem Umbau stellen kann. Dann jedoch ist es soweit, der Umbau kann beginnen.

 

Der Umbau beginnt

 
16:50 Uhr

Nichts kann mich nun mehr vom Umbau abhalten. Als erstes wird gleich alles von seiner Verpackung getrennt. Das ist nicht viel, da ich mir nur den Tower, ein internes Netzteil und den Tastaturumbau (eine PC Tastatur kommt mir nicht ins Haus, und die 4000-Tastatur funktioniert laut Fachhändler leider nicht am Tower) [Anm.d.Red: grundsätzlich funktioniert jede Amiga-Tastatur an jedem Amiga, man muß nur ein wenig basteln, um den richtigen Stecker an das Kabel zu bringen. Die auch für PC-Tastaturen geeigneten Adapter der Umbau-Tower machen da aber eigene Sachen...] gekauft habe. Die Zorro-Busplatinen vom alten Tower funktionieren leider nicht, und die neuen gibt es noch nicht (zum Zeitpunkt, als der Artikel entstanden ist). Als Erstes fällt gleich einmal auf, das dem Tower zwei Anleitungen beigelegt sind. Einmal ein kleines A5-Büchlein. auf dessen Vorderseite der alte Tower prangt, und einmal ein paar zusammengeheftete A4-Blätter. Ein Durchlesen der ersten A4-Seite verrät einem, daß die alte Beschreibung nur wegen der Bilder beigelegt wurde, und für den Umbau die kopierten Schmierzettel verwendet werden sollen.

Ein Durchlesen der Stückliste ergibt, daß eigentlich viel zu viele Schrauben beigelegt wurden, was aber kein Problem sein sollte. Nur der benötigte 5mm Steckschlüssel/Sechskantschlüssel bereitet mir ein Problem, welches aber durch eine intensive Suche im Werkzeuglager meines Vaters behoben werden kann.

[Infinitiv II Tower]
Der infinitiv II Tower nach dem Auspacken.
 
 
17:10 Uhr

Punkt 2 der Anleitung (Auspacken des Towers) ist erledigt. Besonders gut gefällt mir der Absatz:


Entfernen Sie zunächst die Styropor®-Verkleidung und nehmen Sie den infinitiv II Tower aus der Kunststofffolie heraus.

 
Beim Zerlegen des Towers fällt einem gleich auf, daß das Gehäuse eigendlich nur durch Steckverbindungen zusammengebaut ist. Nach dem Lösen von vier Befestigunsschrauben und dem Entfernen der beiden Kunststoffleisten an der Rückwand des Towers können die beiden Seitenwände, die Topabdeckung und die Frontabdeckung einfach abgenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt habe ich bereits beschlossen, die beiden Kunststoffleisten, welche das Abnehmen der Seitenwände verhindern, nicht mehr zu montieren, damit bei einem weiteren Aufrüsten meines Computers keine Schrauben mehr im Weg sind.

Als ich vorher meinte, nichts könnte mich mehr von meinem Towerumbau abhalten, hatte ich nicht bedacht, daß Babylon 5 ist :-)

 
18:10 Uhr

Aber ab jetzt kann mich wirklich nichts mehr bremsen. Weiter geht es also mit Punkt 3, dem

Zerlegen des AMIGA 1200.

Für einen geübten Amiga-Bastler dürfte das Zerlegen nicht allzu schwer sein, wobei natürlich ab sofort eine etwaige noch gültige Garantie erlischt. Wichtig ist, daß man sich die Polarität von den zu entfernenden Kabeln merkt, ansonsten könnte es später zu Problemen kommen. Besondere Beachtung würde ich auch dem Absatz


Vorsicht! Achten Sie bitte darauf, daß Sie sich nicht an den recht scharfen Kanten des Abschirmbleches und der Laschen verletzen.

 
schenken, denn um 18:15 Uhr habe ich mich nämlich geschnitten. Man glaubt gar nicht, wieviel Blut aus so einem kleinen Schnitt herauskommen kann. Ich habe es erst bemerkt, als schon das halbe Gehäuse meines A1200 rot war. Nach einer kurzen Verarztung meines linken Zeigefingers geht es weiter. Einziges Problem beim Ausbau dürften die 12 Sechskantschrauben der Anschlüsse darstellen. Wer keinen 5mm Steckschlüssel/Sechskantschlüssel zur Verfügung hat, und statt dessen die als Alternative vorgeschlagene Flachzange verwendet, wird zum Schwammerl. Nachdem ich (bzw. mein Vater) aber stolzer Besitzer eines solchen Schlüssels bin, stürzte ich mich auf Teil 4, der da ist:

Einbau der Hauptplatine

Der Einbau ist denkbar einfach: Platine hineinlegen - anschrauben - fertig. Eventuell vorhandene interne Steckkarten sollten dabei schon angeschlossen sein, da ein nachträglicher Einbau etwas sperrig ist (was aber nicht heißen soll, daß er unmöglich wäre). Leider habe ich aber trotz Warnhinweis zwei der Sechskantschrauben überdreht, soll heißen, zu fest angezogen und abgerissen. Diese Schrauben sind anscheinend wirklich sehr empfindlich, denn fest angezogen habe ich wirklich nicht.

Für den Anschluß der externen Tastatur muß auch noch eine Platine auf einen SMD-Chip gesteckt werden, welche für meinen Geschmack etwas locker auf den Chip sitzt. Ich brauchte nur an einem Eck mit dem Finger anstoßen und schon war die Platine wieder herunten. Nach einem aber mittlerweile mehrwöchigen Gebrauch konnte ich noch keine Probleme mit der Tastatur feststellen.

 
18:55 Uhr

Jetzt noch das Diskettenlaufwerk eingebaut, was auch ohne Probleme von statten geht. Komischerweise kommen wir nun zu Punkt 7 (wo wohl Punkt 5 und 6 geblieben sind? Ach ja, die Busplatinen gibt es ja noch nicht).

Disk-Laufwerk, LED-Anzeige, Lüfter-Anschluß

Jetzt zeigt es sich, ob man sich gedacht hatte: "Die Polarität merke ich mir, auch ohne das ich sie mir extra aufschreiben müßte.", und nun zu dem Schluß kommt, das dem doch nicht so war (verletzer Finger ...). Zum Glück ist das alte Diskettenkabel 6 Jahre lang in der gleichen Position gewesen, sodaß ein kurzer Blick darauf einem die Polarität wieder preis gibt. Mit dem mitgelieferten ca. 35cm langen Diskettenkabel, welches übrigens ruhig ca. 40cm haben könnte, verbindet man nun das Laufwerk mit der Hauptplatine. Der Anschluß der LEDs ist auch einfach, wobei jedoch bemängelt werden muß, daß nur die Power- und die Festplatten-LED verwendet werden, und obwohl eine dritte LED im Tower vorhanden ist, wird diese nicht für die Floppy verwendet. Vielleicht mache ich das noch selber. Wer einen Reset-Anschluß hat (gibt es sowas überhaupt am A1200?) kann diesen auch noch anschließen. Danach kommen wir bereits zu Punkt 8:

Einbau eines internen Netzteils

Das interne Netzteil hat mir kein Kopzerbrechen bereitet, anders jedoch die Montage des Power-Schalters. Dazu muß zunächst der bereits im Gehäuse befestigte Schalter ausgebaut (kein Problem) und danach der Schalter vom Netzteil eingebaut werden. Allerdings waren mir beim Einbau des Schalters die Führungsschienen für die Steckkarten im Weg, bis ich auf die glorreiche Idee kam, diese auszubauen (sind nur angeschraubt). Auch hier zeigt es sich, das ein Durchlesen der Anleitung vielleicht doch nützlich sein kann, denn genau das steht dort:


Entfernen Sie dazu zunächst die schwarze Zorro-Karten Halterung, indem Sie die beiden Schrauben von der Towerunterseite her lösen.

 
Auch den nächsten Absatz hätte ich gleich lesen sollen,


Befindet sich am Netzschalter ein gelb-grünes Kabel, so schrauben Sie dieses mit dem Schalter an die Towerfront.

 
dann wäre mir der zweimalige Aus- und Einbau des Kartenhalters erspart geblieben. Doch auch diese Hürde wurde von mir genommen, und die Tastatur harrte schon auf ihren Zusammenbau, Punkt 9:

 
19:45 Uhr

Zusammenbau der Tastatur / AMIGA-Version

Die Beschreibung dafür ist sehr ausführlich und sollte niemanden Probleme bereiten. Nur einen kleinen Schönheitsfehler hatte die Sache für mich. Die Anleitung meinte:


Lösen Sie die Schrauben im Gehäuseboden.
...
Nun drehen Sie die infinitiv Tastatur um und verschrauben die beiden Gehäusehälften mit den 3 zuvor ausgebauten Schrauben.

 
Leider konnte ich dabei nicht ganz der Anleitung folgen, da das neue Gehäuse gar nicht zusammengeschraubt war. Auch keine der mitgelieferten Schrauben wollte in die 3 Schraubenlöcher am Tastaturgehäuseboden passen. Mein einziger Ausweg waren die alten Gehäuseschrauben von meinem A1200, welche somit auch noch einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden konnten.

Damit wäre der Umbau für all jene abgeschlossen, die über keine interne Festplatte verfügen, und einem ersten Test stünde nichts mehr im Wege. Ich jedoch habe eine 2.5" 120MB Harddisk, und muß diese noch mit einem extra gekauften Flachbandkabel (das alte vom A1200 ist etwas zu kurz) anschließen. Auf einen 3.5" Einbaurahmen für meine 2.5" Platte warte ich noch, und so steht diese eben in der Zwischenzeit gemütlich im Tower und erfreut sich eines großen Platzangebotes. Damit bin auch ich mit meinen Arbeiten fertig und es erfolgt der mit Spannung erwartete Test.

 
20:00 Uhr

Test

Stecker rein, Tastatur, Maus und Monitor anschließen, einschalten - funktioniert. Mit Freuden konnte ich feststellen, das gleich am Anfang alles reibungslos funktioniert hat. Der Rechner bootet ohne Probleme, die Tastatur nimmt alle Tastendrucke entgegen und auch das Diskettenlaufwerk versieht seinen Dienst wie üblich (nur ohne LED).

Da ich aber auch noch Besitzer einer Blizzard 1260 mit SCSI-Modul bin (war bei dem obigen Test bereits eingebaut), und leider noch keinen Adapter von Sub-25 auf 50-poliges Flachbandkabel habe, mußte ich den derzeitigen Stecker durch das an der Gehäuseoberseite befindliche, aufschraubbare Loch nach außen legen. Aber ein daran angeschlossener SCSI-Tower funktioniert, ohne mir Schwierigkeiten zu machen. Ein freier "Slot", wie vom A1200 her bekannt, gibt es beim infinitiv II Tower nicht.

 
Mir gefällt der neue invinitiv II Tower recht gut. Der Umbau ist von einem geübten Bastler recht einfach zu bewerkstelligen und die mitgelieferte Umbauanleitung hat, bei mir jedenfalls, keine Fragen offen gelassen. In manchen Teilen ist sie soger übergenau, was jedoch nur positiv gewertet werden kann. Leider sind die neuen Busplatinen noch nicht (zum Zeitpunkt, als ich diesen Artikel geschrieben habe, 08.12.1998) zu haben. Laut Mitteilung von Micronik ist damit aber aller Voraussicht nach am Anfang des nächsten Jahres zu rechnen (vielleicht gibt's sie mittlerweile schon).
 
Preisliste (in ATS):
infinitiv II Tower (inkl. Netztzeil) 2.599,00
Tastaturumbausatz A1200 649,00
IDE Kabel, 44pol, 2.5", 70cm 199,00
 
 
Bedienung [90]/[100]
Features [80]/[100]
Qualität [90]/[100]
Preis/Leistung [80]/[100]
Stabilität [90]/[100]
Dokumentation [90]/[100]
Gesamt [87]/[100]
 

Bernd Gollesch     [ german ]    


- Micronik
- Infinitiv II Tower (GIF; 101K)
 
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