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Köln '98 - Goldstückchen im RamschhaufenNun war es endlich wieder mal die richtige Jahreszeit, um sich genüßlich dem Bahia und edlen Steaks widmen zu können - äh, nun ja, aber da war doch noch etwas... Der erste Eindruck in den Messevorhallen war: fein, angenehm viele Leute. Der zweite Eindruck in der Halle war eher der einer Ramschmesse. Viel PC-Zeugs, viel Billig-CD-Verkäufer, viel (Windows-)Spiele, aber Amiga? Irgendwie nicht sehr herausragend, sah man mal vom großen Stand von Amiga Inc. in der Mitte der Halle ab. Nach gründlichem Durchgrasen der Halle in Quer-, Längs- und allen sonstigen möglichen Richtungen und Lagen, kam man dann langsam drauf, daß nun doch an vertrackten Stellen ganz interessante Einzelheiten zu finden waren. Nicht finden konnte man allerdings PPC-Cyberstorms. Keiner der doch einigen Händler konnte auf der Messe diesbezügliches verkaufen, da wieder einmal die Phase5-14-Tage zugeschlagen hatten. Aber "in 14 Tagen" soll es eine nächste Lieferung geben... In einigen (auch deutschen) Newsgroups ist es ja schon gestanden: der Partner von Amiga Inc., der ihnen dabei "hilft", das OS5.0 zu bauen, ist QNX, eine kleine Firma, die einen genialen MikroKernel entworfen hat und bereits erfolgreich vertreibt. Das Besondere an diesem Kernel ist nun nicht nur die fast unbegrenzte Skalierbarkeit (bis hinunter zu 42KB, das Ganze natürlich in ROMs brennbar) von Waschmaschinensteuerungen bis hin zu weltweiten Rechnerverbünden zur extensiven Parallelrechner-Ausnutzung, sondern es ist sehr modular, dadurch einfach erweiterbar und bietet als Grundlage für die aufgesetzten APIs (wie eben durch Amiga Inc. eines gebaut werden wird) enorme Funktionsvielfalt. Das bezeichnendste und sicherlich werbewirksamste Feature ist die Möglichkeit, nicht nur einzelne Fenster, sondern ganze, laufende(!!) Tasks inklusive Datenbereich einfach so per Mausklick auf einen anderen Rechner irgendwo anders im Netz zu verschieben und dort weiterlaufen zu lassen. Das Programm braucht dazu weder abgebrochen zu werden, noch irgendwelche vom User durchzuführende Neuinitialisierungen vornehmen. Dies wurde eindrucksvoll auf der Pressekonferenz (die dann am Freitag auch für das "normale" Publikum geöffnet wurde) gezeigt und es ist damit auch möglich, Teile eines Fensters auf einem und andere Teile auf einem anderen Rechner laufen zu lassen, oder ein Fenster (samt Inhalt und Funktionsfähigkeit) auf mehreren Rechnern sichtbar zu haben und von allen gesteuert werden zu können, oder einfach eine Anwendung zu einem anderen zu schieben, der am anderen Ende der Welt sitzt und sich trotzdem das Gleiche ansieht, etc. pp. Da tun sich gewaltige Möglichkeiten auf, da dafür ja unter anderem die komplette Netzwerkfähigkeit nicht nur zum OS dazugehöngt wird (wie es ein herkömmlicher TCP-Stack ja tut), sondern fest darin integriert ist. Peinlich kanns nur werden, wenn man seine schönen Datatypes auf anderen, schnellen Rechner laufen läßt, sich gemütlich(?) diverse "interessante" Biler anschauen will, und dann die Fenster am falschen Screen aufpoppen, oder was macht ein Virus in diesem System? Der weiß dann ja gar nicht, wo er denn hin soll, wird ja völlig verwirrt, der Arme. Ja, ich sehe schon, da kommen turbulente Zeiten auf uns zu :-)) Quasi als Folge dieser Task-Migration-Fähigkeiten ergibt sich eine sehr einfache und transparente Möglichkeit, ja eigentlich Forderung zu effektivem Multitasking (und QNX hat ein echtes präemptives Multitasking mit definierten Antwortzeiten (sprich: echtes, hartes Multitasking) gebaut, dem zusätzlich per MMU die Schutzfunktionen beigebracht wurden), Multiprocessing und weiters auch Multicomputing. Für den Benutzer alles eigentlich nicht notwendigerweise sichtbar und einfach benutzbar. Das auf der Homepage von QNX verfügbare Demo für PCs hat da eine GUI dabei, die als Beispiel dient und in dieser Form nicht für den neuen Amiga Verwendung finden soll. Jetzt schon findet dieser Kernel allerdings in den Space Shuttles erfolgreich Verwendung, denn wer will dort schon "bunte" Systeme??? Die Portierung auf andere oder neue Prozessoren ist sehr einfach möglich, da genau darauf auch schon bei der Konzeptionierung Rücksicht genommen wurde und so nun schon jetzt eine PPC-Version existiert. Am Samstag wurden Ausschnitte dieser Pressekonferenz auf der Videowall am Stand von Amiga gezeigt, moderiert von einem sich in den technischen Feinheiten badenden Bill McEwen, dem Marketingleiter von Amiga Inc., dem man richtig ansah, welche Freude ihm die Präsentation dieser Features bereitete. Im ersten Quartal 1999 wird V2 des RealTimeOS von QNX erscheinen, Codename "Neutrino", dessen Schutzmechanismen, die per MMU implementiert sind, nicht nur auf Applikationen und eben Datenspeicherbereiche wirken, sondern auch hinunter auf Kernelebene. Das bewirkt, daß nun auch Treiber, Protokoll-Stacks oder eigene OS-Erweiterungen aus Fehlerzuständen geholt werden können und das System wieder stabilisert wird, im Normalfall ohne rebooten zu müssen. Dadurch werden natürlich die Turn-around-Zeiten beim Compilieren und somit die gesamten Entwicklungszeiten erheblich verkürzt und vereinfacht. Siehe dazu auch die Pressemitteilun g von QNX dazu. Man darf also wohl gespannt sein, was denn da kommen wird. Ein im IRC eingespannter Jeff Schindler (direkt vom Amiga-Stand von der Messe mitten in einer Traube von Leute) sagte dagegen nicht viel und redete, bzw. vielmehr schrieb, von "will take several months" and "then months again". Petro meinte, der Vertrag sei unterschrieben, insofern kann man nun auch Amiga zugute halten, ihre ursprünglichen Aussagen zu halten: erst dann etwas zu verlautbaren, wenn es denn wirklich feststeht. Freut mich. Kommt da nun ein System, wie es sich wir Amiga-User es uns wünschen und kann es das, was QNX uns zeigte, so haben wir auf jeden Fall Trümpfe in der Hand. Welche, das bleibt der lieben Fortuna vorbehalten ;-) In Bezug auf OS3.5 wurden seitens Amiga keine Aussagen getätigt, wahrscheinlich auch, weil eines der neuen (gedruckten) Amiga-Magazine einen Exklusivartikel zum Update bekommen hatte. Die AmigaFever ist die buntere der beiden neuen Zeitschriften und die amigaOS erinnert vielleicht an die gute alte Kickstart (zumindest hatte ich diese Assoziation), beide bieten da auch interessante, brauchbare Artikel und somit begrüssen wir diese "Neuankömmlinge" in der Amiga-Welt. Das 3.5-Update wird also mit einer angepaßten Version von Picasso96 erscheinen, weiters ein WarpOS von H&P beinhalten, den entpsrechenden 68K-Emulator dabei haben, ein SoundSystem namens ARTAS (mit Abwärtskompatibilität zum AHI) besitzen und integrierte Netzwerkfunktionen vorweisen können. Erscheinen soll diese Version im 2. Quartal 1999. Amiga Inc. täte da gut daran, dies zur CeBit präsentieren zu können. Reden tun sie ja davon... Am Stand von VillageTronic traf man unter anderem auch Klaus Burkert, der ob der obskuren PCI-Slots auf seiner mitgebrachten Entwickler-PicassoIV wohl gelöchert wirkte, aber mit einer MacPicasso am PCI-Slot der PIV die Werbetrommel für die Voodoo-Zusatzkarte für die PIV rührte. Ergeben sich 500 Vorbestellungen, so wird diese Karte für den Amiga produziert werden, da ja von einigen Spieleherstellern und Produzenten von Anwendersoftware (wie wäre es mit einem 3D-Beschleuniger für die Konstruktionsteile in Renderern? was sagen diverse OpenGL-Clones dazu? etc.) Anfragen dazu vorliegen. Also Leute: ran an die Tasten und hin zum VillageTronic Voodoo Survey, um die Umfrage dazu auszufüllen, damit auch am ClassicAmiga die Entwicklungen ihren Lauf nehmen. Eine davon ist die neue AriadneII, die neu konstruiert nun auf der Messe erstmals erworben werden konnte. Die Produktion dürfte denkbar knapp angeliefert worden sein, denn die netten Damen am Stand hatten alle Hände voll zu tun, die Ariadnes in die Kartons zu verpacken, bevor sie über die Budel wanderten. Das hat den Vorteil, zusehen zu können, ob wohl auch alles drinnen ist, was denn drinnen sein soll. Was die Karten können, wird die Dezember-Ausgabe der AmigaScene zeigen, in der Schachtel sind neben Karte, T-Stück, Terminator, englischem Handbuch auch noch zwei Disketten, die neben den üblichen Treibern das komplette AmiTCP Genesis enthalten sollen. Auf den neuen Ariadnes gibt es keine zusätzlichen parallelen Ports mehr, dafür aber schöne Stiftleisten, die dazu verleiten, einen gewissen Klaus noch mehr zu löchern, und so werde ich mir nun die Weihnachtsfeiertage freihalten, da dann die Spezifikationen für diesen Zusatzsteckplatz auf der Ariande (der die Signale eines ISA-Busses führt) und ebenfalls die Informationen zu diesem PCI-Slot auf der Picasso IV fertig sein werden. Videosignale auf PCI-Addons können über kurze Kabel von der Paloma bzw. ihren Sockeln geholt werden, also sind der Möglichkeiten nur dadurch (vorerst) Grenzen gesetzt, daß die PCI-Bridge auf der PIV als einziger BusMaster am PCI-Bus spielen kann. Interessant auch der "Stand" von Escena. Dieser beschränkte sich auf ein Viertel dieser Eckstände, die am großen Amiga-Stand zu sehen waren, diese Seite betitelt mit "Dual-G3-Board". Zu sehen war nichts, denn die Prototypen sollen erst zwei Wochen nach der Messe (schauen denn alle von Phase 5 ab ???) kommen, dann muß noch getestet werden und im 1. Quartal 1999 wird es lt. dem Herrn am Stand eine Karte geben, die in einem Zorro-Slot(!!) den Rechner übernimmt, dadurch schneller sein will/wird als andere eventuelle G3-Karten, da nicht der langsame Buster die Zorro-Zugriffe bremst. Allerdings handelt man sich damit einen ganzen Haufen Probleme im Zusammenhang mit Zugriffen auf die AGA-Chips, Tastaur, Maus, Schittstellen, etc. ein, die mit einem neuen Buster umgangen werden sollen. Wozu dann aber die Karte auf der Zorro-Seite?? Entweder habe ich da was nicht ganz kapiert, da die Laustärkeaussteuerung des netten Herrns etwas zu wenig aufgedreht war, oder/und es ist so ein sonderbares Konzept, daß es sich erst in puncto Kompatibilitöt und Brauchbarkeit beweisen wird müssen. Der Preis soll sich ohne Prozessormodul bei 748,- DM bewegen, als Module sollen Standard-G3-Module von PowerMacs verwendet werden können. Weiters war Turboprint 7 von Irseesoft erhältlich, das nun neben den bekannten schönen Features auch eine Unterstützung für den mitgelieferten GhostScript besitzt, mit der Ausdrucke von PostScript- und den beliebten PDF-Dateien nur kein größeres Problem mehr darstellen. Für die Verwendung mit den gängigen Textverarbeitungen wurde nun die Unterstützung erweitert und erheblich beschleunigt. Mit PageStream soll in voller Qualität gedruckt werden können. Interessant auch der Grafik-Textmodus, der eine Textdatei in Grafik umwandelt und so auch nicht textfähige Drucker einsatzfähig macht. Im GraphikPublisher ist ein Zommen eingebaut. Und natürlcih sind wieder die aktuellen Druckertreiber mitgeliefert. Auch neu die Version 5.5 des Picture Managers. Sie unterstützt nun erweitert den PPC beim Laden von JPG, PNG und TIFF, bietet das Exportieren von Thumbnails, ist auf Grafikkarten lauffähig und auch neue Graphikformate wurden implementiert. Der Stand von RBM war vielfach belagert. Nicht nur, daß dort die neue I/O-Karte namens IOBlix zu sehen war, dort war auch ein Programm von AmigaWares zu bekommen. Die IOBlix ist eine modular erweiterbare Schnittstellenkarte, die je nach aufgesteckten Modulen mehrere serielle und parallele Schnittstellen in unterschiedlicher Konfiguration bietet. Die Parallelen sind vollwertige ECP/EPP-Ports, mit denen sich somit auch ZIP-Drives ohen Hacks betreiben lassen, die seriellen Ports kann man bis 460KBaud einsetzen. Theoretisch sollen 1.5MBaud möglich sein. Vorgesehen ist ein Platz für ein AHI-kompatibles Sound-Modul und ein Sana-II-kompatibles Netzwerkmodul, das es in einer 10MB- und in einer 100MB-Ausführung geben soll. Weiters denkt man über ein Interface für 1.44MB-PC-Floppy-Laufwerke nach. Unter dem Label AmigaWares ist eine ganze Menge an "additionals" zu finden, wie T-Shirts, Pullover, Shirts, Hosen, Bikinis, Tops, Bälle, Kapperl, etc. Auf der Messe waren unter anderem T-Shirts zu kaufen, die auf Fruit-of-the-Loom-Leiberln das Amiga-Logo auf gedruckt oder aufgestickt(!!) haben. Die Qualität ist dabei sehr gut, die gestickte Variante rückseitig hinterlegt, der Stoff angenehm zu tragen. Alles in allem eine gute Idee. Was da noch fehlt, sind halt Shorts mit dem "powered by Amiga"-Logo vorne drauf, oder Bikinis mit zwei großen Boing-Bällen als Textur, oder... Naja, für die Skeptiker unter Euch gibt es auch ein Video, das wohl einige Strandnixen mit den ganzen Sachen beim Ballspielen zeigt. Alles in Allem fährt man jedes Jahr im November sowieso nach Köln, ob da nun eine Amiga-Messe stattfindet oder nicht :-)) Das Ambiente (der Messe) ist halt nicht so ganz das, was man sich unter einer gediegenen Veranstaltung vorstellt, eher ein freakiges Treffen, das in den letzten Jahren leider von PCs, Playstations und Billig-Verramschern unterwandert wurde und dementsprechend leidet diese Veranstaltung. Das tut aber den diesmal doch sehr interessanten Veröffentlichungen (Hmmm?? waren es derer mehrerer???) keinen Abbruch. Also heißt es, sich zu Hause mit ekligen, schlecht zubereiteten Möchtegern-Steaks zu deprimieren, auf daß es nächstes Jahr wieder voller Freude auf nach Köln gehen kann, mal ganz abgesehen vom Kölsch, aber davon reden wir ja nicht... |
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