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The Strangers AGA - Es darf gehaut werden!"Da hast was zum Testen - damit wir endlich mal eine Betasemmel verteilen können!" Mit diesen Worten drückte mir mein Bruder und Sklaventreiber eine CD in die Hand, in der Erwartung, daß ich fauler Sack mich wieder mal nützlich mache. Doch ich schreite trotz Suggestion ohne Vorurteil ans Werk: denn hat nicht er selbst dereinst ein Spiel namens "Hydra" verehrt, nur weil der legendäre Amiga Joker in einem Test über den Spielwitz gemeint hatte: "[...] [darum] müßte "Hydra" eigentlich eher "Hydrant" heißen"? (kleine Anmerkung: der Joker hatte recht! ;-)) Zwar ist das Design des CD-Covers nicht gerade umwerfend (mit Wohlwollen und einer sehr schlechten Brille könnte man es eventuell als "impressionistisch" bezeichnen - oh nein, ich höre schon, wie sich Maler und Künstler schreiend im Grabe überschlagen!), aber der Rückseite sind ja haufenweise interessante Fakten zu entnehmen. Mit entsprechendem 4-Spieler-Adapter (am seriellen Ausgang zu connecten) kann man sich gegenseitig sogar zu sechst vermöbeln. Umwerfende Animationen, geraytracte Grafiken und Wahnsinns-Soundeffekte? Optionale Brutalitäten und Blutvergießen? Hm... klingt doch vielversprechend! Wie bei allen Games von Vulcan findet man auf der CD neben einer Anleitung in allen Sprachen auch noch einen Haufen Demos. Mein Interesse gilt jetzt aber einzig und alleine den "The Strangers" und dem erhofften Spielspaß. Die Voraussetzungen erfülle ich ja gottseidank: AGA, 2MB Chip Ram, 68020+, Harddisk, 4x-CD-Rom. Ein Teil des Spiels läßt sich auf die Platte installieren. Soweit, so gut - ein Doppelklick aufs Spiel-Icon, ich lehne mich zurück und knabbere am virtuellen Popcorn, dazwischen ein paar Züge aus meinem virtuellen Cola, natürlich per virtuellem Strohhalm. Zumindest hatte ich mir das so vorgestellt... Das Intro wirkt auf den ersten Blick recht... hm... interessant. Eine Auto-Verfolgungsjagd aus verschiedensten Perspektiven. Der Sinn bleibt mir leider vorenthalten, ebenso wie die Action. Ich muß lediglich ans berüchtigte und geniale Demo von "Roadkill" denken, das bot nicht nur Action, Witz und nette Effekte, sondern auch Köpferollen. :-) Aber hier? Es passiert buchstäblich nichts. Nicht außergewöhnlich toll gerendert, minimalistische Handlung, wenig Action und die Pointe ist vermutlich wie bei einem Preisrätsel versteckt. Die Suche ist mir aber zu mühsam, also vergesse ich das Intro wieder und widme mich dem Spiel selbst. Auf der Suche nach dem SpielwitzIch motiviere mich, indem ich an das motivierende "Auf gehts!" unseres ehemaligem Lateinprofessors denke, mit dem er unserer Klasse oft den Startschuß gegeben hatte, um in herrlich diffusem akustischen Chaos den Hexameter eines gewissen Ovid grausam zu entstellen. Und ich stelle fest: der Spielwitz liegt einmal ganz bestimmt nicht im Main-Screen. Weder vom Sound her, noch grafisch gesehen. Wenigstens kann man eine Menge Sachen einstellen (Spielmodi, Schwierigkeitsgrad, Steuerung, ...). Der größte Gewinn liegt wohl in den Varianten: da gibt es den Trainingsmodus, der anfangs sehr zu empfehlen ist, um mit der Handhabung einigermaßen zurechtzukommen. Die Steuerung ist relativ einfach, woraus sich auch mit Recht schließen läßt, daß die Schlagauswahl nicht überragend ist. Dann kann man alleine oder zu zweit die Gegner jedes der 8 Levels aus dem Weg räumen, inklusive Oberboss natürlich, der ein bißchen tougher ist als die gewöhnlichen Feinddarsteller. Deathmatch ist die klingende Bezeichnung für den gnadenlosen jeder-gegen-jeden-Fight mit bis zu 6 Spielern, was auch für "Gangwars" gilt - hier geht man allerdings in Teams vor. Tja, was gibt es Schöneres, als mit mehreren Freunden zugleich Spiele zu zocken? Erinnerungen an "alte Zeiten" werden wach... Der erste Level wird geladen, und ich bekomme die ersten "Full Speech Intros and Endings With Awesome Animations" sowie "High Quality Raytraced Level Graphics" zu sehen, nicht zu vergessen die "Digitally Mastered Screams & Speech" und "Incredibly Disgusting Blood Fatalities" (gottseidank kann man eine Passwort-Kindersicherung aktivieren, damit die kleinen Stöpseln nicht verdorbenen Geistes zu Gewalttaten animiert werden!). Was davon wirklich zu halten ist, dafür suche ich gerade passende Beschreibungen... Sagen wir zur ersten Phrase mal das Folgende: auf Dauer wird es lästig, jedesmal zu Beginn eines Levels ein gerendertes, aber nur mäßiges Bild inklusive mäßigem Soundsample bewundern zu müssen, und das zehn Sekunden lang. Da seh ich 10x lieber die Zwischengrafiken von Agony (das Ballerspiel von Psygnosis) an, da wartet man zwar länger, aber wenigstens sind Sound und natürlich Grafik vom Feinsten. Das finde ich ja überhaupt schade: einst zauberte man noch aus 16 oder 32 Farben meisterhafte Prachtwerke auf den Schirm, und aus einfachen Samples wurden unvergeßliche Melodien komponiert. Heute spart keiner mehr, Sound und Grafik fressen massenhaft Speicher weg, man benutzt mindestens 256 Farben und rendert mit tollen Programmen herum, und doch kommt man mit alldem meist nicht über ein recht mittelmäßiges Niveau hinaus. Zumindest kommt die Einzigartigkeit allzu leicht abhanden. Aber ich will ja nicht herumsumpern, sondern testen! Wie schon angedeutet, heißt heute "raytraced" noch lange nicht "gut", und ebendies läßt sich auch auf die Levelgrafiken anwenden. Sie sind ja nicht schlecht, aber sooo toll wie beschrieben? Naja. Die digitalen Schreie sind ebenfalls hörbar, lösen aber noch lange keine Begeisterungsstürme in mir aus. Auch die Schlagvielfalt ist nicht gar so gewaltig, wie man sich das gerne vorstellen würde. Jetzt ist es mal an der Zeit, ein paar positive Aspekte zu vermerken! In jedem Level (der ist nicht groß, scrollt nur ein bißchen nach links und rechts) gibt es einen Obermotz. Zuerst hält der sich eher cool aus der Sache heraus und raucht ein letztes Zigaretterl, aber wenn es knapp wird, dann bequemt er sich her und quält den Spieler mit seiner doch etwas größeren Zähigkeit und eventuell mit Äxten, Baseball-Schlägern oder anderen Waffen. Letztere kann man natürlich auch selber verwenden, wenn man dazu kommt, sie einem Gegner ab- und dann selbst aufzunehmen. Auch geworfene Fässer explodieren recht gern inmitten des Gegners Scharen. Apropos Werfen: das kann man auch mit Gegnern. Wenn diese nach einigen Schlägen benommen dastehen, kann man sie aufheben, ein bißchen mit ihnen herumspazieren und sie dann irgendwo hinschleudern, idealerweise auf ein paar andere Gegner. Aber zurück zum Obermotz: wer sich diese Brutalität in den Optionen eingestellt hat, kann nämlich im Falle des Absinkens der eigenen Energie auf knapp über Null betrachten, wie der Obermotz kommt, coole Reden schwingt und einem dann den Garaus macht. Je nach Level wird man dann z.B. in Stücke geschossen - inklusive Blut natürlich! -, oder der Boss reißt dem wehrlosen Spieler das Herz raus und verspeist es dann genüßlich unter Anwendung eines Kommentars, dessen sich schon Bill Clinton bedient hatte, als er mit Zigarren und Praktikantinnen spielte... Aber all das kann auf Dauer auch keinen großartigen Spielspaß herzaubern. Technisch gesehen sind keine Glanzleistungen vorhanden, an denen man sich weiden könnte, und es fehlt großteils an innovativen Gags, abgesehen von den bereits erwähnten, welche mich aber auch nicht vom Hocker reißen. Eine Menge an Ideen scheint mir eher abgekupfert zu sein, wie zum Beispiel die Sache mit den Motorradfahrern. Die Mehrspieler-Optionen sind meiner Ansicht nach der einzige Grund, sich für das Spiel zu interessieren, aber ich gehe wohl recht in der Annahme, daß auch dafür längst Games existieren, die dieses hier übertreffen können. Wer sich selbst davon überzeugen will, der besorge sich einfach die Demoversion, die auch auf jeder neueren CD von Vulcan erhältlich sein dürfte. Abschließend gilt vielleicht noch, abgesehen von der tatsächlich etwas schlechteren Wertungsbox (mein Bruder hatte also recht), noch zu sagen: Das Spiel kostet bei Point Design nur wenige Schillinge (Anm. d. Red.: und ist im Bundle mit Uropa2 und Final Odyssey sehr günstig dort zu erwerben!). Das Handbuch ist wie gesagt in diversen Sprachen auf der CD drauf, und die Voraussetzungen habe ich auch bereits erwähnt. Tja, schade eigentlich! Ich hatte schon gehofft, wieder einen Hit testen zu dürfen. Leider hat es nicht dazu gereicht...
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