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Llamatron - Verrückter geht's nicht!
Im Jahre 1992, nachdem ich mich mit meinem "neuen alten" Amiga 500 (Kick1.2) und den darauf vorhandenen Spielen so richtig angefreundet hatte, hatte ich eigentlich überhaupt kein Interesse an Public Domain Software. Wie es das Schicksal jedoch oft munter mit einem treibt, verschlug es mich jener Tage in den Zeitschriftenladen meiner Wahl und eine unsichtbare Kraft drängte mich zu einem dieser Diskettenmagazine mit Kartoncover. "Einmal muß ich mir so ein paar grindige PD-Spiele geben" dachte ich mir, und kaufte eine Ausgabe "Super Amiga" oder "US Amiga Gold" oder wie auch immer... Auf der Diskette befanden sich 4 Spiele, von denen ich 3 sehr schnell "erledigt" hatte. Also würde wohl das vierte auch so schlecht sein, und beim Namen Llamatron dachte ich bereits an einen langweiligen Tron-Verschnitt, bei dem 2 Lamas über die Matrix rennen und sich gegenseitig einkreisen dürfen. Bis auf die Sache mit dem Lama falsch gedacht!
Bereits das Auswahlmenü läßt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen: Zwei Lamaköpfe mit Nasen- und Ohrringen, im oberen Teil des Screens bildet sich das Wort "Llamatron", und zwar jeder Buchstabe einzeln indem von allen Ecken des Screens die Pixel herkommen und sich mit einem imposanten "dschup" vereinen, danach springen im unteren Teil ca. 200 Lamasprites durch die Gegend. Man kann nun zwischen folgenden Spielmodi wählen:
Wobei ich es trotz Continues und Extraleben nur bis ca. Level 38 geschafft habe. Vermutlich gibt es 99 oder 100 Levels. Es gibt zu dem Spiel auch eine Vorgeschichte, die nicht weniger verrückt ist, als der Yak mit den tanzenden Frage- und Rufzeichen über seinem Kopf im Auswahlmenü. Irgendeine böse Macht hat Tiere (Ziegen und andere Huftiere) in ihrer Gewalt und muß deshalb vernichtet werden. Das Spiel an sichDer erste Level. Man steuert ein Lama, das automatisch (!) feuert, wobei man durch drücken des Feuerknopfes die Schußrichtung fixieren kann. Ansonsten schießt das Lama dorthin, wo es gerade schaut. Skelette greifen uns an - naja, das ist ja noch nicht so sehr verrückt, denn es wird noch viel besser. Überall sind jedenfalls massig Colorcycling Effekte daß einem beinahe schwindlig wird. Geschafft. Mit einem lauten "rör rör rör rör - RÖR RÖR RÖR RÖR" gelangt man in den nächsten Level. Was sich dem Spieler im weiteren Verlauf so alles bietet, ist schlichtweg der reinste Wahnsinn: Skelette, Coladosen, Zigarettenschachteln, fliegende Gehirne, Rollen von Klopapier (!), drehende Ringe, Wunderlampen, wabbernde Kirschen, klapperndes Besteck, Schifahrer, Elchgesichter, Apfelmännchen, die Torpedos abfeuern, und eine Menge anderer seltsamer Gegner machen einem das Leben wahrlich zur Hölle. Schön langsam begreife ich, warum man das Dauerfeuer im Spiel nicht abstellen kann. ;-) Eines der Ziele (neben Vernichtung aller Gegner) ist, Ziegen, Schafe, Lamas und Kamele bzw. andere blökende und grunzende Tiere einzufangen und zu retten. Man muß jedoch nicht immer alle Tiere retten. Hauptsache die Gegner werden erledigt. Es gibt allerlei Extrawaffen, z.B. reflektierende Schüsse, Schüsse, die alle Gegner durchdringen, einen Streuschuß, Bonuspunkte, Extraleben, Warps, und dergleichen mehr. Die Grafik ist fulminant, die Gegner zerfetzt oder besser gesagt "zerpixelt" es nach allen Regeln der Kunst, der Screen blitzt, die Lautsprecher dröhnen, es scheppert, grunzt, quietscht: Action pur. Quake, geh scheissen! ![]() Für Abwechslung im monotonen (?) Dauergeballer ist auch gesorgt: Manches Mal regnet es, dann muß man einen Regenschirm aktivieren, in bestimmten Levels explodieren Gegner in zerstörerische Teile, die in Schußrichtung davonfliegen (Deckung!!), andere Gegner zerteilen sich, Gehirne können frei herumlaufende "Beasties" (Ziegen, etc.) zu Zombies umwandeln, und und und. FazitLlamatron benötigt nur 512K und einen Joystick, läuft problemlos auf all meinen 500ern und ist noch dazu frei erhältlich. Ein Spiel mit Kultstatus, an dessen Unterhaltungswert nur wenige Spiele herankommen (höchstens "Tank Attack", wenn man es zu viert spielt). Wer es noch nicht kennt, hat eindeutig etwas versäumt. Wer die wahre Action von Spielen vergangener Tage vergeblich bei Quake und Konsorten sucht, sollte eben Llamatron wieder vom Dachboden runterholen. Es lohnt sich, hehe!
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