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NetConnect V2 - "Nimm den Stecker in die Hand!"

 
Lange hat's gedauert, bis sich einer dem nodigen Problem des Nichtvorhandenseins einer sinnvollen Zusammenstellung von "Internet-Programmen" widmete. Active Technologies versprechen nun die einfache Verbindung des Amigas zum Netz aller Netze.

 

Spinnereien...

 
...mag sich nun so mancher denken, angesichts der bisher in mühsamer Kleinarbeit zusammengestellten Ansammlung an TCP-Stack, Browser, Mailer, etc., die nun ganz nach Vorlieben funktioniert. Aber nicht nur am Cover der CD, die mit einem dicken Inlet aber ohne sonstige papierener Dokumentation kommt, sitzt eine possierliche Arachnoide metallisiert in ihrem Netz, auch der Rechner aller Rechner wird somit zur Schaltzentrale aller heutzutage lebensnotwendigen "Connections" im Netz.

Auf der Rückseite des Covers sieht man auch gleich, was man denn nun so alles mit dieser CD kauft: Neben Vollversionen von AmiTCP-Genesis, Voyager-NG, MicroDot-II, AmIRC, AmFTP, AmTalk, AmTelnet, AmTerm und NetInfo finden sich auch praktische Tools wie ein X-Arc, das "Die Amiga-Antwort auf WinZip" sein soll, einem ContactManager zur Verwaltung der ganzen Adressen, Online Dokumentation, "systemweite" MIME-Prefs und das alles zusammengefasst in einer ToolManager-artigen Umgebung als DockIcon auf der Workbench.

Wird dieses Netz nun mal über seine Workbench geworfen, so bietet es sich in oben beschriebener Weise dar und die installierten Programme können in ihrer jeweiligen Funktion mal einfach so benutzt werden.

 

Eing'steckt...

 
...wird man bei der Installation der NetConnect noch nicht, denn die installiert "nur" die Programme mittels schöner Installer-Oberfläche ins gewünschte Verzeichnis. Beim ersten Start des neuen-alten TCP-Stacks wird dann aber sogleich ein Account angelegt, mit dem man sich per Modem einwählen oder per Sana-II-Device ans lokale Netz hängen kann.

Der neuartige SetupWizard der NetConnect führt dabei durch die meisten Untiefen einer Konfiguration und läßt soweit auch nichts zu wünschen übrig, denn auch wenn er bunt wird (was sicher so manche erfreuen wird), tut er seine Pflicht.

Das CD-Verzeichnis zeigt sich beim Öffnen aufgeräumt und schön eingeteilt in eigene Verzeichnisse für Docs, Programs, MIME, AmiTCP, Extras und MUI. Böse Überraschungen erlebt man aber, wenn man etwas das NetConnect-DockIcon oder die zugehörigen Preferences starten will, da unerhört oft nach "NetConnectV2:" gefragt wird, die CD aber nur "NETCD2:" heißt. Somit läßt sich nämlich unpraktischerweise nicht einmal die Doku im Voraus lesen. Wenigstens weiß ich jetzt, wie man auf Cancel-Gadgets klickt....

Der Doppelklick aufs gewohnte Install-Icon bringt uns aber den gewohnten Commo-Installer und läßt die Wahl der Installationswahl:

[Installer]
Na, was nemma denn heut'???
 
Ja, auch Version 3.8 von MUI ist auf der CD und kann gleich mitinstalliert werden, ein späteres Überspringen davon ist allerdings nicht mehr möglich und somit ist eine bestehende MUI-Installation leicht zerschossen, vergißt man vorher das Abwählen des entsprechenden Gadgets. Genauso wird nie überprüft, ob schon Gleiches vorhanden ist, es wird einfach stur drüberkopiert. Eine verfeinerte Auswahl, welche Programme in welcher Version installiert werden sollen, ist aber möglich. Das ist fein:

[Versions-Gewirr]
Zahlen über Zahlen...
 
 

Docking Station

  [Dock]
Nachdem nun das NetConnect-DockIcon gleich aus der WBStartup heraus aufgerufen werden kann, ist es immer schön präsent auf der Workbench (siehe Bild nebenan). In dieser Version hatte ich schon den Voyager durch den AWeb ersetzt und die Prefs mit auf das DockIcon geworfen (was nicht nötig gewesen wäre, denn diese Prefs lassen sich auch durch das zum DockIcon gehörige Menü erreichen), das mittels NetConnectPrefs frei konfigurierbar ist. Die Icons können herkömmliche Icons sein, kleine IFF- oder GIF-Graphiken, was das Herz begehrt. Dazu können dann natürlich individuelle Kommandozeilen, ToolTypes, ARexx-Scripts, etc. angegeben werden usw.

Das DockIcon selber bleibt aber immer zweispaltig und paßt sich automatisch in der Höhe an, bleibt aber bei freier Positionierbarkeit immer hochformatig.

Ins "Hilfsmittel"-Menü der Workbench werden zusätzliche Befehle eingefügt, sobald NetConnect gestartet ist und es lassen sich auch einfach mehrere DockBars erzeugen, indem sie in den Prefs in der linken SPalte eingefügt werden.

Das Ganze kann dabei so weit konfiguriert werden, daß nichts mehr von der einstigen Installation gleich bleibt (wer braucht da noch einen ToolManager?). Ich benutze hier zwar gerne die DockBar-Eigenschaften und die Möglichkeit, was ins Tools-Menü einzutragen, aber das neue AmiTCP ist nicht in meiner Installation. Aber auch mit dem "alten" AmiTCP funktionieren die NetConnect-Programme einwandfrei. Wär' ja auch noch schöner!

 

Programme und Unterprogramme

 
Da ist ja jetzt die Frage: wie wichtig ist denn nun ein TCP-Stack? Da würden jetzt sich wohl ein paar Leute wundern, wenn ich sagte, er wäre unwichtig, mitnichten! Drum wanderte das entsprechende Icon namens "Genesis" auch gleich in die WBStartup. Für eine DialUp-VErbidnung per Modem ist es ja sinnvoll, den Stack nicht gleich beim Booten zu starten, aber bei Verbindungen in lokalem Ethernet will ich doch gleich ein Netz haben.

Wer AmiTCP bisher kannte, wird es nun nicht wiedererkennen. Und doch ist alles beim Alten geblieben, nur unter Zaubern verhüllt...
[Der Wizard]
Dieser Wizard führt uns in "bekannt" bunter Manier ziemlich brauchbar durch die Grundinstallation des Stacks, sodaß dessen Konfiguration nicht wirklich ein Problem bereitet. Gleich als Erstes kann man zwischen DialUp- und lokalem Netzwerk wählen. Die Installation Ersteres erweist sich als völlig unproblmeatisch, da nach Angabe der grundlegenden Daten (Schnittstelle, Modem-Einstellungen (Auswahl aus vielen Vorgaben möglich), Provider, Telefonnummer) ein Einwahlversuch Miami-gleich erfolgt und die restlichen Daten direkt online ermittelt werden.

Auch die Konfiguration für lokale Netzwerke erfolgt im Grunde problemlos, nur beim ersten Mal weigerte er sich hartnäckig, die eingegebene lokale IP-Adresse anzunehmen. Normalerweise würden auch hier die ganzen Daten von einem BOOTP-Server geholt werden, da ich so etwas aber nicht habe, mußte ein zweiter Versuch her, bei dem - oh Wunder! - auf einmal alles klappte und ich sogleich einen funktionierenden und fertig konfigurierten TCP-Stack mein eigen nennen konnte.

Die so erstellten Einstellungen können allesamt auch später noch mittels des Preferences-Programmes verändert werden, sodaß man sich nicht allzu viele Sorgen machen muß. Wer es gar nicht hinbekommt, wende sich an den Netzwerkmagier seines Vertrauens, bzw. gibt es für registrierte Benutzer bei Active Technologies eine Support-Hotline und -Mailadresse.

Der TCP-Stack selber zeigt sich als konsequente Weiterentwicklung des bekannten AmiTCP in neuer Umgebung. Verwirren könnte die Tatsache, daß mehrere Interfaces (zum Beispiel mehrere Netzwerkkarten in einem Rechner, oder Netzwerkkarte plus Modem) als unterschiedliche Provider angelegt werden und die ganzen FIles aus AmiTCP:db/ im Grunde leer sind.

Bei der Entwicklung dürfte wohl ein NeXT-Liebhaber mitgespielt haben, denn das System der dynamischen Erstellung der notwendigen Dateien erst zur Laufzeit und die Verwaltung der Daten in eigenen Prefs-Files kenne ich (bisher) nur von dieser anderen genialen Plattform. In diesem Sinne wird auch das Icon für X-Arc (die geöffnete Schachtel) wohl erklärbar sein :-))

Schaut man sich dann bei laufendem TCP-Stack die relevanten Dateien an, so sind sie in bekannter Manier gefüllt und somit gibt es auch überhaupt keine Probleme mit vorhandenen Programmen, die diese Dateien benutzen.

Die Einstellungsmöglichkeiten im GenesisPrefs sind fast unendlich und immer wieder findet man weitere Unterpunkte und neue Fenster poppen auf (welche Verschwendung an Überraschungen wäre es, läse man erst eine Dokumentation durch. Das wäre ja, als ob man massiv Spoiler zur 5. Season von Babylon 5 verstreuen würde. Unverantwortlich ;-) ).

Vielleicht war ich angesichts dieser Konfigurationsmöglichkeiten nur nicht geduldig genug, aber ich fand im Laufe von tagelangem ( ;-) ) Testen nicht heraus, wie ich Samba mit dem neuen AmiTCP zum Laufen bringen könnte. Die entsprechenden Demons müssen nach Konfiguration der Interfaces und vor dem globalen InternetDemon gestartet werden, und das ist so einfach nicht zu schaffen. Dabei ist es an jeder noch so unmöglichen Stelle möglich irgendwelche Scripts hineinzuhängen und ablaufen zu lassen. Dabei steht in der History zu Genesis, daß extra dafür der Zeitpunkt eines bestimmten Events verändert wurde, damit Samba laufen könnte. Dennoch: es wollte nicht.

Sicher wäre es möglich gewesen, in den Startup-Scripts zu wühlen und bis zu den Ellbogen bitverschmiert mit einem Grinsen im Gesicht wieder aufzutauchen, aber das kann wohl nicht im Sinne des Erfinders sein (ähnlich kommt man sich ja vor, bastelt man an der heiligen Startup-Sequence herum).

 

Krieg ich nun die Mails oder doch nicht?

 
Der Microdot-II ist ja ein wirklich schmucker Geselle, und im Grunde funktioniert er auch, nur hat er so die Angewohnheit, sich die Mails vom Server zu holen, einzusortieren, sie vom Server zu loeschen und abzusemmeln. Ungluecklicherweise sind danach die eigentlich einsortierten Mails weder am Server noch lokal zu finden, sondern irgendwo bei glücklichen Bits im Nirvana zu finden. Schlecht. Leider ist dieses Verhalten nicht reproduzierbar, aber ein zu häufiges Auftreten läßt mich doch auf ein Problem innerhalb des mailers schlißen, da ich ja weder mit Thor, YAM, noch pine je dergestalte Probleme hatte...

Der Voyager präsentiert sich in der gewohnten Form, in der gewohnten Funktionsfähigkeit und in der gewohnten Körnigkeit im Darstellen der Schriften, zumindest mir scheint es, als würden ein AWeb oder ein IBrowse sichtbar weicher die Buchstaben hinzeichnen. Unser lieber Herr Chefredakteur hingegen schört auf die schöne und edle Darstellung eines Voyagers. Wahrscheinlich ist aber nur sein Monitor unscharf... (Anm.d.Red.: Der liebe Herr Gerler sollte sich jetzt aber g'schwind ins Eckerl stellen und genieren! Sein 15" Monitor erfordert gar unschöne Fonts (Screenshots!) und läßt sogar ein 'i' einem 'ü' ähnlich erscheinen. ;-)).

AmFTP ist auch nicht anders als sonst, sondern funktioniert einfach, wie es sich für ordentliche Software halt gehört. Genauso ist es mit AmIRC, eh schon wissen.

 

Knautschzonen

 
X-Arc heißt es, die Amiga-Antwort auf WinZip, und es schaut dem auch sehr ähnlich. Nach Doppelklick öffnet sich das Fenster, in dem die beschrifteten Gadgets wieder bekannt anmuten...

Hat man einmal ein neues Archiv angelegt oder ein bestehendes geöffnet, wobei X-Arc anfangs mit .lha, .lzx und .zip umgehen kann, so können einfach per Drag&Drop die Files ins Fenster geworfen werden und sie werden automatisch ins Archiv eingefügt. Ist kein Archiv offen, kann per selbem Drag&Drop ein solches geöffnet werden. Dabei ist X-Arc so klug, nicht durch das fallengelassene .Info-File ins archiv zu packen, sondern auch die zugehörige Programm-Datei kommt automatisch dazu.

Die umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten erlauben es, weitere Packer und Entpacker einfach einzubinden und in einem weiteren Unterpunkt der Settings können global die MIME-Types definiert werden. Bei Doppelklick auf ein File in einm Archiv wird dann wie in einem Browser entsprechend der MIME-Types das dazupassende Programm gestartet. Praktischerweise sind schon sehr viele Konfigurationen vorgegeben und man braucht nicht mehr alles händisch eintippen.

Das interessante Icon rechts unten namens Palette ist eine Art Interface zur HardDisk, bzw. der Filestruktur am Rechner. Files, die aus einem Archiv dorthinein gezogen werden, werden automatisch entpackt und umgekehrt werden die Files ins Archiv gepackt.

 

Kontaktanzeigen

 
...und dann war da noch was: es nennt sich Contact-Manager und bietet eine zentrale Stelle, um seine BookMarks, FTP-Sites, UserAccounts und IRC-Sachen verwalten zu können. Das ist nämlich das zweite Detail, an dem die mitgelieferten Programme verändert sein müssen: Erstens fragen alle ein gemeinsames KeyFile in s: ab und zweitens gibt es einen Menüpunkt (im Voyager, etc.), ob die Informationen aus dem Contact-Manager verwendet werden sollen.

Dieser Contact-Manager ist nun MultiUser-fähig. Jeder, der mittels Paßwort in das Programm einsteigt, hat seine eigenen, ganz persönlichen Einstellungen und die anderen wissen nix davon. Diese MultiUser-Fähigkeit hängt nun davon ab, ob in Genesis, bzw. NetConnect mehrere User eingetragen und konfiguriert sind. Somit gibt es ein globales System, daß immer die gleichen Daten bereitstellt.

 

Hohle Typen???

 
Wenn man nun so schön überall die MIME-Types angeben kann, braucht man auch die dahinterstehenden Programme. Sicher, man kann die sich alle aus dem Aminet zusammensuchen, aber auf einer CD ist ja so viel Platz: Drum finden sich im MIME-Verzeichnis auch aMiPEG, CyberAVI, CyberQT und Songplayer in vorinstallierter Form. aMiPEG liegt dabei in Version 1.1, CyberAVI in 1.9, CyberQT als 1.4 und Songplayer in Version 1.3 vor. In den entsprechenden Verzeichnissen finden sich natürlich auch die dazugehörigen Dokumentationen als .readme oder .guide.

 

Auch die Leseratten ohne Vorliebe für Spinnen kommen auf ihre Kosten

 
Denn die Dokumentation liegt im Großteil als HTML-File-Ansammlung vor, in der aber die einzelnen Programme gut und ausführlich beschrieben sind. Das dicke Inlet der CD gibt eine grundlegende Einführung in die Installation von NetConnect (dem DockIcon und den Menüintraegen) und Genesis (AmiTCP). Weiters sind die Hauptfenster der "großen" Programme, wie Voyager, Microdot, etc. abgebildet, erklärt und beschrieben, so daß man sich fürs Erste gleich einmal zurechtfinden sollte.

130K an schönen, kleinen Bilderln und Icons in einem eigenen Verzeichnis auf der CD lassen des der Pixlerei Unfähigen Herz höherschlagen.

Im Großen und Ganzen kann diese Compilation als durchaus gelungen bezeichnet werden und, wie es auch am Cover beworben steht, sowohl für Einsteiger als auch die sogenannten PowerUser empfohlen werden. Schließlich findet man nirgends sonst auf einem Haufen soviel zum Thema Netzwerkanbindung mit dem Amiga inklusive der schönen Realisation, dies alles unter eine möglichst kompakte Oberfläche zu bringen. Nicht zu verachten natürlich die bunten Setup Wizards ;-)).

Der Vertrieb erfolgt durch Haage & Partner und in Österreich natürlich durch PointDesign.

Oliver Gerler     [ german ]    


- Active Technologies
- Haage & Partner
- PointDesign, Graz
- Vaporware
- Contact Manager (GIF; 7K)
- NetConnect Prefs (GIF; 12K)
- Palette (GIF; 5K)
- X-Arc (GIF; 12K)
- Installer (GIF; 5K)
- Versions-Gewirr (GIF; 7K)
- Dock (GIF; 5K)
- Genesis Wizard (GIF; 16K)
- Der Wizard (GIF; 3K)
 
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