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Napalm (Agi's Preview) - Viel Lärm um Nichts

 
Täter: Clickboom
Quellen: aminet:game/demo/napalm_1.1.lha
Aktennummer: 1.0
Anforderungen: Grafikkarte oder AGA
 
 
Weil unser offizieller Spieletester keine Zeit hat, muß wer einspringen. Pech für Clickboom, daß das jemand ist der in den Neunzigern kein Spiel außer Worms als brauchbar empfunden hat.

Überraschenderweise ist Napalm nicht wieder einer von Clickbooms inzwischen fast traditionellen PC-Ports, wo man dann mit mehrjähriger Verzögerungen das gleiche Spielchen gambeln kann wie die charakterlosen Kumpels aus der Hardwareschrott-Lobby - wenn auch entweder in einem Bruchteil der Geschwindigkeit (Quake) oder Farbanzahl (Myst).

Nein, Napalm ist ein eigenes Produkt, das es nur für den Amiga gibt. Dabei kann man dann natürlich nicht erwarten, daß es auch noch eine eigene Spielidee enthält. Napalms Ahnen heißen "Dune" und "Command & Conquer". Fast wäre man geneigt, das Brettspiel Risiko an diese Liste dranzuhängen, doch halt: dazu fehlt das Multiplayer Feature.

Nach einem Sadomaso-Download von mehr als 6MB findet sich eine erste Demo Version mit einem Level auf der Festplatte (ZIP und Uni-Account sei Dank). Als erstes fällt auf, daß das Dreckding immer nach einem Screenmode fragt, und ansich vorhandenen "Save" Knopf mit "Ok" gleichsetzt - also nix speichert und das nächste Mal wieder fragt.

 
Nach dem Start gibt es eine Introbildschirm, bei dem im Hintergrund Rockmusik dröhnt und eine Tussi selbstgefällig dahinplappert. Irgendwas von "best Amiga Strategy Game ever". Wir wissen natürlich alle, daß das Deuteros ist. Muß wohl ein blutrünstiges "Bikini Girl with Machine Gun" sein, die gute Frau.

Danach geht es gleich ans Eingemachte. Die Landschaft des Demolevels ist gespickt mit ekligen amerikanistischen Symbolen, und irgendwo darunter kugeln auch die Basis des Guten und des Bösen herum. Hoffentlich gibt es in der fertigen Version die Möglichkeit, die Freiheiststatue durch das Riesenrad oder die Kurven von Sonja Kirchberger zu ersetzen. Als ob wir nicht auch unseren Nationalstolz hätten! (Mein Dank hier wieder an die Worms-Programmierer von Team 17.)

 
Der Spieler kann jetzt seine kleine Anfangsarmee sofort auf den Feind hetzen. Weil diese Strategie wenige Alternativen offen läßt, empfiehlt es aber, die Truppen zuvor zu erweitern. Dazu muß man Fabriken bauen. Dazu braucht man Geld. Dazu muß man Öl fördern. Dazu... Offensichtlich gibt es also ein paar Zusammenhänge, die man beachten muß, obwohl immer bedacht darauf genommen wurde, niemanden intellektuell zu überfordern.

Mit der Maus wählt man Truppeneinheiten aus oder fasst sie zusammen und gibt ihnen Befehle wie "Gehe dorthin" oder "Greife diesen Bösen da an". Für den Erfolg entscheidend ist natürlich, was man wann wo macht.

Die Grafiken der Gebäude und die Animationen der Fahrzeuge nett, aber belanglos. Außerdem ist alles viel zu laut, das doofe Bikini-Girl von zuvor plaudert andauern vor sich hin, sobald irgendwo irgendwas fertig gestellt wird oder passiert. Die nervt, die Frau.

 
Die Explosionen jedoch sind uneingeschränkt super! Da zischt, pfeift und kracht es sekunden-, ach was, fast minutenlang dahin, bevor ein Objekt endgültig von der Bildfläche verschwindet. Rauch und Flammen allenthalben. Das versetzt in Stimmung, ich will töten! töten! töten!

Es stellt sich aber bald heraus, daß dazu viel zu wenig Zeit ist. Also nix Strategie, keine Varianten - ein oder zwei Fabriken kann man bauen, dann ertönt noch kurz eine Trompete von Jericho um einen Luftangriff anzukündigen (erschießt den Menschen, der dieses Sample erstellt hat), und schon ist alles vorbei; nicht einmal der Luftangriff findet noch statt. Die omnipräsente Plaudertasche empfiehlt, sich die Vollversion zuzulegen. Eh kloar, Dirndl, zehn Minuten sinnentleertes Multimedia-Spektakel haben mich überzeugt. Oder was?

 
Von den Hardware-Anforderungen her muß ich sagen, daß das Spiel mit meinem 68060 auf einer Picasso-II mit 640x480 zu langsam scrollt, als das es Spaß machen würde. Auf den auch auswählbaren 320x240 ist Napalm unspielbar, weil man Null Übersicht hat. Es zeugt von Inkonsequenz, diesen Modus überhaupt aufzunehmen.

Einen schönen großen 1152x900 Modus kann man nicht auswählen, obwohl Scrollen dann kaum mehr nötig wäre. Napalm bietet nämlich die Möglichkeit, die Tasten am Ziffernblock als Sprungmakros zu bestimmten Positionen auf dem Spielfeld zu definieren. Aber ein Scharmützel mit ein paar Gegnern ist bald größer als 640x480. Derzeit bleibt nur Scrollen, will man wissen, was im Nahen Umkreis passiert. Hoffentlich wird diese Einschränkung in der Endversion behoben.

 
Fazit: Sound nervt, Grafik steht sich selbst im Weg, Gameplay verzweifelt gesucht. Als Therapie wird eine Partie Bauernschnapsen im Freundeskreis oder das Zerbomben von ein paar Landschaften in Worms empfohlen.

Nachsatz: Das Spiel ist wahrscheinlich nicht einmal halb so schlecht, wie ich es hier mache.

Nachsatz 2: Dieser Test hat unseren offiziellen Spieltester so in schrecken Versetzt, daß er auf einmal doch Zeit hatte. Siehe dazu im Spiele Artikel.

Thomas Aglassinger     [ german ]    


 
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