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Geburtstagsinterview mit AmigaOS 3.1Wie sich jeder selbst mit Hilfe des "version"-Befehls davon überzeugen kann, wurde die "exec.library", der Kern von AmigaOS, dieser Tage fünf Jahre alt. Wir haben das zum Anlaß genommen, das Geburtstagskind zu einem Interview zu bitten. Lesen sie hier, wie der Betriebssystemsveteran über seine Gartenzwergsammlung plaudert, den Weg aus seiner Alkoholsucht beschreibt und begründet, warum virtueller Speicher dem Anwender nur schadet und Österreichs Psychiater zu den Besten der Welt zählen. (AO: AmigaOS 3.1, AS: AmigaScene) AS: Hallo, AmigaOS. Im Namen aller Deiner Anwender darf ich Dir zu Deinem fünften Geburtstag gratulieren. AO: Danke, danke. Es ist schön zu wissen, daß noch immer 37 Leute an mich denken. AS: Wir vom AmigaScene verbrachten zuletzt ziemlich viel Zeit damit, Torten zu backen. Für Dich haben wir eine extraschöne gemacht. Hier, bitte. (Übergibt die Torte) AO: (Nimmt die Torte) Vielen Dank, das ist aber eine nette Überraschung. ![]() AS: Als Du vor fünf Jahren veröffentlicht wurdest, und man sich an die Situation von damals erinnert, kann man Dich eigentlich als Commodores letzten Röchler bezeichnen... AO: Ja, das trifft die Sache von damals ganz gut. AS: Konsequenterweise müßte man dich jetzt, etliche Jahre ohne Update, als Erstickungsanfall umschreiben, oder? AO: So drastisch würde ich das nicht sehen, ich röchle eigentlich noch fast mit der selben Kraft wie damals. Schau her! (Bläst mit einem Zug alle fünf Kerzen auf der Torte aus) Du Schlingel willst doch nur mit so kernigen Formulierungen beinharten Journalismus vortäuschen! AS: Hach, erwischt! AO: Und daß es keine Updates gab, ist nicht ganz richtig. Es gibt etliche Verbesserungen wie das 64-Bit Filesystem für Festplatten jenseits der 4 Gigabyte, neue Datatypes für Truecolor Grafiken (24 Bit) und einiges mehr. Das Problem daran ist aber unbestritten, daß dies alles mehr oder weniger reine Privatinitiativen sind, wenn auch sehr engagierte. Als Anwender muß man sich das Zeug leider selbst zusammenstoppeln. Die Qualitätskontrolle ist dabei natürlich nicht besonders leicht. Und die Programmierer können leider kaum etwas davon voraussetzen. AS: Dennoch waren es wohl eher ruhige Jahre um Dich. Was macht man so als Betriebssystem, wenn man eigentlich nicht viel zu tun hat? AO: Betriebssysteme halten sich üblicherweise mehr im Hintergrund und wollen mit der Öffentlichkeitsarbeit an sich weniger zu tun haben. Aber ich will ehrlich mit Dir sein, weil irgendwann kommt es sowieso raus: Bis ESCOM ging es mir noch halbwegs brauchbar, aber kurz nach deren Niedergang stürzte ich ziemlich tief in eine seelische Krise. Da hab ich dann zu trinken begonnen. AS: Inzwischen scheint es Dir aber wieder ganz gut zu gehen, Deine Hände zittern jedenfalls nicht. AO: Das ist nur, weil ich vor dem Interview sechs Flaschen Bier in mich hineingeschüttet habe. Nein, das war ein Scherz. Ich machte ein paar Alkoholentziehungskuren, wurde aber immer wieder rückfällig. Nach der dritten erfolglosen bin ich dann zu einem Psychiater gegangen. Der hat mir erklärt, daß alles darauf zurückzuführen ist, daß ich seit meiner Geburt von allen im Stich gelassen wurde. AS: Und wie therapiert man sowas, wenn, wie in Deiner Situation, kein Ende davon abzusehen ist? AO: Mein Psychiater hat gemeint, ich muß den in mir aufgestauten Haß, der eine Folge der Vernachlässigung ist, nach außen projizieren und gleichzeitig einen Ersatz für die mir fehlende Zuneigung finden. AS: Und wie sieht das konkret aus? AO: Zum einen sammle ich Gartenzwerge. Die sind immer für mich da, schauen lieb aus und hören mir zu, wenn ich was auf den Herzen habe. Schau mal aus dem Fenster: Der Alte mit dem weißen Bart und dem Hund heißt Jay. Der dort mit der Scheibtruhe voll Kompost, den habe ich Petro getauft. Und der schmierige da hinten, der aussieht, als ob er Dir einen kaputten Rasenmäher verkaufen will, heißt Jeff. Zum anderen habe ich angefangen, Schweine zu züchten. Im Stall neben der Garage sind drei fette Masteber, die sich kaum mehr rühren können. Alle paar Monate schlachte ich einen davon, veranstalte eine Grillparty und kauf' mir einen neuen. Die heißen alle drei Bill. So konnte ich meine Sucht letztendlich bewältigen. AS: Werden wir einmal kurz etwas technischer. Von Entwicklerseite her wird Dir ja oft vorgeworfen, einige eklatante Mängel zu haben, so z.B. der fehlende Speicherschutz oder virtueller Speicher, der auf die Festplatte ausgelagert werden kann. AO: Die sind doch alle Proleten! Nur weil der Nachbar einen Spoiler auf seinem GTI hat, braucht jeder einen, oder was? Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, daß der Code, den ernsthafte Amiga-Programmierer in die Welt setzen, bezüglich Speicherschutz wesentlich besser geschrieben ist als der auf herkömmlichen Systemen. Unter "ernsthaft" meine ich jetzt jene Leute, die Enforcer und Mungwall/WipeOut verwenden. Damit lassen sich viel mehr Fehler finden, und vor allem zeigen sie sich früher (i.A. noch während der Entwicklungsphase) als bei dem primitiven 08/15- Speicherschutz der anderen. Bei den Herkömmlichen lehnen sich die Programmierer zurück und jubeln: "Hurra, mein Programm ist abgestürzt, ohne das ganze System mitzureißen!" Dabei wäre es doch wichtiger, das eigene Programm nicht semmeln zu lassen. AS: Woanders gibt es aber auch Entwicklerwerkzeuge, die die Funktionalität von Mungwall haben... AO: Schon, nur verwendet die kaum wer, weil alle glauben, wegen ihrem ollen Speicherschutz im Betriebssystem sind die eh super. Meistens sind diese Tools dann auch noch kostenpflichtig. Und wenn man das Konzept des virtuellen Speichers betrachtet: kaum was hat dem normalen Anwender mehr Schaden zugefügt. Seit es virtuellen Speicher gibt, sparen die dummen Anwender an realem Speicher. Denn selbst wenn die Kiste speichermäßig total unterdimensioniert ist, sagt sie nichts davon, bricht aber geschwindigkeitsmäßig total zusammen. Bei mir hingegen geht in der Regel ein Requester auf, der verkündet, daß zuwenig Speicher da ist. Und der Anwender geht ins Geschäft und kauft sich mehr. Nur weil Unix seinerzeit solche Schnapsideen eingeführt hat, braucht man das doch nicht mir als Mangel vorhalten! Damals waren bloß die Rechner so teuer, daß auf einem immer mehrere Anwender eingeloggt waren, die die meiste Zeit nicht viel damit taten. AS: Na ja, glaubst Du nicht, daß Du jetzt ein bißchen reaktionär bist? AO: Hah, ich und reaktionär! Was soll ich den sonst sagen, wenn sowohl Anwendern als auch Entwicklern heutzutage offensichtlich jegliche Mündigkeit fehlt? AS: Wechseln wir lieber wieder das Thema. Hast Du Kontakt zu anderen Betriebssystemen? AO: Mit MacOS bin ich eigentlich ganz gut befreundet. Der ist zwar ein bisserl dämlich, aber sonst ganz nett. Alle zwei Wochen treffen wir uns zum Bauernschnapsen mit Windows und einem alten Unix-Derivat. Ich spiele natürlich mit MacOS im Team. Ein uriger ZX 81 ist auch immer dort, der zählt die Pummerl mit. AS: Und wer gewinnt meistens? AO: Wir lassen die anderen beiden immer gewinnen. Der Windows ist nämlich sofort total eingeschnappt, wenn er verliert und fängt dann alle beschimpfen an. Das versaut natürlich den Abend. Wir haben zwar den Unix schon gebeten, daß er sich einen anderen Partner sucht. Aber der denkt sich, wenn er selbst nie was ansagt und immer brav mit dem Windows mitspielt, gewinnt er auch immer. Soviele von uns gibt es ja leider nicht mehr, als daß man sich seine Schnapspartner groß aussuchen könnte. AS: Der BeOS spielt nie mit? AO: "Die" BeOS! Das erste weibliche Betriebssystem. AS: Öha, das hab ich nicht gewußt! Wie kommt es dazu? AO: Die BeOS-Designer haben geglaubt, wenn sie einem Unix Arsch und Titten dranhängen, wird sich das toll verkaufen. Ziemlich billige Rechnung, wenn Du mich fragst. Mal davon abgesehen, hängt sie bloß nur herum und wirft uns allen vor, daß wir arrogante Machos sind und sie immer ignorieren, weil sie eine Frau ist. Dabei waren wir anderen vorher nicht einmal männlich, da hieß es immer "das" AmigaOS, "das" MacOS usw. Auf die Idee, daß keiner mit ihr was zu tun haben will, weil sie blöd ist und einen furchtbaren Mundgeruch hat, ist sie noch nicht gekommen. Außerdem legt sie sich mit jedem ins Bett. Zuerst mit dem MacOS, und jetzt geht auch sie mit den Wintel-Rechnern. Die totale Schlampe, sag' ich Dir. Bei der kannst Du Dir alles holen. AS: Jedenfalls scheint bei euch immer was los zu sein. Im Gegensatz dazu stehen die Programmiersprachen, mit denen bei Dir programmiert wird. Während auf allen anderen C++, Delphi und Java angesagt sind, wird bei Dir immer noch das Meiste in in C programmiert. AO: Was gegenüber BCPL und Assembler schon ein Fortschritt ist, oder? AS: Darüber könnte man jetzt streiten. Aber worauf führst Du es zurück, daß sich bei Dir eigentlich nie etwas anderes etablieren konnte als C? AO: Auf die Objekorientiertheit. AS: Aber C++ ist doch objektorientiert! AO: Der ZX 81 ist auch ein Computer. Die Sache ist, daß mit den dümmlichen statischen Konzepten von C++ bei mir nicht viel zu holen ist. Bei den Dingen, die in BOOPSI steigen, kommt die Dumpfsprache nicht mit. Da kann man sich dann sowieso nur mehr über wüste Typecasts reinretten, und das geht mit C genausogut. Nur ist bei letzterer im Allgemeinen der Compiler zuverlässiger. Bei Java sind wohl Sun-Männer selbst schuld: Zuerst stellen sie sich hin, schreien laut "Wir sind der Underground! Tut's Java-Programmieren, dann ärgert ihr die ganz bösen Microsoftis!" Danach gehen sie her und kümmern sich nicht um die echten Undergroundler, sprich Entwickler für AmigaOS, RiscOS oder meinetwegen auch die BeOS. Sogar für den MacOS gibt es nichts wirklich gescheites. Und dann zeig mir mal eine halbwegs verbreitete Programmiersprache, die sowas wie die Parameterübergabe in Taglisten von sich aus unterstützen würde? In der Hinsicht hat Java ja auch sämtliche Krankheiten von C++ geerbt. AS: Ok, ok, ich trau' mich eh schon nichts mehr sagen. Also lieber wieder etwas zu Deinem Privatleben: Du lebst jetzt schon längere Zeit in Österreich. Gab es da anfangs ein Sprachproblem? AO: Nicht wirklich, ich hab ja meine locale.library. Mit Deutsch kommt man schon einigermaßen durch hier, und den jeweiligen Dialekt lernt man schnell, da die Grammatik viel weniger schwachsinnig ist als die deutsche. AS: Können wir vielleicht einmal mit einer österreichischen Locale rechnen? AO: Wo denkst Du hin? Da müsste man ja für jedes dritte Seitental eine eigene machen! AS: Wie kommt es überhaupt, daß Du Dir ausgerechnet in Österreich ein kleines Landhaus gekauft hast, und Deine Therapie hier gemacht hast? AO: Das ergab sich so, weil der Psychiater, der meine Alkoholsucht behandelte, Österreicher ist. AS: Aber Du hast doch lange in den vereinigten Staaten gewohnt. Dort sind die Psychiater bekanntlich integraler Bestandteil des täglichen Lebens, so wie Briefträger und Taxifahrer. AO: Das schon, nur wird dort auch jeder Taxifahrer Psychiater, wenn ihm gerade einmal langweilig ist. Ich hab mir gedacht, ich will einen ordentlichen. Und die klassische Psychoanalyse ist zu einem großen Teil auf österreichischem Mist gewachsen, allen voran der alte Sigi Freud. Nicht zuletzt hat Österreich auch die höchste Selbstmordrate der Welt. AS: Was doch eigentlich gegen die hiesigen Psychiater spricht, oder? AO: Mitnichten! In einem Land wie diesem, wo es mehr Tote durch Selbstmord als Verkehrunfälle gibt, können sie doch jede Menge Erfahrung sammeln. Im Gegenzug sind ja z.B. auch österreichische Polizisten immer ganz begeistert von amerikanischen Ermittlungsmethoden. Kein Wunder, bei der Routine, die die dort aufgrund ihrer hohen Kriminalität haben. AS: Hm, da könnte was dran sein. Ich habe neulich wo gelesen, daß sie über dem Teich vor einiger Zeit die Gefängnisse privatisiert haben. Seitdem sind die dort der schnellstwachsende Wirtschaftszweig. AO: Siehst Du. Kann man übrigens Aktien für amerikanische Gefängnisse kaufen? Nur für den Fall, das ich auf meine alten Tage noch einmal schnell reich werden will? AS: Da bin ich jetzt überfragt. Wundern würde es mich aber nicht... AO: Jedenfalls kann man die Liste der Beispiele fortsetzen: So fördert schlechte Hygiene das Immunsystem, kulturelle Anspruchslosigkeit die Verkaufszahlen und finanzielle Armut die Hilfsbereitschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl. AS: Apropos Zusammengehörigkeit: Hast Du eigentlich den Eindruck, daß Deine Popularität durch Emulatoren wie UAE gestiegen ist? AO: Nein. Nur die von AmigaOS 1.3. Fanpost mit Damenunterwäsche kriege ich deswegen keine. AS: Und fürchtest Du, daß AmigaOS 4.0 bzw. 5.0 sie senken könnten? AO: Bwuahahaha, die sollen erst einmal kommen! Ich erinnere nur an den oft angedrohte AmigaOS 3.5. Joh wo issa denn? Gulli, gulli, draut a si nit ausischaun, hotta leicht Aunxt? Außerdem vertraue ich auf die Blödheit meiner Anwender. Es gibt ja heute noch viele, die mit AmigaOS 3.0 oder gar 2.0 arbeiten und dann die Programmierer nerven, warum irgendwas auf ihrem ach-gar-nicht-so-alten System nicht mehr rennt und komische Requester öffnet, die neuere Libraries verlangen. AS: Du meinst, ich sollte Dir zum Abschluß noch weitere fünf erfolgreiche Jahre als das aktuellste AmigaOS wünschen? AO: Genau das. AS: Ich danke lieber nur für das Interview. |
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