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Genetic Species - "Paradoom90 / 3D"Die Invasion der Doom-Clones hat auch auf dem Amiga längst begonnen. Dank ClickBoom dürfen wir uns nun sogar wie die Frösche in wilden Paarungszeiten benehmen und nach Herzenslust quaken - das allerdings nicht zu laut, damit sich der Nachbar nicht aufregt ;-) ... die Entwicklungen schreiten flink voran, die Engines verbessern sich rasant. Aber neben all der technischen Perfektion, die da angestrebt wird, dürfen auch der Spielspaß und die Innovativität nicht zu kurz kommen. Mit Wehmut denke ich da an die tollen Ideen von "Magic Chris", die bis dato noch immer nicht verwirklicht sind. Aber auch andere Softwarehäuser quälen sich und ihre Coder mit neuen 3D-Games und deren Verwirklichung. So hat zum Beispiel neuerdings auch Vulcan Software seinen eigenen potentiellen Hit veröffentlicht: Genetic Species! Die CD-Hülle verspricht bereits einiges: beispielsweise die schnellsten Texture-Mapping-Routinen, die es je in Amiga-Games gab! Auch die Systemanforderungen können sich sehen lassen: AGA, Harddisk, mindestens 68020, 8 MB Ram und ein 2x-CD-Rom. Schnellere Komponenten sowie Grafikkarten sind empfehlenswert. Wer über all dies verfügt, kann bedenkenlos die CD ein- und daraufhin loslegen! Es sind so manche Libraries zu installieren, was man bequemlichst mit dem Programm "usecdlibs" erledigen kann, und schon nach wenigen Sekunden ist das Game spielbar. Zunächst stelle man noch die passende Soundkonfiguration (von mindestens 50 verschiedenen - für jede Soundkarte sind mehrere dabei) ein. Zur Begrüßung darf man ein langes geniales 3D-Intro bestaunen (200 MB!), welches allerdings auf meinem 030/50er (ich bin bekanntlich ohne Gfx-Karten- und ähnlichen Schnickschnack unterwegs) quälend langsam dahinruckelte und zudem gelegentlich kleinere Grafikfehler aufwies. Noch habe ich nicht herausgefunden, woran das lag. Danach jedenfalls steht man bereits mitten im Spiel und kann sich bevor es richtig losgeht noch mit einigen Optionen spielen. Dies ist nämlich nicht ständig möglich, sondern lediglich, wenn man sich in eins der zahlreich herumstehenden "Cantex-Terminals" einloggt. Da wohl jedem das grundsätzliche Prinzip solcher Spiele bekannt sein dürfte, werde ich mich auf die Besonderheiten beschränken. Die besonderste Besonderheit ist besonders sonderbar :-) Der Spieler schlüpft nämlich in die Rolle eines "Bioshifters", das bedeutet im Klartext, er kann seinen Körper verlassen und in den eines Gegners schlüpfen. Das ist nicht nur witzig, sondern auch wichtig, denn verschiedene Kreaturen haben verschiedene Fähigkeiten und Eigenschaften. Mal ist man also ein fliegender Roboter, mal krabbelt man als Spinne am Boden, dann mimt man den Wachoffizier und dann wieder einen Wissenschafter. Das Körperwechseln geschieht mittels Aussenden einer Sonde, mit der man auch "um Ecken schauen kann". 5 Sekunden lang kann man das flinke Ding steuern, und wenn man einen Gegner anvisiert, so könnte es sein, daß man ihn übernehmen darf. Jeder der 16 verschiedenen Feinde ist aber unterschiedlich widerstandskräftig, und einige müssen erst betäubt werden. Dazu wiederum sind Betäubungsgranaten oder Taser vonnöten, aber auch allerlei Schießeisen, Preßlufthammer und zahlreiche andere grausame Waffen stehen zur Verfügung. Alle haben sie unterschiedliche Eigenschaften, zu denen sogar die Lautstärke gehört. Die Gegner besitzen nämlich eine recht komplexe und wahrlich intelligente Künstliche Intelligenz und reagieren unter anderem auch auf Schußgeräusche. Organisierte Angriffe oder das Herbeiholen von Hilfe sind also keine Seltenheit! Wie gut, daß man zeitweise abspeichern kann, nämlich durch das Absetzen von vorher aufgesammelten Speicher-Pods (welche also mit Sorgfalt zu verwenden sind). Leider kann man insgesamt nur 3 Gegenstände transportieren, was das Ganze ein wenig schwieriger macht. Auch diverse Keycards und ähnliche Nützlichkeiten gehören nämlich neben der Bewaffnung zum mitzuführenden Repertoire. Aber immerhin sind die Levels bilinear aufgebaut, das bedeutet, es gibt im Grunde einen ganzen Haufen Lösungswege, nicht bloß einen einzigen. Und logisch sollen diese "Plots" auch sein - naja, wär´ ja auch ein bißchen blöd, wenn sich alles auf total absurder Unlogik begründen würde! Einige sonst teils bereits gewohnte Features sind in diesem Spiel leider nicht vorhanden. So kann man nicht zum Boden oder zur Decke schauen, nicht springen, und soweit ich gespielt habe, sind auch Schweben / Fliegen und Schwimmen / Tauchen unmöglich. So gesehen ist die grundsätzliche 3D-Engine zwar schnell, aber auch etwas "primitiver" als manche andere. Ziemlich schade eigentlich, denn das Spiel wartet im Gegenzug, wie bereits erwähnt, auch mit einigen sehr guten Ideen auf! Aber man kann ja nicht alles haben - eine komplexere Engine würde das Spiel wohl stark verlangsamen, und dann wäre es vielleicht sogar auf meiner Kiste unspielbar, was auch wieder schade wäre. Weiters fehlt zumindest bis dato die Möglichkeit, im Netz gegeneinander oder gemeinsam zum Kampf anzutreten, und es scheint dieses Feature auch nicht geplant zu sein. Aber die Möglichkeit, Add-Ons zu installieren, besteht grundsätzlich, und wer weiß, was uns noch alles an Extras beschert werden wird! Zur Präsentation des Spiels sind noch einige Worte vonnöten. Die Grafik reicht je nach Konfiguration und Einstellungen von mittelmäßig bis ausgezeichnet. Die Geschwindigkeit ist wie gesagt sehr hoch, was vor allem die "ärmeren" Amigianer erfreuen dürfte. Der Sound präsentiert sich in recht hochqualitativem Stereo-Surround mit Unterstützung von AHI und allen möglichen Soundkarten, gewürzt mit 30 Minuten langen atmosphärischen CDDA-Tracks, die interessanterweise seltsam knistern - entweder sind sie tatsächlich fehlerhaft oder in meinem Zimmer spukt es! :-) Das Manual ist auf der CD in 16 Sprachen inkludiert - zwar nicht übermäßig ausführlich, aber alle wesentlichen Dinge sind mehr als ausreichend erklärt. Alles in Allem bietet Genetic Species also ein sehr interessantes Doom-ähnliches Spektakel, welches technisch zwar teilweise nicht so perfekte Schmankerln aufweisen kann, wie manche Konkurrenztitel, aber dafür durch schnelle Routinen und so manche eigene Idee punktet. Ich kann daher zumindest das Saugen & Spielen einer Demoversion wärmstens empfehlen - auch ein sofortiger Kauf wäre sicherlich nicht verkehrt! Also nix wie hin zum Hörer, Point Design anrufen und ein Exemplar bestellen ;-)
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