Im Frühjahr 1997 war ich wieder relativ aktiv in meiner Stamm-Mailbox und so lernte ich durch puren Zufall Andreas Schlick kennen. Ein kleiner Disput zu einer Reihe allgemeiner Themen und natürlich zu unser beider Computersystem Amiga entspann sich.
Die Situation des Amiga erschien wieder einmal/immer noch als sehr unsicher, die Qualität der Printmagazine auf dem Zeitschriftenmarkt hatte sich inzwischen rapide verschlechtert, baldige Einstellung von Titeln sollte folgen. Auch auf dem Diskmag/Online-Magazin-Sektor sah es nicht rosig aus, neben zu diesem Zeitpunkt (meiner Meinung nach) wenig qualitativ gutem, gab es hauptsächlich Magazine, die Nachrichten und Pressemitteilungen der letzten Zeit gebündelt verbreiteten.
Schon der Nährboden für eine neue kostenlose Online-Zeitschrift, ging es mir im Kopf umher, aber der Aufwand, den ich relativ realistisch einschätzte, ließ mich zögern, den Gedanken zu Ende zu denken. Andreas Schlick jedoch machte einen frischen, begeisterungsfähigen Eindruck (oh je, wenn er das jetzt liest! :) - und ich sprach ihn einfach mal an, was er dazu meine.
Er machte aus der Anfrage später mal einen Cookie:
---Wie man sieht, könnte ich mich jetzt (allerdings ein bißchen spät) herausreden, daß alles nur ein Aprilscherz gewesen sei. ;)
Tatsächlich reagierte er so, wie ich es mir vielleicht (unbewußt?) erhofft hatte:
Er schrieb mir eine lange Antwort mit Vorschlägen, wieviel Leute man bräuchte, was die tun müßten usw., sicherte mir Unterstützung zu, dabei einschränkend, daß er dabei nicht wirklich voll mitmachen könne.
Andreas Schlick:
"So nun habe ich dich vermutlich gleich mit meiner Antwort erschlagen. :)
Aber es ist halt gefaehrlich, sowas in meiner Naehe vorzuschlagen. :)"
Gregor Franz:
"Das hab ich mir schon gedacht. Deshalb hab ichs ja gemacht. :)"
Andreas Schlick:
"Da ich mir wahrscheinlich (nicht ganz beabsichtigt) noch einiges an
anderer Arbeit aufgehalst habe (wird noch nicht verraten), werde ich
zwar keine grosse Unterstuetzung sein, aber vielleicht eine kleine. :)"
Gregor Franz:
"Wie gesagt, ich bin mir noch nicht sicher. Ich habe mir eigentlich
vorgenommen ewas anderes Groesseres zu machen. Da muss man vorher schon
genau abschaetzen, wieviel Zeit investiert werden muesste und ob das
machbar ist, damit es keine kurzlebige Sache wird. Das waere dann auch
sinnlos."
Das überzeugte mich schließlich. Ich dachte mir den Namen aus, der an die Bezeichnung diverser deutscher Tageszeitungen ('Der Generalanzeiger') angelehnt ist und durch die variierte erste Silbe den Amiga integriert. Dann erstellte ich ein Konzept im AmigaGuide-Format, und überzeugte Andreas, doch als Redakteur mitzumachen. Er sorgte dann für die Konvertierung vom AmigaGuide in das HTML-Format, so daß wir von Anfang an gleichzeitig beide Versionen im Aminet verbreiteten und die HTML- Ausgabe zusätzlich im WWW präsentierten.
Vorher kam aber erst noch ein Aufruf in unsere zukünftige Support-Mailbox, der leider keine allzugroße Wirkung zeigte. Trotzdem machten wir unverdrossen weiter und glaubten an das Projekt.
Im Juni 1997 erschien dann schließlich der erste AmZeiger, auch heute noch erfreulicherweise 'kompatibel' mit den aktuellen Ausgaben - das heißt, daß Konzept erwies sich als für die Zukunft tragfähig und brauchte nur erweitert, aber nie umgeworfen zu werden. Im Wesentlichen war diese Ausgabe noch von Andreas und mir bestritten worden. Andreas als HTML- Redakteur und ich als Herausgeber und Chefredakteur sorgten beide für die ersten Artikel, wobei klar war, daß wir für die Zukunft weitere Mitarbeiter gewinnen mußten, um den AmZeiger auf längere Sicht am Leben zu halten. Er sollte keine Ein-Ausgaben-Fliege ;) werden.
Die Reaktionen, die wir bekamen, waren ausgesprochen positiv, erste Kontakte wurden geknüpft und die Arbeit an der zweiten Ausgabe begann.
Was sollte den AmZeiger von anderen Online-Magazinen unterscheiden, die schon existierten?
Folgende Punkte schwebten mir vor und die künftige Redaktion konnte sich damit identifizieren:
Die Realisierung einiger dieser Punkte läßt sich schon durch Augenschein leicht überprüfen. Ob wir auch z.B. vom Inhalt her, den selbstgestellten Forderungen gerecht wurden und werden, müssen Sie entscheiden.
Über die Ausgaben gelang es, neben dem gelegentlichen Unterbringen einzelner Artikel von freien Mitarbeitern, vor allen Dingen einen kleinen verläßlichen Stamm von Redakteuren aufzubauen. Eine ellenlange Liste mit Leuten, die nichts oder selten etwas tun, konnte nicht das Ziel sein. Die Veränderungen in der Redaktion erfolgten bis jetzt glücklicherweise sanft und stetig.
Das war eine bzw. die Voraussetzung dafür, daß auch der AmZeiger selbst kontinuierlich wuchs und auch neue Rubriken aufgenommen wurden. So die Coder's Corner, die sich speziell an Programmierer wendet oder zuletzt ein großer Public Domain-Bereich. Mit Hilfe unter anderem eines Maskottchens, dem AmZeigerchen, hat sich auch das Design verbessert.
Wenig später kreierten wir einen Award, einen Preis, der an Produkte vergeben wird, die in unseren Tests die Noten 1 und 2 ('Sehr gut' und 'Gut') erreicht haben.
Unsere kritisch/sachliche Einstellung zu Tests hat auch einmal zu einem kleinen Streit mit einer Firma geführt, die ein spezielles Programm in Deutschland vertreibt. Die meisten anderen 'Betroffenen' reagieren aber auch auf Kritik positiv.
Ausdruck auch für unseren Erfolg im Bereich des Lektorierens und des Heranführens von freien Autoren an unseren Standard, war auch die Anfrage eines Printmagazins (also im Zeitschriftenhandel erhältlich) zum Nachdruck eines Artikels.
Mit Hilfe einer kürzlich eröffneten aktuellen Info-/Gerüchte-/Meckerseite (ALF - das AmZeiger-LeserForum, die öfter einmal geupdatet wird, wollen wir den vierteljährlichen Zwischenraum zwischen zwei Ausgaben ein wenig füllen und die Statik unseres Webangebotes währenddessen etwas aufweichen.
Noch mehr Nähe zu Lesern, durch deren Vorschläge, Kritik oder Fragen, soll eine Mailingliste fördern helfen, das AmZeiger-InfoNetz. Auch für Diskussionen und zum Erfahrungsaustausch kann sie genutzt werden.
Sie steht in den Sternen, aber wir werden den Amiga (jedenfalls den, der sich durch das AmigaOS definiert) sicher noch eine Weile begleiten.
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