Noch nie war es so deutlich, daß Verbraucherschutz und Kundenfreundlichkeit so weit auseinanderliegen, wie zur Zeit. Zuerst wurde der "Tomorrow"- Pauschaltarif für Surfer (77 DM/Monat) durch die Verbraucherschützer gekippt. Zwar mit der durchaus richtigen Begründung, durch die Unterkapazitäten kann nicht jedem Surfer der Zugang auch gewährt werden, aber schließlich regelt sich der Markt doch selbst. Schlechte Verbindungen führen dazu, daß weniger Leute an dem Angebot interessiert sind, also wird der Andrang geringer, die Verbindungen wieder besser.
Dann bremst AOL die Telekom aus, die Ortstarife endlich, zum ersten Mal in der Geschichte der Deutschen Telekommunikation, billiger machen will. Der anvisierte Preis von 3 Pf/Minute sei nicht kostendeckend und somit Dumping, meint AOL. Die restlichen Telefongesellschaften sehen das Abwürgen des verbraucherfreundlichen Tarifs als positive Entscheidung, obwohl sie doch fast alle die Ortsleitungen von der Telekom leasen müssen! Damit geben sie leichtfertig ein Druckmittel auf die Telekom aus der Hand, das ihnen günstigere Leasinggebühren bescheren könnte.
Auf jeden Fall wird wieder einmal deutlich, daß der Kunde keinerlei Möglichkeiten hat, die Wirtschaft zu beeinflussen. Wenn es um den Gewinn geht, ist die Freundlichkeit wie weggeblasen, dann zählt nicht mehr der Kunde, sondern nur noch die Geschäftsbilanz.
Tatsächlich ist es schon seltsam. Eigentlich dachte man, die Sache sei klar: Buhmann ist immer der Monopolist Telekom! Durch die marktbeherrschende Stellung des Unternehmens und dem daraus resultierend möglichwerdenden Diktat der Preise, würden sich selbige kaum schnell verringern, bevor nicht irgendwann langsam (im Ortsbereich noch viel langsamer) erwachsende Konkurrenz genügenden Druck in diese Richtung aufbauen würde.
Jetzt, wo erstmals nach der grauenhaften 'Tarifreform' die nach der Telekom-Privatisierung die Preise erhöhte, eine Preissenkung im Ortsnetz durchgesetzt werden sollte, machen die hierzulande übliche Bürokratie und die Konkurrenz selbst dies unmöglich - Marktwirtschaft?
Davon abgesehen ist die, für diese Entscheidung hauptsächlich verantwortliche 'Regulierungsbehörde', die ja schon einige Beschlüsse gefaßt hat, die die Konkurrenz tatsächlich benachteiligen, offenbar nicht schlagkräftig.
Dies verwundert auch kaum, wenn man weiß, daß es sich dabei nur um den Telekommunikationszweig des ehemaligen Postministeriums handelt, das, nach einer reinen Umetikettierung, den vorherigen wohlkannten Kollegen den Arbeitsplatz erhält, der durch die Privatisierung von Post und Telekom wegzufallen drohte. Nicht umsonst gab es bereits seit der 'Gründung' dieser Behörde heftige Differenzen mit dem Bundeskartellamt.
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