"Change Of Heart"

von
Gregor Franz

Hierbei handelt es sich um das Debüt der gleichnamigen britischen Band "Change of Heart". Auf dem Cover springt gerade, irgendwo in rötlichen Wolken, eine Frau mit einem Hechtsprung durch eine quadratische Fläche, auf der sich Wasserringe abzeichnen. Das Booklet macht einen schlichten Eindruck, es sind aber zumindest alle Texte verzeichnet.

Das wichtigste ist natürlich die Musik. Und mit "Sweat It Out" beginnt das Album schon einmal sehr flott. Wunderbar melodischer Rock mit einer gefälligen Liedstimme und einem reichhaltigen Sound, bei dem besonders der markante Einsatz von Keyboards auffällt. Gitarre und Schlagzeug kommen natürlich auch nicht zu kurz.

"The Fire Is Gone" beginnt ruhiger, ist wieder mit einer sehr eingängigen Melodie ausgestattet und relativ schnell. Neben dem, offenbar für diese Gruppe stehenden, virtuosen Einsatz von Keyboards und gutem Gesang, fallen das `sich Zeit nehmen` für kurze Instrumentalvariationen und der gelungene Hintergrundgesang auf. Den Schlußakkord setzt hier eine Akustikgitarre.

"A Place In Your Heart" ist eine Midtempo-Ballade, die sehr gelungen ist. Ein prima Gitarrensolo beginnt wieder eine gute Instrumentalsequenz, die keine langweilige Abfolge `Strophe, Refrain, Strophe, Refrain` zuläßt. Die Zuversicht, die der Text ausstrahlt, beginnt auf den Zuhörer überzugehen.

"When It`s Love" ist wieder ein eher schnellerer Titel, der beim Kehrreim mitreißt und ebenfalls mit dem eigentümlich keyboardbeeinflußten Sound begeistert, da merkt man wie dieses Mittel von vielen Gruppen schändlich vernachlässigt wurde. Hintergrundgesang und Liedstimme spielen sich außerdem die `Bälle` gekonnt zu.

"Someone Else" ist etwas Spezielles. Als langsamer Titel, mit besonders intensivem Gesang vorgetragen, folgt er nicht dem gewohnten Schema, denn er hat keinen Refrain und der Text wiederholt sich überhaupt nicht.

Es dreht sich um eine Frau, die gegangen ist, aber niemals zurückkehren wird. Hat `er` sie in den Selbstmord getrieben, war es ein Unfall...?

" They said the body was hers
But I swore it couldn`t be
Because I saw her tonight
And she was just as alive as you and me "

Der Schmerz wird förmlich spürbar. Enden tut der Song mit einer langen Instrumentalsequenz, die immer neue Variationen im Klang aufzeigt und einfach nicht langweilig wird. Phantastisch!

"Always Be The One" ist wieder ein Titel, der Lebensfreude vermittelt und Spaß macht. Etwas zum richtig mitgehen.

"Until The End Of Time" wird von etwas getragenerem Tempo bestimmt, klingt nachdenklicher. Eine schöne Ballade!

"Don`t Walk Away" ist einer meiner Lieblingstitel, wegen seinem so markanten, einzigartigen Sound. Melodie, Stimme und Instrumente vereinen sich zu einer unbeschreiblich gelungenen Mischung. Der Song ist ruhig, verkörpert aber eine unterdrückte, von innen kommende Kraft. Die Endsequenz, wieder nur mit Instrumenten vorgetragen, findet bis zum immer leiser werdenden Schluß ständig neue Variationen des Grundthemas.

Mit Gitarrenklängen beginnt "All I Need" und ist vordergründig nicht dem von den anderen Titeln gewohnten Stil unterworfen, weist mehr Klavierklänge auf und wirkt sehr beschwingt.

In "Stranger" wirkt die eigentlich bekannte Stadt, die so gut bekannten Straßen und Plätze auf den Mann, der sie betritt, plötzlich anders. Alles erinnert ihn an die, mit der er hier war und die ihm jetzt fehlt. Er fühlt sich wie ein Fremder. Diese Gefühle wurden hier in Musik gekleidet und sind kongenial umgesetzt worden.

"Somebody To Love" ist wieder eine etwas typischere Ballade, die dazu aufruft, gewisse Entscheidungen zu überdenken.

Fazit:

Ein beeindruckender Erstling der neuen Gruppe, der auch für die Zukunft neugierig macht. Der sehr eigenständige, ausgereifte Stil, eine Geschlossenheit des Albums zur Einheit und nicht zuletzt der beeindruckende, nicht langweilig werdende, variable Sound, machen dieses Album für mich zu einer der besten Neuerscheinungen der letzten Zeit.

© 1998 Escape Music Ltd., Vertrieb in Deutschland durch Point Music.


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