Auf dem Cover der amerikanischen Gruppe prangt ihr Logo und das aufwendig gestaltete Booklet enthält alle Songtexte und Fotos der Bandmitglieder. Äußerlich also bereits ein guter Auftakt.
Den Bandleader Jean Beauvoir kann man wohl zu Recht als Multitalent bezeichnen, da er nicht nur alle Songs geschrieben (vier davon zusammen mit Ko-Autoren), produziert und arrangiert hat, sondern auch den Lied- und einen Teil des Hintergrundgesangs übernimmt, sowie Keyboard, Rhythmus- und Liedgitarre spielt.
Trotzdem handelt es sich bei 'Crown of Thorns' um keine Einmann-Band! ;) Tommy Lafferty, Michael Paige und Hawk Lopez sorgen für weitere Gitarren-, Bass-, Schlagzeug- und Hintergrundgesangs-Unterstützung.
Los geht es im Titelsong "Lost Cathedral" mit langsamen Klängen und u.a. Glockentönen, dann setzen etwas härter die Gitarren ein und dann Jeans Gesang. Insgesamt ein etwas düsteres Midtempo-Stück mit einer hartrockigen Gitarreneinlage in der Mitte und einem melodischen Refrain.
"Live and Die" beginnt wieder langsam, sehr melodisch mit langsam einsetzendem Hintergrundgesang, der den Kehrreim vorwegnimmt. Auch dieser Titel klingt eher dunkel, nachdenklich - läßt sich Zeit in seiner Entwicklung. Die Instrumentierung erscheint sehr ausgewogen, der Sound ist angenehm klar.
"Motorcycle Loretta" startet erneut mit einer Instrumentalsequenz und dann mit dem verhalten wirkenden Gesang von Jean Beauvoir. Der Sound läßt die Motorradfahrt gut erahnen. Wie schon in den anderen Titeln sind Variationen und Instrumentalsequenzen in den 'Standardablauf' eingeflochten worden, die keine Langeweile aufkommen lassen.
Mit den Klängen einer Akustikgitarre vor Sphärenklängen beginnt "Lyin'", bevor treibend eine weitere Gitarre einsetzt und die Stimmung verändert. Voller unterdrückter Emotionen berichtet der Sänger vom Leben mit seiner Partnerin, die ihn ständig ins Gesicht gelogen und ihm nur etwas vorgespielt hat. Der harte Bruch zwischen melodischem Refrain mit seinem passendem Background-Gesang und dem darauf folgenden Gitarreneinsatz, ist durchaus sehr reizvoll und auch zu dem sanften Anfangsthema wird wieder zurückgekehrt.
"Free Me" ist einer meiner Favoriten. Leise Sphärenklänge leiten langsam zu einer phantastischen, ruhigen Instrumentalsequenz über, in der man sich fast verlieren könnte. Aber dann fügt sich die Stimme in dieses vollkommen erscheinende Klangmuster ein, beides bildet zusammen eine Einheit. Treibender, auffordernder wird schließlich der Kehrreim, der 'Sie' auffordert, 'ihn' endlich freizugeben, nachdem er schon am Boden liegt. Platz für Variationen wird natürlich auch diesem Titel eingeräumt, der kraftvoll ausklingt.
"Greed of Love" wirkt wieder etwas düsterer. Die härteren Klänge werden durch den witzig wirkenden `hohen` Hintergrundgesang (laut Text der `Jungfrauen-Chor`) etwas relativiert. Eine Liebe hielt nicht das, was sie verprach.
" Well it seems what I've been dreamin'
Well has somehow turned to hell
And I`m left with just this story
That I can tell "
"Cold Blooded Bitch" ist der erste etwas konventionellere Titel, was den Aufbau anbelangt. Zwar mit einer druchgängig etwas höheren Gangart ausgestattet, ist er doch etwas langweiliger, als die anderen.
Dafür ist "End of the Road" mehr als eine gute Entschädigung. Der Song beginnt wieder sehr langsam und sehr ruhig - ist vielleicht am ehesten eine Ballade (von einer unglücklichen Liebe), wie man sie sich vorstellt. Der Refrain ist kraftvoll und schnell und auch die Strophen danach werden eindringlicher vorgetragen. Die Melodie klingt auch nach dem Songende in einem nach.
"Although We`re Fools" ist der einzige komplette Auseißer nach unten. Er ist hart und unmelodisch. Seltsamerweise gilt das nicht für den sehr melodischen Refrain, der den Song natürlich trotzdem nicht retten kann. Der Titel wurde allerdings auch als Bonussong gekennzeichnet.
"Wasted Prime" ist eine softe Ballade, die ganz gut klingt, aber nicht den überdurchschnittlich hohen Standard der vorhergehenden Songs erreichen kann.
"Hell of a Night" ist von Beginn an schnell. Das besondere an ihm ist, daß der komplette Gesang Background-like mit mehreren Stimmen vorgetragen wird, auch wenn die Liedstimme etwas hervorsticht. Ansonsten ein `jetzt aber raus in die Nacht und die Stadtszene erobert`-Song.
"If You Need Me" ist der zweite Bonustitel und gleichzeitig der letzte überhaupt auf dem Album. Eine relativ `normale`, eine Idee zu weiche Ballade - nicht herausragend, aber ein versöhnlicher Abschluß der CD.
Für mich ist "Lost Cathedral" insgesamt ein sehr interessantes Album, daß trotz einzelner Titel, die den Gesamteindruck etwas schmälern, eine sehr spezielle Note hat. Gerade die etwas düsteren, sehr gut arrangierten Titel, mit ihrem Gegensatz zwischen aufwendiger Melodik und Passagen mit harter Instrumentierung, wissen zu gefallen. Mit oftmals über fünf oder sechs Minuten Laufzeit läßt sich die Gruppe angenehm viel Zeit für ausgeprägte Instrumentalsequenzen und viele Variationen.
(P) & © 1998 Voodoo Island Productions, Vertrieb durch Frontiers Records, ca. 33,- DM
![]() |
Inhaltsverzeichnis | ![]() |
| © `99 Der AmZeiger | ||