Cyndi Lauper war in den 80ern so etwas wie eine Madonna auf höherem musikalischem Niveau. Ihre damaligen Hits "Girls just want to have fun", "True Colors" (wurde vor kurzem von Phil Collins grauenhaft gecovert), "She Bop" und "Time after Time" sind einem sicher aus dem Radio bekannt.
"She Bop" verursachte auch einen ziemlichen Skandal, weil es in dem so harmlos klingenden Lied um nichts anderes, als um Selbstbefriedigung geht. In den frühen 90ern wurde es ein bißchen ruhig um sie, bis sie sich 1997 mit dem grandiosen Album "Sisters of Avalon" zurückmeldete, das auch prompt ein Hit wurde.
Beginnen wir beim Booklet: Stimmungsvolle und sorgfältig ausgesuchte Landschafts- oder Detailaufnahmen untermalen ihre Songtexte, die es übrigens wert sind, gelesen zu werden. Das waren sie schon in den 80ern, als Madonna noch etwas von "Everybody" & "Shubidu" etc. vor sich hin brabbelte.
Der Stil läßt sich irgendwie zwischen gutem Pop und Ethno einordnen. Oder einfach nur guter Pop mit teilweise recht starken Ethnoeinflüssen? Naja..
Gehen wir jetzt einfach mal die Tracks der Reihe nach durch.
1. "Sisters of Avalon"
Cyndi beschwört die mystische Frauengemeinschaft. Gute Melodie, insgesamt eine gute Nummer.
2. "Ballad of Cleo+Joe"
Diese Nummer hat einen starken indischen Touch. Cyndi erzählt die Geschichte eines Mannes (Joe) der gerne Frauenkleider anzieht, um Cleo zu sein. Sie selbst outete sich in einem Interview als Fan von solchen "Drag Queens" und deren Shows.
3. "Fall into your dreams"
Ein Liebeslied in ihrem üblichen leicht traurigen Stil, der meistens davon charakterisiert wird, daß man sich komplett in jemand anderem verliert.
4. "You dont know"
Diese Nummer gefällt mir zusammen mit der Fünften am Besten. Cyndi kritisiert sogenannte Mitläufer, die einfach das nachplappern, was irgend jemand anderer gesagt hat und selbst nicht nachdenken. Grandios.
5. "Love to hate"
Sicherlich die mitreißendste Nummer, die schon eher in die Richtung Hardrock/Heavymetal geht, aber natürlich auf Cyndis Art. Wenn man einen Haß auf jemanden hat, ist diese Nummer dafür die richtige Hintergrundmusik.
" I love to hate you Its not just the clothes that you wear or the way you do your hair its just you. "
6. "Hot gets a little cold"
Eine melancholische Nummer über Enttäuschung und Unsicherheit in der Liebe.
7. "Unhook the stars"
Irgendwie auch in derselben Richtung, schon leicht depressive Enttäuschung und das restliche Programm...
8. "Searching"
Wie jedes ihrer Lieder eine kleine psychische Studie, diesmal um eine Person, die verzweifelt (und jetzt kommt die Überraschung:) nach etwas in ihrem Leben sucht.
9. "Say a prayer"
Auch etwas in dieser Richtung (beginne ich mich zu wiederholen?). Der Stil von Cyndis Texten ist halt so schwer zu beschreiben.
10. "Mother"
Ein Hymne an die große Mutter, also so in die Richtung der großen Müttergöttin, womit sich wieder der Kreis in Richtung Avalon schließt.
11. "Fearless"
Die übliche Psychostudie über eine Person, die sich vorm Verlassenwerden fürchtet.
12. "Brimstone and Fire"
Ahh, und als Krönung des ganzen das lesbische Liebeslied, denn auf fast jedem ihrer Alben ist eines, da ihre Schwester lieber Frauen hat und Cyndi wohl deshalb auch bei ihren Hörern mit Vorurteilen aufräumen will. Diesmal geht es um Frauen, die im Waschsalon miteinander flirten. Tolle Nummer.
Insgesamt also ein Album, das man genauso wie jedes andere von Cyndi Lauper, nur wärmstes weiterempfehlen kann. Letzte Weihnachten kam übrigens ihr neuestes Album heraus, "Merry Christmas...have a nice life", auf dem sie ein paar traditionelle oder selbstverfaßte Weihnachtslieder zum besten gibt.
Mehr über sie, ihre Pläne für ihr neues Album und die Möglichkeit, ihr ein Mail zu schreiben, gibts auf ihrer Homepage http://www.House-of-Cyn.com/.
© by Sony Music, 1997; ca. 33,- DM
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