[Statt der ursprünglichen drei werden es doch vier Teile; d.Chefred.]
Für diesen Kurs sind vier Teile geplant:
Qual der Wahl?
Haben Sie sich für eine Netzwerkhardware entschieden, stehen Sie vor dem Problem, sich eine Software auszusuchen, besser gesagt, ein Netzprotokoll. Wie in der letzten Folge zur Netzhardware schon angesprochen, gibt es für die reinen Amigalösungen zum Teil eigene Protokolle. Das ist spätestens dann nutzlos, wenn Sie andere Rechnertypen, wie Mac und PC, in Ihr Netzwerk mit einbinden wollen.
Andererseits haben Sie es mit der Software auch recht einfach. Denn im Grunde genommen gibt es nur ein einziges Protokoll, das von allen Rechnern auf jeden Fall verstanden wird: TCP/IP - das Internet(working)-Protokoll. Sogar Microsoft mußte das nach dem verpennten Internetboom einsehen und installiert mit Windows 98 TCP/IP als Standardprotokoll, nicht mehr das (proprietäre) NetBEUI, wie noch unter Windows 95.
Glück gehabt
Fast schon unglaublich ist die Auswahl der TCP/IP-Stacks für den Amiga. Neben dem Pionier AmiTCP (neuerdings GENESiS genannt) gibt es noch den AS-225, besser bekannt als Surfer-Kit von Commodore/Amiga Int. Und natürlich Miami, bzw. MiamiDeluxe. Als Vertreter der Randgruppen möchte ich noch Termite-TCP nennen, habe es aber noch nie wirklich im Einsatz gesehen.
Die weitaus meisten User dürften heute Miami oder GENESiS benutzen, also werde ich mich im folgenden auf diese beiden konzentrieren.
Sinn und Zweck
Wozu braucht man eigentlich einen TCP-Stack? Haben Sie Ihre Rechner über die serielle Schnittstelle verbunden, würde natürlich auch ein einfaches Terminal wie Term oder Microdot ausreichen, um Daten auszutauschen. Aber es wäre doch viel schöner, z.B. die Festplatten der jeweiligen Rechner für alle anderen verfügbar zu machen. Das geht mit Terminalprogrammen natürlich nicht, oder nur in eine Richtung (z.B. mit PC2AM).
Damit ein Hard- und Software-unabhängiger Datenaustausch möglich ist, gibt es eine Protokollebene, den TCP-Stack, der im Grunde nur einzelne Datenpakete zwischen den beteiligten Rechnern vermittelt. Es erfolgt grundsätzlich keine Interpretation der ausgetauschten Daten, dafür sind die User-Programme, die sogenannten Clients, zuständig. Doch dazu in der nächsten Folge mehr.
Hausnummern
Damit der TCP-Stack weiß, von welchem Rechner Daten ankommen und an welchen Rechner sie zugestellt werden sollen, gibt es sogenannte IP-Adressen. Sie haben solche Zahlen-Punkt-Kombinationen vielleicht schon gesehen: 127.0.0.1 wäre ein Beispiel.
Bauen Sie ein Netz mittels TCP/IP auf, so muß jeder Rechner eine eindeutige Adresse haben. Solange Sie nicht aufs Internet zugreifen, das dasselbe Protokoll verwendet, können Sie fast beliebige Kombinationen verwenden. Sie brauchen nur vier Zahlen, getrennt durch einen Punkt. Die Zahlen dürfen Werte von 0 bis 255 annehmen. Nur die vierte Zahl darf nicht 0 oder 255 sein, da diese Werte reserviert sind. 0 bezeichnet ein ganzes Unternetzwerk, und 255 die sogenannte Broadcast-Adresse, für Nachrichten an alle Rechner im Netz.
Hat aber einer der Rechner einen Internetanschluß, müssen Sie IP-Adressen aus den für private Zwecke reservierten Bereichen nehmen, also eine 10.x.x.x oder eine 192.x.x.x IP. Der Grund ist leicht einzusehen: Das Internet ist ein permanentes, öffentliches Netz, in dem eine IP genau einem Server gehört. Vergeben Sie eine öffentliche IP an einen Ihrer privaten Rechner, dann landen sie auf Ihrem eigenen Computer, statt beim Internetserver.
Damit Sie es einmal gehört haben: Es gibt sogenannte Klasse A-, B-, und C- Netze. Ein A-Netz (192.x.x.x) kann über 16 Millionen Rechner (oder Zugänge zu anderen Netzen!) enthalten. Ein B-Netz (192.168.x.x) enthält demzufolge über 65000 IPs, ein C-Netz (192.168.1.x) noch 254 nutzbare IPs, was normalerweise für Zuhause gut ausreicht.
Noch ein Hinweis: Windows bockt manchmal, wenn eine IP eine Null enthält, z.B. bei 192.168.0.1
Auskunft
Der TCP-Stack ist also dazu da, zwischen den einzelnen Rechnern zu vermitteln, aber auch zwischen Rechnern und anderen Netzen, wie dem Internet. Außerdem kann jeder Rechner Services anbieten, also anderen Rechnern Methoden zum Zugriff auf den eigenen Rechner bieten. Dies läuft über Ports, an denen verschiedene Serverprogramme ihre Dienste anbieten, z.B. benutzt ein Browser normalerweise den Port 80, um einen HTTP-Webserver anzusprechen, der genau auf diesem Port läuft, quasi an dieser Leitung lauscht, ob jemand eine Webseite anfordert. Dabei sind die Ports aber nicht fest gebunden, es könnte genauso gut jemand einen Server auf Port 2000 oder sonstwo laufen lassen. Das ist aber wieder ein Thema für die nächste Folge.
Wichtig ist hierbei das Zusammenspiel von Services, das die Ports reserviert, und InetD, das die Server auf den Ports laufen läßt. InetD ist der "Internet-Dämon", ein Programm, das bei Anfragen an einem Port den zugehörigen Server startet. Beide, Miami und GENESiS, bieten dazu eine grafische Benutzeroberfläche. Unter Unix (NetBSD, Linux) hingegen muß man mit ASCII-Konfigurationsdateien jonglieren. Auch Windows 95 und 98 verstecken ihre Serverfähigkeiten sehr gut vor dem Anwender, denn es gibt ja Windows NT, das Microsoft für Serverzwecke verkauft...
Luxus für alle
Hat also jeder Rechner eine eigene IP, sind alle Standardports eingerichtet, kann man die Internetprogramme, die man normalerweise nur fürs Internet benutzt hat, auch im privaten Netzwerk (LAN - Local Area Network) verwenden, z.B. FTP oder Browser - vorausgesetzt, es läuft ein Server dafür auf dem angesprochenen Rechner. Hier ist GENESiS Miami wesentlich voraus, ein Glück nur, daß Miami auch die Server des alten AmiTCP benutzen kann, so daß man hier von den freigegebenen AmiTCP- Versionen "klauen" kann.
Sicherheit
Ein weiterer Zweck des TCP-Stacks ist die Verwaltung von Usern und Gruppen. Eigentlich gehört so eine Funktionalität in das Betriebssystem integriert, aber nur Unix und Windows NT haben es auch dort. Der Nutzen der Useridentifikation ist die Systemsicherheit: Man kann Dienste z.B. nur an ganz bestimmte User oder Usergruppen freigeben, oder andersherum, Zugriffe von unerwünschten Usern unterbinden. Miami nimmt diesen Teil etwas lockerer, GENESiS hat eine komfortablere Userverwaltung. Allerdings ist dazu zu sagen, daß das Amiga-Betriebssystem eben KEINE Sicherheit über User/Gruppen zuläßt. Man benötigt zusätzliche Programme, wie z.B. das Multi-User-Filesystem.
Viel wirkungsvoller kann man sich schützen, indem man einzelne Ports sperrt, z.B. FTP-Verbindungen auf den eigenen Rechner nur innerhalb des Netzwerkes zuläßt, von außerhalb (dem Internet) aber sperrt. GENESiS bewerkstelligt dies durch ziemlich kryptische Zugriffsfilter, MiamiDeluxe hingegen bietet einen echten, voll konfigurierbaren Firewall.
Feuerwand?
Solch ein Firewall ist bei großen Netzen meistens sogar ein eigener Rechner. Er hat den Sinn, hereinkommende Anfragen fremder Server nach vom User festgelegten Regeln zu untersuchen. Da dies auf der Paketebene geschieht, ist ein Firewall sehr sicher, aber auch gut ausgelastet. Jedes Paket kann hier nach Port, Ursprungs-IP, Ziel-IP, usw. gefiltert werden. GENESiS' Filter hingegen kennen nur Ports, Protokolltypen und User.
Gefiltert werden kann mit einem Firewall natürlich auch nach außen: Wenn die Homepage Ihres Intimartikelversenders plötzlich nicht mehr anwählbar ist, hat Ihr Chef wohl einen Eingriff ins Firmennetzwerk angeordnet... Es soll auch schon vorgekommen sein, daß "www.arbeitsamt.de" nicht erreichbar war...
Vergeßlich
Können Sie sich trotz allem die IP-Nummern nicht merken? Auch dafür bietet ein TCP-Stack eine Funktionalität: Unter "Hosts" kann man für die IP-Nummern der lokalen Rechner (und bitte nur die der lokalen!) auch Namen vergeben. Zuerst muß man sich eine Domain ausdenken, in der Art "meinLAN.net". Vermeiden Sie auch hier öffentliche Namen, sonst landen Sie wieder nicht da, wo Sie eigentlich hinwollen. Diese Domain bezeichnet dann Ihr privates LAN.
Nun können Sie den einzelnen Rechnern noch Namen geben, z.B. "Amiga1", "Amiga2", "WinPC", "Mac", usw. Ansprechen können Sie einen bestimmten Rechner dann entweder direkt mit der IP-Nummer, oder jetzt viel komfortabler mit z.B. "Amiga1.meinLAN.net", oder "Mac.meinLAN.net".
Servieren
Wenn Sie jetzt einen Amiga mit einem FTP- und HTTP-Server ausstatten, können Sie sich von allen anderen Rechnern mittels der entsprechenden Programme, z.B. Netscape vom PC, in den "Server-Amiga" einloggen und von dort WWW-Seiten und andere Dateien beziehen. Mit einem Telnet-Server ist es sogar möglich, vom PC oder Mac aus in einer Amiga-Shell zu arbeiten! Aber Vorsicht, das geht natürlich auch vom Internet aus, wenn Sie das nicht durch Filter oder einen Firewall sperren. Und durch die mangelhafte User- und Gruppenunterstützung durch das AmigaOS ist so mittels "Format" oder "Delete" schnell ein beträchtlicher Schaden entstanden.
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