Schauspiel
Voller Neid schaut man auf die Urlaubsbilder der Freunde. Nicht etwa, weil der Urlaub so schön war - nein, die Bilder stehen im Internet!
Aber nicht erst da erschließt sich der Nutzen eines Scanners. Ich kenne keinen, der nicht davon träumt, irgendwelche Vorlagen mal schnell zu scannen und anderen per Email zu zeigen. Sei es das Urlaubsfoto aus Mallorca, die abfotografierte Bierdeckelsammlung oder die neue Freundin...
Natürlich geht das auch mit einer Digitalkamera, aber erstens ist die immer noch mindestens um den Faktor zwei teurer, als ein guter Scanner, zweitens möchte man ja die Fotos auch leibhaftig herumzeigen, muß sie also erst mit einem (teuren) Farbdrucker ausdrucken, und drittens ist ein Scanner zwar weniger mobil, aber qualitativ besser und von den Vorlagen her flexibler. Ein Paßfoto möchte ich jedenfalls nicht mit einer Digitalkamera vervielfältigen wollen...
Der Entschluß
Also habe ich mir kurzentschlossen im Januar diesen Jahres einen Scanner gekauft. Ein relativ einfaches Unterfangen, denn ich wußte genau, was ich wollte. Auf jeden Fall sollte das Gerät auch am Amiga betrieben werden können, so daß die Parallelport-Modelle, die so günstig aussahen, schon mal wegfielen. SCSI mußte es sein. Außerdem mußte die optische Auflösung so hoch sein, daß man auch Dias damit scannen kann. Nebenbei wollte ich kein Gerenne bei Problemen - in meiner ländlichen Gegend ist das recht nervenaufreibend - also nahm ich, was mir mein örtlicher Händler anbot.
Die Wahl fiel auf den Microtek ScanMaker X6, mit 559 DM beim lokalen Händler nur 40 DM teurer, als im Versandhandel. Als zusätzliches Extra nahm ich noch die SilverFast Scannersoftware für PC dazu, da ich schon ahnte, daß der Betrieb am Amiga nicht so leicht sein würde. Ein (damals) brandneuer Scanner neigt dazu, treibermäßig nicht sehr gut unterstützt zu werden.
Wertsachen
Was kann der X6 überhaupt? Zuerst hat er die komfortable Auflösung von echten, optischen 600 x 1200 dpi (Punkte pro Zoll). Damit kann man ein Dia in einer Auflösung von 850 x 566 Pixel scannen. Falsch gerechnet denken Sie, es sind doch 1200 dpi in der einen Richtung? Nun, Pixel sind am Bildschirm quadratisch, mit den 1200 dpi fangen Sie also gar nichts an - oder fast nichts. Für eine maximale Qualität müssen Sie mit 1200 dpi scannen, dabei etwas Interpolation hinnehmen und dann das Resultat um den Faktor zwei verkleinern. Der erzielte Qualitätsgewinn ist aber sichtbar, so daß sich der Aufwand bei kleinen Vorlagen, wie Dias und Ausschnittsvergrößerungen, lohnt.
Der X6 ist ein Single-Pass-Flachbettscanner, scannt die Vorlage also in einem Rutsch ein. Dazu braucht er etwa eineinhalb Minuten für eine DIN A4- Seite in der höchsten Auflösung. Danach wird außerdem Ihre Festplatte voll sein, denn das sind über 200 MByte Bilddaten im 24 Bit-Farbmodus...
Die Farbauflösung liegt bei 12 Bit pro Farbe, der X6 ist also ein 36 Bit- Scanner. Die gängigen Bildformate verwenden nur 3 x 8 Bit, also 24 Bit. Mehr ist auch nicht nötig, aber die Reserve von 4 bit pro Farbe kann man für die Farbraumkompression benutzen. Die Theorie dahinter besagt, daß Schwarz nie ganz Schwarz, und Weiß nie ganz Weiß gescannt wird. Mit den zusätzlichen 4 Bit Farbauflösung hat man jedoch genug Reserve, um den Farbraum für 8 Bit ohne Verluste herunterrechnen zu können.
Außerdem hat der X6 einen SCSI-Adapter beiliegen, der natürlich nur im PC funktioniert. Die Qualität des Adapters ist derart, daß der gesamte PC einfriert, solange Daten über den Bus kriechen (es ist ein einfacher SCSI-2 Adapter, kein Fast-, kein Ultra-, kein Wide-...). Positiv ist, daß der SCSI-Bus durch den Scanner durchgeschleift wird, dadurch konnte ich erstmals mein Amiga-ZIP-Laufwerk am PC betreiben. Zur Terminierung liegt außerdem ein passiver Abschlußstecker bei. Die SCSI-ID ist über einen kleinen Drehschalter frei (also von 0 bis 6) einstellbar, Voreinstellung ist 6, also Vorsicht am Amiga 3000, dort liegt die Festplatte auf dieser Adresse.
Ein weiterer 15-poliger Stecker ist der Anschluß für das "LightLid", einen Durchlichtaufsatz für Dias und Foto-Negative. Ohne diesen Aufsatz braucht man an Dias gar nicht zu denken, deswegen habe ich mir auch diesen gekauft: 300 DM für ein LC-Display ohne LCD. Denn genau das ist der Aufsatz - die Hintergrundbeleuchtung eines stinknormalen LC-Displays für Laptops!
Außerdem hat der Scanner einen kleinen Startknopf, der über die PC- Software abgefragt wird und einen Scanvorgang auslöst. An sich eine pfiffige Idee: Vorlage einlegen, Knopf drücken, Scan startet. Mit der Kopierfunktion kommt sogar eine gedruckte Kopie von der Vorlage aus dem Drucker, wie bei einem echten Kopierer. Nur auf dem Amiga ist der Knopf leider nutzlos, da die Software ihn hier nicht unterstützt.
Die Software besteht (natürlich) nur aus CDs für den PC - nicht einmal die Mac-Software lag bei, allerdings ein Gutschein für deren nachträgliche Bestellung. Hier war der Marktdruck anscheinend wieder stärker, als die Kompetenz der Programmierer und die Vernunft der Marketingabteilung.
Beeindruckend ist das Softwarepaket jedoch. Neben den Twain-Treibern für Windows, bekommt man eine einfache Bildbearbeitung, eine Texterkennung (OCR-Software) und eine zweite, ausgewachsene Bildbearbeitung (Ulead Photoimpact).
Das Paket, das ich gekauft habe, enthält außerdem noch SilverFast, eine leicht bedienbare, qualitativ gute Scansoftware der deutschen LaserSoft GmbH. Für den Amiga spielt das jedoch keine Rolle; wer noch einen PC besitzt, hat daran sicher seine Freude. Abgesehen davon, daß die Software nicht einmal den Durchlichtaufsatz ansteuern kann...
Nutzlos
Wozu dann kaufen, wenn der X6 nicht am Amiga läuft? Aber er läuft doch! Nur ist die einzige Software, die den Scanner unterstützt, die Shareware ScanTek. Auf Anfrage bei RBM erhielt ich die Antwort, daß eine Unterstützung von Microtek-Scannern durch ScanQuix nicht geplant ist. Dann ist es eben wieder die Shareware, die den Amiga am Leben und halbwegs am Puls der Zeit hält.
Betrieb
Ich habe den X6 am CyberSCSI-Modul einer Cyberstorm MK2 mit der unregistrierten Version von ScanTek getestet. Leider ist die Beurteilung der Bildqualität so nicht möglich, denn die Software erzeugt als Anreiz zur baldigen Registrierung schwarze Balken im Bild. Die Ergebnisse am PC können sich jedoch sehen lassen und es ist nicht einzusehen, warum der Amiga eine schlechtere Qualität erzeugt, denn letztlich macht der Scanner das Bild.
Neben den Eigenheiten der Amiga-Software hat auch der Scanner selbst ein paar Macken, die man kennen sollte. So stimmt z.B. die Positionierung der Vorschau nicht absolut mit dem gescannten Ergebnis überein, beim Durchlichtaufsatz noch viel weniger. Das zeigt sich unabhängig von Software und Rechner, so daß der Verdacht naheliegt, daß die Mechanik nicht so fein einstellbar ist, wie sie sein sollte, oder durch den Transport etwas dejustiert worden ist.
Andererseits ist kein Scanner so perfekt, daß der Scan sofort weiterverwendet werden kann. Ohne Bildbearbeitung geht nichts, auf dem Amiga sowieso nicht. Die PC-Twainsoftware hat schon Bearbeitungsfunktionen integriert, so daß hier schon vor dem Scanvorgang wesentlich besser korrigiert werden kann. Die Amigasoftware kann von solch einem luxuriösen Treiberstandard nur träumen. Gammakorrektur und Farbraumkompression sind hier schon anpreisenswerte Funktionen, beim PC ist das gar nicht mehr erwähnenswert.
Allesfresser
Getestet habe ich mit allen möglichen Scanvorlagen; von Fotos, über Dias und Zeitschriften, bis zu Einsteckkarten für Computer. Die Schärfeebene des X6 ist so großzügig, daß sogar diese scharf abgebildet werden. Auch der obligatorische 100 DM-Schein mußte herhalten, um den winzigen "hundert"-Schriftzug abzulichten. Schwächen kamen dabei, bis auf die erwähnte Positionierabweichung, keine zutage, eher im Gegenteil. Auf dem Paßbild, das ich gescannt habe, waren sogar die Vertiefungen zu erkennen, die durch das matte Fotopapier entstehen. Dieses wird dadurch matt, daß winzige Vertiefungen eingeprägt werden, so daß einfallendes Licht gestreut und nicht direkt zurückgeworfen wird.
Technische Probleme
Falsch machen kann man bei der Bedienung eigentlich nichts. Außer dem Einschaltknopf und dem "Go"-Button hat der X6 keine Bedienelemente. Selbst ein nachträgliches Einschalten und Mounten über SCSI-Tools ist möglich und funktioniert auf dem Amiga sogar besser, als auf dem PC. Da hatten die Treiber mit dem Ansprechen des X6 manchmal Probleme, die das ganze System einfrieren ließen.
Nur einmal blieb mein Amiga beim Booten hängen, als der X6 eingeschalten war. Bisher ist der Effekt nicht mehr aufgetreten, aber sicherheitshalber kann man Reselection und Synchronbetrieb für den Scanner am SCSI-Adapter deaktivieren. Schön ist dies nicht, denn SCSI-Geräte sollten sich problemlos untereinander verständigen können. Aber was tut man nicht alles für einen eigenen Scanner.
| Produkt: | ScanMaker X6 | Hersteller: | Microtek Int. |
| Art: | Flachbettscanner | Version: | MRS-1200X6S |
| Preis: | ab 349,- DM (¹) | Bez.Quelle: | Fachhandel |
| Leistungsfähigkeit: | 1 | ||
| Benutzerfreundlich: | 2 | ||
| Dokumentation: | 2 | ||
| Preis-/Leistung: | 2 | ||
| Gesamt: | 2 | ||
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