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3. Der Commodore-Untergang aus meiner Sicht - Teil 2 (von Rainer Benda)

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Warum hat Commodore den Vertrieb von OS-Kopien nicht unterbunden?

Unsere Abteilung (W. Häring und meiner einer) hatten seinerzeit die Aufgabe, gewisse Testkäufe zu tätigen, um schwarze Schaaaaafe ausfindig zu machen und ihnen auf die Finger zu klopfen. Das umfasste den Einkauf von Kickstart-Umschaltplatinen genauso wie einzelne System-Disketten (eingekauft bei Omega-Datentechnik, Mainhattan-Data etc.).

Entweder bekamen wir gefälschte OS-Disketten (nichtmal mit nachgemachten Commodore Aufklebern) auf den Tisch, oder Umschaltplatinen mit Beta- Rom's, die für diesen Rechner (OS 3.0 im A2000 z.B.) gar nicht gedacht waren.

Wir legten das der Geschäftsleitung vor. In einem Gespräch meinte dann unser Vertriebsleiter für High-End Geräte (PC's, Amiga's ab A3000) Gregor Ruppert, ob wir diese Händler (!) nicht lieber in unser Vertriebsnetz integrieren sollten, wenn sie zu solchen Leistungen in der Lage seien.

Um es sich nicht auch noch mit Amiga-Händlern zu verscherzen, hat man dann auf rechtliche Schritte verzichtet und die Aktion "Testeinkäufe" wurde eingestellt. Für mich dann das Zeichen, daß Commodore diese Aktionen duldet, auch wenn es nie offiziell bestätigt wurde.

Ist die Verbreitung von OS-Software über Mailboxen/Internet legal ?

Diese Frage ist eigentlich mit einem JAIN zu beantworten. Commodore konnte seine Support-Probleme eigentlich nie richtig in den Griff bekommen. Irgendwie war man immer froh, wenn man User an Händler weiterleiten konnte, die dann Hilfe leisteten.

Als dann mit der Zeit immer mehr Amiga-Händler wegbrachen (Konkurs etc.) wurde nach einer anderen Support-Lösung gesucht und dann auch gefunden. Es gab bereits eine ComBo (Commodore Mailbox) dessen Sysop Anfangs Doc Peter Kittel war. Leider war das System mit der Zeit in die Jahre gekommen und es fehlte auch die Zeit, sich so richtig um das System zu kümmern.

Ich schlug daher eine Neuauflage der ComBo-Mailbox vor, über den dann auch der Support abgwickelt werden könnte. Zu dieser Zeit ging es Commodore nicht mehr ganz so gut. Die Box sollte uns entlasten, damit wir nicht dauernd Disketten kopieren mussten, oder diese sogar kopieren lassen mussten (finanzieller Aufwand war einerseits zu hoch, andererseits wäre für sowas auch kein Geld mehr ausgegeben worden). Uwe Trebbien, der seinerzeit für den Entwickler-Support verantworlich war, hatte zwar eine gewisse Anzahl Disketten, die er verschicken konnte, nur fehlten sie dann unter Umständen unseren Entwicklern.

Für die neue ComBo wurde ein A3000T eingerichtet, mit (puh, lang ist es her) 4 analogen- und zwei ISDN-Leitungen. In diesem System wurden dann die Amiga spezifische Software abgelegt. Zum Teil auch die Commodore PC- Software, die aber keine besonders große Rolle spielte (unser letzter PC- Direktor bestand darauf - er meinte auch, es sei doch egal auf welchem System die Box nun laufe...tsts :)) ).

Mein Grundgedanke lag eigentlich in der kostenlosen Bereitstellung der Software, gegen die sich unser letzter technischer Direktor "Wolfgang Trompetter" wehrte, da er meinte, die Sache müsse wenigstens etwas Geld einbringen, weil die Geschäftsleitung (Helmut Jost) sonst gar nicht mitspielen würde. Ich argumentierte zwar, daß die Anrufer schon die Telefonkosten dafür zu tragen hätten und Commodore die User nicht dauernd so vor den Kopf stoßen solle (am liebsten hätte ich das Projekt komplett gecancelt, doch besser das als gar nichts). Für einen gewissen User-Beitrag (Höhe war glaube ich ca. 100 DM im Jahr - Entwicklerzugänge waren kostenfrei) hatten dann Enduser Zugriff darauf. Das ganze System lief soweit "zufriedenstellend". Damit die Box aber dennoch weiterlaufen konnte, musste ich monatliche Statistiken vorlegen, um der Box eine Daseinsberechtigung zu verschaffen und um meinen Arbeitsplatz zusätzlich zu "rechtfertigen" (im Jahr '93 wurden Kollegen im 10er Pack entlassen).

Nach meinem Weggang zum 30.09.93 (13 Kollegen durften dann mit mir gehen - die Info bekam ich telefonisch während meines Urlaubs von Wilfried Häring, der mir bestätigte, daß meine Annahme richtig gewesen sei - ich sagte ihm vor meinem Urlaub, daß ich nicht glaube noch einen Arbeitsplatz bei meiner Wiederkehr zu besitzen....) führte Doc Peter Kittel die ComBo Mailbox bis zum endgültigen Aus von Commodore bis März/April 1994 weiter.

Tja, was sollte nun mit der ComBo passieren ?

Die Gefahr bestand, daß die Inhalte für immer verloren gingen, der Rechner und das Zubehör auseinandergerissen würden....Doc Peter Kittel hatte das verhindert und nach Terminabsprache gelangte die Software der ComBo in meine Hände. Da ich bereits seit 1990 eine eigene Mailbox betrieb (Black- Zone), integrierte ich die ComBo-Software soweit vorhanden.

Der Konkurs von Commodore zog sich über einige Jahre hin. Wenn ich mich richtig erinnere, war die Aktion erst ca. 3 Jahre später beendet. Der damalige Konkursverwalter "Herr Hembach" (wie unter www.amiga-news.de zu lesen war, vor kurzem im Alter von 55 Jahren verstorben) hatte in einem Nebengebäude von Commodore seinen "Verwaltungssitz" und zwei für diesen Zweck verbliebene Commodore-Mitarbeiterinnen. Ich habe über diesen Weg dann klären lassen, ob es rechtliche Bedenken bei der Bereitstellung der ehemaligen Commodore Software gäbe, dies wurde verneint.

Damit war für mich der Weg frei, die Software für jedermann zugänglich zu machen, zumal die Zukunft des Amiga's immer ungewisser wurde. Auf diesem Weg konnte ich dann auch endlich meinen Grundgedanken umsetzen, die Software kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Die Gefahr, daß sich jemand auf diesem Weg zu einer OS-Version verhalf war sicherlich gegeben, aber auch zu vernachlässigen. Hatte jemand ein ROM, fehlten immer noch die Disketten und die Handbücher. Die Disketten bekam er zwar bei mir, die Unterlagen fehlten dann immernoch. Die Abrufzahlen der letzten Jahre belegt für mich auch, daß sicherlich der kleinere Anteil "illegal" gehandelt hat, denn dafür waren sie einfach zu gering. Klar, die Commodore Software fand sich auch in anderen Boxsystemen wieder, dafür musste _ich_ allerdings nicht herhalten und es lag in der Verantwortung der anderen Sysops, ob sie die Commodore Software anboten oder nicht. Manche Sysops fragten mich um Erlaubnis die Software anbieten zu können.....bei mir persönlich bekannten Sysops habe ich sie dann auch "erteilt". :))

Anzumerken sei vielleicht noch, daß Village Tronic die OS-Pakete zu ESCOM- Zeiten nur komplett verkaufte (verkaufen durfte) und es einfach niemanden gab, der bei defekten Disketten hätte Ersatz liefern können. Erst viel später wurden die OS-Pakete dann auseinandergerissen und in Teilen angeboten.

Zu meinem späteren Gastspiel bei Amiga Technologies später noch ein paar Worte, jedenfalls war es auch da geplant wieder ein Mailboxsystem aufzubauen und als Support-Mittel zu verwenden. Dazu kam es dann allerdings nicht mehr. Petro Tyschtschenko wusste natürlich zu dieser Zeit, daß ich die Commodore-Software über mein System anbot. Es würde mich wundern, wenn er nun im Nachhinein etwas dagegen hätte, die Software (nun über das Internet) verfügbar zu machen.

Ich denke schon, daß die Betreuung des Software-Archivs (manche Sachen dümpeln sicherlich noch auf einigen Disketten bei mir herum) in ausreichend guten Händen war.«

Fortsetzung folgt...

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