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Rainer Benda, bekannter Amiga-Anwender und ehemaliger Mitarbeiter von Commodore Deutschland, hat einer Veröffentlichung seiner - wie ich finde - sehr informativen Textreihe 'Der Commodore-Untergang aus meiner Sicht' in AMIGA aktuell zugestimmt. In dieser Ausgabe beginnen wir mit dem ersten Teil, die weiteren werden folgen.
»Ok, wo fange ich an.......
Ich habe Commodore in der Zeit von 1989 bis 30.09.1993 in Frankfurt live erlebt (mit 4 Geschäftsführern: Peter Kaiser, Winfied Hoffmann, Helmut Jost und Alwin Stumpf - P.K. und W.H. nur kurz) und bin auch froh darüber, ob- wohl das Ende so nicht hätte sein müssen und auch vermeidbar gewesen wäre, wenn die Geschäftsleitung auf ihre Mitarbeiter mehr gehört hätte. Man setzt nicht voraus, daß die Geschäftsführung über den technischen Verstand verfügt, um jede Entscheidung alleine treffen zu können, denn dafür gibt es nunmal entsprechende Mitarbeiter. Werden diese übergangen, hilft alles nichts. Sicherlich läuft in keinem Unternehmen alles rund, nur gab es hier einfach zuviele Ecken.
Wo Peter Kaiser herkam und wo er jetzt ist, weiss ich nicht (mehr). In einer letzten IT-Zeitung habe ich ein Bild von ihm gesehen. Wenn ich mich recht erinnere, managed er grade irgendein Unternehmen. Er war bei Commodore ca. 6 Monate und durfte dann gehen. Ich weiss nicht mehr, ob es ihm nicht gefallen hat, oder ob er gegangen wurde. Ich tippe auf letzteres, als ich ihn das Gebäude verlassen sah.
Winfried Hoffman ging nach seinem Ende zu ASI-Computer, die er meiner Erinnerung nach wohl auch gründete. Der Stützpunkt von ASI-Computer war (ist ?) das Atrium in Frankfurt Niederrad, nur wenige Meter vom ehemaligen Commodore Gebäude entfernt. Er ist als Manager bei Fujitsu beschäftigt und hat nun ein Joint-Venture mit Siemens angeleiert. Bei seinem Abgang von Commodore nahm er noch ein paar Commodore Leute aus dem PC-Bereich "mit".
Helmut Jost war schonmal bei Commodore (oder sogar zweimal !?) als Vertriebsmitarbeiter beschäftigt und wechselte Mitte der 80er zu Amstrad und kam von da dann als Geschäftsführer zu Commodore zurück. Mit ihm kam kurze Zeit später auch einer unserer technischen Direktoren (Roland Bernschein). Seiner einer "führte" das Commodore Volksmodem VM2400 "ein", welches ihn nach einigen Monaten aus Commodore "rausführte".
Nach Commodore wechselte Helmut Jost (dessen Traum war, IBM zu managen) zu Compaq. Wo er jetzt ist, weiss ich nicht (mehr).
Bleibt noch Alwin Stumpf, der ebenfalls Anfang der 80er Jahre schonmal bei Commodore als Geschäftsführer war, dann zu Atari ging und zur "inoffiziellen" Abwicklung von Commodore wieder auftauchte. Nach seinem Abgang bei C= 1993/94 ging er in den Osten zu seinem Schwager, mit dem er irgendwelche PC-Multimedia Hardware entwickeln und auf den Markt bringen wollte.
Ich glaube, ihnen hat Commodore sicherlich nicht geschadet.
Gleich zu Anfang: ich kann die Meinung nicht teilen, daß der Untergang von Commodore ausschließlich an den von Commodore vertriebenen PC's lag, oder diese daran schuld hatten, daß Commodore Konkurs anmelden musste, auch wenn sich diese Behauptung schon ewig hält und auch von der Presse in früheren Zeiten immerwieder so dargestellt wurde.
Commodore's Niedergang beruht auf der Überheblichkeit führender Köpfe, die meinten, der Amiga verkaufe sich ganz von alleine und man müsse nichts für das Umfeld tun. Man bräuchte nur warten, bis man die Teile aus der Hand gerissen bekäme. Daran hätte der Amiga auch dann nichts geändert, wenn hundertmal soviele Geräte verkauft worden wären, denn nicht jede Fehlent- scheidung lässt sich ohne Konsequenzen ausbügeln.
Commodore hatte Anfang und Mitte der 80er Jahre brauchbare "IBM kompatible" Rechner, die auch in Schulen Verwendung fanden. Modelle wie der PC10/PC20 verkauften sich um 1985 durchaus gut (bis dahin gab es ja auch noch keinen Amiga und der Hauptumsatz kam eben über diese Schiene und durch den C64).
Manch eine Mark brachte auch der C128, aber nicht in dem Maße wie erwartet, auch hatte Commodore Großkunden, wie die Deutsche Bahn AG im PC-Bereich und das war sicherlich kein Geschäft bei dem man drauflegte.
Bedauerlicherweise betrachteten einige Mitarbeiter bei Commodore ihren Arbeitsplatz als ganz normale Arbeitsstelle (Loyalität ist schon ok, blinder Gehorsam und Gottvertrauen in alle Entscheidungen sind da fehl am Platz). Hauptsächlich die Vertriebsmitarbeiter waren der Ansicht "es wird schon irgendwie weitergehen, Commodore hat schon andere schwere Zeiten überstanden". Anderen war es eh "egal", denn sie nutzten Commodore als Sprungbrett für ihre Karriere.
Ich kann sicherlich ohne zu übertreiben behaupten, daß es außer mir keiner so richtig gewagt hat, so oft seinen Kopf zu riskieren um manches Unheil zu verhindern, oder immerhin zu verzögern. Die Amiga-User wurden meiner Meinung nach nie als solche verstanden, sondern als einfache "Kunden".....etwas gekauft und Tschüß.
Als Ausnahmen würde ich Peter Keshishian (damals Produktmanager Amiga) er- wähnen, der, nachdem er seine Ziele (und somit auch unsere) nicht mehr durchsetzen konnte, daß Unternehmen ca. 1992 verließ. Außerdem noch (auch wenn es nicht deren Art war den Aufstand zu proben) Doc Peter Kittel (Leiter Dokumentation) und Wilfried Häring (manch einem noch als Autor der Amiga OS-Bücher von Markt & Technik ein Begriff), der Produktmanager Amiga- Unix war (weiteres dazu später), sowie Imke Gisch (Produktmanagerin CDTV - viele Ideen, viel geackert, unter'm Strich nichts erreicht, würde _ich_ sagen).
Bliebe noch Ralph Conway (verwantwortlich für Multimedia und Präsentationen), der das Ende von C= bis heute sicherlich nicht verdaut hat......(wer hat das schon so richtig)....gelegentlich sieht/spricht man sich auch heute noch.....
In Frankfurt durften sich (zu meiner Zeit) 5-6 Leute für Commodore Deutschland und etwa die gleiche Anzahl in Braunschweig um den Amiga kümmern. Das betraf die Händler-Hotline, Endkunden-Hotline, und die Produktmanager, sowie Service (Grüße an Axel Krämer und Andreas Steep - sie sind aktuell bei Amiga International, Braunschweig - vorher bei Amiga Technologies :-) ).
Amiga (ich spreche von mir) war immer eine Gefühlssache und mehr als nur eine Kiste an der man seine Arbeit verrichtete. Um so schmerzlicher war es, daß man für viele Dinge kein Gehör fand. Man kommt von dem Teil irgendwie nicht weg, auch wenn man versucht "wichtigeren" Dingen nachzugehen. Die Vergangenheit holt einen (mich zumindest) immerwieder ein.
Commodore Deutschland (eigentlich war das für uns als Mitarbeiter) hatte als Draht nach Amerika (wenn Not am Mann war) die Abteilung "ESCO" (European Support and Coordination Office), d.h. wir konnten unsere Probleme/Sorgen mitteilen und wenn wir "verstanden" wurden (nicht sprachlich gesehen) und die Sache seitens USA ernstgenommen wurde, kam auch etwas dabei raus (für mein Empfinden war das leider zu wenig, aber nicht die "Schuld" der dortigen Kollegen - einer von ihnen ist heute bei Amiga Inc. und heisst Dr. Allan Havemose, auch wenn ich ihn in Manchen Dingen für zu konservativ halte). Mag sein, daß alle Beteiligten an der kurzen Leine gehalten wurden. Er ging vor dem Ende Commodore's zurück nach USA. Wir konnten zwar auch direkten Kontakt mit USA aufnehmen (zu Dave Haynie, Carolyn Scheppner etc.), doch war das zumindest für mich eher die Ausnahme.
ESCO versorgte den deutschen Teil Commodore's zusätzlich mit Informationen zu neuen Produkten (Schaltpläne, Beta-Software uvm.)
Die Hierachie bei Commodore war so aufgebaut, daß wir unserem technischen Direktor (Anfangs gab es jeweils einen für die Amiga-Abteilung und für die PC-Abteilung) Meldung machen durften, der es wiederum gefiltert oder unge- filtert an die Geschäftsleitung weitergab.
Durch den leider recht häufigen Wechsel dieser Direktoren (habe in meiner Zeit 4 oder 5 erlebt) und den Änderungen der Zuständigkeit (später gab es nur noch einen für beide Bereiche) war er immer wieder schwer, Problematiken verständlich zu machen.
Ein techn. Direktor hätte am liebsten die Amiga-Abteilung komplett geschlossen, weil er mit "AMIGA" eh nichts anfangen konnte, kurze Zeit später war er wieder weg. Dann kam ein anderer, dem konnte man das erklären, konnte sich aber bei der GL (Geschäftsleitung) nicht richtig durchsetzen und man musste alles nochmal durchkauen etc.
Der Letzte meinte dann soviel Ahnung zu haben, daß er unsere schriftlichen Mitteilung nochmal in eigene Worte fasste und am Ende etwas ganz anderes rauskam. Commodore war auch zu sehr beschäftigt, unsere Abteilung irgendwo "einzuordnen". Wir sollten Unterstützung bieten, Anlaufstelle für Probleme sein, kosteten aber (so die Einstellung der Geschäftsleitung) einfach nur Geld. Wir hätten ja auch gerne Diensteistungen oder Produkte verkauft, durften wir nur nicht, weil wir keine Vertriebsabteilung waren. Einmal waren wir die "technische Support-Abteilung", dann einfach nur die "Amiga- Division", dann wiederum "technisches Marketing" usw. (ich hatte manchmal das Gefühl, Visitenkarten anzufertigen war wichtiger).
Daraus ergab sich dann leider auch, daß die Produktmanager ihrem Titel nicht mehr gerecht wurden. Sie hatten eigentlich nichts mehr zu managen. Produkte durften sie genau genommen auch nicht einführen (machte seinerzeit alles die Geschäftsleitung mit/ohne Vorgabe von Commodore USA). Das schlich sich mit der Zeit leider so ein. Solange ein Geschäftsführer Umsatz vorweisen konnte, hatte er Narrenfreiheit. War der Umsatz mal nicht mehr da, wurde er gegangen (mit Bonus natürlich). Wer den meisten Umsatz brachte, durfte die Richtung vorgeben. Die Geschäftsführer anderer Niederlassungen (Österreich, Italien etc.) hatten eigentlich nichts zu sagen. Manch einer ist vor Wut innerlich sicher fast geplatzt.«
Fortsetzung folgt...